Montag, 9. November 2009

und das ist gut so . . .

Der graue Novembertag könnte einem Roman entsprungen sein. Noch trostloser, noch nasskälter, noch nebliger und noch grauer konnte ein Tag wohl kaum sein. Nichtmal richtig hell wollte es an diesem Tag werden und dennoch. Bei genauerer Betrachtung, war alles eine perfekte und wunderschöne Komposition. Eine Komposition aus dem trüben Grau und den immer noch leuchtenden Farben der letzten Blätter, die sich zitternd an dürre Äste klammerten . . .

Es ist frü
her Nachmittag als ich Sonntag am 08. November auf dem ehemaligen und ziemlich einsamen Mauerweg jogge. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken, die den ganzen Himmel, wie eine graue Pferdedecke überziehen. Das Laub der Sträucher und Bäume hat sich wie ein Teppich über den rissigen Asphalt gelegt und dämpft meine Schritte. Die goldgelben kleinen Blätter der Birken, das braune Laub der Buchen oder leuchtend rotes Eichenlaub liegt wie ein wunderschönes Pottbourrie aus dem Füllhorn der Farben, kunterbunt arrangiert zu meinen Füßen und haucht diesem Tag eine melancholische Stimmung ein.

Ich genieße es diesen schmalen Weg entlang zu traben . . . über viele Kilometer zieht er sich teilweise schnur gerade rund um Berlin. Auf der östlichen Seite des Weges liegen jetzt meißtens große Felder und Scharen von Krähen verteilen sich zwischen den Strünken vom abgeernteten Mais. Nichts erinnert mehr daran, dass hier vor 20 Jahren diese Stadt zuende war. Wenn man nicht vereinzelt durch Wegweiser darauf hingewiesen werde würde, dann würde man es nicht merken, das hier eine Mauer das Land geteilt hat. In Gedanken versunken, den Blick ein paar Meter vor mir auf den Boden gerichtet, laufe ich vor mich hin. Meine Beine finden Ihren Rythmus ganz alleine, ohne das ich daran einen Gedanken verschwenden muss und ein Blick auf meine Pulsuhr zeigt, dass Sie es richtig machen. Laufen ist Balsam für den Körper und die Seele.

. . . . in der Ferne taucht am Rand des Weges ein leuchtender Pfosten auf und als ich näher komme sehe ich einen Kranz an Ihm liegen, ein rotes Gedenklicht und ein Strauß frischer Blumen. Vor ein paar Wochen, war hier noch nichts . . . An dem Pfosten ein Bild von einem jungen Mann. Es ist ein kleines Mahnmal, ein Gedenken an einen Menschne, der hier bei dem Versuch den Todesstreifen zu überwinden, sein Leben lassen mußte. Eine Erinnerung daran, dass dort drüben ein Überwachungsstaat und eine Diktatur existierte, wovor die Menschen fliehen wollten. Selbst heute ist es für mich immer noch so unvorstellbar, dass diese Grenze und das politische System, was Sie errichten ließ, für den Tod sovieler Menschen verantwortlich war. Unbegreiflich auch, dass so viele Menschen von drüben, in Anbetracht der Toten, so verklärend über Ihre DDR denken können.

Ich bin 1964 in Westberlin geboren, da stand die Mauer schon. Als Schuljunge habe ich oft die Sommerferien am Stadtrand bei meiner Tante Gisela und Onkel Rudi verbracht, direkt an der Mauer. Wir haben in den Feldern gespielt und haben versucht Frösche in den Tümpeln zu fangen und hin und wieder haben wir Steine über die Mauer geworfen, oder diese mit Kreide bemalt, einfach nur so . . . auf der anderen Seite der Mauer, die gut 4m hoch war, haben keine Kinder gespielt . . . dort war Todesstreifen, 20 meter breiter fein geharkter Sand, Stalinrasen, Selbstschussanlagen, LKW Sperren, Wachtürme, Gräben und bewaffnete Grenzsoldaten mit Wachhunden.


Jetzt gibt es Sie nicht mehr, und jeder kann wieder in jede Richtung gehen. Die Menschen sind verschieden, Ossi, Wessi . . . es wird noch lange dauern, bis auch die Mauer in den Köpfen eingerissen ist, wohl auch bei mir . . . aber das die Mauer weg ist, die dieses Land getrennt hat, das politische System was Sie einst errichten ließ auch, das ist gut so. Keine Frage.


Nach 12km stehe ich wieder vor deiner Tür. In der Kälte ist mein Atem gut zu sehen und auch sonst dampfe ich wie ein Ross vor mich hin. Das heiße Wasser unter der Dusche dampft auch und entspannt genieße ich diesen Augenblick. Es wurde ein überraschend schöner Lauf auch wenn ich schon lange nicht mehr so schnell wie vor gut 2 Jahren bin, dafür laufe ich nicht oft genug, aber darauf kommt es mir auch nicht mehr an. Ich schaue an mir herab . . . der Muckibude und meinem Fleiß sei Dank, habe ich seit damals jetzt 12kg mehr auf den Rippen . . . und das ist auch gut so.

