Mittwoch, 14. Oktober 2015

What a hell of a ride

Mittwoch d. 14. Okt. 2015, "What a hell of a ride"

SO DU SCHE**DRECKSWETTER .. MEHR HAST DU NICHT DRAUF?? .. NUR NEBEL, FROST, RREGEN UND SCHNEE??? ... IST DAS SCHON ALLLES?? ... HaHaHaHaHaHaHa *Lääächerlich* Da musst Du schon MEHR auffahren .. Ich bin ZU HAUSEEEE  .. und zwar in einem Stück ! ! ! 

Aber von Anfang .. Ich sitze mit meiner Maschine in Mainhardt, das liegt in Baden-Würtemberg, Nähe Stuttgart, Schwäbisch-Hall, ca. 600km süwestlich Luftlinie von Berlin. Am Montag bin ich bei strahlendem Sonnenschein über die Landstraße angereist aber bereits am Dienstag muss ich fassungslos auf die Wetterprognosen für die nächsten Tage schauen .. das Wetter schlägt komplett um und es bahnt sich eine Katastrophe an. Ich muss schleunigst wieder nach Hause .. das heißt gleich am Mittwoch. Also kaum angekommen, heißt es 24 Std. später, alles wieder einpacken und für die Abfahrt vorbereiten.

Mittwoch früh um 06:30 geht es aus den Federn. In der Nacht hat es bereits angefangen zu regnen, glücklicherweise lässt der Regen ein wenig nach als es hell wird, aber alles ist nass und auf den Straßen liegt jetzt viel rutschiges Laub. Eine Rückfahrt über die Landstraßen wäre bei diesen Bedingungen Selbstmord. Mir bleibt also nur die Autobahn und das bei dem angekündigten Wetter. Na das wird ein Knaller.

Als ich um 08:30 losfahre, nieselt es noch und die Wolkenuntergrenze liegt gefühlt in der Reichweite meines ausgestreckten Arms. Es ist bitterkalt. Die ersten Kilometer geht es durch den Wald und die Straßen fühlen sich wie Schmierseife an. Aber bereits in Schwäbisch-Hall rolle ich auf die A6 Richtung Nürnberg. Sie ist zumindest so gut wie trocken aber je weiter ich Richtung Nürnberg komme umso kälter wird es. Als ich endlich nach 140km auf die A9 Richtung Berlin abbiege, liegen noch 440km vor mir und schon begrüßt mich Väterchen Frost mit den ersten weißen Flocken ... Das darf doch nicht wahr sein .. In wenigen Minuten verwandelt sich Alles in eine weiße Winterlandschaft, der Wald, die Felder alles ist eingeschneit, wie Weihnachten, nur das es erst Mitte Oktober ist .. Schnee tanzt über die Autobahn, aber durch den Nebel, der allmählich dick wie Erbsensuppe wird, sehe ich das nicht richtig. Ich habe keine Wahl, stehen bleiben und heulen würde relativ wenig nützen. Meine Strategie .. keine hektischen Bewegungen, wenn möglich NICHT bremsen oder beschleunigen, rollen lassen .. ich klemme mich hinter einen LKW und schwimme mit Ihm mit und das im wahrsten Sinne des Wortes. So ziehen sich die Kilometer dahin .. durch die eingeschränkte Sicht kann ich nicht mal den Ausblick in die Landschaft genießen, da man außer "weiß" nichts sieht.

Ich bin angezogen wie Armstrong auf dem Mond, und die Kälte macht mir somit nicht wirklich etwas aus ... ich trage mehrere Lagen Thermoklamotten (sogar winddichte Thermounterwäsche), ein dickes Langarmshirt, darüber nen Rollkragenpulli, eine dicke Filzweste, eine winddichte, fliesgefütterte Thermohalskrause, eine Ski- (oder wie man auch sagt, eine Sturm-) maske unter dem Helm, darüber meine winddichten Motorradklamotten mit Protektoren UND über ALLEM zusätzlich eine wasserdichte Regenkombi .. aber .. Kälte sucht sich immer einen Weg .. Die Zehen und meine Finger sind zwar von mehreren dicken Wollsocken und Stiefeln bzw. speziellen Winterhandschuhen geschützt ... aber anscheinend reicht es nicht .. ich wünschte, ich könnte eine Heizung aufdrehen oder die Fenster hochkurbeln .. alle 65 - 80km bin ich gezwungen Autobahnraststätten anfahren, um dort aufzutauen. Ein hoch auf mein TomTom Navi welches mir zielsicher, im Helm über mein Headset mitteilt, wie weit es noch bis zur nächsten Raststätte bzw. Tanke ist. Auf dem Weg versuche ich derweil wenig erfolglos meine Finger mit warmen Gedanken von heizbaren Griffen anzuheizen.

Wenn ich dann endlich an der Zapfsäule ankomme, spüre ich meine Finger kaum noch und kann kaum kuppeln, geschweige denn bremsen, was ja hin und wieder recht hilfreich sein kann ... Mit Mühe gelingt es mir den Tankdeckel aufzuschrauben und Sprit nachzufüllen, anschließend stapfe ich mit triefender Nase, etwas ungelenkig in den geheizten Tankshop und spüre sogleich die mitleidigen Blicke der Anwesenden .. "Was für ein Depp" denken Sie vermutlich .. und ich denke "Jaaaa, so Unrecht haben Sie da nicht" ... 2 ältere Damen mustern mich an einer Tankstelle, um mir anschließend mitzuteilen, wie leicht man doch bei dem Wetter verunglücken und sterben könnte .. Ja, vielen Dank, darauf bin ich noch garnicht gekommen, denke ich ... "Vielen Dank, ich werde mich vorsehen" höre ich mich aber nur murmeln und mach mich auf den Weg zum Klo .. die einfachste Übung, verwandelt sich durch die Menge an Klamotten nahezu in eine "Mission Impossible" ... aber bis ich wieder angezogen bin, ist mir zumindest wieder richtig warm und ich kann weiterfahren.

Glücklichweise hört es dann hinter Leipzig auf zu schneien .. und der Schnee verwandelt sich stattdessen in Regen .. Whatthefuck ... Ich muss schon sagen, wer auch immer heute den Joystick in der Hand hält und am Wetter schraubt .. Er hats drauf .. zumindest gibt er sich mächtig Mühe mir in den Arsch zu treten .. dennoch ändert sich nichts wirklich an der Gesamtsituation, ich muss nach wie vor nach Hause, es ist immer noch kalt .. und ich habe keine Wahl .. so halte ich nun zukünftig nicht mehr nur eingefroren an der nächsten Tanke, sondern auch noch nass ..

Alles eine Frage der inneren Einstellung denke ich .. wenn ich etwas nicht ändern kann, lohnt es auch nicht sich darüber aufzuregen. Egal wie beschissen die Situation ist. Der Regen ist nur leicht und mit genügend Abstand zu den Vorausfahrenden bekomme ich nur wenig von der Gischt ab und die Kilometer schmelzen auch bei Tempo 80 -100 allmählich dahin. Schneller fahre ich nicht .. ich möchte nicht unter dem nächsten Laster landen .. Da ich über Bluetooth mit meinem Handy verbunden bin schmeiße ich mir den Mediaplayer an und habe zumindest Musike im Ohr, die wenigstens im Kopf für gutes Wetter sorgt.

