Mittwoch, 9. Dezember 2009

So fliegt man raus . . .

Seit über 4 Jahren gehe ich regelmäßig 3-4 x in der Woche in mein Sportstudio und wenn ich schreibe seit 4 Jahren, dann meine ich 4 Jahre und zwar OHNE Unterbrechung ! ! !

Ich war in den letzten Jahren nicht mehr verreist, es war schlicht kein Geld da. Sicher hatte ich Sommerurlaub, ganz klassisch, meißt 3 Wochen im Sommer, in denen ich dann nicht arbeiten gehen mußte aber in denen an ein Wegfahren auch nicht zu denken war, schon gar nicht gemeinsam mit meinen Kindern und so ging ich schlicht einfach immer schön regelmäßig in mein Sportstudio. Hier treffe ich Freunde und sorge dafür das ich in Form bleibe.

Ich habe auch seit Jahren ein kleines Büchlein, in dem ich immer artig notiere, welche Übungen ich mache, wieviele Sätze, wieviele Wiederholungen, ob Langhantel, Kurzhantel oder Maschine und vor Allem, mit welchem Gewicht. Manch einer mag das belächeln aber für mich sind es dann wie Hausaufgaben, in meinem Büchlein steht was ich zu tun habe und dann tue ich das. Es ist für mich eine Art Motivationsstütze.

Jeder hat doch so seine Gründe, warum er Sport treibt, jeder hat sein ganz eigenes persönliches Ziel und die Meisten gehen wohl einfach nur so, wohl um das Gewissen zu beruhigen, oder weil Sie glauben, dass Sie Gewicht verlieren können. Anstrengen und schwitzen ist nicht jedermanns Sache . . . aber nicht für mich, ich will im Spiegel sehen, warum ich mir das antue. Klingt verbissen, ist es aber nicht . . . es hat schlicht etwas mit Eitelkeit, Disziplin und Zielen zu tun. Ich gehöre zu einer womöglich aussterbenden Spezies, die mit Begriffen, wie Fleiß, Ehrgeiz und Pflichtbewusstsein noch etwas anzufangen weiß. Ich muss das nicht . . . aber ich will es tun und ich habe es mir selber ausgesucht.

Der Erfolg nach vielen Mühen und die sichtbaren Ergebnisse fühlen sich gut an und gefallen mir im Spiegel. Mit 45 habe ich immer noch einen Body mit dem ich mich jederzeit im Schwimmbad zeigen kann. Ich könnte sicher nicht bei den Chippendales mitmachen, dafür bin ich zu alt, aber ich denke, ich gehöre zu den Männern über die sich eine Frau freuen kann. Es soll sich einfach gut anfühlen. Das kommt eben nicht von alleine und schon garnicht von heute auf morgen und ich muß natürlich auch auf meine Ernährung achten . . bei mir heißt das "ich muss essen" Ich trainiere nicht einfach nur so vor mich hin, sondern ganz kontinuierlich stelle ich mir gezielt Trainingspläne zusammen, die 8-12 Wochen dauern und ganz klar auf das Ergebnis Muskelaufbau ausgerichtet sind. Das heißt, regelmäßig die einzelnen Muskelgruppen immer wieder zu trainieren und Ihnen durch die Belastung einen Wachstumsreiz zu geben.

Das ich dabei auch oft Gewichte versuche zu bewegen, um Kraftzuwachs zu erreichen, die eigentlich meine Möglichkeiten übersteigen gehört zu diesen Trainingsplänen dazu. Man muss man versuchen sich zu steigern, sonst gibt es keinen Zuwachs. Man wird das nicht schaffen wenn man die Einstellung eines Weißbrots hat. Man muss versuchen sich selbst zu motivieren, peitscht sich mental auf, versucht das Tier in sich zu wecken, vieles passiert im Kopf. Klingt beknackt, ist es aber nicht . . . wer schon einmal versucht hat, beim Bankdrücken mehr als sein eigenes Körpergewicht zu stemmen, weiß wovon ich rede.

Bei mir sind das über 90kg und dieses Gewicht sinkt sowas von gnadenlos auf die Brust als würde eine hydraulische Presse es herunterdrücken. Wenn die stählerne Hantelstange, die auch ohne Scheiben schon 20kg wiegt, dann auf der Brust liegt, ist jeder Muskel im Körper angespannt und arbeitet mit aller Gewalt gegen die Schwerkraft, die Arme zittern, der Brustmuskel ist bis zum zerreißen gespannt und langsam bewegt man das Gewicht wieder hoch . . . ein Trainingspartner, der dahinter steht unterstützt einen dabei zusätzlich mit freundlichen Ermunterungen "Looooooooooos" brüllt dein Buddy .. "mach schon Du Schlappschwanz, Drück Du Sau"  . . "du packst das, meine Schwester hat letzte Woche mehr gemacht . . . mit einem Arm . . . "

Du könntest den Typen killen aber er sorgt dafür, dass Du deine letzten Reserven mobilisierst und wenn Du die Scheiss Stange wieder oben hast, lässt Du Sie völlig beklopterweise gleich nochmal auf die Brust sinken . . . denn einmal ist keinmal . . . jetzt muss der Typ hinter Dir genau sehen, was Du packst und er lässt Dich kämpfen, legt die Zeigefinger unter die Stange und würde im Ernstfall eingreifen aber er will das Du es schaffst, also lässt er Dich erstmal schön hängen. Der Kopf ist spätestens jetzt knallrot vor Anstrengung und zwischen den zusammengepressten Lippen presst man die Luft wie durch einen Strohhalm . . mit äußerster Anstrengung und einem lauten Stöhnen gelingt die 2.te Wiederholung. Maximalkraftsatz. Mit ausgestreckten Armen knallt die Hantel in die Halterung, man springt von der Bank auf wie ein Tier, macht eine Becker-Faust, brüllt irgendwas wie "YES" oder "FUCK" . . . der Brustmuskel ist aufgepumpt wie Sau, so das Dolly Parton dagegen aussehen würde wie ein Teenager und das Testosteron pumpt durch den Körper, das man wie Obelix Bäume ausreissen könnte.

