Sonntag, 14. Februar 2021

Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen

Tagebuch von der Konstruktion und dem Bau einer Fairchild C-123 “Provider” im Maßstab 1:12

Prolog


Seit meiner Kindheit war ich u.a. verspielt und ein Bastelwastel. Das kann man in meiner Biografie ausführlich nachlesen. Zuletzt hatte ich im 2. Halbjahr 2020 versucht in Corel Designer X5 eine Fairchild C-119 “Boxcar” im Maßstab 1:24 zu konstruieren. Eine meiner liebsten Transportmaschinen, seit es den Film “Der Flug des Phönix” von 1965 gab. Wann es das erste Mal war, dass ich mich an eigenen Plänen versucht habe, liegt mehr als 20 Jahre zurück. Als Vorlage hatte ich dazu die Baupläne von Palmer Plans verwendet, der die Maschine in den Siebzigern im Maßstab 1:12 konstruiert hatte.


Für meine eigenen Versuche diese Maschine auf dem Papier zu konstruieren wendete ich eine mittlerweile schon jahrelang eingeübte und mehr oder weniger klassische Technik an. Das Prinzip bestand darin, eine bestehende, aber veraltete Konstruktion zu übernehmen und dann beim “nachzeichnen” mit digitalen Mitteln zu verbessern. Da ich mit Corel Designer X5 im Verlauf der Jahre, doch ziemlich gut umgehen konnte, waren die neuesten Ergebnisse tatsächlich dann auch besser als Alles Vorhergehende .. aber ich stellte schnell fest, dass die gewünschte Präzision doch viel Zeit in Anspruch nahm und ich am Ende immer an kleinen aber wichtigen Details scheiterte.


Abgebrochener Versuch einer C-119 “Boxcar”


Obwohl ich in den Jahren besser geworden war, erreichte ich mit meiner recht mühsamen Methode etwas in 2D zu konstruieren, am Ende auch nur einen Fertigungsgrad von max. 75-80%, wenn überhaupt. Um viele entscheidende Details oder  Verbindungen richtig zu konstruieren, war ich dann doch nicht gut genug. Was ich nicht konstruieren konnte würde ich beim Bau durch gewöhnliche, zeitaufwendige Hand- bzw. vielmehr Fummelarbeit ersetzen müssen.


Letztlich war ich dennoch bis zum Herbst 2020 mit allen Planungen und Zeichnungen recht weit gekommen und hatte durchaus großen Antrieb eine Version an Plänen fertig zu stellen und ein Modell zu bauen, als ich wie aus einem Traum aufwachte und etwas realisierte.


“Es wird ja doch wieder nur eine Kopie eines existierenden Plan, es ist wieder nur 2D, das was ich immer, mehr schlecht als Recht, gemacht hatte und es würde auch diesmal sicher nicht wirklich besser werden”


Immer nur das zu tun, was man schon kann und immer gleich “schlecht” zu bleiben, ist am Ende doch unbefriedigend. Am Ende würde es an zahllosen unklaren Details scheitern oder das Ergebnis und der Aufwand würden in keinem richtigen Verhältnis stehen und das Modell selber wäre ein Ergebnis der Mittelmäßigkeit. Mir wurde klar, das war es nicht, was ich wollte.


Diese Erkenntnis hat dann nicht einmal wehgetan, denn es war ja die Wahrheit und ich beendete das Projekt .. weder mit einem lachenden noch mit einem weinenden Auge. Ich war gefasst, ernüchtert, schon auch irgendwie enttäuscht aber es war nur logisch und konsequent. Dieser Weg führte nicht nach oben. Dieses Pferd was ich lange geritten hatte, war reif für den Friedhof. Ich stieg ab.


Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sogar schon einen Prototypen für ein passendes Einziehfahrwerk im Maßstab 1:24 gebaut, denn ohne Fahrwerk, kann man kein vernünftiges Modellflugzeug bauen.


Tatsächlich hat meine Konstruktion etwas überraschend auch funktioniert, allerdings war das Servo zum Ein und ausfahren doch recht schwach und hätte im Flug sicher nicht funktioniert. Der Bau, mit der Hand am Arm, klassische oldschool metalwork mit Schraubstock und Feile, hat aber dennoch, solange wie es gedauert hat, Freude gemacht.