Um 08:30 bin ich losgefahren und um 17:30 stehe ich dann endlich wieder vor meiner Haustür. Ich lasse die Maschine noch ein wenig im Leerlauf gluckern und klopfe Ihr freundschaftlich und dankbar auf den Tank .. Mit all den Auftaupausen habe ich also 9 Std. gebraucht. Aber wen interessiert die Zeit, viel wichtiger ist, dass ich unverletzt und in einem Stück bin .. Es gab Situationen in denen ich wirklich Puls hatte, wenn mich LKWs sehr dicht überholt haben oder PKWs zu dicht vor mir einscherten oder ich auf einen schmierigen Streifen kam und das Bike anfing leicht zu tänzeln .. ich hab dann nur versuche ruhig zu bleiben, Gas wegnehmen, rollen lassen und wieder sanft und mit viel Gefühl den halbwegs trockenen Streifen auf der Straße gesucht.

Was soll ich sagen? Schönreden lässt sich das nicht .. die Rückfahrt war nun wirklich ... wie sag ich das? .. Furcht- bzw. Respekteinflößend, beschi...n, überflüßig, unnötig, wenig unterhaltsam .. aber .. ich habe mich so gut es ging darauf vorbereitet, mehr ging nicht .. mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, ich habe Erfahrungen gesammelt, etwas erlebt, wovon ich doch auch erzählen kann. So schlecht ist das nicht, das wird eine gute Geschichte. Ich fühle mich gut auf meiner dicken Harley und ich liebe diese Maschine .. die Meißten, die ein Auto fahren, werden darüber nicht mehr nachdenken, es ist einfach selbstverständlich für Sie .. aber für mich nicht .. noch nicht .. ob bei 40°C Sommerhitze oder bei diesem ekligen Dreckwetter .. Meine Sportster tut genau das wofür Sie gebaut wurde .. und das tut Sie absolut zuverlässig, wie ein Schweizer Uhrwerk .. nur eben aus Milwaukee USA. Sie brummt und brummt, als gäbs kein Morgen und es war ein verdammt gutes und beruhigendes Gefühl, die gleichmäßigen Vibrationen von dem 2-Zylinder Motor zu spüren .. Denn Eins ist mal völlig klar, wenn man schon in Schwierigkeiten ist, tut es gut zu wissen einen Freund bei sich haben der Einen nicht im Stich lässt .. selbst wenn es "ein Ding" ist. Eine wundervolle Maschine.

Nächstes Jahr, werde ich ganz sicher wieder eine Tour machen .. dann kann ich die Erfahrungen verwenden und es besser machen. Ich freu mich schon jetzt darauf. Wenn ich Sowas wie heute packe .. dann gehen noch ganz andere Abenteuer.




Donnerstag, 16. April 2015

Es ist zum in die Luft gehen ..

2014, irgendein Tag im Juni .. Mein Fallschirm ist angelegt, ich bin angeschnallt, meine Instrumente sind justiert, der Luftraum vor mir ist frei und weiße Cumulus Wolken bedecken den azurblauen Himmel wie riesige Luftschlösser ... perfektes Flugwetter. Ich bin startbereit, es kann losgehen.

Ich sitze in einer LS-4, ein Segelflugzeug aus deutscher Produktion von der Firma Rolladen Schneider .. ein Hochleistungseinsitzer, Baujahr irgendwas in den Achtzigern, Flügelspannweite 15m, Abfluggewicht mit mir zusammen, ca. 340kg. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 280km/h werde ich eher nicht ausreizen und die meißte Zeit entspannt zwischen 80 und 110 dahingleiten.

Mein Vorflugcheck ist jetzt abgeschlossen, nur noch ein kurzer Blick auf den Windsack am Startbus, der mir heute ziemliche Seitenwind anzeigt, aber das ist kein Problem und ich schließe die Haube .. quasi im selben Augenblick beginnt innerhalb von Sekunden die Temperatur unter dieser Käseglocke erbarmungslos zu steigen. Mein Segelfliegerhut, der mich vor einem Sonnenstich bewahrt ist bereits klatschnass und meine Sonnenbrille beginnt zu beschlagen.

Von alleine kommt mein antriebsloser Vogel aber nicht in die Luft .. oft werden Schleppflugzeuge eingesetzt, bei uns am Platz übernimmt diesen Job aber eine Startwinde, das ist deutlich preiswerter und sorgt dafür, dass ich mir dieses Hobby überhaupt leisten kann.

Ein Clubkamerad klinkt jetzt erst das Windenseil in die Schleppkupplung, direkt unter meinen Füßen an mein Flugzeug ein und geht anschließend an das Ende meiner rechten Tragfläche. Mein Zeichen "Daumen hoch" signalisiert Ihm, dass ich abflugbereit bin.

Er schaut noch kurz nach hinten, um sich zu vergewissern, dass in diesem Augenblick nicht gerade ein Flugzeug landet, dann hebt er die Tragfläche an, die eben noch im Gras lag und gibt mein Signal an den Startleiter weiter, der auch sogleich zum Telefon greift, um mit dem Windenfahrer am anderen Ende der Leitung den Start einzuleiten. Alleine geht beim Segelfliegen nichts .. man würde nicht in die Luft kommen.

Ich schaue irgendwo an das Ende des Platzes, wo in ca. 1200m Entfernung die Startwinde stehen muss. Mit etwas Mühe kann ich Sie als kleinen bunten Punkt erkennen. Im Grunde ein alter umgebauter LKW mit einer großen Seilwinde auf der Ladefläche.

Während ich schwitze, teilt der Startleiter dem Windenfahrer am Telefon mit, was er dort am Seil zu hängen hat und dass ich startklar bin ... der Ablauf ist genau festgelegt und jeder hält sich daran, denn Unfälle will hier keiner. Vorher festgelegte Startkomandos werden gewechselt und nach ein paar endlosen Sekunden, sehe ich in der Ferne ein kleines Rundumlicht aufblitzen, der Windenfahrer hat den Motor gestartet. Kurz danach beginnt sich wie von Geisterhand das dünne Stahlseil, welches eben noch in etlichen Schleifen vor mir lag, langsam zu bewegen, kurz darauf ist es straff, ein kurzer Ruck und meine LS4 rollt. Mein Wingman läuft ein, zwei Schritte mit, wir rumpeln noch ein paar Meter über die Grasnarbe, Die Beschleunigung drückt mich in die Gurte und nach 3-4sek sind 340kg in der Luft. Mein Fahrtmesser zeigt 110 km/h

Was jetzt folgt, hat man während der Ausbildung und im Laufe der Jahre unzählige Male trainiert .. immer und immer wieder wiederholt, bei den unterschiedlichsten Windbedingungen und Wetterlagen ... jeder Segelflieger muss diesen Startvorgang im Schlaf beherrschen. In kritischen Situationen muss man instinktiv handeln, zum nachdenken, bleibt in der jetzt folgenden Startphase keine Zeit.

Der große V8 Motor in der Startwinde läuft auf Hochtouren und beginnt das über 1km lange und nur ~5mm dünne Stahlseil kontinuierlich auf eine große Trommel aufzuspulen. Im Grunde läuft das so ähnlich ab, wie ein Kind, das mit einem Drachen über eine Wiese rennt ... meine LS-4 wird gezogen, beginnt folgsam in den Steigflug überzugehen und gewinnt schnell an Höhe .. alle Sinne sind hellwach, von dem lautlosen dahingleiten ist in diesem Augenblick auch noch nicht viel zu spüren und der Wind pfeift ordentlich, was mir aber nur Recht sein kann, da ich durch die Lüftung Frischluft unter meine Käseglocke bekomme und das Klima unter meiner Plexiglashaube sofort erträglich wird.

