. . . Nein, nicht frei nach Robert Lempke "welches Schweinderl hättens denn gern?" . . . es muß wohl heißen "Wer bin ich . . . Für Dich?"
Kaum, dass ich mein Sportstudio verlassen habe, geht mein Griff zum Telefon . . . auf meinem Android Smartphone gleich in der Mitte, ganz groß, lächelt mich ein Foto von Dir an, ich tippe drauf und mein Handy wählt deine Nummer, ich möchte Dir nur sagen, dass ich fertig bin und auf dem Weg nach Hause, dass ich mich auf Dich freue . . . . jedesmal tue ich das . . . nicht aus Gewohnheit, nicht aus Pflichtgefühl und nicht weil Du es willst . . . es ist ein Bedürfnis
Es ist Samstag morgen um halbelf und ich stehe in der Aula von der Schule, in der ich vor 30 Jahren meinen Schulabschluß gemacht habe. Heute ist es die Schule meiner Tochter, in die Sie nach dem Abbruch des Gymnasiums vor ein paar Wochen gewechselt hat und es ist "Tag der offenen Tür". Mit Infoständen, Musik und verschiedenen Ausstellungen wirbt die Schule um zukünftige Schüler. Ich laufe tatsächlich meiner ehemaligen Mathelehrerin Frau Kolodzyi über den Weg, die jetzt Schulleiterin geworden ist und Sie erinnert sich tatsächlich an mich und spricht mich mit meinem Vornamen an. Ich erkenne Sie, aber ein Dejaveu bleibt dennoch aus, nichts will mir so wirklich einfallen, es ist einfach zu lange her. Aber es ist ein netter Moment und wir tauschen ein paar Erinnerungen aus. In der Aula wird mittlerweile gesungen und getanzt und ich stelle mich dazu, um den Darbietungen der jungen Stars zu lauschen. Meine Lisa beginnt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten nun so langsam wohlzufühlen und ich sehe mit Freude, wie Sie mit Ihren Klassenkameradinnen zusammensteht und alle gemeinsam fröhlich rumschnattern. Sie singen, sie tanzen und ich fühle mich erleichtert, weil ich weiß, dass mein Mausepieps hier Ihren Platz gefunden hat, Sie hat Freunde und das ist das Wichtigste. Kaum dass ich die Schule verlassen habe, geht mein Griff zum Telefon, Du fehlst mir und ich möchte Dir davon erzählen, was ich gerade erlebt habe. Ich möchte meine Freude mit Dir teilen . . . auch das ist mir ein Bedürfnis. Deine Kinder sind zu Besuch und ich habe dich letzte Nacht vermisst . . . wieder rufe ich Dich an.
Der Nachmittag wird zur Katastrophe . . . für mich . . . Du gehst mit deinen Kindern ins Kino, einen Film über Vampire anschauen und anschließend heißt es, wollt Ihr nach Steglitz fahren, um für deine Tochter etwas für Ihre Haare zu besorgen . . . die Stunden verrinnen, das Telefon bleibt stumm und ich warte vergeblich auf ein Zeichen, einen Anruf . . . eine Nachricht . . . "Hallo mein Süßer, wir sind jetzt aus dem Kino raus, wo wollen wir uns treffen . . blablabla . . . der Film war toll/doof/spannend/langweilig . . . was immer, Du fehlst mir und ich möchte Dich sehen . . . drücken, küssen, dich in den Arm nehmen, is mir egal was jetz meine Kinder wollen ICH habe Sehnsucht" . . . NICHTS
Ich fahre nach Steglitz, irgendwann, denke ich, werden Sie ja dort auftauchen, dann bin ich schon da . . . ich mache Dir gerne Überraschungen . . . ich drücke mich in den Geschäften rum, Globetrotter, Hugendubel, Media Markt . . . auf den Gehwegen ist es schweineglatt, das nervt, Geld habe ich auch keines . . . aber sicher wirst Du ja gleich anrufen . . . NICHTS . . . nach 2 Stunden fahre ich wieder heim.
Was soll ich davon halten? . . . ich habe es jetzt schon öfter erlebt. Wenn deine Kinder da sind, scheinst Du zu vergessen, wer der wichtigste Mensch in deinem Leben sein möchte . . . oder . . . vergisst Du es garnicht? . . . soetwas, wie den wichtigsten Menschen gibt es garnicht für Dich?