Wer sich jetzt nicht wie ein Mann fühlt hat zu wenig Gewicht aufgelegt und sollte sich gleich nochmal auf die Bank packen . . . und genau diese Art zu trainieren scheint in meinem "Fitness" - Studio auf wenig Gegenliebe zu stoßen . . . zu laut gestöhnt, dafür habe ich schonmal eine Verwarnung kassiert, der Trainer kommt ganz aufgeregt angerannt wedelt mit seinem Finger vor mir rum und meint, dass es jetzt reichen würde. Ich frage den Fingerwedler, was das denn das hier für ein Laden sei? . . . was mir 2 Sätze später den Rauswurf einbringt. . . . das ist die Krönung . . . ich bin kein Pumper, kein Assi, kein Proll . . . ich trainiere lediglich ambitioniert und wenn ich nicht mal in einem Sportstudio stöhnen darf oder mal eine Hantel lauter ablegen darf, wo denn dann. Ich muss mir jetzt halt ein neues Studio suchen und werde vorher fragen, ob Sie etwas gegen Leute haben, die ernsthaft trainieren. Jetzt wundert es mich nicht mehr, warum mein "EX" - Sportstudio bei Gay Scout immer ganz oben gelistet wird. Schwuchtel Laden

Montag, 9. November 2009

und das ist gut so . . .

Der graue Novembertag könnte einem Roman entsprungen sein. Noch trostloser, noch nasskälter, noch nebliger und noch grauer konnte ein Tag wohl kaum sein. Nichtmal richtig hell wollte es an diesem Tag werden und dennoch. Bei genauerer Betrachtung, war alles eine perfekte und wunderschöne Komposition. Eine Komposition aus dem trüben Grau und den immer noch leuchtenden Farben der letzten Blätter, die sich zitternd an dürre Äste klammerten . . .

Es ist frü
her Nachmittag als ich Sonntag am 08. November auf dem ehemaligen und ziemlich einsamen Mauerweg jogge. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken, die den ganzen Himmel, wie eine graue Pferdedecke überziehen. Das Laub der Sträucher und Bäume hat sich wie ein Teppich über den rissigen Asphalt gelegt und dämpft meine Schritte. Die goldgelben kleinen Blätter der Birken, das braune Laub der Buchen oder leuchtend rotes Eichenlaub liegt wie ein wunderschönes Pottbourrie aus dem Füllhorn der Farben, kunterbunt arrangiert zu meinen Füßen und haucht diesem Tag eine melancholische Stimmung ein.

Ich genieße es diesen schmalen Weg entlang zu traben . . . über viele Kilometer zieht er sich teilweise schnur gerade rund um Berlin. Auf der östlichen Seite des Weges liegen jetzt meißtens große Felder und Scharen von Krähen verteilen sich zwischen den Strünken vom abgeernteten Mais. Nichts erinnert mehr daran, dass hier vor 20 Jahren diese Stadt zuende war. Wenn man nicht vereinzelt durch Wegweiser darauf hingewiesen werde würde, dann würde man es nicht merken, das hier eine Mauer das Land geteilt hat. In Gedanken versunken, den Blick ein paar Meter vor mir auf den Boden gerichtet, laufe ich vor mich hin. Meine Beine finden Ihren Rythmus ganz alleine, ohne das ich daran einen Gedanken verschwenden muss und ein Blick auf meine Pulsuhr zeigt, dass Sie es richtig machen. Laufen ist Balsam für den Körper und die Seele.

. . . . in der Ferne taucht am Rand des Weges ein leuchtender Pfosten auf und als ich näher komme sehe ich einen Kranz an Ihm liegen, ein rotes Gedenklicht und ein Strauß frischer Blumen. Vor ein paar Wochen, war hier noch nichts . . . An dem Pfosten ein Bild von einem jungen Mann. Es ist ein kleines Mahnmal, ein Gedenken an einen Menschne, der hier bei dem Versuch den Todesstreifen zu überwinden, sein Leben lassen mußte. Eine Erinnerung daran, dass dort drüben ein Überwachungsstaat und eine Diktatur existierte, wovor die Menschen fliehen wollten. Selbst heute ist es für mich immer noch so unvorstellbar, dass diese Grenze und das politische System, was Sie errichten ließ, für den Tod sovieler Menschen verantwortlich war. Unbegreiflich auch, dass so viele Menschen von drüben, in Anbetracht der Toten, so verklärend über Ihre DDR denken können.