Ich achte darauf nicht zu früh in eine zu steile Steiglage zu kommen .. denn in dem Fall, dass das Seil reisst, was durchaus möglich ist und worauf man jede Sekunde vorbereitet sein muss, könnte eine schwierige Situation entstehen .. aber nachdem mir mein Höhenmesser so 80-100m anzeigt, ziehe ich gefühlvoll am Höhenruder, um besser zu steigen und so eine größere Ausklinkhöhe zu erreichen. Gleichzeitig schaue ich nach Links und Rechts, um meine Fluglage zu überprüfen und auch auf den Fahrtmesser, der eine festgelegte Geschwindigkeit nicht überschreiten bzw. auch nicht unterschreiten darf, tut er es doch bestünde einerseits die Gefahr eines Seilrisses oder werde ich zu langsam könnte durch die fehlende Luftströmung, das Segelflugzeug in eine unkontrollierbare Fluglage geraten ... in dieser geringen Höhe nutzt dann auch mein Fallschirm nichts.

Es hört sich viel an, auf was man achten muss und das ist es wohl auch aber dennoch ist diese Startart überall auf der Welt, seit Jahrzehnten bewährt und extrem sicher. Bei uns wird jedes Jahr mehrere tausendmal so gestartet und bis auf wenige folgenlose Seilrisse, hat es bislang keine Vorfälle gegeben.

Über Funk höre ich die Durchsage "nach Links vorhalten" .. heute haben wir ziemlichen Seitenwind, der mich nach Rechts versetzt hat und ich habe es zu spät bemerkt .. das könnte später beim einholen des Seils womöglich zu Komplikationen an der Winde führen, also korrigiere ich mit dem Seiten- und Querruder die Fluglage, um dem Wunsch des Flugleiters zu entsprechen. Mein Segelflugzeug folgt brav den Ruderausschlägen und alles ist wieder so wie es sein soll .. 200m, 250m, 300m .. das Steigen lässt nun allmählich nach und die Fluglage wird flacher. Während des gesamten Startvorgangs ist der größte Teil des Stahlseils aufgespult worden aber dennoch hat es heute für eine Höhe von 400m gereicht ... ich habe das Höhenruder nachgelassen, spüre deutlich das der Zug vom Windenseil nachlässt und ziehe an der Vorrichtung zum Seil ausklinken .. es rutscht aus der Kupplung und fällt, gebremst von einem kleinen Fallschirm zu Boden .. alles ist glatt gegangen. Ich bin frei.

Mit einem Ruck am Fahrwerkshebel verschwindet mein Einziehfahrwerk im Radkasten, die Fahrwerksklappen schnappen zu und sofort wird es im Cockpit deutlich ruhiger, mein schlankes Segelflugzeug hat nun quasi keine Ecken und Kanten mehr, keine Spalten, praktisch nichts was Geräusche verursachen könnte, Die Oberfläche ist so glatt, dass der Blick darauf ausrutschen würde und bei Tempo 90 hört man kaum etwas, nur das leise rauschen des Windes. Meine LS-4 schmiegt sich in die Luftströmung und gleitet wie auf Watte getragen in einem Element was wir nicht anfassen können. Ab jetzt übernimmt die Schwerkraft, die mich zu Boden ziehen will ... aber ich werde versuchen Sie daran zu hindern. Etwas Glück gehört immer dazu und es ist beinahe wie ein Duell, welches am Ende zwar immer die Schwerkraft gewinnt, aber es hängt von mir, von meinem Geschick und natürlich vom Wetter ab, wie lange ich den Sieg der Schwerkraft hinauszögern kann. Ich muss Aufwinde finden, die mich mit nach oben nehmen. Aufwinde, die man dummerweise nicht sehen kann. Aber ich habe Hilfe dabei.

Cumulus Wolken, große weiße Quellwolken sind meine Verbündeten. Unter Ihnen steigt warme, feuchte Luft auf, Sie kühlt sich auf dem Weg nach oben ab, bis Sie nicht weiter aufsteigt und die Feuchtigkeit kondensiert .. eine Wolke entsteht. Das heißt, so hoch wie meine Wolken fliegen, kann ich auch kommen .. aber ist der Himmel blau, wird es schwieriger .. wieder brauche ich etwas Glück, man fühlt es im Hintern, wenn das Flugzeug angehoben wird, bevor es meine Instrumente anzeigen. Ich beobachte den Boden, dunkle Flächen ziehen Wärme an, Helle strahlen Sie ab .. ich halte Ausschau nach Vögeln, denn Sie wissen ganz sicher wo es hochgeht und Sie fliegen, weil es Ihnen Freude macht, da bin ich mir ganz sicher. Sie genießen es .. so wie ich ... schon spüre ich wie ich angehoben werden und auch mein Variometer beginnt zu zwitschern, was bedeutet .. hier geht es aufwärts .. ich kreise ein und das Spiel beginnt. Segelfliegen kann süchtig machen.


Samstag, 21. Februar 2015

Keep moving forward

"Ich werd dir jetzt was sagen, was du schon längst weißt.... 
Die Welt besteht nicht nur
aus Sonnenschein und Regenbogen.
Sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort.
Und es ist ihr egal wie stark du bist
- sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen,
wenn du es zulässt... 
Du und ich 
- und auch sonst keiner
- kann so hart zuschlagen wie das Leben !
Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann... 
Es zählt bloß, wieviele Schläge man einstecken kann
und ob man trotzdem weitermacht.
Wieviel man einstecken kann und trotzdem weiter macht.
Nur so gewinnt man !

Wenn du weißt was du wert bist ,
dann geh hin und hol es dir.
Aber nur, wenn du bereit bist die Schläge dafür einzustecken !
Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag
du bist nich da wo du hinwolltest,
wegen ihm oder wegen ihr,
oder sonst irgendjemandem.
Schwächlinge tun das !
Und das bist Du nicht

DU bist besser!"


It's all about



Samstag, 14. Februar 2015

Ein Bett, ein Königreich für ein Bett

Es ist ein frostig kalter Februarmorgen und leichter Nebel macht sich in den Straßen breit. Er verwandelt das noch schwache Tageslicht in einen grauen Schleier, der alles mit Reif überdeckt und farblos erscheinen lässt. Auch wenn ich nach oben schaue, deutet nichts daraufhin, dass irgendwo über der grauen Pferdedecke, die den gesamten Himmel bedeckt, die Sonne scheint ... Ich laufe Gedankenversunken die letzten Meter von der U-Bahn Station zum Büro und denke an diesen Blog. "Ob Ihn wohl jemand lesen wird, ob es jemanden interessiert was ich mache oder denke?" frage ich mich und stelle gleichzeitig fest, dass es ansich unbedeutend ist .. mein Leben ist Eines von 7 Milliarden Menschen auf der Welt, im Grunde nichts Besonderes. Aber für mich, ist es eben Besonders, weil es ja mein Leben ist und selbst wenn diese Zeilen in abermillionen Zeilen, die jeden Tag geschrieben werden einfach untergehen und das werden Sie wohl .. für mich ist es Therapie.

Mitunter fällt doch jeden mal auf, wie selbstverständlich für uns so viele Dinge geworden sind, Dinge, die wir jeden Tag benutzen ohne daran zu denken, wie Sie funktionieren oder wo Sie herkommen. Wär ja auch irre, wenn man jeden Tag auf die Knie fallen würde, nur weil der Bus kommt oder das Handy das tut, was es soll .. aber manchmal sind es wirklich die einfachsten Dinge, die so besonders sind.

... Spätsommer 1992. Meine Ex-Frau war mit unserem Sohn schwanger und die Firma für die ich damals arbeitete war gerade in Konkurs gegangen. Nicht gerade der beste Moment, um aus unserer 1-Zimmer Wohnung in eine 3-Zimmer Wohnung umzuziehen, aber es ergab sich eine günstige Gelegenheit für einen Wohnungstausch und den nutzten wir.

Es war eine Altbau Hinterhof Wohnung im Parterre. Die Wände, des sehr kleinen Innen- hofes, bei dem selbst im Sommer nur wenig Sonnen- licht direkt den Boden erreichte, waren bis unter die Dachrinne mit Wein bewachsen, was vom Frühling bis weit in den Herbst wunderschön aussah. Das dichte Blätterkleid des wilden Weins, in dem sich an wenigen Wochen im Frühling, tausende von Bienen, summend an winzigen Blüten labten, hatte etwas von einem Märchenschloss.


