Samstag, 21. Februar 2015

Keep moving forward

"Ich werd dir jetzt was sagen, was du schon längst weißt.... 
Die Welt besteht nicht nur
aus Sonnenschein und Regenbogen.
Sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort.
Und es ist ihr egal wie stark du bist
- sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen,
wenn du es zulässt... 
Du und ich 
- und auch sonst keiner
- kann so hart zuschlagen wie das Leben !
Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann... 
Es zählt bloß, wieviele Schläge man einstecken kann
und ob man trotzdem weitermacht.
Wieviel man einstecken kann und trotzdem weiter macht.
Nur so gewinnt man !

Wenn du weißt was du wert bist ,
dann geh hin und hol es dir.
Aber nur, wenn du bereit bist die Schläge dafür einzustecken !
Aber zeig nicht mit dem Finger auf andere und sag
du bist nich da wo du hinwolltest,
wegen ihm oder wegen ihr,
oder sonst irgendjemandem.
Schwächlinge tun das !
Und das bist Du nicht

DU bist besser!"


It's all about



Samstag, 14. Februar 2015

Ein Bett, ein Königreich für ein Bett

Es ist ein frostig kalter Februarmorgen und leichter Nebel macht sich in den Straßen breit. Er verwandelt das noch schwache Tageslicht in einen grauen Schleier, der alles mit Reif überdeckt und farblos erscheinen lässt. Auch wenn ich nach oben schaue, deutet nichts daraufhin, dass irgendwo über der grauen Pferdedecke, die den gesamten Himmel bedeckt, die Sonne scheint ... Ich laufe Gedankenversunken die letzten Meter von der U-Bahn Station zum Büro und denke an diesen Blog. "Ob Ihn wohl jemand lesen wird, ob es jemanden interessiert was ich mache oder denke?" frage ich mich und stelle gleichzeitig fest, dass es ansich unbedeutend ist .. mein Leben ist Eines von 7 Milliarden Menschen auf der Welt, im Grunde nichts Besonderes. Aber für mich, ist es eben Besonders, weil es ja mein Leben ist und selbst wenn diese Zeilen in abermillionen Zeilen, die jeden Tag geschrieben werden einfach untergehen und das werden Sie wohl .. für mich ist es Therapie.

Mitunter fällt doch jeden mal auf, wie selbstverständlich für uns so viele Dinge geworden sind, Dinge, die wir jeden Tag benutzen ohne daran zu denken, wie Sie funktionieren oder wo Sie herkommen. Wär ja auch irre, wenn man jeden Tag auf die Knie fallen würde, nur weil der Bus kommt oder das Handy das tut, was es soll .. aber manchmal sind es wirklich die einfachsten Dinge, die so besonders sind.

... Spätsommer 1992. Meine Ex-Frau war mit unserem Sohn schwanger und die Firma für die ich damals arbeitete war gerade in Konkurs gegangen. Nicht gerade der beste Moment, um aus unserer 1-Zimmer Wohnung in eine 3-Zimmer Wohnung umzuziehen, aber es ergab sich eine günstige Gelegenheit für einen Wohnungstausch und den nutzten wir.

Es war eine Altbau Hinterhof Wohnung im Parterre. Die Wände, des sehr kleinen Innen- hofes, bei dem selbst im Sommer nur wenig Sonnen- licht direkt den Boden erreichte, waren bis unter die Dachrinne mit Wein bewachsen, was vom Frühling bis weit in den Herbst wunderschön aussah. Das dichte Blätterkleid des wilden Weins, in dem sich an wenigen Wochen im Frühling, tausende von Bienen, summend an winzigen Blüten labten, hatte etwas von einem Märchenschloss.


Unsere Wohnung, war eine Garten-hauswohnung und hatte Ihren Eingang direkt vom Innenhof. Allerdings lag Sie auch auf der Nordseite und direktes Sonnen- licht erreichte uns nie. Es war also schon recht schattig und auch etwas fußkalt, denn unter unter lag ja nur ein muffig, feuchter Keller, der natürlich nicht beheizt wurde. Aber es war eben das, was ich mir leisten konnte, es sollte unser Zuhause werden und mit hochgekrempelten Ärmeln und viel Liebe verwandelte ich nach und nach, die doch sehr herunter- gekommende Bruchbude in ein hübsches Zuhause. So gut es eben ging, denn Zeit hatte ich vorübergehend genug.

