Mittwoch, 14. Oktober 2015

What a hell of a ride

Mittwoch d. 14. Okt. 2015, "What a hell of a ride"

SO DU SCHE**DRECKSWETTER .. MEHR HAST DU NICHT DRAUF?? .. NUR NEBEL, FROST, RREGEN UND SCHNEE??? ... IST DAS SCHON ALLLES?? ... HaHaHaHaHaHaHa *Lääächerlich* Da musst Du schon MEHR auffahren .. Ich bin ZU HAUSEEEE  .. und zwar in einem Stück ! ! ! 

Aber von Anfang .. Ich sitze mit meiner Maschine in Mainhardt, das liegt in Baden-Würtemberg, Nähe Stuttgart, Schwäbisch-Hall, ca. 600km süwestlich Luftlinie von Berlin. Am Montag bin ich bei strahlendem Sonnenschein über die Landstraße angereist aber bereits am Dienstag muss ich fassungslos auf die Wetterprognosen für die nächsten Tage schauen .. das Wetter schlägt komplett um und es bahnt sich eine Katastrophe an. Ich muss schleunigst wieder nach Hause .. das heißt gleich am Mittwoch. Also kaum angekommen, heißt es 24 Std. später, alles wieder einpacken und für die Abfahrt vorbereiten.

Mittwoch früh um 06:30 geht es aus den Federn. In der Nacht hat es bereits angefangen zu regnen, glücklicherweise lässt der Regen ein wenig nach als es hell wird, aber alles ist nass und auf den Straßen liegt jetzt viel rutschiges Laub. Eine Rückfahrt über die Landstraßen wäre bei diesen Bedingungen Selbstmord. Mir bleibt also nur die Autobahn und das bei dem angekündigten Wetter. Na das wird ein Knaller.

Als ich um 08:30 losfahre, nieselt es noch und die Wolkenuntergrenze liegt gefühlt in der Reichweite meines ausgestreckten Arms. Es ist bitterkalt. Die ersten Kilometer geht es durch den Wald und die Straßen fühlen sich wie Schmierseife an. Aber bereits in Schwäbisch-Hall rolle ich auf die A6 Richtung Nürnberg. Sie ist zumindest so gut wie trocken aber je weiter ich Richtung Nürnberg komme umso kälter wird es. Als ich endlich nach 140km auf die A9 Richtung Berlin abbiege, liegen noch 440km vor mir und schon begrüßt mich Väterchen Frost mit den ersten weißen Flocken ... Das darf doch nicht wahr sein .. In wenigen Minuten verwandelt sich Alles in eine weiße Winterlandschaft, der Wald, die Felder alles ist eingeschneit, wie Weihnachten, nur das es erst Mitte Oktober ist .. Schnee tanzt über die Autobahn, aber durch den Nebel, der allmählich dick wie Erbsensuppe wird, sehe ich das nicht richtig. Ich habe keine Wahl, stehen bleiben und heulen würde relativ wenig nützen. Meine Strategie .. keine hektischen Bewegungen, wenn möglich NICHT bremsen oder beschleunigen, rollen lassen .. ich klemme mich hinter einen LKW und schwimme mit Ihm mit und das im wahrsten Sinne des Wortes. So ziehen sich die Kilometer dahin .. durch die eingeschränkte Sicht kann ich nicht mal den Ausblick in die Landschaft genießen, da man außer "weiß" nichts sieht.

Ich bin angezogen wie Armstrong auf dem Mond, und die Kälte macht mir somit nicht wirklich etwas aus ... ich trage mehrere Lagen Thermoklamotten (sogar winddichte Thermounterwäsche), ein dickes Langarmshirt, darüber nen Rollkragenpulli, eine dicke Filzweste, eine winddichte, fliesgefütterte Thermohalskrause, eine Ski- (oder wie man auch sagt, eine Sturm-) maske unter dem Helm, darüber meine winddichten Motorradklamotten mit Protektoren UND über ALLEM zusätzlich eine wasserdichte Regenkombi .. aber .. Kälte sucht sich immer einen Weg .. Die Zehen und meine Finger sind zwar von mehreren dicken Wollsocken und Stiefeln bzw. speziellen Winterhandschuhen geschützt ... aber anscheinend reicht es nicht .. ich wünschte, ich könnte eine Heizung aufdrehen oder die Fenster hochkurbeln .. alle 65 - 80km bin ich gezwungen Autobahnraststätten anfahren, um dort aufzutauen. Ein hoch auf mein TomTom Navi welches mir zielsicher, im Helm über mein Headset mitteilt, wie weit es noch bis zur nächsten Raststätte bzw. Tanke ist. Auf dem Weg versuche ich derweil wenig erfolglos meine Finger mit warmen Gedanken von heizbaren Griffen anzuheizen.