Ich bin 1964 in Westberlin geboren, da stand die Mauer schon. Als Schuljunge habe ich oft die Sommerferien am Stadtrand bei meiner Tante Gisela und Onkel Rudi verbracht, direkt an der Mauer. Wir haben in den Feldern gespielt und haben versucht Frösche in den Tümpeln zu fangen und hin und wieder haben wir Steine über die Mauer geworfen, oder diese mit Kreide bemalt, einfach nur so . . . auf der anderen Seite der Mauer, die gut 4m hoch war, haben keine Kinder gespielt . . . dort war Todesstreifen, 20 meter breiter fein geharkter Sand, Stalinrasen, Selbstschussanlagen, LKW Sperren, Wachtürme, Gräben und bewaffnete Grenzsoldaten mit Wachhunden.


Jetzt gibt es Sie nicht mehr, und jeder kann wieder in jede Richtung gehen. Die Menschen sind verschieden, Ossi, Wessi . . . es wird noch lange dauern, bis auch die Mauer in den Köpfen eingerissen ist, wohl auch bei mir . . . aber das die Mauer weg ist, die dieses Land getrennt hat, das politische System was Sie einst errichten ließ auch, das ist gut so. Keine Frage.


Nach 12km stehe ich wieder vor deiner Tür. In der Kälte ist mein Atem gut zu sehen und auch sonst dampfe ich wie ein Ross vor mich hin. Das heiße Wasser unter der Dusche dampft auch und entspannt genieße ich diesen Augenblick. Es wurde ein überraschend schöner Lauf auch wenn ich schon lange nicht mehr so schnell wie vor gut 2 Jahren bin, dafür laufe ich nicht oft genug, aber darauf kommt es mir auch nicht mehr an. Ich schaue an mir herab . . . der Muckibude und meinem Fleiß sei Dank, habe ich seit damals jetzt 12kg mehr auf den Rippen . . . und das ist auch gut so.

Mittwoch, 4. November 2009

der kleine Unterschied

Auf dem Tisch stehen Kerzen, frische, knusprige Brötchen imBackofen verströmen diese den herrlichen Duft einer Bäckerei, oft findet sich auch ein Croissant und ein Laugengebäck auf dem Tisch oder eine Tasse heißer Kaffee. Kirsch und Himbeermarmelade stehen aufgereiht neben dem Honig und Nutella, verschiedene Sorten Aufschnitt, eine leckere Cabanossi, etwas Käse, eine (gewaschene Tomate), frische Milch und Kakao, auf dem Frühstücksbrettchen ein Eierbecher mit einem weichgekochten Ei . . . aus dem Wohnzimmer quillt sanfte Musik in die Küche . . . Nein es ist nicht Sonntag . . . es ist einfach ein ganz normaler Morgen, 06:30 und vor Dir sitzt ein frisch rasierter und gepflegter Mann, lächelt Dich an und fragt Dich, während Er Dir ein heißes Brötchen aufschneidet ob Dir noch etwas fehlt . . . du lächelst liebevoll zurück wir genießen die wenigen gemeinsamen Minuten bevor uns der öffentliche Nahverkehr und der Arbeitsalltag aus unserem kleinen Glück reißt . . . ein paar Meter zur U-Bahn und dann 2 Stationen mit dem Bus . . . schon kanns losgehen


CUT . . . Szenenwechsel . . .


Es ist 05:45 als Eros Ramazottis seinen Song L' Aurora aus meinem Handy anstimmt. Ein netter Wecker. Wie Nebelschwaden lösen sich die letzten wirren Träume auf, verschwinden im Nichts und es ist an der Zeit aufzustehen. Eine Hand tastet nach mir, leider ohne Absichten, Sie stellt lediglich fest, dass ich wohl in der letzten Nacht wieder geschwitzt habe. Der Morgen ist genauso Dunkel wie die Wohnung und mit nackten Füße tappe ich auf eiskaltem Boden, noch halbblind ins Bad. Aus meinem Handy quakt leise etwas Musik, wie gut, dass es Internet Radio gibt. Ich wasche mir die Haare und finde tatsächlich ein einzelnes Handtuch. Aus der Zahnpastatube gelingt es mir nur mit äußerster Kraftanstrengung einen letzten, erbsengroßen Rest herauszuquetschen. Irgendwo soll ja eine Neue sein, erinnere ich mich . . . ein flüchtiger Blick in den Drehschrank. Fehlanzeige . . .

Mein Weg führt mich wieder zurück ins Schlafzimmer, zu Dir ans Bett, mit dem Gedanken im Kopf, dir beim ausziehen vom Nachthemd zu helfen und dann mit meinen warmen Händen deine großen *piep* zu *pieeep* . . . . Mmh? . . . Du klingst erkältet, dann wohl doch keine guter Moment, um zu kuscheln oder Fieber zu messen . . . Ich mache das Bett und tapse in die Küche. Sie ist kalt und leer. Gähenende Leere im Brotkorb und das fahle Licht der Dunstabzugshaube beleuchtet schwach die ebenfalls leere Arbeitsplatte. Ich schaue im Froster nach und nehme ein tiefgefrorenes Roggenbrot heraus, was eindeutig Ähnlichkeit mit einem Ziegelstein hat. Mühsam breche ich ein paar Scheiben ab und stopfe Sie in den Toaster, der daraufhin ein wenig Wärme verströmt. Im Kühlschrank entdecke ich neben abgelaufenem Quark, den man aber noch essen kann, etwas Wurst, reichlich Käse und 2 frische Brotscheiben, die ich vorsorglich mitgebracht hatte, um auf der Arbeit etwas zu essen zu haben. Ich packe noch eine reichlich braune Banane dazu und den Rest Tomatensalat von gestern abend. Bis zum Mittag wird das wohl grad so reichen denke ich, als ich alles in meiner Sporttasche verstaue.

