Freitag, 28. August 2009

Lars jeht Geld koofen . . .

Meine Lisa kommt nun auch endlich in die Oberschule. Nächsten Montag ist es soweit . . . und weil das für Sie natürlich ein wichtiger und aufregender Tag ist, an dem ein neuer Lebensabschnitt beginnt, möchte ich Ihr auch etwas Schönes schenken. Ein kleine obligatorische Schultüte, mit ein paar Süßigkeiten, ein paar Jelly Bellies, die Sie so sehr liebt, eine großen Schokomaus, ein paar Buntstifte (mehr zum Spaß) und natürlich eine Karte, mit ein paar lieben, gut gemeinten Worten, die ich Ihr mit auf den Weg geben will . . . So hatte ich mir das gedacht und als besondere Überraschung will ich ein paar niegelnagelneue Geldscheine mit in den Umschlag tun. Dies sollte dann doch aber etwas schwieriger werden als gedacht . . .

Mein erster Weg führt mich zur Postbank . . . am Geldautomaten würde es sicher keine neuen Scheine geben, das is klar. An dem Ding kann man ja nie wissen was man bekommt und man kann ja nicht mal die Sorte Geldscheine wählen. Aber auch am Schalter, Fehlanzeige. Ich erkläre der freundlich lächelnden Mitarbeiterin meinen Plan und bekomme aber auch nur ein Kopfschütteln als Antwort. Sie würden das Geld auch nur aus einem Automaten holen . . . immerhin hat Sie die ganze Zeit gelächelt.

Wieder auf der Straße zücke ich mein Handy und suche die Nummer der Deutschen Bank. Der Laden vom Ackermann muß doch frische Scheine haben . . . denke ich . . . aber auch hier teilt mir eine freundliche Dame am anderen Ende der Leitung mit, dass die Filialen keine 'frischen' Scheine auf Abruf austeilen können . . . weil ich Sie aber offensichtlich mit meiner Idee doch etwas anrühre, gibt Sie mir den Tip doch mal bei der deutschen Bundesbank nachzufragen.

*Boaaaaah * Na klar . . . die verteilen doch Milliarden an die Banken, wollen Opel die Kohle in den Auspuff schieben, verwalten Billionen Staatsschulden, also wenn nicht DIE, wer sollte dann neues Geld haben. Die drucken es doch ! ! ! Diese modernen Handies sind schon geil. Ich stehe immer noch auf der Straße als ich mir die Telefonnummer "ergoogel" Tatsächlich meldet sich auch nach nur einmaligen Klingeln sofort eine nette Frauenstimme, der ich wieder die Geschichte von meiner Tochter und den neuen Scheinen für den Neuanfang erzähle und tatsächlich . . . JA, Sie können mir neue Scheine rausgeben . . . "Großartig" sage ich und auch "na dann mache ich mich gleich mal zu Ihnen auf den Weg" . . . doch die freundliche Dame bremst meinen Enthusiasmus und teilt mir mit, dass lediglich von 08-13:00 geöffnet ist und weil es schon 14:00 wäre, wäre jetzt schon zu . . . ich verkneife mir die Frage was Sie dort noch macht und denke daran, dass ich so einen Arbeitstag auch gerne hätte.

Am nächsten Morgen betrete ich um kurz nach 8 in der Früh ein großes, ehrfürchtiges Gebäude. Es ist nicht neu, keiner dieser sonst so einschüchternden Bankentempel, sondern sogar eher alt, aber es strahlt eine gewisse Würde aus und beeindruckt mich mit einer stattlichen, großen Empfangshalle, in der sich eine große Marmortreppe, wie aus einem Hollywood Streifen in den ersten Stock emporwindet. Kameras in allen Ecken, verschlossene Glastüren mit Sicherheitszugängen, die man nur mit Magnetkarten öffnen kann, erinnern mich daran, dass es sich um einen besonderen Ort handeln muß. Der Pförtner schickt mich die Marmortreppe hoch, nur noch 2x rechts, dann durch 2 Türen und ich tatsächlich . . . ein Geldschalter. Ich stehe in einem winzigen Raum, kaum so groß wie ein Bahnhofsklo. Über mir 3 Kameras, hinter mit die Sicherheitstür, die sicher sofort verriegeln würde, würde ich aus meiner Tasche eine Kalaschnikow ziehen, vor mir eine zentimeterdicke, grünlich schimmernde Panzerglasscheibe und ein kleines Mikrofon, das wie eine Blume aus dem Marmor wächst.