Der Schnitt war leider etwas ungünstig, denn das Wohnzimmer war ein Durchgangszimmer und anstatt der versprochenen 80qm blieben nach dem Ausräumen und sorgfältigem ausmessen nur 63qm übrig was nicht wirklich viel war. Als wir die Wohnung besichtigt hatten, wohnte ein sehr alter Mann darin, Herr John, der damals bereits 83 Jahre alt war. Er war der ehemalige Inhaber einer kleinen Drogerie bei uns in der Straße und hatte die Wohnung, in der er sein ganzes Leben verbracht hatte, mit dem Nachlass seines Ladens vollgestellt, so dass wir die Größe der Wohnung bei der Besichtigung nur ahnen konnten. Zurück konnten wir nicht mehr und da wir nun mal da waren, blieben wird auch, denn die Gegend in Wilmersdorf, Nahe dem Ludwigkirchplatz war einfach schön und eine Alternative gab es ohnehin nicht.

Es war ein einziges Chaos. Wieviel Arbeit es machen würde, hatte ich nicht vorher sehen können, da ich aber ein recht geschickter Handwerker war und die Erlaubnis der Hausverwaltung hatte begann ich Alles rauszureissen und es blieb kaum ein Stein auf dem Anderen. So wie im zukünftigen Bad sah es quasi in der ganzen Wohnung aus und an ein Einziehen war nicht zu denken. Die ersten 2 Monate schliefen wir bei Freunden auf einer Luftmatratze.





Ich verlegte Elektrik neu, riss unnötige Wände ein, um mehr Platz zu schaffen, baute die Küche und das Bad komplett neu, denn schließlich wollten wir irgendwann zu 4 sein. Ich hängte Decken ab, mauerte Türen zu und setzte Neue ein und mit der Erlaubnis eines Statikers und erheblichem Aufwand baute ich sogar ein zusätzliches Fenster mit Ausblick zu einem weiteren Hinterhof ein, um ein wenig mehr Licht in die Wohnung zu bekommen. Am Ende schliff ich das Parkett ab.





Leider waren die 2 verbleibenden Zimmer nicht sehr groß und mit 8-9qm kaum größer als eine geräumige Kammer, aber Sie mussten als Kinderzimmer reichen. Da ich mir damals, während meiner eigenen Kindheit mit meinen 2 Geschwistern ein Zimmer teilen musste, wollte ich das meinen Kindern nicht zumuten. Sie sollten zumindest Ihr eigenes Reich bekommen, selbst wenn es klein war und da ließ ich auch nicht mit mir verhandeln, auch wenn meine Ex-Frau ein Schlafzimmer wollte.

Im Laufe der Jahre wurde es aber dann doch immer enger, unsere Lisa war nun auch schon auf der Welt und Ehekrisen begannen sich zu häufen. Für ein Schlafsofa war das Durchgangszimmer überhaupt nicht geeignet, weil es ohnehin schon als Esszimmer, Arbeitszimmer, Fernsehzimmer und Besucherzimmer genutzt wurde und nachdem ich in den Kinderzimmern Hochbetten eingebaut hatte, um Platz zu schaffen, entwickelte sich eine ungewöhnliche Situation. Meine Tochter hatte ein hübsches Bett und meine Frau und ich hatten vor auf dem Hochbett zu schlafen. Aber daraus wurde nichts. Es war unmöglich von dort etwas Tageslicht zu sehen oder überhaupt ein Blick aus dem Fenster zu werfen und so kam ich mir vor als würde ich in einem Sarg liegen, die häufigen ehelichen Differenzen taten dann Ihr übriges. Meiner Tochter gefiel im übrigen diese riesige Spielwiese großartig und oft versank Sie dort quietschend vor Vergnügen unter unzähligen Stofftieren auf Ihrem Hochbett.