Als das Roggenbrot dampfend aus dem Toaster springt, verteile ich die Himbeermarmelade darauf, die ich auch vor ein paar Tagen mitgebracht hatte. Ein wenig appetitlos mümmel ich auf dem Brot herum aber der Zucker in der Marmelade und der Kakao, den ich mir in einem kleinen Topf warm gemacht habe, damit es mich aufhört zu frösteln, wird hoffentlich die Denkfabrik auf meinen Schultern in Schwung bringen.

Du kommst in die Küche, schneidest dir 2 Scheiben Marmorkuchen ab, setzt Dich damit beinahe wortlos ins Wohnzimmer und beginnst damit den Kuchen in deinen kalten Kakao einzutauchen. Ich setze mich dazu . . . im Fernsehen sieht man wie ein Tierpfleger einen Pinguin füttert, dann Nachrichten, eine 16-jährige ist von einem Güterzug überfahren worden, Tot . . . auf Nick läuft Spongebob . . . für wenige Minuten verfliegen die traurigen Gedanken von dem toten Teenager, dieser Schwamm mit seinem verblödeten Seestern und diesem Tentakelviech schaffen es mich zum lachen zu bringen . . . aber nur kurz, ich will Dich damit ja nicht stressen . . . und schalte wieder um. Noch ein paar Minuten Musik aus VIVA und MTV . . . dann geht es ab in die Kälte des grauen Novembermorgens . . . frieren an der Bushaltestelle, frieren am Bahnhof während wir auf den überfüllten Regiozug warten, frieren am Hauptbahnhof bis der Schlenkibus kommt, der mich glücklicherweise vor meiner Firma abkippt . . .


2 Morgen in Berlin . . . einmal in Berlin Lichterfelde und einmal in Berlin Wilmersdorf . . .

Samstag, 24. Oktober 2009

Was willst Du wirklich?

Was willst Du wirklich? . . . kann es auf diese Frage eine eindeutige Antwort geben? . . . nun, schön wäre es aber es ist nicht sehr wahrscheinlich . . . Denn so gestellt, ist die Frage viel zu unpräzise. Um Antworten zu geben, müsste es heißen "Was erwartest Du?" oder "Was suchst Du?" und dann müßte man dazu einen Lebensbereich nennen auf den die Frage abzielt. Geht es bei der Frage um Geld, geht es um sportliche oder berufliche Ziele, geht es um privates Glück, geht es darum wer man eigentlich sein möchte oder geht es ganz profan nur darum, wo man seinen nächsten Urlaub verbringen oder was man abends essen möchte?

Mich persönlich beschäftigt zurzeit die Frage in dem Zusammenhang, wenn es um mein persönliches Glück geht. "Was will ich?" oder "was erwarte ich?" wenn von einer Beziehung die Rede ist . . . Manch einer bekommt alleine bei der Frage schon Schweissausbrüche . . . ich nicht . . . Im Grunde weiß ich das . . . oder bilde ich mir das nur ein? Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als wäre eine Antwort sehr leicht . . . Glücklich sein . . . aber das ist doch irgendwie zu billig . . . Quark, das will doch ohnehin jeder . . . wenn ich mir also nun etwas mehr Zeit lasse und nur einen winzigen Augenblick die Gedanken in die zurückliegenden Jahre schweifen lasse, dann spüre ich doch eine gewisse Unruhe in mir aufsteigen . . Es scheint vielmehr so zu sein, dass ich lediglich sehr genau was ich nicht mehr will? Ich will nicht mehr so sein, wie ich einmal wahr, ich will nicht mehr, dass was ich einmal hatte. Kälte, Desinteresse, Gefühlskälte, Langeweile, Alltag, alt werden, nichts mehr tun, nicht mehr erreichen, nichts mehr erwarten . . .

Ich muss erkennen, dass eine Antwort auf die Frage "Was erwarte ich von einer Beziehung" bedeutend vielschichtiger, viel differenzierter ist. Es genügt eben nicht nur zu sagen "Ich will lieben und geliebt werden" ? Falsch ist das sicher nicht . . . aber was heißt das für den Einzelnen, "Lieben" und "Geliebt werden?". Jeder tut es auf sein Art und was ist wenn die gesandten oder empfangenen Botschaften "inkompatibel" sind. Was ist, wenn ich glaube mit all meiner Kraft zu lieben und Alles was ich gebe, versinkt wie ein Regentropfen in einem Ozean? . . . . was wenn ich "geliebt" werde, mit aller Kraft, die einem Menschen zur Verfügung steht und es aber soviel Wirkung zeigt, als würde eine Maus einen Löwen anschreien. Das würde doch bedeuten, dass die Maus schier verzweifelt. Kann es wirklich sein, dass Liebe so unterschiedlich ist, dass man Sie nicht versteht/bemerkt, wenn man Sie erhält? oder ist es vielmehr so, dass manche Menschen es nie erfahren haben zu lieben und denken Sie lieben mit aller Kraft so als würden Sie mit einem Auto Vollgas fahren und dabei haben Sie noch nicht einmal den ersten Gang eingelegt.