Mittwoch, 4. November 2009

der kleine Unterschied

Auf dem Tisch stehen Kerzen, frische, knusprige Brötchen imBackofen verströmen diese den herrlichen Duft einer Bäckerei, oft findet sich auch ein Croissant und ein Laugengebäck auf dem Tisch oder eine Tasse heißer Kaffee. Kirsch und Himbeermarmelade stehen aufgereiht neben dem Honig und Nutella, verschiedene Sorten Aufschnitt, eine leckere Cabanossi, etwas Käse, eine (gewaschene Tomate), frische Milch und Kakao, auf dem Frühstücksbrettchen ein Eierbecher mit einem weichgekochten Ei . . . aus dem Wohnzimmer quillt sanfte Musik in die Küche . . . Nein es ist nicht Sonntag . . . es ist einfach ein ganz normaler Morgen, 06:30 und vor Dir sitzt ein frisch rasierter und gepflegter Mann, lächelt Dich an und fragt Dich, während Er Dir ein heißes Brötchen aufschneidet ob Dir noch etwas fehlt . . . du lächelst liebevoll zurück wir genießen die wenigen gemeinsamen Minuten bevor uns der öffentliche Nahverkehr und der Arbeitsalltag aus unserem kleinen Glück reißt . . . ein paar Meter zur U-Bahn und dann 2 Stationen mit dem Bus . . . schon kanns losgehen


CUT . . . Szenenwechsel . . .


Es ist 05:45 als Eros Ramazottis seinen Song L' Aurora aus meinem Handy anstimmt. Ein netter Wecker. Wie Nebelschwaden lösen sich die letzten wirren Träume auf, verschwinden im Nichts und es ist an der Zeit aufzustehen. Eine Hand tastet nach mir, leider ohne Absichten, Sie stellt lediglich fest, dass ich wohl in der letzten Nacht wieder geschwitzt habe. Der Morgen ist genauso Dunkel wie die Wohnung und mit nackten Füße tappe ich auf eiskaltem Boden, noch halbblind ins Bad. Aus meinem Handy quakt leise etwas Musik, wie gut, dass es Internet Radio gibt. Ich wasche mir die Haare und finde tatsächlich ein einzelnes Handtuch. Aus der Zahnpastatube gelingt es mir nur mit äußerster Kraftanstrengung einen letzten, erbsengroßen Rest herauszuquetschen. Irgendwo soll ja eine Neue sein, erinnere ich mich . . . ein flüchtiger Blick in den Drehschrank. Fehlanzeige . . .

Mein Weg führt mich wieder zurück ins Schlafzimmer, zu Dir ans Bett, mit dem Gedanken im Kopf, dir beim ausziehen vom Nachthemd zu helfen und dann mit meinen warmen Händen deine großen *piep* zu *pieeep* . . . . Mmh? . . . Du klingst erkältet, dann wohl doch keine guter Moment, um zu kuscheln oder Fieber zu messen . . . Ich mache das Bett und tapse in die Küche. Sie ist kalt und leer. Gähenende Leere im Brotkorb und das fahle Licht der Dunstabzugshaube beleuchtet schwach die ebenfalls leere Arbeitsplatte. Ich schaue im Froster nach und nehme ein tiefgefrorenes Roggenbrot heraus, was eindeutig Ähnlichkeit mit einem Ziegelstein hat. Mühsam breche ich ein paar Scheiben ab und stopfe Sie in den Toaster, der daraufhin ein wenig Wärme verströmt. Im Kühlschrank entdecke ich neben abgelaufenem Quark, den man aber noch essen kann, etwas Wurst, reichlich Käse und 2 frische Brotscheiben, die ich vorsorglich mitgebracht hatte, um auf der Arbeit etwas zu essen zu haben. Ich packe noch eine reichlich braune Banane dazu und den Rest Tomatensalat von gestern abend. Bis zum Mittag wird das wohl grad so reichen denke ich, als ich alles in meiner Sporttasche verstaue.

Als das Roggenbrot dampfend aus dem Toaster springt, verteile ich die Himbeermarmelade darauf, die ich auch vor ein paar Tagen mitgebracht hatte. Ein wenig appetitlos mümmel ich auf dem Brot herum aber der Zucker in der Marmelade und der Kakao, den ich mir in einem kleinen Topf warm gemacht habe, damit es mich aufhört zu frösteln, wird hoffentlich die Denkfabrik auf meinen Schultern in Schwung bringen.

Du kommst in die Küche, schneidest dir 2 Scheiben Marmorkuchen ab, setzt Dich damit beinahe wortlos ins Wohnzimmer und beginnst damit den Kuchen in deinen kalten Kakao einzutauchen. Ich setze mich dazu . . . im Fernsehen sieht man wie ein Tierpfleger einen Pinguin füttert, dann Nachrichten, eine 16-jährige ist von einem Güterzug überfahren worden, Tot . . . auf Nick läuft Spongebob . . . für wenige Minuten verfliegen die traurigen Gedanken von dem toten Teenager, dieser Schwamm mit seinem verblödeten Seestern und diesem Tentakelviech schaffen es mich zum lachen zu bringen . . . aber nur kurz, ich will Dich damit ja nicht stressen . . . und schalte wieder um. Noch ein paar Minuten Musik aus VIVA und MTV . . . dann geht es ab in die Kälte des grauen Novembermorgens . . . frieren an der Bushaltestelle, frieren am Bahnhof während wir auf den überfüllten Regiozug warten, frieren am Hauptbahnhof bis der Schlenkibus kommt, der mich glücklicherweise vor meiner Firma abkippt . . .


2 Morgen in Berlin . . . einmal in Berlin Lichterfelde und einmal in Berlin Wilmersdorf . . .