So kam es dann, dass ich irgendwann jeden Abend direkt unter dem Fensterbrett im Zimmer meines Sohnes ein paar Spielsachen beiseite schob, leise eine Matratze hinlegte und auf dem Fußboden schlief. Wenn ich aufwachte konnte ich zumindest ein wenig aus dem Fenster schauen und ein Stück vom Himmel sehen. Mein Junge schlief auf seinem Hochbett und ich schlief auf dem Boden und so sollte es die restlichen Jahre bis zu meiner Trennung bleiben. Nach 17 Jahren Ehe war Feierabend.

Bevor ich mit meinen Habseligkeiten verschwand, renovierte ich für meine Kinder und die Noch-Ehefrau das Wohnzimmer und die Kinderzimmer. Neue Sofas, Couchtisch und Esstisch, Stühle, Schränke, Vorhänge. Wenn denn schon Ihr Papa nicht mehr zu Hause war, so sollten Sie es wenigstens schön haben. Alles wurde neu und das letztes Ersparte ging für eine überfällige Renovierung drauf und weil das alleine nicht reichte strapazierte ich noch meine IKEA Kundenkarte.  Rückblickend betrachtet, habe ich es für meine Kinder getan, vielleicht wollte ich aber auch mein Gewissen beruhigen .. nur mir selber hatte ich damit keinen Gefallen getan denn ich musste nun von Null anfangen.

Als ich schließlich auszog hatte ich nicht viel was ich mitnehmen konnte. Außer meinen persönlichen Dingen hatte ich eben meine Matratze und einen Kleiderschrank, den meine Tochter nicht mehr brauchte. Das war es und für den Umzug reichte ein geliehener Kombi.

In meiner eigenen Wohnung, was auch gleichzeitig meine erste eigene Wohnung überhaupt war, hatte ich nur die nötigsten Dinge und Vieles war gebraucht. Manches aus der Zeitung, aus Wohnungauflösungen, so wie der Kühlschrank und die Waschmaschine und ein paar einfache Regale von IKEA, viele Umzugskartons, mit meinen Habseligkeiten .. naja und eben meine Matratze.

Irgendwann lernte ich Ursula kennen und ich merkte schnell, dass Liebe wohl doch nicht alle Hindernisse so einfach überwindet. Der Zustand meiner Wohnung grauste Ihr aber ich war leider nicht in der Lage es hübscher zu machen. Ich versuchte was eben möglich war, aber eine Matratze auf dem Fußboden und ein Sessel den man aufklappen konnte, mehr hatte ich nicht zu bieten. Ich schämte mich aber was hätte ich tun sollen? Sie selber hatte eine schöne, kleine 2.Zimmer Wohnung im reichen Süden Berlins, gelegen am Stadtrand in Lichterfelde. Nach Ihrer Ansicht leider zu klein für 2 und ohne Auto auch ohnehin ganz schlecht zu erreichen. Es lief von Anfang an nicht ganz reibungslos zwischen uns und das Thema 'zusammenziehen' sollte nicht so richtig aufkommen und so pendelte Sie mal zu mir oder ich zu Ihr. Ich gab mir halt so große Mühe wie ich konnte, um es Ihr dennoch irgendwie heimelig zu machen, damit Sie länger bleiben würde, aber es hat eben alles seine Grenzen.

Eines Tages, um genau zu sein war es wieder einer dieser besagten Geburtstage, an denen ich ziemlich deprimiert und niedergeschlagen von der Arbeit nach Hause kam, da stand Sie mitten in meinem Wohnzimmer .. umgeben von Kisten, etlichen Holzteilen und ein paar fremde Menschen schleppten noch weitere Dinge in die Wohnung  ... Sie hatte ein Bett gekauft.

Als Sie mich sah brach sie in Tränen aus, denn eigentlich sollte es schon zusammengebaut sein, aber wie es immer so ist, war etwas schiefgegangen und nun kullerten dicke Tränen über Ihre Wangen. Ich war völlig sprachlos und wusste nicht was ich denken oder sagen sollte. Ich weiß noch, wie ich sie einfach in den Arm nahm, drückte und küsste und Ihr versicherte, dass Sie das schönste Geschenk auf der Welt war und es für mich eine Kleinigkeit war, so ein Bett selber zusammenzuschrauben. Schluchzend sagte Sie, dass Sie mir das aber doch abnehmen wollte und ich lachte nur und gab Ihr zu verstehen, dass ein "Bastel-Wastel" wie ich doch Freude daran hat etwas zusammenzuschrauben.