Hier werden also die Schulden des Landes verwaltet. "Ich hätte gerne 40€ in neuen Scheinen" spreche ich in das Micro und halte meine EC Karte hoch. Der Mann auf der anderen Seite der Scheibe schaut mich ein wenig mildtätig lächelnd an und teilt mir dann sorgfältig formuliert mit, dass Sie kein Geld herausgeben können (warum habe ich mir das jetzt nur schon gedacht?) . . . aaaber . . . Er könnte mir gerne altes Geld gegen Neues umtauschen. Na toll, das ich natürlich nur KEINES bei mir habe. Einen Geldautomaten würde es aber auf der anderen Straßenseite bei der Hypo Bank geben. JaNe, is klar, DIE haben natürlich Geld, die deutsche Bundesbank nicht . . . jedenfalls nicht so mickrige Beträge.

Also wieder rückwärts raus, durch etliche, schwergängige Glastüren, die große Hollywoodtreppe hinunter, über die Straße, eins-fix-drei 50€ aus dem Automaten gezogen und nach 3 Minuten stehe ich wieder vor der Panzerglasscheibe, mit dem dahinter freundlich, lächelnden Staatsdiener in Poloshirt und Jeans. Ich schiebe Ihm den Fuffi durch die Sicherheitsschleuse und tatsächlich er zählt mir niegel-nagel-neue und wirklich druckfrische Fünfer ab und schiebt Sie mir rüber.

Man die Dinger fühlen sich richtig geil an. Schönes, dickes Papier, total glatt, mit Ihren glänzendem Silberstreifen rutschen Sie beinahe etwas unecht übereinander. Glücklich packe ich die Scheine vorsichtig in eine Schutzfolie und versuche mir schon das Gesicht meiner Tochter vorzustellen, als ich die Niederlassung der deutschen Bundesbank verlasse . . . nu weeß ick also wo man frisches Geld bekommt . . . in Zeiten der Schweinegrippe kann dat ja ooch janz nützlich sein.

Donnerstag, 13. August 2009

Glück

es gibt so Vieles, was sich als Glück oder Zufriedenheit ausdrücken lässt . . .

keine eklige Hundekacke auf Wegen oder Liegewiesen, keine frühmorgens unablässig kläffenden Köter vor dem offenen Schlafzimmerfenster, Glück ist ruhige Nachbarn zu haben oder an einer Bushaltestelle nicht warten zu müssen, wenn es regnet und kalt ist. Glück ist ein voller Kühlschrank gefüllt mit den leckersten Sachen, Glück ist auch eine Supermarktkasse an der es schnell vorangeht, ohne einen Vollpfosten direkt vor sich zu haben, der sein Kleingeld aufs Band kippt. Glück ist im Kino keinen Gehirnamputierten vor oder neben sich zu haben, der mit seinen Kumepls ständig in den Film quatscht, mit seinem Handy hantiert und der eklig, laut schmatzend KäseNachos in sich reinstopft. Glück ist Zeit im Überfluss, am Monatsende immer noch Geld auf dem Konto, Glück ist Gesundheit, morgens aufstehen können, ohne das einem irgend etwas weh tut, Glück ist, schlafen und träumen können. Glück ist keine Zahnschmerzen zu haben, Glück ist wenigstens ein guter Freund, der sich nach mir erkundigt, egal ob aus der Ferne oder ganz Nah. Glück ist mit den Kumpels im Sportstudio Spaß haben und ordentlich Eisen stemmen. Glück ist einen Arbeitskollegen zu haben, auf den man sich freuen kann. Glück sind Füße, die beim Joggen, wie von alleine laufen, eine warme Wohnung im Winter, der Duft von frisch gemähtem Rasen, saftige SpareRibs mit Barbecue Sauce bei TonyRoma's, der Blick auf eine Dünenlandschaft, grünes Gras und goldenes Korn was sich im Wind wiegt, die Brandung die auf den Strand schäumt . . .

Glück und Zufriedenheit ist . . . ein weiches Bett, eine liebe Frau, die sich nackt an Einen schmiegt, wunderbar weiche Frauenbrüste auf meiner Brust, sanfte Kurven in meinen Händen, Lippen, die die Meinen suchen, Hände, die meinen Körper erkunden, ein warmer Schoß der sich mir entgegendrängt . . . und alles was danach folgt ;-) . . . aufwachen ohne Wecker, ein zärtlicher Kuß am Morgen, eine warme Dusche, knusprige Brötchen, ein schönes Frühstück mit duftendem Kaffee, ein vertrautes Lächeln, die morgendliche Kühle an einem Sommertag, eine milde Brise und die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Rücken . . .

