Sonntag, 18. Oktober 2020

Das Hamsterrad

Ein ernst gemeinter Post? oder nicht?


Im echten Leben kann man nicht einfach mal eben ganz spontan wochenlang in den USA herumfahren und sich die Welt anschauen und das liegt nicht zwangsläufig an der weltweiten Corona Pandemie.

Auch vor Corona konnten wir üblicherweise nicht einfach die Dinge tun, die wir lieben, denn unser Alltag, also unser Hamsterrad, es ist immer da, es umgibt uns, wie ein Käfig mit blickdichten Gittern.

Das Hamsterrad, das uns diktiert, was wir können uns was nicht. Das Hamsterrad, die Wirklichkeit, die uns sagt wie es wirklich ist. Das "Hamsterrad", was uns wie ein Korsett einschnürt und in einen Käfig steckt, hat unendlich viele Argumente parat hat, warum es keinen Sinn macht, sich mit solchen Hirngespinsten wie „seiner Leidenschaft folgen“ oder „einen sicheren Job sein lassen und stattdessen das tun was man liebt“ zu beschäftigen

Diejenigen, die es versuchen sich aus Ihrem Korsett zu befreien und einfach ausbrechen, stellen oft sehr schnell fest, dass es einfach nicht funktioniert. Natürlich kann jeder sich selbständig machen, Influencer werden, Instagrammer, YouTuber, einfach mal loslegen .. aber nicht jeder kann Erfolg haben mit dem was er liebt, nicht jeder kann z.B. eine Internetseite aus dem Boden stampfen und eBooks oder Online Kurse über sein Lieblingsthema verkaufen, nicht jeder kann von heute auf morgen mit seiner Idee, mit seiner Passion Geld verdienen.

Was heißt das? .. ist es also am besten wenn du das machst was alle machen? 

Nach dem Motto, das war ja schon immer so .. wie die Lemminge einfach Allen folgen, die einem Sagen, es geht nicht.

Um sicher zu gehen, dass du nicht einen einzigen Schritt aus dem Hamsterrad rausmachst, habe ich diese 29 Gesetze des Hamsterrades zusammen getragen. Am besten ist, du merkst dir alle davon, damit du ja nicht irgendetwas tust, das nicht der Norm entspricht.

1) Akzeptiere was Andere dir sagen. 
  • Das ist einfach. Nicht denken, nur nicken. Kann jeder.

2) Stelle nichts in Frage.

  •  Ähnlich leicht in der Umsetzung. Auch wenn es bereits beim ersten Gedanken nicht logisch erscheint, scheiß egal, einfach tun, auch wenn es sinnlos ist und dir gegen den Strich geht.

3) Mach Matura oder Abitur, geh auf die Uni, bilde dich weiter

  • aber nicht weil es dich interessiert sondern weil man das halt tut. Der Weg ist vorgezeichnet. Einfach mit allen im Gänsemarsch mithampeln. Nicht lange nachdenken, einfach eine Ausbildung starten und dann täglich auf Facebook posten wie sehr dich lernen anfuckt.

4) Denke nicht daran etwas Grundlegendes zu verändern.

  • Hie und da kommen Gedanken auf, dass es das doch nicht schon gewesen sein kann und dass du dahinter kommen willst, was das ist. Vorsicht: Ignoriere diese Gedanken! Die Umsetzung könnten dich dazu bringen aus dem Hamsterrad auszubrechen.

5) Nimm dir etwas vor, mach es aber nie. 

  • Ja, du hast einen Traum. Wichtig ist, dass du immer wieder in deinen Träumen schwelgst, es vielen Menschen erzählst aber nicht ins Handeln kommst.

6) Schimpfe über deinen Job, ändere aber nichts

  • Werde nicht müde jedem zu erklären, wie Scheiße dein Job ist. Jammere gegenüber deinem Partner, deinen Freunden und natürlich bei deinen Kollegen, denke aber nie daran zu kündigen.

7) Schau viel fern, verbringe viel Zeit auf Facebook, lies wenig

  • Wichtig ist, dass du viel Reality-TV wie „Bauer sucht Frau“ oder „Tausche Familie“ siehst, denn das ist das echte Leben. Dann noch viel negative Nachrichtensendungen, sinnlose Bilder auf Facebook sharen und lesen auf ein Minimum beschränken und alles ist gut.

8) Genieße nur dein Wochenende

  • Du musst alle Hebel in Bewegung setzen um die Arbeitswoche zu vergessen. Alkohol und „Party Hard“ ist ein gutes Mittel.

9) Beneide die anderen, tu aber nichts um selber beneidet zu werden

  • Schiele auf den Erfolg der anderen, meckere darüber aber denke dir insgeheim: Das wäre mir zu anstrengend. Das lass ich lieber.

10) Übernimm keine Verantwortung für dich und dein Leben

  • Am einfachsten ist es die Verantwortung auf den Chef, die Eltern, den Partner, die Politik, die Gesellschaft oder die heutige Zeit abzuschieben und kein Versäumnis bei dir selbst zu suchen

11) Sag, dass es früher besser war

  • Über die Großeltern machen wir uns lustig, aber selber sind wir genauso. Natürlich waren die Parties früher besser, auch die Urlaube sind nicht mehr wie früher, auch der Sex nicht und früher war alles billiger weil der Euro alles kaputt macht.

12) Unterstütze niemand anderen weil du denkst, dass dir ja auch niemand hilft

  • Denke nur an dich, schau nicht links und rechts und investiere keine Sekunde in andere Menschen, ohne dass du etwas zurück bekommst oder davon profitierst. Die Anderen tun es genauso.

13) Gib viel Geld für Autos, Mode und Technik aus, aber drehe jeden Cent um, wenn es darum geht dich weiter zu bilden.