Unsere Wohnung, war eine Garten-hauswohnung und hatte Ihren Eingang direkt vom Innenhof. Allerdings lag Sie auch auf der Nordseite und direktes Sonnen- licht erreichte uns nie. Es war also schon recht schattig und auch etwas fußkalt, denn unter unter lag ja nur ein muffig, feuchter Keller, der natürlich nicht beheizt wurde. Aber es war eben das, was ich mir leisten konnte, es sollte unser Zuhause werden und mit hochgekrempelten Ärmeln und viel Liebe verwandelte ich nach und nach, die doch sehr herunter- gekommende Bruchbude in ein hübsches Zuhause. So gut es eben ging, denn Zeit hatte ich vorübergehend genug.

Der Schnitt war leider etwas ungünstig, denn das Wohnzimmer war ein Durchgangszimmer und anstatt der versprochenen 80qm blieben nach dem Ausräumen und sorgfältigem ausmessen nur 63qm übrig was nicht wirklich viel war. Als wir die Wohnung besichtigt hatten, wohnte ein sehr alter Mann darin, Herr John, der damals bereits 83 Jahre alt war. Er war der ehemalige Inhaber einer kleinen Drogerie bei uns in der Straße und hatte die Wohnung, in der er sein ganzes Leben verbracht hatte, mit dem Nachlass seines Ladens vollgestellt, so dass wir die Größe der Wohnung bei der Besichtigung nur ahnen konnten. Zurück konnten wir nicht mehr und da wir nun mal da waren, blieben wird auch, denn die Gegend in Wilmersdorf, Nahe dem Ludwigkirchplatz war einfach schön und eine Alternative gab es ohnehin nicht.

Es war ein einziges Chaos. Wieviel Arbeit es machen würde, hatte ich nicht vorher sehen können, da ich aber ein recht geschickter Handwerker war und die Erlaubnis der Hausverwaltung hatte begann ich Alles rauszureissen und es blieb kaum ein Stein auf dem Anderen. So wie im zukünftigen Bad sah es quasi in der ganzen Wohnung aus und an ein Einziehen war nicht zu denken. Die ersten 2 Monate schliefen wir bei Freunden auf einer Luftmatratze.





Ich verlegte Elektrik neu, riss unnötige Wände ein, um mehr Platz zu schaffen, baute die Küche und das Bad komplett neu, denn schließlich wollten wir irgendwann zu 4 sein. Ich hängte Decken ab, mauerte Türen zu und setzte Neue ein und mit der Erlaubnis eines Statikers und erheblichem Aufwand baute ich sogar ein zusätzliches Fenster mit Ausblick zu einem weiteren Hinterhof ein, um ein wenig mehr Licht in die Wohnung zu bekommen. Am Ende schliff ich das Parkett ab.





Leider waren die 2 verbleibenden Zimmer nicht sehr groß und mit 8-9qm kaum größer als eine geräumige Kammer, aber Sie mussten als Kinderzimmer reichen. Da ich mir damals, während meiner eigenen Kindheit mit meinen 2 Geschwistern ein Zimmer teilen musste, wollte ich das meinen Kindern nicht zumuten. Sie sollten zumindest Ihr eigenes Reich bekommen, selbst wenn es klein war und da ließ ich auch nicht mit mir verhandeln, auch wenn meine Ex-Frau ein Schlafzimmer wollte.

Im Laufe der Jahre wurde es aber dann doch immer enger, unsere Lisa war nun auch schon auf der Welt und Ehekrisen begannen sich zu häufen. Für ein Schlafsofa war das Durchgangszimmer überhaupt nicht geeignet, weil es ohnehin schon als Esszimmer, Arbeitszimmer, Fernsehzimmer und Besucherzimmer genutzt wurde und nachdem ich in den Kinderzimmern Hochbetten eingebaut hatte, um Platz zu schaffen, entwickelte sich eine ungewöhnliche Situation. Meine Tochter hatte ein hübsches Bett und meine Frau und ich hatten vor auf dem Hochbett zu schlafen. Aber daraus wurde nichts. Es war unmöglich von dort etwas Tageslicht zu sehen oder überhaupt ein Blick aus dem Fenster zu werfen und so kam ich mir vor als würde ich in einem Sarg liegen, die häufigen ehelichen Differenzen taten dann Ihr übriges. Meiner Tochter gefiel im übrigen diese riesige Spielwiese großartig und oft versank Sie dort quietschend vor Vergnügen unter unzähligen Stofftieren auf Ihrem Hochbett.

So kam es dann, dass ich irgendwann jeden Abend direkt unter dem Fensterbrett im Zimmer meines Sohnes ein paar Spielsachen beiseite schob, leise eine Matratze hinlegte und auf dem Fußboden schlief. Wenn ich aufwachte konnte ich zumindest ein wenig aus dem Fenster schauen und ein Stück vom Himmel sehen. Mein Junge schlief auf seinem Hochbett und ich schlief auf dem Boden und so sollte es die restlichen Jahre bis zu meiner Trennung bleiben. Nach 17 Jahren Ehe war Feierabend.

Bevor ich mit meinen Habseligkeiten verschwand, renovierte ich für meine Kinder und die Noch-Ehefrau das Wohnzimmer und die Kinderzimmer. Neue Sofas, Couchtisch und Esstisch, Stühle, Schränke, Vorhänge. Wenn denn schon Ihr Papa nicht mehr zu Hause war, so sollten Sie es wenigstens schön haben. Alles wurde neu und das letztes Ersparte ging für eine überfällige Renovierung drauf und weil das alleine nicht reichte strapazierte ich noch meine IKEA Kundenkarte.  Rückblickend betrachtet, habe ich es für meine Kinder getan, vielleicht wollte ich aber auch mein Gewissen beruhigen .. nur mir selber hatte ich damit keinen Gefallen getan denn ich musste nun von Null anfangen.

Als ich schließlich auszog hatte ich nicht viel was ich mitnehmen konnte. Außer meinen persönlichen Dingen hatte ich eben meine Matratze und einen Kleiderschrank, den meine Tochter nicht mehr brauchte. Das war es und für den Umzug reichte ein geliehener Kombi.

In meiner eigenen Wohnung, was auch gleichzeitig meine erste eigene Wohnung überhaupt war, hatte ich nur die nötigsten Dinge und Vieles war gebraucht. Manches aus der Zeitung, aus Wohnungauflösungen, so wie der Kühlschrank und die Waschmaschine und ein paar einfache Regale von IKEA, viele Umzugskartons, mit meinen Habseligkeiten .. naja und eben meine Matratze.

Irgendwann lernte ich Ursula kennen und ich merkte schnell, dass Liebe wohl doch nicht alle Hindernisse so einfach überwindet. Der Zustand meiner Wohnung grauste Ihr aber ich war leider nicht in der Lage es hübscher zu machen. Ich versuchte was eben möglich war, aber eine Matratze auf dem Fußboden und ein Sessel den man aufklappen konnte, mehr hatte ich nicht zu bieten. Ich schämte mich aber was hätte ich tun sollen? Sie selber hatte eine schöne, kleine 2.Zimmer Wohnung im reichen Süden Berlins, gelegen am Stadtrand in Lichterfelde. Nach Ihrer Ansicht leider zu klein für 2 und ohne Auto auch ohnehin ganz schlecht zu erreichen. Es lief von Anfang an nicht ganz reibungslos zwischen uns und das Thema 'zusammenziehen' sollte nicht so richtig aufkommen und so pendelte Sie mal zu mir oder ich zu Ihr. Ich gab mir halt so große Mühe wie ich konnte, um es Ihr dennoch irgendwie heimelig zu machen, damit Sie länger bleiben würde, aber es hat eben alles seine Grenzen.