Die Frage sollte nicht heißen, "Was erwarte ich" oder "Was will ich?" Sie muß vielmehr heißen "Was wünsche ich mir . . ." . . . Ich wünsche mir, dass eine Beziehung mit jedem Tag wächst, dass sich die Distanz mit jedem Tag verringert und das Vertrauen wächst, bis man eins wird. Ich wünsche mir, dass die Frau, die mich liebt, sich mit mir erst vollständig fühlt, so wie ich mich mit Ihr erst komplett fühle. Ich wünsche mir, dass Sie es nicht als Last sondern als Lust empfindet bei mir zu sein. Ich wünsche mir, dass man sich da Zuhause fühlt wo der Partner ist. Ist es zuviel wenn ich mir wünsche, dass mein Partner auch mein bester Freund ist. So wie Freunde, die niemals genug voneinander haben können. Der Partner, der beste Freund mit dem man alles machen kann, sich lieben, sich immer die Wahrheit sagen kann und doch niemals voneinander loslassen kann . . . vielleicht bin ich ja nur ein sentimentaler Idiot . . . mir ist klar, dass das Leben nicht "Wünsch Dir was" ist und das die Chancen, dass sich meine Vorstellungen von einer idealen Beziehung erfüllen, ungefähr so groß sind wie Sechs Richtige im Lotto mit Super6

Und dennoch . . . ich wünsche mir, dass man sich über alles streiten kann und sich doch immer wieder einig wird. Das man nie das Gefühl hat zu verlieren, sondern man immer gewinnt, dass man immer begehrt wird und das auch gesagt bekommt. Ich wünsche mir, dass man an mich denkt, wenn ich nicht da bin, dass man mir kleine Freuden bereitet. Ich wünsche mir, dass jemand zu mir sagt, dass ich Ihm Alles bedeute und ich wünsche mir Leidenschaft, Hingabe, Wollust. Ich wünsche mir, dass mich jemand anziehend findet, dass ich erregend wirke, dass meine Nähe, meine Wärme, mein Körper die Lust darauf auslöst mit mir zu schlafen . . . .

All das was ich mir wünsche . . . empfinde und gebe ich selber . . . und es bereitet keine Mühe. Mein Antrieb das zu tun, so zu denken und zu lieben wird von der Liebe genährt, die ich bekomme.
Vielleicht ist Liebe ohnehin ein viel zu starkes Wort. Völlig überbewertet und vollkommen abgenutzt hat es vielleicht keine Wirkung mehr. In einer Beziehung kann man nichts erwarten, entweder man bekommt das wonach man sucht, was auch immer das Alles ist oder man bekommt es nicht.

Nur wenn man es nicht bekommt . . . wenn man die Maus nicht schreien hört . . . was dann? Ich bin kein Maßstab, wie in einer Beziehung geliebt werden soll, aber wenn man sich umschaut, sieht man positive als auch negative Vorbilder, von denen jeder selber ableiten kann, was in einer Beziehung alles normal sein kann wenn sich 2 Menschen gefunden haben. Wenn der Partner als eine Bereicherung des eigenen Lebens empfunden wird und nicht nur als eine Sache, ein Ding was eben auch noch da ist. Selbst Kinofilme vermitteln wie in einer Art Lehrfilm, wie schön es in einer Beziehung sein kann, wenn Partern sich gegenseitig umeinander bemühen, wenn Sie sich das Gefühl geben, dass Sie Ihr Leben teilen wollen. Wünscht man sich nicht es Ihnen gleich zu tun, auch so zu empfinden . . . man könnte Ihnen nacheifern, uma auch dieses Glück zu empfinden oder aber man zieht es vor, das einfach alles als Fiktion abzutun und für sich zu befinden, dass es ausreichen muß wenn man einfach nur da ist.

Die Kraft mich zu erklären, lässt nach . . . ich kann nur darauf hoffen, dass Du vermagst in mich zu schauen und dann feststellst, dass ich es wert bin und dass ich Dir dein Leben lang gefehlt habe.

Zweifel habe ich nicht verdient

Freitag, 28. August 2009

Lars jeht Geld koofen . . .

Meine Lisa kommt nun auch endlich in die Oberschule. Nächsten Montag ist es soweit . . . und weil das für Sie natürlich ein wichtiger und aufregender Tag ist, an dem ein neuer Lebensabschnitt beginnt, möchte ich Ihr auch etwas Schönes schenken. Ein kleine obligatorische Schultüte, mit ein paar Süßigkeiten, ein paar Jelly Bellies, die Sie so sehr liebt, eine großen Schokomaus, ein paar Buntstifte (mehr zum Spaß) und natürlich eine Karte, mit ein paar lieben, gut gemeinten Worten, die ich Ihr mit auf den Weg geben will . . . So hatte ich mir das gedacht und als besondere Überraschung will ich ein paar niegelnagelneue Geldscheine mit in den Umschlag tun. Dies sollte dann doch aber etwas schwieriger werden als gedacht . . .

Mein erster Weg führt mich zur Postbank . . . am Geldautomaten würde es sicher keine neuen Scheine geben, das is klar. An dem Ding kann man ja nie wissen was man bekommt und man kann ja nicht mal die Sorte Geldscheine wählen. Aber auch am Schalter, Fehlanzeige. Ich erkläre der freundlich lächelnden Mitarbeiterin meinen Plan und bekomme aber auch nur ein Kopfschütteln als Antwort. Sie würden das Geld auch nur aus einem Automaten holen . . . immerhin hat Sie die ganze Zeit gelächelt.