  • Natürlich machst du Schulden für ein neues Auto, zahlst monatliche Leasingraten und gehst total gerne shoppen, weil du dir ja eh nie etwas gönnst. Da schaust du nicht so aufs Geld. Aber wenn es darum geht, dich selbst weiterzubilden, Seminare oder ähnliches zu machen um dich weiter zu entwickeln dann winkst du ab: „Das ist aber schon viel Geld….!“

14) Sag ganz oft: „Ich bin halt so“

  • Wichtig ist, dass du dir oft in Erinnerung rufst, dass du dich nichts ändern kannst. Du kannst selber nichts dagegen tun wie du bist.
  • Weil Veränderung wäre anstrengend und risikoreich.

15) Denke kurzfristig

  • Wäge bei jeder Entscheidung ab, ob sich das ganze sofort auszahlt.

16) Sei nicht dankbar, halte das, was wir täglich haben für selbstverständlich

  • Also wirklich gut geht’s uns nicht. Ich meine diese ganzen Steuern und steigenden Kosten. Und der Staat zahlt ja auch lang nicht mehr soviel wie früher. Natürlich gibt es auf der Welt fast nur Länder, denen es noch viel schlechter geht, aber darüber wollen wir jetzt nicht reden.

17) Lass deine Ängste über dein Leben regieren

  • Verbringe sehr viel Zeit damit dir den Kopf zu zerbrechen, was alles schiefgehen kann.

18) Wenn du auf Reisen gehst achte darauf, dass alles so ist wie zuhause

  • Achte darauf, dass du dich was Essen, Kultur etc. betrifft sowenig wie möglich umstellen musst, lerne keine neuen Menschen kennen und sage stets, dass in der Heimat doch alles besser ist (Aber nur solange bist du wieder zuhause bist)

19) Mache immer das gleiche, lerne nicht aus Fehlern

  • Lerne dir eine Strategie ein und dann bleibe ein Leben lang dabei. Auch wenn du mit dieser Art und Weise scheiterst, ändere dein Verhalten nicht.

20) Sag oft: „Das kann ich nicht“

  • Eine echte Garantie etwas nicht zu erreichen ist es sich oft genug vorzusagen. Vergiss also nicht darauf dich Tag für Tag selbst zu sabotieren.

21) Verbringe viel Zeit damit, über andere schlecht zu reden

  • Du lästerst gerne über andere? Großartig, bleib dabei!

22) Gib auf, wenn du nicht sofort erfolgreich bist

  • Sieh ein, dass du nicht für Großes geschaffen bist. Das können nur die Anderen. Am besten ist, du machst alles nur halbherzig, dann ist die Chance noch größer nichts zu erreichen.

23) Wach auf und sei schlecht gelaunt

  • Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, das wird heute wieder ein Scheiß-Tag. Vergiss nicht, das auch auf Facebook zu posten, damit es alle wissen.

24) Umgib dich mit Menschen, die dich runterziehen oder zu denen du nicht aufschauen kannst

  • Dein Freundeskreis hat einen starken Einfluss auf dich. Achte darauf, dass niemand in deiner Gegenwart ist, der besser ist als du oder von dem du etwas lernen kannst.

25) Warte auf den richtigen Zeitpunkt

  • Solltest du dich aufgerafft haben etwas zu verändern, dann warte bis der Zeitpunkt richtig ist. Es zahlt sich aus, dein ganzes Leben auf die richtige Gelegenheit zu warten, auch wenn sie nie kommt.

26) Setze dir keine Ziele, weil du nicht enttäuscht werden willst

  • Das Problem mit Zielen ist: Was ist wenn du sie nicht erreichst? Nein du bist kein Pessimist. Du bist nur realistisch und willst kein Träumer sein. Daher bevor du dich selbst enttäuscht, lass das mit den Zielen und erwarte stets das Schlechteste.

27) Schieb alles vor dir her

  • Ein ganz wichtiges Gesetz. Morgen ist auch noch ein Tag. Das kann warten…

28) Erschaffe nichts Bedeutendes

  • Hüte dich davor etwas zu tun, das für dich oder andere Bedeutung hat. Es könnte deine Leidenschaft entfachen!

29) Vergiss alles was du gerade gelesen hast und lebe weiter wie bisher

  • Wie in „Men in Black“ solltest du dich „Blitz-Dingsen“ und diesen Artikel vergessen!

    Offenbar habe ich heute meinen zynischen Tag. Ich entschuldige mich wenn ich dich vor den Kopf gestoßen habe. Es war mit voller Absicht 😉

Montag, 14. März 2016

Rules of Life (not only) for men

Es gibt unzählige Weisheiten für alle Lebenslagen. Mittlerweile sind es so Viele, dass man schnell den Überblick verliert und Sie ebenso schnell wieder vergisst, wie man Sie konsumiert hat.

Die folgende Liste habe ich irgendwann mal, irgendwo gefunden und viele An- bzw- Einsichten haben mir gefallen. Sie klingen teils amüsant, Manche sind wohl auch nicht sehr bedeutungsvoll, eher trivial aber Einige sind auch gar nicht so verkehrt. Besonders der Letzte Punkt hat es mir angetan !