Sie war überall im Freundeskreis, bei Ihren Eltern und bei unseren Kindern sammeln gegangen, um dieses Bett, neue Matratzen und die Lattenroste kaufen zu können. Sie hatte gespart und alle hatten zusammengelegt und nach ein paar Stunden Schrauberei war das Werk vollendet. Ich kann Euch nicht wirklich beschreiben, was das für mich als erwachsener Mann für ein Glücksgefühl war, zum ersten Mal nach so vielen Jahren auf einer richtigen Bettkante zu sitzen, und sich dann auf die weiche Matratze fallen zu lassen.


Ich hatte gut 10 Jahre lang auf dem Fußboden geschlafen und nun mit 46 hatte ich jetzt endlich wieder ein eigenes Bett. Wenn ich nun am Morgen aufwachen würde, konnte ich mich aufsetzen, mir den Schlaf aus den Augen reiben, vielleicht einen Augenblick sitzen bleiben und dann ohne Verrenkungen aufstehen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass viele Menschen nachvollziehen können, wieviel mir das bedeutet hat und auch heute noch bedeutet. Ich kann mir vorstellen, dass Andere das albern oder gar lächerlich finden, ich bin aber dankbar und glücklich über dieses Geschenk. Gleich nach einer schönen Küche, ist ein warmes eigenes Bett wohl der schönste Ort in einer Wohnung.





Sonntag, 8. Februar 2015

Fifty years and a little grey

Ich gebe es zu, ich gehöre zu den Menschen, die Geburtstage in Wahrheit nur als Kind mochten, in einer Zeit, als es noch Spielsachen gab, in der Klassenkameraden und Freunde, bunt eingepackte Geschenke brachten und an denen man eine Geburtstagstorte geschenkt bekam, mit einer übersichtlichen Anzahl an Kerzen, die man mit einem Atemzug ausblasen konnte.

Das heißt, spätestens ab 30 aufwärts kippte dieses Gefühl. Spielsachen gab es eh nicht mehr, die musste man sich schon selber schenken und stattdessen bekam ich immer mehr Körperpflegeprodukte, Antifaltencremes oder Verlegenheitsgeschenke von der Sorte "Ich wusste nicht, was ich Dir schenken sollte, Du hast ja eh schon Alles .. hier ein Gutschein" na Super . Geburtstagstorten buk ich mir selbst und zum Kerzen ausblasen, wäre wohl nach und nach ein Laubgebläse recht hilfreich gewesen.

Selbstverständlich genoss ich die Liebe meiner Kinder, Sie strahlten übers ganze Gesicht, wenn Sie meist noch im Schlafanzug und Nachthemd vor mir standen und mir Ihre Geschenke überreichten. Es waren so oft zuckersüße, selbstgemalte Bilder oder selbstgebastelte Geschenke, die von einem Kilometer Klebeband zusammengehalten wurden. Mein Gott, das habe ich wirklich geliebt und Sie waren wertvoller als jedes gekaufte Geschenk .. zu guter Letzt gab sich auch meine Ex-Frau Mühe d.h. wenn wir uns ausnahmsweise einmal nicht gerade stritten.

Aber umso älter ich wurde, umso mehr veränderten sich Geburtstage zu einer mehr oder weniger teuren Bewirtungsveranstaltung für Familie und Freunde, bei der man nicht nur einen Haufen Arbeit hat, sondern am Ende auch noch die Rechnung bezahlt ... am liebsten hätte ich meine Geburtstage ausfallen lassen aber ich muss der Ehrlichkeit halber auch wohl zugeben, dass es den einen oder anderen Geburtstag gab, der wirklich großartig war und den ich wohl auch nicht vergessen werde .. so war einer der Besten, mein 40. mit "Cäpten Icke" !! Jürgen, mein Freund, falls Du das hier liest .. Das werde ich Dir nie vergessen ! ! Unser Trip nach Duxford, das großartigste Geschenk, welches ich je zu einem Geburtstag bekommen hatte. Ich war vorher noch nie im Ausland und schon erst recht nicht, auf solch einer Airshow. Das war der Wahnsinn.