Eines Tages, um genau zu sein war es wieder einer dieser besagten Geburtstage, an denen ich ziemlich deprimiert und niedergeschlagen von der Arbeit nach Hause kam, da stand Sie mitten in meinem Wohnzimmer .. umgeben von Kisten, etlichen Holzteilen und ein paar fremde Menschen schleppten noch weitere Dinge in die Wohnung  ... Sie hatte ein Bett gekauft.

Als Sie mich sah brach sie in Tränen aus, denn eigentlich sollte es schon zusammengebaut sein, aber wie es immer so ist, war etwas schiefgegangen und nun kullerten dicke Tränen über Ihre Wangen. Ich war völlig sprachlos und wusste nicht was ich denken oder sagen sollte. Ich weiß noch, wie ich sie einfach in den Arm nahm, drückte und küsste und Ihr versicherte, dass Sie das schönste Geschenk auf der Welt war und es für mich eine Kleinigkeit war, so ein Bett selber zusammenzuschrauben. Schluchzend sagte Sie, dass Sie mir das aber doch abnehmen wollte und ich lachte nur und gab Ihr zu verstehen, dass ein "Bastel-Wastel" wie ich doch Freude daran hat etwas zusammenzuschrauben.

Sie war überall im Freundeskreis, bei Ihren Eltern und bei unseren Kindern sammeln gegangen, um dieses Bett, neue Matratzen und die Lattenroste kaufen zu können. Sie hatte gespart und alle hatten zusammengelegt und nach ein paar Stunden Schrauberei war das Werk vollendet. Ich kann Euch nicht wirklich beschreiben, was das für mich als erwachsener Mann für ein Glücksgefühl war, zum ersten Mal nach so vielen Jahren auf einer richtigen Bettkante zu sitzen, und sich dann auf die weiche Matratze fallen zu lassen.


Ich hatte gut 10 Jahre lang auf dem Fußboden geschlafen und nun mit 46 hatte ich jetzt endlich wieder ein eigenes Bett. Wenn ich nun am Morgen aufwachen würde, konnte ich mich aufsetzen, mir den Schlaf aus den Augen reiben, vielleicht einen Augenblick sitzen bleiben und dann ohne Verrenkungen aufstehen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass viele Menschen nachvollziehen können, wieviel mir das bedeutet hat und auch heute noch bedeutet. Ich kann mir vorstellen, dass Andere das albern oder gar lächerlich finden, ich bin aber dankbar und glücklich über dieses Geschenk. Gleich nach einer schönen Küche, ist ein warmes eigenes Bett wohl der schönste Ort in einer Wohnung.





Sonntag, 8. Februar 2015

Fifty years and a little grey

Ich gebe es zu, ich gehöre zu den Menschen, die Geburtstage in Wahrheit nur als Kind mochten, in einer Zeit, als es noch Spielsachen gab, in der Klassenkameraden und Freunde, bunt eingepackte Geschenke brachten und an denen man eine Geburtstagstorte geschenkt bekam, mit einer übersichtlichen Anzahl an Kerzen, die man mit einem Atemzug ausblasen konnte.

Das heißt, spätestens ab 30 aufwärts kippte dieses Gefühl. Spielsachen gab es eh nicht mehr, die musste man sich schon selber schenken und stattdessen bekam ich immer mehr Körperpflegeprodukte, Antifaltencremes oder Verlegenheitsgeschenke von der Sorte "Ich wusste nicht, was ich Dir schenken sollte, Du hast ja eh schon Alles .. hier ein Gutschein" na Super . Geburtstagstorten buk ich mir selbst und zum Kerzen ausblasen, wäre wohl nach und nach ein Laubgebläse recht hilfreich gewesen.

Selbstverständlich genoss ich die Liebe meiner Kinder, Sie strahlten übers ganze Gesicht, wenn Sie meist noch im Schlafanzug und Nachthemd vor mir standen und mir Ihre Geschenke überreichten. Es waren so oft zuckersüße, selbstgemalte Bilder oder selbstgebastelte Geschenke, die von einem Kilometer Klebeband zusammengehalten wurden. Mein Gott, das habe ich wirklich geliebt und Sie waren wertvoller als jedes gekaufte Geschenk .. zu guter Letzt gab sich auch meine Ex-Frau Mühe d.h. wenn wir uns ausnahmsweise einmal nicht gerade stritten.

Aber umso älter ich wurde, umso mehr veränderten sich Geburtstage zu einer mehr oder weniger teuren Bewirtungsveranstaltung für Familie und Freunde, bei der man nicht nur einen Haufen Arbeit hat, sondern am Ende auch noch die Rechnung bezahlt ... am liebsten hätte ich meine Geburtstage ausfallen lassen aber ich muss der Ehrlichkeit halber auch wohl zugeben, dass es den einen oder anderen Geburtstag gab, der wirklich großartig war und den ich wohl auch nicht vergessen werde .. so war einer der Besten, mein 40. mit "Cäpten Icke" !! Jürgen, mein Freund, falls Du das hier liest .. Das werde ich Dir nie vergessen ! ! Unser Trip nach Duxford, das großartigste Geschenk, welches ich je zu einem Geburtstag bekommen hatte. Ich war vorher noch nie im Ausland und schon erst recht nicht, auf solch einer Airshow. Das war der Wahnsinn.

Dennoch, die schönen Geburtstage, kann ich an einer Hand abzählen. Ich hasste es älter zu werden. Das mir immer mehr die Freude auf den Geburtstag verging, lag aber nicht allein am fehlenden Spielzeug und auch nicht ausschließlich am älter werden. Der eigentliche und entscheidende Grund war die Frage "Wieviel bleibt noch vom Leben, um die immer länger werdende Bucket-List" abzuarbeiten?" ... Meine Erwartungen deckten sich so garnicht mit dem was war.

Nun ist das mit Erwartungen ja so eine Sache .. man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass Sie eintreten, selbst wenn man noch so sehr glaubt alles richtig zu machen .. und dann ist es besonders dumm wenn man nicht von Ihnen lassen kann .. selbst wenn man das gerne wollte. Ich hatte einfach diese naive Vorstellung, dass das Leben mehr für mich vorgesehen hatte.

Aber irgendwie sollte es nicht sein. Meine Bemühungen beruflich voranzukommen und somit die finanzielle Leiter des Erfolgs allmählich zu erklimmen, wurde von vielen Hindernissen, eigenen Unvermögen, schwierigen Chefs und wohl auch oft einfach nur vom Pech konterkariert. Anstatt steigendem Einkommen, hatte ich es nur mit steigenden Kosten zu tun und so geriet an den Geburtstagen etwas Anderes immer mehr in meinen Fokus.

Es war eine einfache Gleichung? .. ich saß da und rechnete .. "Die zurückgelegten Jahre plus die gefühlte Anstrengung plus mein Bankkonto im Verhältnis zum "Wie weit war ich gekommen?" .. und diese Rechnung ergab schon lange vorhersehbar, immer eindeutiger und hartnäckig nur ein Ergebnis .. Aufwand und Ergebnis standen in keinem Verhältnis. Ich kam Jahr um Jahr nicht wirklich aus den Startblöcken .. und ich fragte mich nur noch .. Warum? Was mache ich falsch?

Natürlich sorgte ich so gut es ging für meine Familie, erfüllte meine Verpflichtungen und wusste welche Verantwortung ich hatte .. aber ich sah auch immer mehr die Ursachen, die sich als Verursacher für den fehlenden Aufstieg identifizieren ließen ... meine berufliche Laufbahn, war nach einigen Irrwegen, alles andere als gradlinig verlaufen. Ich war nach einer Umschulung erst spät gestartet und ich hatte auch keinen akademischen Abschluss. Eine Folge dessen war beruflicher Stillstand und eine stagnierende Lohnentwicklung. Bei stetig steigenden Ausgaben, waren die Konsequenzen sowohl unvermeidlich als auch glasklar zumal ich auch mal ein paar € nur für mich ausgeben wollte.