  1. Versuche es bei Frauen die “in einer anderen Liga spielen”. Du wirst dich selbst überraschen.
  2. Schlafe niemals mit jemandem, der es nicht ebenso will, wie du selbst.
  3. Wende niemals Gewalt an, wenn sie nicht unmittelbare Gefahr verhindern soll.
  4. Hüte müssen immer einen Zweck erfüllen.
  5. Lade sie beim ersten Date niemals ins Kino ein.
  6. Lerne, wie du dich nass rasierst.
  7. Kein Kerl macht mehr her als einer im maßgeschneiderten Anzug.
  8. Ein kleiner Teil deines Gehalts sollte jeden Monat aufs Sparkonto wandern.
  9. Schau der Person, mit der du sprichst, immer in die Augen.
  10. Kaufe einen Pümpel, bevor du einen Pümpel brauchst.
  11. Putz deine Zähne, bevor du dir die Krawatte bindest.
  12. Rasiere dich während der ersten Runde immer mit dem Strich.
  13. Rufe deine Eltern wöchentlich an.
  14. Trage niemals eine Ansteckkrawatte.
  15. Schüttle die Hand deines gegenübers mit angemessenem Druck.
  16. Mach ihr Komplimente für ihre Schuhe.
  17. Trink dein Bier aus.
  18. Falls du dir nicht sicher bist, tu einfach so. Der Rest kommt von selbst.
  19. Sei dir deiner Körpersprache stets bewusst.
  20. Stehe stets auf, um jemanden zu begrüßen.
  21. Verleihe nie etwas, auf das du nicht für immer verzichten könntest
  22. Frage mehr, als du antwortest. Jeder mag es, über sich selbst zu sprechen
  23. Bewahre Wechselklamotten an deinem Arbeitsplatz auf.
  24. Kaufe dir hochwertiges Werkzeug – so musst du es nur einmal kaufen.
  25. Männlich zu sein bedeutet nicht nur, sich um dich selbst kümmern zu können, sondern auch sich um andere zu kümmern.
  26. Entscheide dich immer für die Option, die am Ende eine gute Geschichte ergibt.
  27. Wenn du gehst, schau immer geradeaus, nicht auf deine Füße.
  28. Nette Kerle verlieren niemals – langweilige dagegen schon
  29. Finde deine Leidenschaft und suche einen Weg, wie du dafür bezahlt wirst
  30. Lass nicht die Engstirnigen das Denken für die Visionären übernehmen
  31. Unabhängig von seinem Beruf oder seinem Status verdient jeder Mensch deinen Respekt
  32. Schlimme Dinge passieren – dein Job ist es, sie hinter dir zu lassen.
  33. Kleide dich immer so, als würdest du heute die Liebe deines Lebens kennenlernen, wenn du nach draußen gehst.
  34. Der Erste, der wütend wird, verliert.
  35. Tu, was getan werden muss, ohne dich zu beschweren.
  36. Höre niemals auf zu lernen.
  37. Ändere dich niemals, um jemanden glücklich zu machen – außer dieser jemand bist du selbst.
  38. Wenn du der schlauste Kerl im Raum bist, bist du im falschen Raum.
  39. Tu, was immer du in deinem Leben tun willst – aber sei der Beste darin.
  40. Niemand liegt im Sterbebett und wünscht sich, mehr gearbeitet zu haben. Genieß dein Leben!


+++ Manchmal ist einfach .. am Schwierigsten +++

Mittwoch, 14. Oktober 2015

What a hell of a ride

Mittwoch d. 14. Okt. 2015, "What a hell of a ride"

SO DU SCHE**DRECKSWETTER .. MEHR HAST DU NICHT DRAUF?? .. NUR NEBEL, FROST, RREGEN UND SCHNEE??? ... IST DAS SCHON ALLLES?? ... HaHaHaHaHaHaHa *Lääächerlich* Da musst Du schon MEHR auffahren .. Ich bin ZU HAUSEEEE  .. und zwar in einem Stück ! ! ! 

Aber von Anfang .. Ich sitze mit meiner Maschine in Mainhardt, das liegt in Baden-Würtemberg, Nähe Stuttgart, Schwäbisch-Hall, ca. 600km süwestlich Luftlinie von Berlin. Am Montag bin ich bei strahlendem Sonnenschein über die Landstraße angereist aber bereits am Dienstag muss ich fassungslos auf die Wetterprognosen für die nächsten Tage schauen .. das Wetter schlägt komplett um und es bahnt sich eine Katastrophe an. Ich muss schleunigst wieder nach Hause .. das heißt gleich am Mittwoch. Also kaum angekommen, heißt es 24 Std. später, alles wieder einpacken und für die Abfahrt vorbereiten.

Mittwoch früh um 06:30 geht es aus den Federn. In der Nacht hat es bereits angefangen zu regnen, glücklicherweise lässt der Regen ein wenig nach als es hell wird, aber alles ist nass und auf den Straßen liegt jetzt viel rutschiges Laub. Eine Rückfahrt über die Landstraßen wäre bei diesen Bedingungen Selbstmord. Mir bleibt also nur die Autobahn und das bei dem angekündigten Wetter. Na das wird ein Knaller.

Als ich um 08:30 losfahre, nieselt es noch und die Wolkenuntergrenze liegt gefühlt in der Reichweite meines ausgestreckten Arms. Es ist bitterkalt. Die ersten Kilometer geht es durch den Wald und die Straßen fühlen sich wie Schmierseife an. Aber bereits in Schwäbisch-Hall rolle ich auf die A6 Richtung Nürnberg. Sie ist zumindest so gut wie trocken aber je weiter ich Richtung Nürnberg komme umso kälter wird es. Als ich endlich nach 140km auf die A9 Richtung Berlin abbiege, liegen noch 440km vor mir und schon begrüßt mich Väterchen Frost mit den ersten weißen Flocken ... Das darf doch nicht wahr sein .. In wenigen Minuten verwandelt sich Alles in eine weiße Winterlandschaft, der Wald, die Felder alles ist eingeschneit, wie Weihnachten, nur das es erst Mitte Oktober ist .. Schnee tanzt über die Autobahn, aber durch den Nebel, der allmählich dick wie Erbsensuppe wird, sehe ich das nicht richtig. Ich habe keine Wahl, stehen bleiben und heulen würde relativ wenig nützen. Meine Strategie .. keine hektischen Bewegungen, wenn möglich NICHT bremsen oder beschleunigen, rollen lassen .. ich klemme mich hinter einen LKW und schwimme mit Ihm mit und das im wahrsten Sinne des Wortes. So ziehen sich die Kilometer dahin .. durch die eingeschränkte Sicht kann ich nicht mal den Ausblick in die Landschaft genießen, da man außer "weiß" nichts sieht.