Glück und Zufriedenheit ist in Frieden und Freiheit zu leben, nicht alleine zu sein und geliebt zu werden. Glück ist einen Menschen zu haben, den man lieb haben kann, der Dich liebt, dich braucht und nicht müde wird, Dir das zu zeigen. Glück ist es, die Schönheit der Natur erleben zu können und das Leben als ein Geschenk zu erkennen.

Montag, 10. August 2009

Urlaub ohne Urlaub

[Urlaub] ist die Zeit, die ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer, Beamter oder auch Selbstständiger von seinem Arbeitsplatz berechtigt fernbleibt, obwohl nach Tages- und Wochenzeit eigentlich Arbeitsleistungen zu erbringen wären. Erholungsurlaub dient vor allem der Erhaltung und der Wiederherstellung der Arbeitskraft des Arbeitnehmers . . .

So sachlich nüchtern beschreibt Wikipedia, die schönste Zeit des Jahres . . . und dabei ist es doch so viel mehr. Zumindest sollte es das sein. Für die meißten Menschen, die ich kenne, ist Urlaub die Zeit im Jahr, auf die man sich das ganze Jahr freuen kann und die Menschen tun es auch. Der bevorstehende Urlaub und die vergangenen Urlaube sind immer wieder Gesprächsthema Nr.1 gleich nach dem Wetter und wie oft mir die Frage gestellt wurde "Na?, wo fährst Du dies Jahr hin?" habe ich schon lange aufgehört zu zählen.

Egal wie beschissen das Leben ansonsten ist, jeder freut sich auf diese wundervollen Wochen und an den Tagen, an denen graue Wolken über der Seele hängen oder der Haussegen schief, freut sich ein jeder auf das was da kommt. Im Winter, wenn die Tage viel zu dunkel, kalt und kurz sind, wenn die Stimmung den Blues hat, dann sitzt man vor dem PC stöbert in Angeboten, blättert in Katalogen, betrachtet Bilder von türkisfarbenen Poolanlagen und schwelgt in Gedanken in fernen Ländern . . . Urlaub ist das ganzjährige und erholsame Füllhorn für die Seele . . . eine Tankstelle für schöne Gedanken.

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen "Erholungsurlaub" hatte, so ganz klassisch, aber ich glaube es war 2004 . . . eine Woche mit der Familie nach Langeoog. Diese wunderschöne, kleine Insel vor der Küste Ostfrieslands. Eine Schippe Sand in der Nordsee. Das endlose Meer, die Brandung, Wellen, die sich gleichmäßig am feinen, weißen Strand brechen, weichgeschwungene Dünen, Formen, wie ein schöner Frauenkörper, allerdings überzogen mit weichem, duftendem Dünengras, was sich wie ein Teppich über die Landschaft legt und sich in der salzigen Meeresluft wiegt . . . eine einmalige Landschaft, keine Autos, kein Lärm . . seitdem hat sich Einiges verändert.

Für Fernreisen hatte es ohnehin nie gereicht und Reisen in Mittelmeerländer, in den Massentourismus, das wollten wir unseren Kindern nicht antun. Hitze, übervolle Strände, häßliche Betonburgen am Strand . . . oder steile Bergtouren in Österreich oder Bayern, mit quengelnden Kindern, die nicht laufen wollen und dann womöglich noch mit vollbeladenem Kinderwagen, das war damals, auch nicht ganz so das Richtige . . . aber hübsche bunte Strandkörbe, jede Menge Sand zum Buddeln, Wasser zum spielen und genügend andere Familien mit Kindern, das hat gepasst.

Bevor wir Kinder hatten, gab es noch keine Billigairlines und Geld, um normal zu fliegen, das hatten wir schon damals nicht. Und als dann die Kinder da waren, ging es eben immer danach, was wir für das Beste für die Kinder hielten bzw. was in der Familienkasse war. Eigene Ziele wurden dafür hinten angestellt und so kommt es, dass ich eben noch nicht viel von der Welt gesehen habe. Spanien, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Teneriffa, Mallorca, Tunesien, Ägypten oder was es da noch so an typisch deutschen Massentourismus Zielen gibt. Alles Fehlanzeige. Da war ich noch nie. Ich war auch nicht in den USA, auch nicht in Thailand, nicht in Kenia oder in der Doiminikanischen Republik. Nicht auf den Seychellen und auch nicht auf den Azoren . . . ich war an der Nordsee auf Langeoog . . . damals war das O.K. . . . oder es wurden mangels Geld die Schwiegereltern in Rheinland-Pfalz besucht . . . ziemlich oft, war das der Fall . . . das waren meine Urlaube.