Es ist Dir nicht klar . . . der Eindruck, den Du deinen Kindern von mir und der Bedeutung von mir in deinem Leben gibst, ist für mich unerträglich. Er veranlasst deinen Jüngsten, seine dämlichen Witzchen mit mir zu machen. ER weiß, dass ER der Wichtigste ist und ich nur irgendein Typ bin, mit dem er machen kann, was er will. Er spielt es aus und grinst in sich rein und raus. Mit deinem Verhalten, machst Du mich vor Ihm lächerlich und zum Lappen, zum Deppen, zum Idioten . . . vor einem gerade man 13-jährigen.
Deine anderen Beiden, merken auch nicht, wie wichtig der Mann an der Seite Ihrer Mama ist . . . offensichtlich ist er es ja auch nicht. Sie lernen nicht, welche Bedeutung ein Partner für einen Menschen haben kann . . . wie auch, wenn ich nichtmal 19Cent für einen Anruf wert bin.
Die Mischung aus Verletztheit, Wut und Ärger entläd sich in einem Telefonat am Abend . . . mir zittert die Stimme . . . und ich merke, Du merkst es nicht. Am nächsten Morgen nach einer ziemlich schlaflosen Nacht, ein letzter Versuch . . . um halbneun aus dem Bett, fertig machen, zum Bahnhof fahren, Blumen besorgen, umsteigen und zum besten Bäcker Berlins fahren. Weil der blöde Bus nicht kommt, nehme ich eine Taxe. Dann 20€ ärmer, mit Brötchen und Blumen vor deiner Tür stehen. Die Kinder schauen fern, wir frühstücken, so als würde ich meine Schwester besuchen, anschließend sitze ich gemeinsam mit deinen Kindern vor dem Laptop und gebe geduldig eine Unterrichtsstunde in "wie gehe ich mit einem PC um" . . . es kommen keine Zeichen, keine Worte, keine Berührungen . . . kein Kommentar zu dem gestrigen Vorfall . . . für die Kinder könnte ich auch irgendein Arbeitskollege sein, Du zeigst Ihnen nicht, wer ich bin und was ich Dir bedeute . . . ich bin irgendein Typ der im Leben Ihrer Mutter keine Bedeutung hat. Es ist erniedrigend . . . unbewusst aber demonstrativ schenkst Du deinem Jüngsten unendlich Aufmerksamkeit, der dies mit einem Grinsen in meine Richtung quittiert. Er weiß genau was läuft, spielt das aus und Du merkst es nicht.
Was soll ich sagen?, DU bist eine Frau und weißt nicht was da passiert? . . . ist das jetzt navive Mutterliebe oder Unwissenheit oder was ist es? . . . ich könnte platzen, schreien, auseinanderfliegen . . . mehr kann mir "mein Partner" (?) nicht zeigen, welchen Stellenwert ich in seinem Leben habe. Heute so und morgen ganz anders. DU lässt es an Kontinuität missen, die Du täglich, Woche für Woche, Monat für Monat einforderst . . . und die DU auch erhältst . . MEINE Kinder wissen, was Du mir bedeutest, wie wichtig Du für mich bist, Sie fragen nach Dir, erkundigen sich, Sie verteidigen Dich sogar . . . und deine Kinder? . . . für die bin ich ein Besuch, höchstens ein netter Freund eben . . und für deinen Jüngsten machst Du mich zum Clown über den er sich lustig machen kann, wann immer es Ihm gerade in den Sinn kommt. Du lässt es einfach geschehen, es macht Dir garnichts aus.
Es geht nicht darum dich zu entscheiden . . . zwischen Ihnen und mir . . . das ist doch lächerlich, so denken nur einfachstrukturierte Menschen . . . deine Kinder bleiben immer deine Kinder, keine Frage . . . umso wichtiger wäre es Ihm zu zeigen, mit wem Du dein Leben teilen möchtest, wer Dir fehlt, wenn Du alleine bist, Sie sollen hören von wem und über wen Du sprichst, wenn Du alleine mit Ihnen bist, Sie sollen erkennen für welchen Mann, du alles tun würdest . . . damit Sie den Unterschied lernen . . . zwischen Mutterliebe und der Liebe zu einem Partner . . . das Sie lernen wie groß das Bedürfnis sein kann, nur für einen Menschen da sein zu wollen, damit Sie erkennen, wie wichtig ein Mensch für Ihre Mutter ist . . . ein Mensch den Ihre Mutter so sehr braucht. Ich verzweifle an dem Gedanken, dass dir dafür sämtliche Antennen fehlen.
Das Wochenende ist vorbei, kein Wort, keine Silbe, kein Erklärungsversuch . . . viel Porzellan ist zerschlagen und ich stehe vor den Scherben und weiß nicht, wie ich Sie beiseite kehren soll . . . ob Worte hier helfen? . . . Zeit heilt bekanntlich alle Wunden . . . eins weiß ich, oft werde ich das nicht mehr erleben wollen.