Ich bin angezogen wie Armstrong auf dem Mond, und die Kälte macht mir somit nicht wirklich etwas aus ... ich trage mehrere Lagen Thermoklamotten (sogar winddichte Thermounterwäsche), ein dickes Langarmshirt, darüber nen Rollkragenpulli, eine dicke Filzweste, eine winddichte, fliesgefütterte Thermohalskrause, eine Ski- (oder wie man auch sagt, eine Sturm-) maske unter dem Helm, darüber meine winddichten Motorradklamotten mit Protektoren UND über ALLEM zusätzlich eine wasserdichte Regenkombi .. aber .. Kälte sucht sich immer einen Weg .. Die Zehen und meine Finger sind zwar von mehreren dicken Wollsocken und Stiefeln bzw. speziellen Winterhandschuhen geschützt ... aber anscheinend reicht es nicht .. ich wünschte, ich könnte eine Heizung aufdrehen oder die Fenster hochkurbeln .. alle 65 - 80km bin ich gezwungen Autobahnraststätten anfahren, um dort aufzutauen. Ein hoch auf mein TomTom Navi welches mir zielsicher, im Helm über mein Headset mitteilt, wie weit es noch bis zur nächsten Raststätte bzw. Tanke ist. Auf dem Weg versuche ich derweil wenig erfolglos meine Finger mit warmen Gedanken von heizbaren Griffen anzuheizen.

Wenn ich dann endlich an der Zapfsäule ankomme, spüre ich meine Finger kaum noch und kann kaum kuppeln, geschweige denn bremsen, was ja hin und wieder recht hilfreich sein kann ... Mit Mühe gelingt es mir den Tankdeckel aufzuschrauben und Sprit nachzufüllen, anschließend stapfe ich mit triefender Nase, etwas ungelenkig in den geheizten Tankshop und spüre sogleich die mitleidigen Blicke der Anwesenden .. "Was für ein Depp" denken Sie vermutlich .. und ich denke "Jaaaa, so Unrecht haben Sie da nicht" ... 2 ältere Damen mustern mich an einer Tankstelle, um mir anschließend mitzuteilen, wie leicht man doch bei dem Wetter verunglücken und sterben könnte .. Ja, vielen Dank, darauf bin ich noch garnicht gekommen, denke ich ... "Vielen Dank, ich werde mich vorsehen" höre ich mich aber nur murmeln und mach mich auf den Weg zum Klo .. die einfachste Übung, verwandelt sich durch die Menge an Klamotten nahezu in eine "Mission Impossible" ... aber bis ich wieder angezogen bin, ist mir zumindest wieder richtig warm und ich kann weiterfahren.

Glücklichweise hört es dann hinter Leipzig auf zu schneien .. und der Schnee verwandelt sich stattdessen in Regen .. Whatthefuck ... Ich muss schon sagen, wer auch immer heute den Joystick in der Hand hält und am Wetter schraubt .. Er hats drauf .. zumindest gibt er sich mächtig Mühe mir in den Arsch zu treten .. dennoch ändert sich nichts wirklich an der Gesamtsituation, ich muss nach wie vor nach Hause, es ist immer noch kalt .. und ich habe keine Wahl .. so halte ich nun zukünftig nicht mehr nur eingefroren an der nächsten Tanke, sondern auch noch nass ..

Alles eine Frage der inneren Einstellung denke ich .. wenn ich etwas nicht ändern kann, lohnt es auch nicht sich darüber aufzuregen. Egal wie beschissen die Situation ist. Der Regen ist nur leicht und mit genügend Abstand zu den Vorausfahrenden bekomme ich nur wenig von der Gischt ab und die Kilometer schmelzen auch bei Tempo 80 -100 allmählich dahin. Schneller fahre ich nicht .. ich möchte nicht unter dem nächsten Laster landen .. Da ich über Bluetooth mit meinem Handy verbunden bin schmeiße ich mir den Mediaplayer an und habe zumindest Musike im Ohr, die wenigstens im Kopf für gutes Wetter sorgt.

Um 08:30 bin ich losgefahren und um 17:30 stehe ich dann endlich wieder vor meiner Haustür. Ich lasse die Maschine noch ein wenig im Leerlauf gluckern und klopfe Ihr freundschaftlich und dankbar auf den Tank .. Mit all den Auftaupausen habe ich also 9 Std. gebraucht. Aber wen interessiert die Zeit, viel wichtiger ist, dass ich unverletzt und in einem Stück bin .. Es gab Situationen in denen ich wirklich Puls hatte, wenn mich LKWs sehr dicht überholt haben oder PKWs zu dicht vor mir einscherten oder ich auf einen schmierigen Streifen kam und das Bike anfing leicht zu tänzeln .. ich hab dann nur versuche ruhig zu bleiben, Gas wegnehmen, rollen lassen und wieder sanft und mit viel Gefühl den halbwegs trockenen Streifen auf der Straße gesucht.

Was soll ich sagen? Schönreden lässt sich das nicht .. die Rückfahrt war nun wirklich ... wie sag ich das? .. Furcht- bzw. Respekteinflößend, beschi...n, überflüßig, unnötig, wenig unterhaltsam .. aber .. ich habe mich so gut es ging darauf vorbereitet, mehr ging nicht .. mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, ich habe Erfahrungen gesammelt, etwas erlebt, wovon ich doch auch erzählen kann. So schlecht ist das nicht, das wird eine gute Geschichte. Ich fühle mich gut auf meiner dicken Harley und ich liebe diese Maschine .. die Meißten, die ein Auto fahren, werden darüber nicht mehr nachdenken, es ist einfach selbstverständlich für Sie .. aber für mich nicht .. noch nicht .. ob bei 40°C Sommerhitze oder bei diesem ekligen Dreckwetter .. Meine Sportster tut genau das wofür Sie gebaut wurde .. und das tut Sie absolut zuverlässig, wie ein Schweizer Uhrwerk .. nur eben aus Milwaukee USA. Sie brummt und brummt, als gäbs kein Morgen und es war ein verdammt gutes und beruhigendes Gefühl, die gleichmäßigen Vibrationen von dem 2-Zylinder Motor zu spüren .. Denn Eins ist mal völlig klar, wenn man schon in Schwierigkeiten ist, tut es gut zu wissen einen Freund bei sich haben der Einen nicht im Stich lässt .. selbst wenn es "ein Ding" ist. Eine wundervolle Maschine.