Dennoch, die schönen Geburtstage, kann ich an einer Hand abzählen. Ich hasste es älter zu werden. Das mir immer mehr die Freude auf den Geburtstag verging, lag aber nicht allein am fehlenden Spielzeug und auch nicht ausschließlich am älter werden. Der eigentliche und entscheidende Grund war die Frage "Wieviel bleibt noch vom Leben, um die immer länger werdende Bucket-List" abzuarbeiten?" ... Meine Erwartungen deckten sich so garnicht mit dem was war.

Nun ist das mit Erwartungen ja so eine Sache .. man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass Sie eintreten, selbst wenn man noch so sehr glaubt alles richtig zu machen .. und dann ist es besonders dumm wenn man nicht von Ihnen lassen kann .. selbst wenn man das gerne wollte. Ich hatte einfach diese naive Vorstellung, dass das Leben mehr für mich vorgesehen hatte.

Aber irgendwie sollte es nicht sein. Meine Bemühungen beruflich voranzukommen und somit die finanzielle Leiter des Erfolgs allmählich zu erklimmen, wurde von vielen Hindernissen, eigenen Unvermögen, schwierigen Chefs und wohl auch oft einfach nur vom Pech konterkariert. Anstatt steigendem Einkommen, hatte ich es nur mit steigenden Kosten zu tun und so geriet an den Geburtstagen etwas Anderes immer mehr in meinen Fokus.

Es war eine einfache Gleichung? .. ich saß da und rechnete .. "Die zurückgelegten Jahre plus die gefühlte Anstrengung plus mein Bankkonto im Verhältnis zum "Wie weit war ich gekommen?" .. und diese Rechnung ergab schon lange vorhersehbar, immer eindeutiger und hartnäckig nur ein Ergebnis .. Aufwand und Ergebnis standen in keinem Verhältnis. Ich kam Jahr um Jahr nicht wirklich aus den Startblöcken .. und ich fragte mich nur noch .. Warum? Was mache ich falsch?

Natürlich sorgte ich so gut es ging für meine Familie, erfüllte meine Verpflichtungen und wusste welche Verantwortung ich hatte .. aber ich sah auch immer mehr die Ursachen, die sich als Verursacher für den fehlenden Aufstieg identifizieren ließen ... meine berufliche Laufbahn, war nach einigen Irrwegen, alles andere als gradlinig verlaufen. Ich war nach einer Umschulung erst spät gestartet und ich hatte auch keinen akademischen Abschluss. Eine Folge dessen war beruflicher Stillstand und eine stagnierende Lohnentwicklung. Bei stetig steigenden Ausgaben, waren die Konsequenzen sowohl unvermeidlich als auch glasklar zumal ich auch mal ein paar € nur für mich ausgeben wollte.

Als einfacher Angestellter mit einem Berliner Normalo-Lohn und als Alleinverdiener quälten mich u.a. horrende Kitagebühren, immer wiederkehrende Ausgaben für Reparaturen an schwächelnden Haushaltsgeräten oder der notwendigen Familienkutsche. Möbel, Handies, Computer, Taschengeld, Sparbücher der Kinder, Klamotten und vieles mehr für die Familie mussten öfter angepasst oder erneuert werden als mir lieb war. Stetig steigende Lebenshaltungskosten und jährlich folgten auch in schöner Regelmäßigkeit völlig unverständliche und horrende Einkommenssteuernachzahlungen an das Finanzamt anstatt erhoffter Rückzahlungen. Dann waren da die Kindergeburtstage, nicht nur die der eigenen, sondern auch die von befreundeten Kindern, Ostern, Weihnachten, Sommerferien, Schulsachen, Fahrräder und, und, und .. Familiäre Unterstützung? Oma und Opa? Fehlanzeige, die gab es nicht. Meine Eltern waren schon lange tot und die Schwiegereltern lebten in der Pfalz und reisten sehr gerne .. z.b. nach Australien. Kontakt zu anderen Verwandten gab es nicht und damit war die Nummer mit der Verwandtschaft durch. So wurstelte ich mich durch die Jahre. Fortschritt? Null !