Wenn ich dann endlich an der Zapfsäule ankomme, spüre ich meine Finger kaum noch und kann kaum kuppeln, geschweige denn bremsen, was ja hin und wieder recht hilfreich sein kann ... Mit Mühe gelingt es mir den Tankdeckel aufzuschrauben und Sprit nachzufüllen, anschließend stapfe ich mit triefender Nase, etwas ungelenkig in den geheizten Tankshop und spüre sogleich die mitleidigen Blicke der Anwesenden .. "Was für ein Depp" denken Sie vermutlich .. und ich denke "Jaaaa, so Unrecht haben Sie da nicht" ... 2 ältere Damen mustern mich an einer Tankstelle, um mir anschließend mitzuteilen, wie leicht man doch bei dem Wetter verunglücken und sterben könnte .. Ja, vielen Dank, darauf bin ich noch garnicht gekommen, denke ich ... "Vielen Dank, ich werde mich vorsehen" höre ich mich aber nur murmeln und mach mich auf den Weg zum Klo .. die einfachste Übung, verwandelt sich durch die Menge an Klamotten nahezu in eine "Mission Impossible" ... aber bis ich wieder angezogen bin, ist mir zumindest wieder richtig warm und ich kann weiterfahren.

Glücklichweise hört es dann hinter Leipzig auf zu schneien .. und der Schnee verwandelt sich stattdessen in Regen .. Whatthefuck ... Ich muss schon sagen, wer auch immer heute den Joystick in der Hand hält und am Wetter schraubt .. Er hats drauf .. zumindest gibt er sich mächtig Mühe mir in den Arsch zu treten .. dennoch ändert sich nichts wirklich an der Gesamtsituation, ich muss nach wie vor nach Hause, es ist immer noch kalt .. und ich habe keine Wahl .. so halte ich nun zukünftig nicht mehr nur eingefroren an der nächsten Tanke, sondern auch noch nass ..

Alles eine Frage der inneren Einstellung denke ich .. wenn ich etwas nicht ändern kann, lohnt es auch nicht sich darüber aufzuregen. Egal wie beschissen die Situation ist. Der Regen ist nur leicht und mit genügend Abstand zu den Vorausfahrenden bekomme ich nur wenig von der Gischt ab und die Kilometer schmelzen auch bei Tempo 80 -100 allmählich dahin. Schneller fahre ich nicht .. ich möchte nicht unter dem nächsten Laster landen .. Da ich über Bluetooth mit meinem Handy verbunden bin schmeiße ich mir den Mediaplayer an und habe zumindest Musike im Ohr, die wenigstens im Kopf für gutes Wetter sorgt.

Um 08:30 bin ich losgefahren und um 17:30 stehe ich dann endlich wieder vor meiner Haustür. Ich lasse die Maschine noch ein wenig im Leerlauf gluckern und klopfe Ihr freundschaftlich und dankbar auf den Tank .. Mit all den Auftaupausen habe ich also 9 Std. gebraucht. Aber wen interessiert die Zeit, viel wichtiger ist, dass ich unverletzt und in einem Stück bin .. Es gab Situationen in denen ich wirklich Puls hatte, wenn mich LKWs sehr dicht überholt haben oder PKWs zu dicht vor mir einscherten oder ich auf einen schmierigen Streifen kam und das Bike anfing leicht zu tänzeln .. ich hab dann nur versuche ruhig zu bleiben, Gas wegnehmen, rollen lassen und wieder sanft und mit viel Gefühl den halbwegs trockenen Streifen auf der Straße gesucht.

Was soll ich sagen? Schönreden lässt sich das nicht .. die Rückfahrt war nun wirklich ... wie sag ich das? .. Furcht- bzw. Respekteinflößend, beschi...n, überflüßig, unnötig, wenig unterhaltsam .. aber .. ich habe mich so gut es ging darauf vorbereitet, mehr ging nicht .. mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, ich habe Erfahrungen gesammelt, etwas erlebt, wovon ich doch auch erzählen kann. So schlecht ist das nicht, das wird eine gute Geschichte. Ich fühle mich gut auf meiner dicken Harley und ich liebe diese Maschine .. die Meißten, die ein Auto fahren, werden darüber nicht mehr nachdenken, es ist einfach selbstverständlich für Sie .. aber für mich nicht .. noch nicht .. ob bei 40°C Sommerhitze oder bei diesem ekligen Dreckwetter .. Meine Sportster tut genau das wofür Sie gebaut wurde .. und das tut Sie absolut zuverlässig, wie ein Schweizer Uhrwerk .. nur eben aus Milwaukee USA. Sie brummt und brummt, als gäbs kein Morgen und es war ein verdammt gutes und beruhigendes Gefühl, die gleichmäßigen Vibrationen von dem 2-Zylinder Motor zu spüren .. Denn Eins ist mal völlig klar, wenn man schon in Schwierigkeiten ist, tut es gut zu wissen einen Freund bei sich haben der Einen nicht im Stich lässt .. selbst wenn es "ein Ding" ist. Eine wundervolle Maschine.

Nächstes Jahr, werde ich ganz sicher wieder eine Tour machen .. dann kann ich die Erfahrungen verwenden und es besser machen. Ich freu mich schon jetzt darauf. Wenn ich Sowas wie heute packe .. dann gehen noch ganz andere Abenteuer.