Nächstes Jahr, werde ich ganz sicher wieder eine Tour machen .. dann kann ich die Erfahrungen verwenden und es besser machen. Ich freu mich schon jetzt darauf. Wenn ich Sowas wie heute packe .. dann gehen noch ganz andere Abenteuer.




Donnerstag, 16. April 2015

Es ist zum in die Luft gehen ..

2014, irgendein Tag im Juni .. Mein Fallschirm ist angelegt, ich bin angeschnallt, meine Instrumente sind justiert, der Luftraum vor mir ist frei und weiße Cumulus Wolken bedecken den azurblauen Himmel wie riesige Luftschlösser ... perfektes Flugwetter. Ich bin startbereit, es kann losgehen.

Ich sitze in einer LS-4, ein Segelflugzeug aus deutscher Produktion von der Firma Rolladen Schneider .. ein Hochleistungseinsitzer, Baujahr irgendwas in den Achtzigern, Flügelspannweite 15m, Abfluggewicht mit mir zusammen, ca. 340kg. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 280km/h werde ich eher nicht ausreizen und die meißte Zeit entspannt zwischen 80 und 110 dahingleiten.

Mein Vorflugcheck ist jetzt abgeschlossen, nur noch ein kurzer Blick auf den Windsack am Startbus, der mir heute ziemliche Seitenwind anzeigt, aber das ist kein Problem und ich schließe die Haube .. quasi im selben Augenblick beginnt innerhalb von Sekunden die Temperatur unter dieser Käseglocke erbarmungslos zu steigen. Mein Segelfliegerhut, der mich vor einem Sonnenstich bewahrt ist bereits klatschnass und meine Sonnenbrille beginnt zu beschlagen.

Von alleine kommt mein antriebsloser Vogel aber nicht in die Luft .. oft werden Schleppflugzeuge eingesetzt, bei uns am Platz übernimmt diesen Job aber eine Startwinde, das ist deutlich preiswerter und sorgt dafür, dass ich mir dieses Hobby überhaupt leisten kann.

Ein Clubkamerad klinkt jetzt erst das Windenseil in die Schleppkupplung, direkt unter meinen Füßen an mein Flugzeug ein und geht anschließend an das Ende meiner rechten Tragfläche. Mein Zeichen "Daumen hoch" signalisiert Ihm, dass ich abflugbereit bin.

Er schaut noch kurz nach hinten, um sich zu vergewissern, dass in diesem Augenblick nicht gerade ein Flugzeug landet, dann hebt er die Tragfläche an, die eben noch im Gras lag und gibt mein Signal an den Startleiter weiter, der auch sogleich zum Telefon greift, um mit dem Windenfahrer am anderen Ende der Leitung den Start einzuleiten. Alleine geht beim Segelfliegen nichts .. man würde nicht in die Luft kommen.

Ich schaue irgendwo an das Ende des Platzes, wo in ca. 1200m Entfernung die Startwinde stehen muss. Mit etwas Mühe kann ich Sie als kleinen bunten Punkt erkennen. Im Grunde ein alter umgebauter LKW mit einer großen Seilwinde auf der Ladefläche.

Während ich schwitze, teilt der Startleiter dem Windenfahrer am Telefon mit, was er dort am Seil zu hängen hat und dass ich startklar bin ... der Ablauf ist genau festgelegt und jeder hält sich daran, denn Unfälle will hier keiner. Vorher festgelegte Startkomandos werden gewechselt und nach ein paar endlosen Sekunden, sehe ich in der Ferne ein kleines Rundumlicht aufblitzen, der Windenfahrer hat den Motor gestartet. Kurz danach beginnt sich wie von Geisterhand das dünne Stahlseil, welches eben noch in etlichen Schleifen vor mir lag, langsam zu bewegen, kurz darauf ist es straff, ein kurzer Ruck und meine LS4 rollt. Mein Wingman läuft ein, zwei Schritte mit, wir rumpeln noch ein paar Meter über die Grasnarbe, Die Beschleunigung drückt mich in die Gurte und nach 3-4sek sind 340kg in der Luft. Mein Fahrtmesser zeigt 110 km/h

Was jetzt folgt, hat man während der Ausbildung und im Laufe der Jahre unzählige Male trainiert .. immer und immer wieder wiederholt, bei den unterschiedlichsten Windbedingungen und Wetterlagen ... jeder Segelflieger muss diesen Startvorgang im Schlaf beherrschen. In kritischen Situationen muss man instinktiv handeln, zum nachdenken, bleibt in der jetzt folgenden Startphase keine Zeit.

Der große V8 Motor in der Startwinde läuft auf Hochtouren und beginnt das über 1km lange und nur ~5mm dünne Stahlseil kontinuierlich auf eine große Trommel aufzuspulen. Im Grunde läuft das so ähnlich ab, wie ein Kind, das mit einem Drachen über eine Wiese rennt ... meine LS-4 wird gezogen, beginnt folgsam in den Steigflug überzugehen und gewinnt schnell an Höhe .. alle Sinne sind hellwach, von dem lautlosen dahingleiten ist in diesem Augenblick auch noch nicht viel zu spüren und der Wind pfeift ordentlich, was mir aber nur Recht sein kann, da ich durch die Lüftung Frischluft unter meine Käseglocke bekomme und das Klima unter meiner Plexiglashaube sofort erträglich wird.

Ich achte darauf nicht zu früh in eine zu steile Steiglage zu kommen .. denn in dem Fall, dass das Seil reisst, was durchaus möglich ist und worauf man jede Sekunde vorbereitet sein muss, könnte eine schwierige Situation entstehen .. aber nachdem mir mein Höhenmesser so 80-100m anzeigt, ziehe ich gefühlvoll am Höhenruder, um besser zu steigen und so eine größere Ausklinkhöhe zu erreichen. Gleichzeitig schaue ich nach Links und Rechts, um meine Fluglage zu überprüfen und auch auf den Fahrtmesser, der eine festgelegte Geschwindigkeit nicht überschreiten bzw. auch nicht unterschreiten darf, tut er es doch bestünde einerseits die Gefahr eines Seilrisses oder werde ich zu langsam könnte durch die fehlende Luftströmung, das Segelflugzeug in eine unkontrollierbare Fluglage geraten ... in dieser geringen Höhe nutzt dann auch mein Fallschirm nichts.