Natürlich wuchs mit den Jahren der Wunsch mehr von der Welt zu sehen, Sie zu entdecken . . . aber was hätte ich tun sollen? Dummerweise ist "die Welt" heute ferner denn je. Ich habe sowas von gar kein Geld, dass ich in den letzten Jahren, in meinem klassischen Sommerurlaub 3 Wochen jedesmal alleine Zuhause gesessen habe und so auch in diesem Jahr. Im Grunde wäre es mir egal wo es hingeht, alles kann schön und aufregend sein, Hauptsache man ist nicht alleine, Hauptsache man könnte die schönsten Tage im Jahr mit jemanden teilen.

Naja, wenigstens nicht arbeiten gehen, lange aufbleiben, ausschlafen können, das ist doch auch schon mal was. Aber für mehr reicht es eben nicht. Jede kleinste Aktivität kostet nunmal Geld und einfach nur am Badesee liegen, ohne das man mit jemandem reden kann . . . und ohne zu wissen was man denken soll? . . . während man von Bremsen und Bienen genervt wird? . . . das brauche ich dann auch nicht.

Meine Freundin war mit Ihren Kindern verreist, bei Ihren Eltern im schwäbischen Land. Ist jetzt vielleicht nicht der Hit, aber immerhin war Sie nicht alleine. Zu der Zeit mußte ich noch arbeiten, da war ick eben alleene Zuhaus . . . nun hab ick frei und Sie muß arbeiten . . . bin ick wieder alleene Zuhaus . . . wenn ich jetzt bei Ihr übernachte oder Sie bei mir, muß ick eben mit Ihr halbwegs zeitig ins Bette gehen und eben mit Ihr um dreiviertelsechs aufstehen . . . Urlaub? . . . selbstbestimmte Zeit?, die Leichtigkeit des Seins genießen? Fehlanzeige

. . . ich weiß doch garnicht mehr was das ist. Das Bedürfnis danach beginnt schon wieder zu schwinden, dauergestresst, dauergenervt, dauerüberarbeitet . . . dauergelangweilt . . . ich merke es schon garnicht mehr. Wenigstens gehe ich weiterhin regelmäßig zum Sport. Montag, Mittwoch und Freitag und an den anderen Tagen laufen . . . so hat jeder Tag seinen Höhepunkt.

Natürlich ist das doof und ich wünschte es wäre anders . . . aber ich bin deswegen nicht unglücklich, es geht doch vielen Menschen so. Alleinerziehende Frauen, die kein Geld haben, Frauen, die von Ihren Männern abhängig sind, um jeden Cent betteln müssen, damit Sie mal wegfahren können, arbeitslose Männer oder arme Rentner die jeden Cent 3x umdrehen müssen. Familien mit vielen Kindern und kleinem Einkommen . . . es gibt so Viele die Zuhause hocken müssen und die auch noch nix von der Welt gesehen haben. So werde ich zumindest nicht Opfer eines Bombenanschlages, wie zur Zeit auf Mallorca oder falle auch nicht der Schweinegrippe zum Opfer, weil ich in Spanien oder England Urlaub mache und vor Überflutungen und Tsunamis brauche ich mich hier Zuhause in meinem schönen Berlin, in meiner Stadt, auch nicht zu fürchten.

Ich könnte einfach mal ein paar Kochrezepte ausprobieren, Kuchen oder Kekse backen aber das geht ja auch nicht . . . . mein Kühlschrank ist leer . . . nun es gibt immer noch den Fernseher, den PC, ich könnte ein paar eBay Auktionen einstellen, irgendwas basteln? nur was? . . . ich werde eben einfach mal Nichts tun . . . . das ist es doch eigentlich genau das, was man im Urlaub tut . . . und in 2 Wochen kann ich dann wieder zur Arbeit gehen . . . bis dahin, werde ich mir wie jedes Jahr noch eine Antwort auf die Frage "und? . . wo warst Du dies Jahr" einfallen lassen und mich mental darauf vorbereiten höflich zu lächeln, wenn mir Kollegen und Freunde davon berichten, wo Sie waren . . .