Wieder auf der Straße zücke ich mein Handy und suche die Nummer der Deutschen Bank. Der Laden vom Ackermann muß doch frische Scheine haben . . . denke ich . . . aber auch hier teilt mir eine freundliche Dame am anderen Ende der Leitung mit, dass die Filialen keine 'frischen' Scheine auf Abruf austeilen können . . . weil ich Sie aber offensichtlich mit meiner Idee doch etwas anrühre, gibt Sie mir den Tip doch mal bei der deutschen Bundesbank nachzufragen.

*Boaaaaah * Na klar . . . die verteilen doch Milliarden an die Banken, wollen Opel die Kohle in den Auspuff schieben, verwalten Billionen Staatsschulden, also wenn nicht DIE, wer sollte dann neues Geld haben. Die drucken es doch ! ! ! Diese modernen Handies sind schon geil. Ich stehe immer noch auf der Straße als ich mir die Telefonnummer "ergoogel" Tatsächlich meldet sich auch nach nur einmaligen Klingeln sofort eine nette Frauenstimme, der ich wieder die Geschichte von meiner Tochter und den neuen Scheinen für den Neuanfang erzähle und tatsächlich . . . JA, Sie können mir neue Scheine rausgeben . . . "Großartig" sage ich und auch "na dann mache ich mich gleich mal zu Ihnen auf den Weg" . . . doch die freundliche Dame bremst meinen Enthusiasmus und teilt mir mit, dass lediglich von 08-13:00 geöffnet ist und weil es schon 14:00 wäre, wäre jetzt schon zu . . . ich verkneife mir die Frage was Sie dort noch macht und denke daran, dass ich so einen Arbeitstag auch gerne hätte.

Am nächsten Morgen betrete ich um kurz nach 8 in der Früh ein großes, ehrfürchtiges Gebäude. Es ist nicht neu, keiner dieser sonst so einschüchternden Bankentempel, sondern sogar eher alt, aber es strahlt eine gewisse Würde aus und beeindruckt mich mit einer stattlichen, großen Empfangshalle, in der sich eine große Marmortreppe, wie aus einem Hollywood Streifen in den ersten Stock emporwindet. Kameras in allen Ecken, verschlossene Glastüren mit Sicherheitszugängen, die man nur mit Magnetkarten öffnen kann, erinnern mich daran, dass es sich um einen besonderen Ort handeln muß. Der Pförtner schickt mich die Marmortreppe hoch, nur noch 2x rechts, dann durch 2 Türen und ich tatsächlich . . . ein Geldschalter. Ich stehe in einem winzigen Raum, kaum so groß wie ein Bahnhofsklo. Über mir 3 Kameras, hinter mit die Sicherheitstür, die sicher sofort verriegeln würde, würde ich aus meiner Tasche eine Kalaschnikow ziehen, vor mir eine zentimeterdicke, grünlich schimmernde Panzerglasscheibe und ein kleines Mikrofon, das wie eine Blume aus dem Marmor wächst.

Hier werden also die Schulden des Landes verwaltet. "Ich hätte gerne 40€ in neuen Scheinen" spreche ich in das Micro und halte meine EC Karte hoch. Der Mann auf der anderen Seite der Scheibe schaut mich ein wenig mildtätig lächelnd an und teilt mir dann sorgfältig formuliert mit, dass Sie kein Geld herausgeben können (warum habe ich mir das jetzt nur schon gedacht?) . . . aaaber . . . Er könnte mir gerne altes Geld gegen Neues umtauschen. Na toll, das ich natürlich nur KEINES bei mir habe. Einen Geldautomaten würde es aber auf der anderen Straßenseite bei der Hypo Bank geben. JaNe, is klar, DIE haben natürlich Geld, die deutsche Bundesbank nicht . . . jedenfalls nicht so mickrige Beträge.

Also wieder rückwärts raus, durch etliche, schwergängige Glastüren, die große Hollywoodtreppe hinunter, über die Straße, eins-fix-drei 50€ aus dem Automaten gezogen und nach 3 Minuten stehe ich wieder vor der Panzerglasscheibe, mit dem dahinter freundlich, lächelnden Staatsdiener in Poloshirt und Jeans. Ich schiebe Ihm den Fuffi durch die Sicherheitsschleuse und tatsächlich er zählt mir niegel-nagel-neue und wirklich druckfrische Fünfer ab und schiebt Sie mir rüber.

Man die Dinger fühlen sich richtig geil an. Schönes, dickes Papier, total glatt, mit Ihren glänzendem Silberstreifen rutschen Sie beinahe etwas unecht übereinander. Glücklich packe ich die Scheine vorsichtig in eine Schutzfolie und versuche mir schon das Gesicht meiner Tochter vorzustellen, als ich die Niederlassung der deutschen Bundesbank verlasse . . . nu weeß ick also wo man frisches Geld bekommt . . . in Zeiten der Schweinegrippe kann dat ja ooch janz nützlich sein.