Es hört sich viel an, auf was man achten muss und das ist es wohl auch aber dennoch ist diese Startart überall auf der Welt, seit Jahrzehnten bewährt und extrem sicher. Bei uns wird jedes Jahr mehrere tausendmal so gestartet und bis auf wenige folgenlose Seilrisse, hat es bislang keine Vorfälle gegeben.

Über Funk höre ich die Durchsage "nach Links vorhalten" .. heute haben wir ziemlichen Seitenwind, der mich nach Rechts versetzt hat und ich habe es zu spät bemerkt .. das könnte später beim einholen des Seils womöglich zu Komplikationen an der Winde führen, also korrigiere ich mit dem Seiten- und Querruder die Fluglage, um dem Wunsch des Flugleiters zu entsprechen. Mein Segelflugzeug folgt brav den Ruderausschlägen und alles ist wieder so wie es sein soll .. 200m, 250m, 300m .. das Steigen lässt nun allmählich nach und die Fluglage wird flacher. Während des gesamten Startvorgangs ist der größte Teil des Stahlseils aufgespult worden aber dennoch hat es heute für eine Höhe von 400m gereicht ... ich habe das Höhenruder nachgelassen, spüre deutlich das der Zug vom Windenseil nachlässt und ziehe an der Vorrichtung zum Seil ausklinken .. es rutscht aus der Kupplung und fällt, gebremst von einem kleinen Fallschirm zu Boden .. alles ist glatt gegangen. Ich bin frei.

Mit einem Ruck am Fahrwerkshebel verschwindet mein Einziehfahrwerk im Radkasten, die Fahrwerksklappen schnappen zu und sofort wird es im Cockpit deutlich ruhiger, mein schlankes Segelflugzeug hat nun quasi keine Ecken und Kanten mehr, keine Spalten, praktisch nichts was Geräusche verursachen könnte, Die Oberfläche ist so glatt, dass der Blick darauf ausrutschen würde und bei Tempo 90 hört man kaum etwas, nur das leise rauschen des Windes. Meine LS-4 schmiegt sich in die Luftströmung und gleitet wie auf Watte getragen in einem Element was wir nicht anfassen können. Ab jetzt übernimmt die Schwerkraft, die mich zu Boden ziehen will ... aber ich werde versuchen Sie daran zu hindern. Etwas Glück gehört immer dazu und es ist beinahe wie ein Duell, welches am Ende zwar immer die Schwerkraft gewinnt, aber es hängt von mir, von meinem Geschick und natürlich vom Wetter ab, wie lange ich den Sieg der Schwerkraft hinauszögern kann. Ich muss Aufwinde finden, die mich mit nach oben nehmen. Aufwinde, die man dummerweise nicht sehen kann. Aber ich habe Hilfe dabei.

Cumulus Wolken, große weiße Quellwolken sind meine Verbündeten. Unter Ihnen steigt warme, feuchte Luft auf, Sie kühlt sich auf dem Weg nach oben ab, bis Sie nicht weiter aufsteigt und die Feuchtigkeit kondensiert .. eine Wolke entsteht. Das heißt, so hoch wie meine Wolken fliegen, kann ich auch kommen .. aber ist der Himmel blau, wird es schwieriger .. wieder brauche ich etwas Glück, man fühlt es im Hintern, wenn das Flugzeug angehoben wird, bevor es meine Instrumente anzeigen. Ich beobachte den Boden, dunkle Flächen ziehen Wärme an, Helle strahlen Sie ab .. ich halte Ausschau nach Vögeln, denn Sie wissen ganz sicher wo es hochgeht und Sie fliegen, weil es Ihnen Freude macht, da bin ich mir ganz sicher. Sie genießen es .. so wie ich ... schon spüre ich wie ich angehoben werden und auch mein Variometer beginnt zu zwitschern, was bedeutet .. hier geht es aufwärts .. ich kreise ein und das Spiel beginnt. Segelfliegen kann süchtig machen.


Samstag, 21. Februar 2015

Keep moving forward

"Ich werd dir jetzt was sagen, was du schon längst weißt.... 
Die Welt besteht nicht nur
aus Sonnenschein und Regenbogen.
Sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort.
Und es ist ihr egal wie stark du bist
- sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen,
wenn du es zulässt... 
Du und ich 
- und auch sonst keiner
- kann so hart zuschlagen wie das Leben !
Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann... 
Es zählt bloß, wieviele Schläge man einstecken kann
und ob man trotzdem weitermacht.
Wieviel man einstecken kann und trotzdem weiter macht.
Nur so gewinnt man !

Wenn du weißt was du wert bist ,
dann geh hin und hol es dir.
Aber nur, wenn du bereit bist die Schläge dafür einzustecken !
Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag
du bist nich da wo du hinwolltest,
wegen ihm oder wegen ihr,
oder sonst irgendjemandem.
Schwächlinge tun das !
Und das bist Du nicht

DU bist besser!"


It's all about



Samstag, 14. Februar 2015

Ein Bett, ein Königreich für ein Bett

Es ist ein frostig kalter Februarmorgen und leichter Nebel macht sich in den Straßen breit. Er verwandelt das noch schwache Tageslicht in einen grauen Schleier, der alles mit Reif überdeckt und farblos erscheinen lässt. Auch wenn ich nach oben schaue, deutet nichts daraufhin, dass irgendwo über der grauen Pferdedecke, die den gesamten Himmel bedeckt, die Sonne scheint ... Ich laufe Gedankenversunken die letzten Meter von der U-Bahn Station zum Büro und denke an diesen Blog. "Ob Ihn wohl jemand lesen wird, ob es jemanden interessiert was ich mache oder denke?" frage ich mich und stelle gleichzeitig fest, dass es ansich unbedeutend ist .. mein Leben ist Eines von 7 Milliarden Menschen auf der Welt, im Grunde nichts Besonderes. Aber für mich, ist es eben Besonders, weil es ja mein Leben ist und selbst wenn diese Zeilen in abermillionen Zeilen, die jeden Tag geschrieben werden einfach untergehen und das werden Sie wohl .. für mich ist es Therapie.