Donnerstag, 6. August 2009

10.000m

über viele Jahre ist das Laufen ein Teil von mir geworden. Ein Berg an sündhaft teuren und am Ende doch abgelaufenen Schuhen und etliche Lauftagebücher sind stumme Zeugen von zigtausend Kilometern, die in meinen Füßen stecken, Kilometer die ich auf Berlins Straßen lief. Trainingspläne waren meine ständigen Begleiter, denn Erfolg ist planbar, jede Woche, jeden Monat, Sommer wie Winter, 3,4 Trainingstage und bis zu 65km in der Woche, Volksläufe über alle Distanzen von 5km, 10km, Halbmarathon, 25km Läufe bis hin zum Marathon, das waren meine Herausforderungen, meine Ziele, meine Aufgaben. Mein einziger Gegner, unter abertausendenden von Läufern, das war nur ich selber. Es galt, mich selbst, meinen Schweinehund zu besiegen und am Ende besser zu sein, als ich es war. Man läuft immer gegen sich selbst . . . Vieles habe ich erreicht, habe mir oft etwas bewiesen und blicke nun zufrieden zurück. Viel entspannter bin ich heute und kann das Laufen anders genießen. Ich fühle mich ausgeglichener und laufe oft nur noch zum Vergnügen. Keine Pulsuhr begleitet mich mehr und schreibt die Herzfrequenz und das Tempo vor, ich versuche die Natur bewusst wahrzunehmen, Geräusche, Gerüche . . das Licht, den Wind . . einfach Alles . . . aber dennoch schlägt in meiner Brust immer noch das Herz eines Kämpfers, insgeheim Ausschau haltend nach einer Herausforderung . . . und es gibt Sie . . . in diesem Jahr ist es der alljährliche Vattenfall CityNight Lauf über den Berliner Kurfürstendamm. Distanz 10km. Das ist für einen Ausdauersportler eine kurze Distanz, beinahe eine Sprintdistanz. Taktik gibt es hier eigentlich nicht . . . man läuft los und teilt sich nichts ein . . . Alles was geht . . . und so stehe ich am Samstag den 01. August an der Gedächtniskirche, mitten in einem Pulk von über 7000 Menschen. Es ist heiß, eigentlich zu heiß, aber so ist das bei einem Volkslauf, es gibt keine Ausreden . . . egal ob es regnet oder die Sonne brennt, für diesen Tag hat man trainiert. Ich denke an die vergangenen Monate, in denen ich zusätzlich zu meinem Training im Sportstudio, langsam die Trainingskilometer von Woche zu Woche erhöht und immer ein wenig mehr von mir verlangt habe. Ich habe bewusst gelernt wieder nur nach Körpergefühl zu trainieren, die Bereitschaft trainiert sich zu fordern . . . darauf kommt es an. Bis zum Startschuss sind es noch 20 min. wir stehen dicht gedrängt, wie die Pinguine in der Arktis, vor mir Menschenmassen, hinter mir Menschenmassen, jemand hustet . . . der ideale Platz, um eine Schweinegrippe Pandemie erst so richtig in Schwung zu bringen, denke ich. Neben mir steht Alphonse, ein Freund aus meinem Sportstudio, über 1,90m und bestimmt 95kg schwer. Ein Bilderbuchathlet aber er wird seine Kilos über die Strecke wuchten müssen . . . wir lachen uns an und freuen uns auf die bevorstehenden Qualen. Es steht fest, dass wir nicht hier sind um die Letzten zu werden. "Es wird weh tun" sage ich zu Ihm und lache Ihn an, er lacht zurück und sagt, ". . . ist ja kein Kindergeburtstag hier" Auch er hat Freude daran sich anzustrengen. Noch ein kurzes Telefonat mit meiner Freundin, Sie ist verreist und wird mich nicht an der Strecke anfeuern können, aber natürlich drückt Sie mir die Daumen. Das wird hier heute ein Solo. Endlich ist es soweit, es ist ein NightRun und um 20:30 fällt der Startschuss aber nichts bewegt sich, wir stehen dummerweise viel zu weit hinten und es vergehen beinahe 5min. bis auch wir uns in Bewegung setzen. Schnell wird klar, dass man in diesem Pulk keine gute Zeit wird laufen können. Eigentlich . . . . ich komme mir vor, wie ein Karnickel vor auf das geschossen wird. Ich bekomme Ellbogen in die Hüften, Menschen treten mir in die Hacken, ich drängele mich durch, weiche nach Links und rechts aus, werde geschubst und schubse andere, ich lande eingeklemmt zwischen den