Als einfacher Angestellter mit einem Berliner Normalo-Lohn und als Alleinverdiener quälten mich u.a. horrende Kitagebühren, immer wiederkehrende Ausgaben für Reparaturen an schwächelnden Haushaltsgeräten oder der notwendigen Familienkutsche. Möbel, Handies, Computer, Taschengeld, Sparbücher der Kinder, Klamotten und vieles mehr für die Familie mussten öfter angepasst oder erneuert werden als mir lieb war. Stetig steigende Lebenshaltungskosten und jährlich folgten auch in schöner Regelmäßigkeit völlig unverständliche und horrende Einkommenssteuernachzahlungen an das Finanzamt anstatt erhoffter Rückzahlungen. Dann waren da die Kindergeburtstage, nicht nur die der eigenen, sondern auch die von befreundeten Kindern, Ostern, Weihnachten, Sommerferien, Schulsachen, Fahrräder und, und, und .. Familiäre Unterstützung? Oma und Opa? Fehlanzeige, die gab es nicht. Meine Eltern waren schon lange tot und die Schwiegereltern lebten in der Pfalz und reisten sehr gerne .. z.b. nach Australien. Kontakt zu anderen Verwandten gab es nicht und damit war die Nummer mit der Verwandtschaft durch. So wurstelte ich mich durch die Jahre. Fortschritt? Null !

Spätestens die Scheidung 2007 war es dann, die mir endgültig den Hahn abdrehte .. die entsprechenden, nicht recht bedachten Konsequenzen, taten Ihr übriges. Erst die Anwaltskosten, dann den ersten eigenen Haushalt nach der Trennung komplett neu ausstatten, denn ich nahm nichts mit und es folgten viel höhere Steuerabzüge nach dem Steuerklassenwechsel. Vom Brutto blieb nun noch weniger und die Ebbe in der Brieftasche wurde größer. Die ausbleibenden Lohnanpassungen und die erbarmungslosen Unterhaltszahlungen, die von nun an alleine 1/3 von meinem Lohn auffraßen, gaben mir nach und nach den Rest. Die Ausführungen, was das für Konsequenzen hatte, beim Versuch eine neue Beziehung aufzubauen, erspare ich mir. Ein Desaster.

Eines war für mich aber nie eine Frage .. der Unterhalt. Für meine Kinder wollte ich nur das Beste. Sie sollten es nicht schlechter haben, nur weil es die Eltern versemmelten. Sie sollte alles bekommen, was Sie brauchten, um eine Chance zu haben gut ins Leben zu starten und natürlich gab es zu Ihrem Geburtstag auch weiterhin etwas und auch Weihnachten sollten Sie nie leer ausgehen. Alles zusammen war viel mehr als ich erwartet hatte und es blieb mir fast nichts übrig. Ich lebte fortan wie eine Knastbruder mit Freigang.


Das Risiko, eines Arbeitsplatzwechsels, um eventuell mehr zu verdienen, wagte ich nicht mehr. Es erschien mir zu riskant, denn eine Arbeitslosigkeit hätte am Ende nur meine Kids getroffen. Schlussendlich hatte ich mich durch die Scheidung 'freigekauft' und das war nun der Preis. Wenigstens musste ich kein Auto mehr bezahlen, das hatte schon vor der Scheidung das Zeitliche gesegnet. Nach einigen Recherchen im Internet erfuhr ich immerhin, dass es vielen geschiedenen Väter auch so ging wie mir und viele schafften es garnicht. Ein schwacher Trost.


Es blieb dabei, widerwillig rechnete ich an jedem Geburtstag ab und verdarb mir meine Laune .. keinen Schritt vor und nur mit Mühe keinen zurück ... irgendwie blieb ich am Start und sah von Jahr zu Jahr, mehr und mehr meinen Freunden oder Arbeitskollegen hinterher, die nicht müde wurden, mir Ihre Geschichten von einem blühenden Leben mit schönen Urlauben, diversen Neuanschaffungen, Shopping Orgien und anderen Freuden des Lebens aufzutischen. Ich hasste die Frage "... und? wo fährst Du hin? .." Ihr Leben entwickelte sich, so wie ich es mir für Meines vorgestellt hatte. Bei mir lief es nicht.

So war es also und so blieb es .. es war Jahr um Jahr gleich enttäuschend und mir wollte nichts Einfallen, wie ich es hätte ändern können. Persönliche Bemühungen oder berufliche Anstrengungen, nichts davon trug Früchte und das Erreichte stand zumindest gefühlt, nie in einem richtigen Verhältnis … obgleich ich natürlich nicht Nichts erreicht hatte, so war es irgendwie nie das, was ich mir vorgestellt bzw. angestrebt hatte. Mein Eindruck war, wohin ich mich auch umsah, andere Menschen in meinem Alter, waren weiter. Nun muss man nicht unbedingt der Klügste sein, um Erfolg zu haben .. manchmal genügt es auch dem richtigen Menschen zu begegnen oder eben einfach nur Glück zu haben. Aber auch das geschah nicht.

Ich kenne die ganzen klugen Sprüche, von wegen .. Glück und Zufriedenheit messen sich nicht an Besitztümern .. aber das wollte ich nicht hören. Auf der Stelle treten, während man älter wird und die Jahre verrinnen, macht eindeutig nicht Glücklich, zumal man keinen Ausgleich hat und stattdessen immer mehr Träume und Wünsche vor sich her schiebt. Wer hat schon Bock auf andauernd negative Erfahrungen, die Einen angeblich doch so viel reifer machen? Mal ist ja gut, aber andauernd? Ich nicht. Irgendwann will man auch ein Stück vom Kuchen und wenn man merkt, dass es eher abwärts geht, dann setzt das Einem ganz schön zu. Vor allem wenn man daran denkt, dass man irgendwann für den einen oder anderen Wunsch zu alt sein wird, ohne sich lächerlich zu machen. Da kann man versuchen seine Perspektive und seine Einstellung zu verändern wie man will ... spätestens am Geburtstag traf mich immer die Keule .. wieder ein Jahr weg und eine Mischung aus Frustration, Absturz, Depression ließ sich nicht unterdrücken. 

Nach außen versuchte ich es wegzulächeln, mimte den Strahlemann, damit keiner was merkt, aber in Wahrheit war es ein kläglicher Versuch. Ich hätte heulen können, denn ansich wollte ich mich doch auch nur, so wie alle Menschen das tun, irgendwie dafür belohnen, dass ich fleißig war .. ich wollte lediglich sehen, warum ich arbeiten ging. Glücklicherweise, wichen alle negativen Empfindungen wie von Zauberhand am Tag danach und es war als würde ich wieder aufstehen, mir den Dreck von der Hose klopfen und eine Träne aus dem Knopfloch wischen. Der Moment der Wahrheit war überstanden, nun hieß es durchatmen, weitermachen und an dem Gedanken festhalten, "Es muss doch zu schaffen sein" ... jedes mal lag neue Hoffnung und ein neues Jahr vor mir, in dem Alles möglich schien.