Donnerstag, 13. August 2009

Glück

es gibt so Vieles, was sich als Glück oder Zufriedenheit ausdrücken lässt . . .

keine eklige Hundekacke auf Wegen oder Liegewiesen, keine frühmorgens unablässig kläffenden Köter vor dem offenen Schlafzimmerfenster, Glück ist ruhige Nachbarn zu haben oder an einer Bushaltestelle nicht warten zu müssen, wenn es regnet und kalt ist. Glück ist ein voller Kühlschrank gefüllt mit den leckersten Sachen, Glück ist auch eine Supermarktkasse an der es schnell vorangeht, ohne einen Vollpfosten direkt vor sich zu haben, der sein Kleingeld aufs Band kippt. Glück ist im Kino keinen Gehirnamputierten vor oder neben sich zu haben, der mit seinen Kumepls ständig in den Film quatscht, mit seinem Handy hantiert und der eklig, laut schmatzend KäseNachos in sich reinstopft. Glück ist Zeit im Überfluss, am Monatsende immer noch Geld auf dem Konto, Glück ist Gesundheit, morgens aufstehen können, ohne das einem irgend etwas weh tut, Glück ist, schlafen und träumen können. Glück ist keine Zahnschmerzen zu haben, Glück ist wenigstens ein guter Freund, der sich nach mir erkundigt, egal ob aus der Ferne oder ganz Nah. Glück ist mit den Kumpels im Sportstudio Spaß haben und ordentlich Eisen stemmen. Glück ist einen Arbeitskollegen zu haben, auf den man sich freuen kann. Glück sind Füße, die beim Joggen, wie von alleine laufen, eine warme Wohnung im Winter, der Duft von frisch gemähtem Rasen, saftige SpareRibs mit Barbecue Sauce bei TonyRoma's, der Blick auf eine Dünenlandschaft, grünes Gras und goldenes Korn was sich im Wind wiegt, die Brandung die auf den Strand schäumt . . .

Glück und Zufriedenheit ist . . . ein weiches Bett, eine liebe Frau, die sich nackt an Einen schmiegt, wunderbar weiche Frauenbrüste auf meiner Brust, sanfte Kurven in meinen Händen, Lippen, die die Meinen suchen, Hände, die meinen Körper erkunden, ein warmer Schoß der sich mir entgegendrängt . . . und alles was danach folgt ;-) . . . aufwachen ohne Wecker, ein zärtlicher Kuß am Morgen, eine warme Dusche, knusprige Brötchen, ein schönes Frühstück mit duftendem Kaffee, ein vertrautes Lächeln, die morgendliche Kühle an einem Sommertag, eine milde Brise und die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Rücken . . .

Glück und Zufriedenheit ist in Frieden und Freiheit zu leben, nicht alleine zu sein und geliebt zu werden. Glück ist einen Menschen zu haben, den man lieb haben kann, der Dich liebt, dich braucht und nicht müde wird, Dir das zu zeigen. Glück ist es, die Schönheit der Natur erleben zu können und das Leben als ein Geschenk zu erkennen.

Montag, 10. August 2009

Urlaub ohne Urlaub

[Urlaub] ist die Zeit, die ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer, Beamter oder auch Selbstständiger von seinem Arbeitsplatz berechtigt fernbleibt, obwohl nach Tages- und Wochenzeit eigentlich Arbeitsleistungen zu erbringen wären. Erholungsurlaub dient vor allem der Erhaltung und der Wiederherstellung der Arbeitskraft des Arbeitnehmers . . .

So sachlich nüchtern beschreibt Wikipedia, die schönste Zeit des Jahres . . . und dabei ist es doch so viel mehr. Zumindest sollte es das sein. Für die meißten Menschen, die ich kenne, ist Urlaub die Zeit im Jahr, auf die man sich das ganze Jahr freuen kann und die Menschen tun es auch. Der bevorstehende Urlaub und die vergangenen Urlaube sind immer wieder Gesprächsthema Nr.1 gleich nach dem Wetter und wie oft mir die Frage gestellt wurde "Na?, wo fährst Du dies Jahr hin?" habe ich schon lange aufgehört zu zählen.

Egal wie beschissen das Leben ansonsten ist, jeder freut sich auf diese wundervollen Wochen und an den Tagen, an denen graue Wolken über der Seele hängen oder der Haussegen schief, freut sich ein jeder auf das was da kommt. Im Winter, wenn die Tage viel zu dunkel, kalt und kurz sind, wenn die Stimmung den Blues hat, dann sitzt man vor dem PC stöbert in Angeboten, blättert in Katalogen, betrachtet Bilder von türkisfarbenen Poolanlagen und schwelgt in Gedanken in fernen Ländern . . . Urlaub ist das ganzjährige und erholsame Füllhorn für die Seele . . . eine Tankstelle für schöne Gedanken.

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen "Erholungsurlaub" hatte, so ganz klassisch, aber ich glaube es war 2004 . . . eine Woche mit der Familie nach Langeoog. Diese wunderschöne, kleine Insel vor der Küste Ostfrieslands. Eine Schippe Sand in der Nordsee. Das endlose Meer, die Brandung, Wellen, die sich gleichmäßig am feinen, weißen Strand brechen, weichgeschwungene Dünen, Formen, wie ein schöner Frauenkörper, allerdings überzogen mit weichem, duftendem Dünengras, was sich wie ein Teppich über die Landschaft legt und sich in der salzigen Meeresluft wiegt . . . eine einmalige Landschaft, keine Autos, kein Lärm . . seitdem hat sich Einiges verändert.

Für Fernreisen hatte es ohnehin nie gereicht und Reisen in Mittelmeerländer, in den Massentourismus, das wollten wir unseren Kindern nicht antun. Hitze, übervolle Strände, häßliche Betonburgen am Strand . . . oder steile Bergtouren in Österreich oder Bayern, mit quengelnden Kindern, die nicht laufen wollen und dann womöglich noch mit vollbeladenem Kinderwagen, das war damals, auch nicht ganz so das Richtige . . . aber hübsche bunte Strandkörbe, jede Menge Sand zum Buddeln, Wasser zum spielen und genügend andere Familien mit Kindern, das hat gepasst.