Mitunter fällt doch jeden mal auf, wie selbstverständlich für uns so viele Dinge geworden sind, Dinge, die wir jeden Tag benutzen ohne daran zu denken, wie Sie funktionieren oder wo Sie herkommen. Wär ja auch irre, wenn man jeden Tag auf die Knie fallen würde, nur weil der Bus kommt oder das Handy das tut, was es soll .. aber manchmal sind es wirklich die einfachsten Dinge, die so besonders sind.

... Spätsommer 1992. Meine Ex-Frau war mit unserem Sohn schwanger und die Firma für die ich damals arbeitete war gerade in Konkurs gegangen. Nicht gerade der beste Moment, um aus unserer 1-Zimmer Wohnung in eine 3-Zimmer Wohnung umzuziehen, aber es ergab sich eine günstige Gelegenheit für einen Wohnungstausch und den nutzten wir.

Es war eine Altbau Hinterhof Wohnung im Parterre. Die Wände, des sehr kleinen Innen- hofes, bei dem selbst im Sommer nur wenig Sonnen- licht direkt den Boden erreichte, waren bis unter die Dachrinne mit Wein bewachsen, was vom Frühling bis weit in den Herbst wunderschön aussah. Das dichte Blätterkleid des wilden Weins, in dem sich an wenigen Wochen im Frühling, tausende von Bienen, summend an winzigen Blüten labten, hatte etwas von einem Märchenschloss.


Unsere Wohnung, war eine Garten-hauswohnung und hatte Ihren Eingang direkt vom Innenhof. Allerdings lag Sie auch auf der Nordseite und direktes Sonnen- licht erreichte uns nie. Es war also schon recht schattig und auch etwas fußkalt, denn unter unter lag ja nur ein muffig, feuchter Keller, der natürlich nicht beheizt wurde. Aber es war eben das, was ich mir leisten konnte, es sollte unser Zuhause werden und mit hochgekrempelten Ärmeln und viel Liebe verwandelte ich nach und nach, die doch sehr herunter- gekommende Bruchbude in ein hübsches Zuhause. So gut es eben ging, denn Zeit hatte ich vorübergehend genug.

Der Schnitt war leider etwas ungünstig, denn das Wohnzimmer war ein Durchgangszimmer und anstatt der versprochenen 80qm blieben nach dem Ausräumen und sorgfältigem ausmessen nur 63qm übrig was nicht wirklich viel war. Als wir die Wohnung besichtigt hatten, wohnte ein sehr alter Mann darin, Herr John, der damals bereits 83 Jahre alt war. Er war der ehemalige Inhaber einer kleinen Drogerie bei uns in der Straße und hatte die Wohnung, in der er sein ganzes Leben verbracht hatte, mit dem Nachlass seines Ladens vollgestellt, so dass wir die Größe der Wohnung bei der Besichtigung nur ahnen konnten. Zurück konnten wir nicht mehr und da wir nun mal da waren, blieben wird auch, denn die Gegend in Wilmersdorf, Nahe dem Ludwigkirchplatz war einfach schön und eine Alternative gab es ohnehin nicht.

Es war ein einziges Chaos. Wieviel Arbeit es machen würde, hatte ich nicht vorher sehen können, da ich aber ein recht geschickter Handwerker war und die Erlaubnis der Hausverwaltung hatte begann ich Alles rauszureissen und es blieb kaum ein Stein auf dem Anderen. So wie im zukünftigen Bad sah es quasi in der ganzen Wohnung aus und an ein Einziehen war nicht zu denken. Die ersten 2 Monate schliefen wir bei Freunden auf einer Luftmatratze.





Ich verlegte Elektrik neu, riss unnötige Wände ein, um mehr Platz zu schaffen, baute die Küche und das Bad komplett neu, denn schließlich wollten wir irgendwann zu 4 sein. Ich hängte Decken ab, mauerte Türen zu und setzte Neue ein und mit der Erlaubnis eines Statikers und erheblichem Aufwand baute ich sogar ein zusätzliches Fenster mit Ausblick zu einem weiteren Hinterhof ein, um ein wenig mehr Licht in die Wohnung zu bekommen. Am Ende schliff ich das Parkett ab.





Leider waren die 2 verbleibenden Zimmer nicht sehr groß und mit 8-9qm kaum größer als eine geräumige Kammer, aber Sie mussten als Kinderzimmer reichen. Da ich mir damals, während meiner eigenen Kindheit mit meinen 2 Geschwistern ein Zimmer teilen musste, wollte ich das meinen Kindern nicht zumuten. Sie sollten zumindest Ihr eigenes Reich bekommen, selbst wenn es klein war und da ließ ich auch nicht mit mir verhandeln, auch wenn meine Ex-Frau ein Schlafzimmer wollte.

Im Laufe der Jahre wurde es aber dann doch immer enger, unsere Lisa war nun auch schon auf der Welt und Ehekrisen begannen sich zu häufen. Für ein Schlafsofa war das Durchgangszimmer überhaupt nicht geeignet, weil es ohnehin schon als Esszimmer, Arbeitszimmer, Fernsehzimmer und Besucherzimmer genutzt wurde und nachdem ich in den Kinderzimmern Hochbetten eingebaut hatte, um Platz zu schaffen, entwickelte sich eine ungewöhnliche Situation. Meine Tochter hatte ein hübsches Bett und meine Frau und ich hatten vor auf dem Hochbett zu schlafen. Aber daraus wurde nichts. Es war unmöglich von dort etwas Tageslicht zu sehen oder überhaupt ein Blick aus dem Fenster zu werfen und so kam ich mir vor als würde ich in einem Sarg liegen, die häufigen ehelichen Differenzen taten dann Ihr übriges. Meiner Tochter gefiel im übrigen diese riesige Spielwiese großartig und oft versank Sie dort quietschend vor Vergnügen unter unzähligen Stofftieren auf Ihrem Hochbett.