Ansich war das schon ungewöhnlich .. so wie mir musste es wohl vielen gehen .. nur warum ließ gerade ich mich, ein erwachsener Mann, geboren im Sternzeichen des Löwen und im chinesischen Sternzeichen als Drache, also ein Mensch der astrologisch betrachtet, zum Anführen und zum Erfolg geboren ist ... wieso ließ ich mich von all dem so runterziehen? Vielleicht weil bei mir das Horoskop völlig versagte? ... Ich war doch nicht wirklich unzufrieden, ich liebe das Leben, ich habe 2 wundervolle Kinder um die ich mir keine Sorgen machen muss, eine feste Arbeit, die mir sogar Freude macht, ich bin gesund, muss nicht hungern, habe ein geheizte Bude und ich weiß was ich kann. So schlecht war das auch nicht und es könnte viel schlimmer sein.

Verdammt, irgendwo in meinem Hirn, gab dieser Jammerlappen keine Ruhe .. ich konnte mich ja kaum selber ertragen. Die meisten Menschen leiden unter Ihrem inneren Schweinehund, der nur die Erreichung Ihrer Traumfigur verhindert .. diesen Köter hatte ich zumindest schon lange erschlagen, mir machte mein Jammerlappen zu schaffen, der nicht das Maul halten wollte. Was auch immer, das Schicksal für mich vorgesehen hatte, es ließ sich Zeit damit.

Es nagte an mir, dass ich mir viele materielle Wünsche nicht erfüllen konnte, wenigstens mal ab und zu .. ein dringend benötigter neuer PC oder vielleicht ein Tablet, ein neues Handy oder auch mal Abends ausgehen, spontan im Club feiern, mal eben ein paar Schuhe kaufen, vielleicht ein neuer Teppich vor dem Bett, ein paar Handtücher für das Bad, die eine oder andere DVD .. die einfachsten Dinge gingen nicht und selbst das Bewältigen des ganz normalen Alltags wurde von Jahr zu Jahr immer schwieriger .. an ein Auto glaubte ich garnicht mehr, das war völlig utopisch .. aber Kollegen, die Mittags jeden Tag zur Kantine gingen .. ja nun .. selbst die 3.50€ für einen Döner hatte ich nicht und so wird man im Laufe der Zeit auch noch zum Einzelgänger, weil man nie irgendwo mitgeht, nur weil man kein Geld hat. Die völlig selbstverständliche Pflege von Freundschaften wird auch nicht leichter, wenn man keine 5€ für ein Bier oder eine Partie Bowling hat.

Unnötig zu erwähnen, dass die finanzielle Not auch einer harmonischen Beziehung im Wege stand. Es gab immer wieder Probleme, ausgelöst durch meine Unzufriedenheit. Einfach mal mit der Freundin und den Freunden Essen gehen, mal um die Häuser ziehen, ein Wochenende wegfahren, Konzertbesuche, Kino, bummeln auf einem Straßenfest, Weihnachtsmarktbesuche oder dergleichen, alles Fehlanzeige. Was kaputt ging konnte nicht mehr ersetzt werden. Der Fernseher war schon lange im Eimer, is halt Pech. Der Toaster? kaputt, die Bratpfanne? Wer braucht die schon .. immer öfter war bereits am 3. des Monats, wenn alle Abbuchungen erledigt waren und alle Rechnungen bezahlt waren, das Konto weit in den roten Zahlen. Verpflichtungen ohne Ende und Nichts blieb übrig. Mein Haushaltsbuch ein einziges Kondulenzbuch.

Nein Leute, das hier hat nichts mit Jammern zu tun .. Von mir aus, nennt es so .. aber so sah und sieht einfach meine Realität aus und darin zu leben macht keinen Spaß, das wünscht man Niemandem. Ein Steak in der Pfanne war ein seltener Gast und ich gewöhnte mich daran, dass es ab Mitte des Monats immer öfter Spaghetti oder Haferflocken gab. Robinson Wochen nannte ich das immer, weil ich mit dem auskommen musste, was halt noch übrig war .. so als würde ich auf einer Insel leben. Da lernt man zumindest gut aus Resten zu kochen .. und innerlich auch .. Wenn ich ein "Hartzer" gewesen wäre, jemand der ohne Perspektive auf Einkommen und Lebensqualität vom Amt leben muss, ja, das wäre übel gewesen .. allerdings hätte dann das Leben zumindest zu meinem Einkommen gepasst .. aber das war ja nicht der Fall. Ich war ein qualifzierter, technischer Angestellter, der in der Qualitätssicherung einer Softwarefirma arbeitet .. nur meine Lebensqualität passte nicht zum Job.

Vielleicht wäre dieser Zustand gar nicht so schlimm gewesen, wenn nicht Gevatter Neid auch noch ständig bei allen Anderen Das gesehen hätte, was ich ich auch hätte haben wollen. Diese entspannte Leichtigkeit des Seins fehlte mir völlig. Keine Spontankäufe, mal ein Eis essen gehen, zum Baden fahren, eine Zeitschrift, ein Buch, eine DVD, eine neue Sporthose, nicht mal neue Socken oder neue Unterwäsche, ein Geschenk für die Freundin, ein Strauß Blumen .. alles musste gut überlegt und abgewogen werden und meist war die Antwort "Es geht nicht" ... eine kleine unbedachte oder unerwartete Ausgabe zum Monatsbeginn, eine Zahnarztbehandlung, eine neue Brille und der Rest der Monats und auch der Folgemonate war total im Eimer .. das war untertrieben formuliert ... richtig Sch...

Zu guter Letzt kam dann noch die verbale Prügel hinzu, die ich öfter einstecken musste, weil sich keiner "mein Gejammer" anhören wollte, wenn ich wieder mal sagte, dass ich bei etwas nicht mitmachen konnte ... da hieß es dann " jetz hörma auf hier rumzuheulen, andere haben bestimmt noch weniger .. komm schon, du wirst doch mal ein paar Euro für dies oder das haben .. du kannst einfach nicht mit Geld umgehen *HaHaHa* .. such Dir mal nen zweiten Job ..." es war wie Hohn und Spott und machte mich wütend, einsamer und auch schweigsamer, denn aus meiner Sicht war es kein Gejammer, niemand in meinem Bekanntenkreis konnte sich vorstellen, dass ich wirklich so wenig hatte. Ich verlor etliche Freunde.

Ich musste etwas unternehmen. Wenn ich mit dem spitzen Bleistift rechnete und sehr sparsam blieb, dann hätte ich vielleicht an 2 von 52 Wochen eines Jahres, in den Urlaub fahren können. Vielleicht im Sommer, 2 Wochen Türkei oder so .. aber was hätte ich an den restlichen 50 Wochen getan??? Nichts ! ! ! was wären das für Aussichten gewesen? .. ich war eh schon seit über 10 Jahren nicht mehr in den Urlaub gefahren und verwarf diese Idee. So ging es nicht ... aber etwas Anderes würde gehen.

Ich nahm meinen Mut zusammen, kalkulierte superknapp und gönnte mir die Mitgliedschaft in einem Segelflugverein für 90€ jeden Monat .. das war einer meiner Kindheitsträume .. Verreisen, war damit natürlich bis auf Weiteres völlig gestrichen, was keinen Freudentaumel bei meiner Freundin auslöste und ich musste im Winter an den Wochenenden für ein paar Stunden in einer Werkstatt arbeiten, aber wenn ich wollte, konnte ich so an den Wochenenden von April bis Oktober .. Segelfliegen .. d.h. wenn ich jemand fand, der mich zum Flugplatz mit rausnahm, den so ein Regio der DB kostet auch Geld .. Und dann hatte ich auch noch mein Sportstudio. Für 20€ im Monat konnte ich mich in Form halten und die Gefahr bannen, gänzlich zu vereinsamen. So hatte ich außerhalb des Büros wenigstens noch für ein paar Stunden soziale Kontakte .. aber das wars dann auch, "Rien ne va plus" damit hatte ich all mein Taschengeld bis auf den letzten Cent ausgegeben .. kein Puffer mehr, nicht einen Euro .. alles Andere blieb auf der Strecke. Mein Haushaltsplan war unglaublich auf Kante genäht, wie man so schön sagt. Geld kann man eben immer nur einmal ausgeben, man muss sich nur entscheiden wofür. Ich hatte nun ein Hobby, konnte letzlich aber immer noch nicht wirklich am 'gesellschaftlichen' Leben teilnehmen.