Bevor wir Kinder hatten, gab es noch keine Billigairlines und Geld, um normal zu fliegen, das hatten wir schon damals nicht. Und als dann die Kinder da waren, ging es eben immer danach, was wir für das Beste für die Kinder hielten bzw. was in der Familienkasse war. Eigene Ziele wurden dafür hinten angestellt und so kommt es, dass ich eben noch nicht viel von der Welt gesehen habe. Spanien, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Teneriffa, Mallorca, Tunesien, Ägypten oder was es da noch so an typisch deutschen Massentourismus Zielen gibt. Alles Fehlanzeige. Da war ich noch nie. Ich war auch nicht in den USA, auch nicht in Thailand, nicht in Kenia oder in der Doiminikanischen Republik. Nicht auf den Seychellen und auch nicht auf den Azoren . . . ich war an der Nordsee auf Langeoog . . . damals war das O.K. . . . oder es wurden mangels Geld die Schwiegereltern in Rheinland-Pfalz besucht . . . ziemlich oft, war das der Fall . . . das waren meine Urlaube.

Natürlich wuchs mit den Jahren der Wunsch mehr von der Welt zu sehen, Sie zu entdecken . . . aber was hätte ich tun sollen? Dummerweise ist "die Welt" heute ferner denn je. Ich habe sowas von gar kein Geld, dass ich in den letzten Jahren, in meinem klassischen Sommerurlaub 3 Wochen jedesmal alleine Zuhause gesessen habe und so auch in diesem Jahr. Im Grunde wäre es mir egal wo es hingeht, alles kann schön und aufregend sein, Hauptsache man ist nicht alleine, Hauptsache man könnte die schönsten Tage im Jahr mit jemanden teilen.

Naja, wenigstens nicht arbeiten gehen, lange aufbleiben, ausschlafen können, das ist doch auch schon mal was. Aber für mehr reicht es eben nicht. Jede kleinste Aktivität kostet nunmal Geld und einfach nur am Badesee liegen, ohne das man mit jemandem reden kann . . . und ohne zu wissen was man denken soll? . . . während man von Bremsen und Bienen genervt wird? . . . das brauche ich dann auch nicht.

Meine Freundin war mit Ihren Kindern verreist, bei Ihren Eltern im schwäbischen Land. Ist jetzt vielleicht nicht der Hit, aber immerhin war Sie nicht alleine. Zu der Zeit mußte ich noch arbeiten, da war ick eben alleene Zuhaus . . . nun hab ick frei und Sie muß arbeiten . . . bin ick wieder alleene Zuhaus . . . wenn ich jetzt bei Ihr übernachte oder Sie bei mir, muß ick eben mit Ihr halbwegs zeitig ins Bette gehen und eben mit Ihr um dreiviertelsechs aufstehen . . . Urlaub? . . . selbstbestimmte Zeit?, die Leichtigkeit des Seins genießen? Fehlanzeige

. . . ich weiß doch garnicht mehr was das ist. Das Bedürfnis danach beginnt schon wieder zu schwinden, dauergestresst, dauergenervt, dauerüberarbeitet . . . dauergelangweilt . . . ich merke es schon garnicht mehr. Wenigstens gehe ich weiterhin regelmäßig zum Sport. Montag, Mittwoch und Freitag und an den anderen Tagen laufen . . . so hat jeder Tag seinen Höhepunkt.

Natürlich ist das doof und ich wünschte es wäre anders . . . aber ich bin deswegen nicht unglücklich, es geht doch vielen Menschen so. Alleinerziehende Frauen, die kein Geld haben, Frauen, die von Ihren Männern abhängig sind, um jeden Cent betteln müssen, damit Sie mal wegfahren können, arbeitslose Männer oder arme Rentner die jeden Cent 3x umdrehen müssen. Familien mit vielen Kindern und kleinem Einkommen . . . es gibt so Viele die Zuhause hocken müssen und die auch noch nix von der Welt gesehen haben. So werde ich zumindest nicht Opfer eines Bombenanschlages, wie zur Zeit auf Mallorca oder falle auch nicht der Schweinegrippe zum Opfer, weil ich in Spanien oder England Urlaub mache und vor Überflutungen und Tsunamis brauche ich mich hier Zuhause in meinem schönen Berlin, in meiner Stadt, auch nicht zu fürchten.

Ich könnte einfach mal ein paar Kochrezepte ausprobieren, Kuchen oder Kekse backen aber das geht ja auch nicht . . . . mein Kühlschrank ist leer . . . nun es gibt immer noch den Fernseher, den PC, ich könnte ein paar eBay Auktionen einstellen, irgendwas basteln? nur was? . . . ich werde eben einfach mal Nichts tun . . . . das ist es doch eigentlich genau das, was man im Urlaub tut . . . und in 2 Wochen kann ich dann wieder zur Arbeit gehen . . . bis dahin, werde ich mir wie jedes Jahr noch eine Antwort auf die Frage "und? . . wo warst Du dies Jahr" einfallen lassen und mich mental darauf vorbereiten höflich zu lächeln, wenn mir Kollegen und Freunde davon berichten, wo Sie waren . . .