Fakt war, der zeitliche Aufwand, die Pläne der kleinen Boxcar mit Corel Designer X5 neu zu erstellen und dann daraus ein fliegendes Modell zu bauen, war für so sein kleines Modell einfach viel zu hoch und das Ergebnis würde nicht wirklich gut sein. Eher wieder nur mittelmäßig.. 


Darüber hinaus gab es weitere Hindernisse. Um das Abfluggewicht auf ein halbwegs fliegbares Maß zu bringen wären baulich hohe Aufwände nötig gewesen. Ich hätte, um Gewicht zu sparen, beispielsweise bestimmte Teile in GFK/CFK erstellen müssen. Das hätte den Bau von Positiv Teilen und das Erstellen von Formen bedeutet und natürlich das Laminieren von Teilen, wobei keineswegs sicher gewesen wäre, dass das Ergebnis am Ende nicht doch eine bleierne Ente geworden wäre.


Der Aufwand und auch die Kosten, für ein am Ende, dann ziemlich kleines Modell, was wenig eindrucksvoll gewesen wäre, lagen in keinem erträglichen Verhältnis .. viel zu viel Arbeit und Investitionen für ein wenig imposantes Modell. Als das meinem Verstand so glasklar wie nur irgendwas wurde, hatte ich mit dem Beenden dieses Projektes meinen Frieden gemacht. Die Wahrheit war, ich wollte etwas Großes.


Es war also wohl der 4, vlt. der 5. wenn nicht sogar 6. Versuch eine C-119 Boxcar zu bauen und wieder einmal, vorerst zum letzten Mal, stellte ich die Arbeit ein.


Es ist nie zu spät mit etwas Neuem zu beginnen


Ehrlich gesagt, wenn ich Flugmodelle bauen wollte, würde ich alles bauen können, alles was ich will .. aber .. ich wollte es eben auch nicht mehr mit “diesem” Aufwand tun. So viel Lebenszeit, nur für ein kleines Modell zu verwenden stand in keinem Verhältnis, zu der mir zur Verfügung stehenden Restlebenszeit. Wenn, dann sollten ab jetzt Modelle mit modernen Methoden entstehen, mit diesem Wunsch war ich schon länger schwanger, war aber bislang bei jedem Versuch grandios gescheitert.


Der Aufwand in 3D zu konstruieren, 3D zu drucken, 3D Puzzleteile zu erstellen, wäre auch hoch, aber “der Erfolg” war definitiv planbarer. So ein Projekt hätte kein ungewissen Ausgang. Ich erklärte somit mehr oder weniger inoffiziell und ohne Tamtam meine Zeit des klassischen Modellbaus für beendet und war bereit für den Neustart in die Zukunft. Man kann auch mit 56 Jahren noch einmal neu anfangen.


Ich kann mich jetzt nicht mehr genau an den Tag im Winter 2020/2021 erinnern, wie ich dann auf Youtube über den Channel RC-CAD-2-VR gestolpert bin, aber ich war spontan extrem begeistert.


In etlichen Videos, alle zwischen 25 und 75min. lang, erklärte ein außerordentlich sympathischer Terrance, wie man mit der 3D Konstruktionssoftware “Fusion 360 “von Autodesk einen Airliner komplett in 3D konstruiert. Während er selber einen Airliner perfekt von Anfang an konstruierte, erklärte er Schritt für Schritt was er tat und wie man es tun musste. Er zeigte und erklärte die Funktionen, die aufeinander aufbauten,  Ich konnte es kaum glauben, genau so etwas hatte ich mir immer gewünscht.


Der Lehrgang bzw. seine Tutorials waren so gut, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ganz ehrlich den Eindruck hatte, dass, wenn ich mit diesen Tutorials üben würde, dass ich es endlich schaffen kann … die Idee eine C-119 Boxcar zu bauen war wieder da. 


Nach wenigen Tagen wurde mir dann aber schnell klar, dass man sich nicht das “schwierigste” Modell raussuchen sollte und da ich die “dicken Dinger” immer noch liebe, war schnell eine C-123 als “mein erstes 3D Projekt” ausgewählt