Auch wenn ich für etwas Abwechslung gesorgt hatte, trat ich dennoch weiter auf der Stelle. Nun konnte ich erst Recht nicht mehr konsumieren. Es kam ja nichts dazu. Ich gab mir natürlich Mühe nichts Unnötiges anzuschaffen, versuchte mich zu strecken, und zu sparen wo ich konnte und es ist kaum zu glauben auf was man Alles verzichten kann, wenn man nichts hat, aber es half nichts. Wirklich besser war es nicht geworden.


Irgendwann sah ich mich durch einen Freund, mit einem gut gemeinten Vorwurf bzw. einer Einschätzung konfrontiert .. Ich kann mich nicht mehr an die Situation erinnern aber Hubert, ein Vereinskamerad aus dem Segelflugverein, ausgestattet mit einem großen Herzen und einer urbayrischen Direktheit, sagte zu mir "Lars, du bist ein Suchender ... ein Mensch, der immer etwas will und so nie zufrieden sein wird" .. der Satz hallte nach. Womit auch immer sich ein Suchender "befriedigt" es zieht Ihn ja doch wieder nach etwas Neuem und Mehr weckt das Verlangen nach noch mehr! ... Konsumieren ist wie Salzwasser trinken, man bekommt nur noch mehr Durst ... War ich das?

Da saß ich, war etwas perplex und konnte nicht widersprechen. Das ich immer viel wollte, war mir nicht neu .. aber lag meine Unzufriedenheit womöglich wirklich daran, dass ich ein einziger Quell an Bedürfnissen, Wünschen und ständig neuen Ideen bin? Das hieße, im Grunde konnte es garnicht funktionieren, das mit dem "zufrieden sein", weil ich eh immer viel zu viel will? Wenns so war, konnte ich nicht viel dagegen tun, aber ich konnte es verstehen und dann damit umgehen. Mit einmal glomm ein Funke auf. Eine schwach leuchtende Glühbirne, die über meiner Rübe aufging.

Bei mir setze ein Umdenken ein .. ich jagte einen Geist und auch wenn ich nichts viel von Esoterik halte, kam es mir wie eine Erleuchtung. Das Leben oder das Schicksal oder was auch immer, hatte gar keine Chance es MIR Recht zu machen. Womöglich versuchte es das ja, aber ich wollte es nicht sehen. Ich musste also beinahe 50 werden, um diesen Gedanken zu akzeptieren. Kaufen, das Konsumieren würde mich eh nicht Dauerhaft befriedigen und anstatt mein Glücksmeter an Dingen zu messen, die ich mir eh nicht leisten konnte oder an Urlaubsländern, die ich auch nicht bereisen konnte sollte sich mein Bewusstsein doch mal in mir umsehen.

Wieder näherte sich also ein Geburtstag und es war der Fünfzigste .. ein Alter, welches von den Meisten irgendwie ganz Besonderes betrachtet wird. Spätestens am 50. rechnen dann wohl alle Menschen ab, denken mal über Ihr Leben nach und blicken zurück .. Was hätte man anders machen können? wieviele Jahre kommen noch? .. der Zeit und dem älter werden kann niemand entkommen .. aber diesmal spürte ich eine latente Hoffnung, dass es besser werden würde.

Eine große Geburtstagsparty war völlig ausgeschlossen ... den Gedanken mit allen Freunden aus dem Sportstudio, Arbeitskollegen, Facebookfreunden und Familie eine Riesenparty zu feiern, hatte ich schon lange begraben ... das Maximum was ich aufbieten konnte waren 100€ .. mit diesem knirsch zusammengekratzten Budget konnte ich meine Freundin und meine bereits erwachsenen Kindern zum Sushi essen einladen .. Ende Gelände. An einem Tag, an dem es wohl die meisten Menschen mit einer Riesenparty so richtig krachen lassen, saß ich stattdessen nun vor einem Teller Sushi im Restaurant "Miyabi" und war umgeben von Menschen, die mich lieben .. auch wenn es nicht Viele waren, es war schön und ich war dankbar.

Wärend wir uns die fernöstliche Küche schmecken ließen und kreuz und quer über den Tisch redeten, fiel mir meine Zufriedenheit auf. Alles war gut. Ich dachte an meine Rechnung, die mich sonst immer so frustriert und depressiv gemacht hatte und obwohl alles immer noch so war, wie die vorherigen Jahre auch, war es mir diesmal egal. Die Erfüllung vieler Wünsche und Träume lag immer noch in weiter Ferne und ich hatte immer noch Nichts .. nur konnte ich es zum ersten Mal akzeptieren. Ich dachte nicht darüber nach, was ich in den letzten Jahren nicht hatte kaufen können .. sondern ich sah stolz auf meine Kinder, die sich großartig entwickelt hatten und dachte daran was ich Alles geleistet und erreicht hatte.

Ich wollte schon immer viel und konnte nach meiner Scheidung nicht dem Drang wiederstehen Vieles nachholen zu wollen .. und ich habe eben so viel gemacht wie möglich war. Ich hätte wohl, das eine oder andere ferne Land bereisen können oder mir irgendein tolles Zeug mit begrenzter Haltbarkeit kaufen können ... aber ich hatte in mich investiert und das Geld "Peu à peu" für einen Sportbootführerschein, eine Privatpilotenlizenz für Selgelflugzeuge und einen Motorradführerschein (den ich immer noch abbezahle) ausgegeben .. rückwirkend betrachtet, verrückt .. aber letzlich dennoch viel klüger. Denn das machte mich jetzt nicht nur zufrieden sondern auch reich.

1 - 2 Jahre wird es wohl noch dauern, dann werden meine Kinder es alleine schaffen .. solange muss ich mich noch zusammenreißen, die alten löchrigen Klamotten tragen, mir jeden Tag meine Brote für die Arbeit schmieren und auf Vieles verzichten .. aber das kann ich schaffen. Es wird langsam bergauf gehen und das Erste was ich tun möchte, wenn es vorbei ist, ist mir ein eigenes Motorrad zu kaufen, darauf freue ich mich schon so lange. Dann möchte ich damit losfahren und erst anhalten wenn Wasser kommt. Wenn sich dann mein Leben entspannt klappt es vielleicht auch mit einer harmonischen Beziehung .. aber das kann man sich ja nicht ausrechnen.

Die Mama von Forrest Gump hat gesagt, dass das Leben wie eine Schachtel Pralinen sei ... ich denke eher, es ist auch wie ein Skatspiel. Du bekommst einen Satz Karten und wie gut Du damit spielst liegt an Dir .. wer ein gutes Blatt hat, hat es leichter zu gewinnen und wer schlechtere Karten hat, der braucht ein wenig Glück und / oder einen Partner der einem vielleicht dabei hilft .. Du kannst nichts für dein Blatt, was Du auf der Hand hältst, aber man hat eine Chance zu gewinnen.

Ein Filmzitat was mir sehr gut gefällt und an das ich öfter denke ist von Chuck Noland, gespielt von Tom Hanks im Film "Cast Away". Er sagt: "Ich weiß was ich jetzt zu tun habe. Ich werde weiteratmen - weil, weil morgen die Sonne wieder aufgeht...und wer weiß was die Flut bringt."

.. Genau so ist es.


Seit meiner Trennung im September 2007 hatte ich bis letztes Jahr August 2014, Unterhalt in Höhe von insgesamt 62.646€ überwiesen und es werden wohl noch ein paar Euro dazu kommen.