Spätestens die Scheidung 2007 war es dann, die mir endgültig den Hahn abdrehte .. die entsprechenden, nicht recht bedachten Konsequenzen, taten Ihr übriges. Erst die Anwaltskosten, dann den ersten eigenen Haushalt nach der Trennung komplett neu ausstatten, denn ich nahm nichts mit und es folgten viel höhere Steuerabzüge nach dem Steuerklassenwechsel. Vom Brutto blieb nun noch weniger und die Ebbe in der Brieftasche wurde größer. Die ausbleibenden Lohnanpassungen und die erbarmungslosen Unterhaltszahlungen, die von nun an alleine 1/3 von meinem Lohn auffraßen, gaben mir nach und nach den Rest. Die Ausführungen, was das für Konsequenzen hatte, beim Versuch eine neue Beziehung aufzubauen, erspare ich mir. Ein Desaster.

Eines war für mich aber nie eine Frage .. der Unterhalt. Für meine Kinder wollte ich nur das Beste. Sie sollten es nicht schlechter haben, nur weil es die Eltern versemmelten. Sie sollte alles bekommen, was Sie brauchten, um eine Chance zu haben gut ins Leben zu starten und natürlich gab es zu Ihrem Geburtstag auch weiterhin etwas und auch Weihnachten sollten Sie nie leer ausgehen. Alles zusammen war viel mehr als ich erwartet hatte und es blieb mir fast nichts übrig. Ich lebte fortan wie eine Knastbruder mit Freigang.


Das Risiko, eines Arbeitsplatzwechsels, um eventuell mehr zu verdienen, wagte ich nicht mehr. Es erschien mir zu riskant, denn eine Arbeitslosigkeit hätte am Ende nur meine Kids getroffen. Schlussendlich hatte ich mich durch die Scheidung 'freigekauft' und das war nun der Preis. Wenigstens musste ich kein Auto mehr bezahlen, das hatte schon vor der Scheidung das Zeitliche gesegnet. Nach einigen Recherchen im Internet erfuhr ich immerhin, dass es vielen geschiedenen Väter auch so ging wie mir und viele schafften es garnicht. Ein schwacher Trost.


Es blieb dabei, widerwillig rechnete ich an jedem Geburtstag ab und verdarb mir meine Laune .. keinen Schritt vor und nur mit Mühe keinen zurück ... irgendwie blieb ich am Start und sah von Jahr zu Jahr, mehr und mehr meinen Freunden oder Arbeitskollegen hinterher, die nicht müde wurden, mir Ihre Geschichten von einem blühenden Leben mit schönen Urlauben, diversen Neuanschaffungen, Shopping Orgien und anderen Freuden des Lebens aufzutischen. Ich hasste die Frage "... und? wo fährst Du hin? .." Ihr Leben entwickelte sich, so wie ich es mir für Meines vorgestellt hatte. Bei mir lief es nicht.

So war es also und so blieb es .. es war Jahr um Jahr gleich enttäuschend und mir wollte nichts Einfallen, wie ich es hätte ändern können. Persönliche Bemühungen oder berufliche Anstrengungen, nichts davon trug Früchte und das Erreichte stand zumindest gefühlt, nie in einem richtigen Verhältnis … obgleich ich natürlich nicht Nichts erreicht hatte, so war es irgendwie nie das, was ich mir vorgestellt bzw. angestrebt hatte. Mein Eindruck war, wohin ich mich auch umsah, andere Menschen in meinem Alter, waren weiter. Nun muss man nicht unbedingt der Klügste sein, um Erfolg zu haben .. manchmal genügt es auch dem richtigen Menschen zu begegnen oder eben einfach nur Glück zu haben. Aber auch das geschah nicht.