Massen und wühle mich wieder frei, weiche aus auf den Bürgersteig und wieder zurück auf die Straße. Der erste Kilometer ist der blanke Horror und zahllose Flüche werden mir hinterhergerufen. "Herrschaften, ich bin hier um zu gewinnen !" denke ich und reagiere nicht. Langsam werden die Lücken größer und erlauben mir nach und nach ein gleichmäßiges Laufen. Die Strecke ist topfeben, keine Steigung aber auch kein Gefälle und leider auch kein Wind. Keine echte Kühlung und die Hitze wird zu einem weiteren bösartigen Gegner. Die ersten 3-4km fühlen sich gut an und mein Tempo auch. Dann beginnen aber die Ausweichmanöver und die Hitze Ihren Tribut zu fordern. Die Kehle ist trocken wie die Wüste Gobi, die Beine werden schwerer, das Herz rast, ich spüre meinen Puls am Hals und versuche bei jedem Atemzug soviel Sauerstoff wie möglich in meine Lungen zu pumpen . . aber es scheint den Muskeln einfach nicht zu reichen. Vor meinem geistigen Auge flimmert das Bild eines römischen Streitwagens. Der muskulöse, braungebrannte Wagenlenker in glänzend, polierter Rüstung repräsentiert meinen Willen und er peitscht auf die schnaubenden Rösser ein, die meine Muskeln darstellen. Ein surealer Gedanke. Ich weiß sehr genau was gerade in meinem Körper, in meinen Musken passiert. Laufe ich zu schnell, überschreite ich zu lange die anaerobe Schwelle, gelangt zu wenig Sauerstoff in meine Muskeln, die wir irre versuchen Leistung zu erzeugen und es wird zuviel Laktat (ein Stoffwechselprodukt) gebildet, welches verhindert, dass die Muskeln sich zusammenziehen können, die Konsequenz ist, ich werde zwangsläufig stehen bleiben. Ich darf nicht zu schnell laufen, sonst kann es sein, dass ich womöglich ein paar hundert Meter vor dem Ziel umfalle . . . aber zur Zeit besteht die Gefahr nicht . . . ich kann schon jetzt nicht mehr. Kilometer 7, kurz vor der letzten Wende, ich will wenigstens in die Nähe meiner Bestzeit kommen, eine Zeit zwischen 47 und 48 min. aber es kommt mir vor als würde ich langsamer werden. 2km vor dem Ziel werde ich jetzt nicht spazieren gehen, jetzt nicht . . . und es beginnt der wahre Kampf. Ich versuche locker zu bleiben, locker zu laufen, die Arme leicht angewinkelt mitschwingen, die Schultern nicht verkrampfen, gleichmäßig traben, den Blick vor mir auf den Asphalt genagelt. Jede Faser in meinem Körper lechzt nach Sauerstoff, schreit mich innerlich an "bleib doch stehen" und hat schon längst die rote Fahne gehisst . . . die Dämmerung hat schon längst eingesetzt als ich endlich den Zieleinlauf erblicken kann. Nur noch ein paar hundert Meter . . . es ist geschafft . . . aber was ist das? Die Zielzeit liegt bei weit über 49min. . . . für einen Augenblick große Enttäuschung, waren die Monate der Vorbereitung und die Qual doch umsonst . . . aber es klärt sich auf . . . das war nur die Bruttozeit. Meine Zielzeit über 10km waren 45min:47sek. Halleluja . . . ich war weit schneller als gedacht, war ca. 4min:20sek. pro Kilometer schnell und habe meine Bestzeit, für die ich einmal sehr viel mehr trainiert hatte, nur um 29 sek. verfehlt. Was sind schon 29sek.? . . . 29sek. das ist die Zeit, die ich beim Freikämpfen auf dem ersten Kilometer habe liegenlassen . . . Und ich dachte, ich wäre langsam. Was zählt da eine Plazierung? Von gut 7000 Läufern bin ich 958.igster geworden und in meiner Alterklasse M45 von knapp 600 Läufern habe ich den 143.igsten Platz belegt. Sicher nicht schlecht, aber auch nichts womit man jetzt angeben könnte. Aber eine Zeit ist nicht wirklich das was zählt . . . wichtig ist Eines. Warum laufe ich 10.000m? . . . weil ich es kann!

Wer sich tatsächlich nun für den detaillierten Rennverlauf interessiert, kann sich die Zeiten pro Kilometer und den Streckenverlauf auf http://www.buddyrunner.com/lars.baeter anschauen. Diese Daten werden von meinem Handy via GPS aufgezeichnet und dann auf diese Webseite übertragen.