So kam es dann, dass ich irgendwann jeden Abend direkt unter dem Fensterbrett im Zimmer meines Sohnes ein paar Spielsachen beiseite schob, leise eine Matratze hinlegte und auf dem Fußboden schlief. Wenn ich aufwachte konnte ich zumindest ein wenig aus dem Fenster schauen und ein Stück vom Himmel sehen. Mein Junge schlief auf seinem Hochbett und ich schlief auf dem Boden und so sollte es die restlichen Jahre bis zu meiner Trennung bleiben. Nach 17 Jahren Ehe war Feierabend.

Bevor ich mit meinen Habseligkeiten verschwand, renovierte ich für meine Kinder und die Noch-Ehefrau das Wohnzimmer und die Kinderzimmer. Neue Sofas, Couchtisch und Esstisch, Stühle, Schränke, Vorhänge. Wenn denn schon Ihr Papa nicht mehr zu Hause war, so sollten Sie es wenigstens schön haben. Alles wurde neu und das letztes Ersparte ging für eine überfällige Renovierung drauf und weil das alleine nicht reichte strapazierte ich noch meine IKEA Kundenkarte.  Rückblickend betrachtet, habe ich es für meine Kinder getan, vielleicht wollte ich aber auch mein Gewissen beruhigen .. nur mir selber hatte ich damit keinen Gefallen getan denn ich musste nun von Null anfangen.

Als ich schließlich auszog hatte ich nicht viel was ich mitnehmen konnte. Außer meinen persönlichen Dingen hatte ich eben meine Matratze und einen Kleiderschrank, den meine Tochter nicht mehr brauchte. Das war es und für den Umzug reichte ein geliehener Kombi.

In meiner eigenen Wohnung, was auch gleichzeitig meine erste eigene Wohnung überhaupt war, hatte ich nur die nötigsten Dinge und Vieles war gebraucht. Manches aus der Zeitung, aus Wohnungauflösungen, so wie der Kühlschrank und die Waschmaschine und ein paar einfache Regale von IKEA, viele Umzugskartons, mit meinen Habseligkeiten .. naja und eben meine Matratze.

Irgendwann lernte ich Ursula kennen und ich merkte schnell, dass Liebe wohl doch nicht alle Hindernisse so einfach überwindet. Der Zustand meiner Wohnung grauste Ihr aber ich war leider nicht in der Lage es hübscher zu machen. Ich versuchte was eben möglich war, aber eine Matratze auf dem Fußboden und ein Sessel den man aufklappen konnte, mehr hatte ich nicht zu bieten. Ich schämte mich aber was hätte ich tun sollen? Sie selber hatte eine schöne, kleine 2.Zimmer Wohnung im reichen Süden Berlins, gelegen am Stadtrand in Lichterfelde. Nach Ihrer Ansicht leider zu klein für 2 und ohne Auto auch ohnehin ganz schlecht zu erreichen. Es lief von Anfang an nicht ganz reibungslos zwischen uns und das Thema 'zusammenziehen' sollte nicht so richtig aufkommen und so pendelte Sie mal zu mir oder ich zu Ihr. Ich gab mir halt so große Mühe wie ich konnte, um es Ihr dennoch irgendwie heimelig zu machen, damit Sie länger bleiben würde, aber es hat eben alles seine Grenzen.

Eines Tages, um genau zu sein war es wieder einer dieser besagten Geburtstage, an denen ich ziemlich deprimiert und niedergeschlagen von der Arbeit nach Hause kam, da stand Sie mitten in meinem Wohnzimmer .. umgeben von Kisten, etlichen Holzteilen und ein paar fremde Menschen schleppten noch weitere Dinge in die Wohnung  ... Sie hatte ein Bett gekauft.

Als Sie mich sah brach sie in Tränen aus, denn eigentlich sollte es schon zusammengebaut sein, aber wie es immer so ist, war etwas schiefgegangen und nun kullerten dicke Tränen über Ihre Wangen. Ich war völlig sprachlos und wusste nicht was ich denken oder sagen sollte. Ich weiß noch, wie ich sie einfach in den Arm nahm, drückte und küsste und Ihr versicherte, dass Sie das schönste Geschenk auf der Welt war und es für mich eine Kleinigkeit war, so ein Bett selber zusammenzuschrauben. Schluchzend sagte Sie, dass Sie mir das aber doch abnehmen wollte und ich lachte nur und gab Ihr zu verstehen, dass ein "Bastel-Wastel" wie ich doch Freude daran hat etwas zusammenzuschrauben.

Sie war überall im Freundeskreis, bei Ihren Eltern und bei unseren Kindern sammeln gegangen, um dieses Bett, neue Matratzen und die Lattenroste kaufen zu können. Sie hatte gespart und alle hatten zusammengelegt und nach ein paar Stunden Schrauberei war das Werk vollendet. Ich kann Euch nicht wirklich beschreiben, was das für mich als erwachsener Mann für ein Glücksgefühl war, zum ersten Mal nach so vielen Jahren auf einer richtigen Bettkante zu sitzen, und sich dann auf die weiche Matratze fallen zu lassen.


Ich hatte gut 10 Jahre lang auf dem Fußboden geschlafen und nun mit 46 hatte ich jetzt endlich wieder ein eigenes Bett. Wenn ich nun am Morgen aufwachen würde, konnte ich mich aufsetzen, mir den Schlaf aus den Augen reiben, vielleicht einen Augenblick sitzen bleiben und dann ohne Verrenkungen aufstehen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass viele Menschen nachvollziehen können, wieviel mir das bedeutet hat und auch heute noch bedeutet. Ich kann mir vorstellen, dass Andere das albern oder gar lächerlich finden, ich bin aber dankbar und glücklich über dieses Geschenk. Gleich nach einer schönen Küche, ist ein warmes eigenes Bett wohl der schönste Ort in einer Wohnung.