Ich kenne die ganzen klugen Sprüche, von wegen .. Glück und Zufriedenheit messen sich nicht an Besitztümern .. aber das wollte ich nicht hören. Auf der Stelle treten, während man älter wird und die Jahre verrinnen, macht eindeutig nicht Glücklich, zumal man keinen Ausgleich hat und stattdessen immer mehr Träume und Wünsche vor sich her schiebt. Wer hat schon Bock auf andauernd negative Erfahrungen, die Einen angeblich doch so viel reifer machen? Mal ist ja gut, aber andauernd? Ich nicht. Irgendwann will man auch ein Stück vom Kuchen und wenn man merkt, dass es eher abwärts geht, dann setzt das Einem ganz schön zu. Vor allem wenn man daran denkt, dass man irgendwann für den einen oder anderen Wunsch zu alt sein wird, ohne sich lächerlich zu machen. Da kann man versuchen seine Perspektive und seine Einstellung zu verändern wie man will ... spätestens am Geburtstag traf mich immer die Keule .. wieder ein Jahr weg und eine Mischung aus Frustration, Absturz, Depression ließ sich nicht unterdrücken. 

Nach außen versuchte ich es wegzulächeln, mimte den Strahlemann, damit keiner was merkt, aber in Wahrheit war es ein kläglicher Versuch. Ich hätte heulen können, denn ansich wollte ich mich doch auch nur, so wie alle Menschen das tun, irgendwie dafür belohnen, dass ich fleißig war .. ich wollte lediglich sehen, warum ich arbeiten ging. Glücklicherweise, wichen alle negativen Empfindungen wie von Zauberhand am Tag danach und es war als würde ich wieder aufstehen, mir den Dreck von der Hose klopfen und eine Träne aus dem Knopfloch wischen. Der Moment der Wahrheit war überstanden, nun hieß es durchatmen, weitermachen und an dem Gedanken festhalten, "Es muss doch zu schaffen sein" ... jedes mal lag neue Hoffnung und ein neues Jahr vor mir, in dem Alles möglich schien.

Ansich war das schon ungewöhnlich .. so wie mir musste es wohl vielen gehen .. nur warum ließ gerade ich mich, ein erwachsener Mann, geboren im Sternzeichen des Löwen und im chinesischen Sternzeichen als Drache, also ein Mensch der astrologisch betrachtet, zum Anführen und zum Erfolg geboren ist ... wieso ließ ich mich von all dem so runterziehen? Vielleicht weil bei mir das Horoskop völlig versagte? ... Ich war doch nicht wirklich unzufrieden, ich liebe das Leben, ich habe 2 wundervolle Kinder um die ich mir keine Sorgen machen muss, eine feste Arbeit, die mir sogar Freude macht, ich bin gesund, muss nicht hungern, habe ein geheizte Bude und ich weiß was ich kann. So schlecht war das auch nicht und es könnte viel schlimmer sein.

Verdammt, irgendwo in meinem Hirn, gab dieser Jammerlappen keine Ruhe .. ich konnte mich ja kaum selber ertragen. Die meisten Menschen leiden unter Ihrem inneren Schweinehund, der nur die Erreichung Ihrer Traumfigur verhindert .. diesen Köter hatte ich zumindest schon lange erschlagen, mir machte mein Jammerlappen zu schaffen, der nicht das Maul halten wollte. Was auch immer, das Schicksal für mich vorgesehen hatte, es ließ sich Zeit damit.

Es nagte an mir, dass ich mir viele materielle Wünsche nicht erfüllen konnte, wenigstens mal ab und zu .. ein dringend benötigter neuer PC oder vielleicht ein Tablet, ein neues Handy oder auch mal Abends ausgehen, spontan im Club feiern, mal eben ein paar Schuhe kaufen, vielleicht ein neuer Teppich vor dem Bett, ein paar Handtücher für das Bad, die eine oder andere DVD .. die einfachsten Dinge gingen nicht und selbst das Bewältigen des ganz normalen Alltags wurde von Jahr zu Jahr immer schwieriger .. an ein Auto glaubte ich garnicht mehr, das war völlig utopisch .. aber Kollegen, die Mittags jeden Tag zur Kantine gingen .. ja nun .. selbst die 3.50€ für einen Döner hatte ich nicht und so wird man im Laufe der Zeit auch noch zum Einzelgänger, weil man nie irgendwo mitgeht, nur weil man kein Geld hat. Die völlig selbstverständliche Pflege von Freundschaften wird auch nicht leichter, wenn man keine 5€ für ein Bier oder eine Partie Bowling hat.

Unnötig zu erwähnen, dass die finanzielle Not auch einer harmonischen Beziehung im Wege stand. Es gab immer wieder Probleme, ausgelöst durch meine Unzufriedenheit. Einfach mal mit der Freundin und den Freunden Essen gehen, mal um die Häuser ziehen, ein Wochenende wegfahren, Konzertbesuche, Kino, bummeln auf einem Straßenfest, Weihnachtsmarktbesuche oder dergleichen, alles Fehlanzeige. Was kaputt ging konnte nicht mehr ersetzt werden. Der Fernseher war schon lange im Eimer, is halt Pech. Der Toaster? kaputt, die Bratpfanne? Wer braucht die schon .. immer öfter war bereits am 3. des Monats, wenn alle Abbuchungen erledigt waren und alle Rechnungen bezahlt waren, das Konto weit in den roten Zahlen. Verpflichtungen ohne Ende und Nichts blieb übrig. Mein Haushaltsbuch ein einziges Kondulenzbuch.

Nein Leute, das hier hat nichts mit Jammern zu tun .. Von mir aus, nennt es so .. aber so sah und sieht einfach meine Realität aus und darin zu leben macht keinen Spaß, das wünscht man Niemandem. Ein Steak in der Pfanne war ein seltener Gast und ich gewöhnte mich daran, dass es ab Mitte des Monats immer öfter Spaghetti oder Haferflocken gab. Robinson Wochen nannte ich das immer, weil ich mit dem auskommen musste, was halt noch übrig war .. so als würde ich auf einer Insel leben. Da lernt man zumindest gut aus Resten zu kochen .. und innerlich auch .. Wenn ich ein "Hartzer" gewesen wäre, jemand der ohne Perspektive auf Einkommen und Lebensqualität vom Amt leben muss, ja, das wäre übel gewesen .. allerdings hätte dann das Leben zumindest zu meinem Einkommen gepasst .. aber das war ja nicht der Fall. Ich war ein qualifzierter, technischer Angestellter, der in der Qualitätssicherung einer Softwarefirma arbeitet .. nur meine Lebensqualität passte nicht zum Job.

Vielleicht wäre dieser Zustand gar nicht so schlimm gewesen, wenn nicht Gevatter Neid auch noch ständig bei allen Anderen Das gesehen hätte, was ich ich auch hätte haben wollen. Diese entspannte Leichtigkeit des Seins fehlte mir völlig. Keine Spontankäufe, mal ein Eis essen gehen, zum Baden fahren, eine Zeitschrift, ein Buch, eine DVD, eine neue Sporthose, nicht mal neue Socken oder neue Unterwäsche, ein Geschenk für die Freundin, ein Strauß Blumen .. alles musste gut überlegt und abgewogen werden und meist war die Antwort "Es geht nicht" ... eine kleine unbedachte oder unerwartete Ausgabe zum Monatsbeginn, eine Zahnarztbehandlung, eine neue Brille und der Rest der Monats und auch der Folgemonate war total im Eimer .. das war untertrieben formuliert ... richtig Sch...

Zu guter Letzt kam dann noch die verbale Prügel hinzu, die ich öfter einstecken musste, weil sich keiner "mein Gejammer" anhören wollte, wenn ich wieder mal sagte, dass ich bei etwas nicht mitmachen konnte ... da hieß es dann " jetz hörma auf hier rumzuheulen, andere haben bestimmt noch weniger .. komm schon, du wirst doch mal ein paar Euro für dies oder das haben .. du kannst einfach nicht mit Geld umgehen *HaHaHa* .. such Dir mal nen zweiten Job ..." es war wie Hohn und Spott und machte mich wütend, einsamer und auch schweigsamer, denn aus meiner Sicht war es kein Gejammer, niemand in meinem Bekanntenkreis konnte sich vorstellen, dass ich wirklich so wenig hatte. Ich verlor etliche Freunde.

Ich musste etwas unternehmen. Wenn ich mit dem spitzen Bleistift rechnete und sehr sparsam blieb, dann hätte ich vielleicht an 2 von 52 Wochen eines Jahres, in den Urlaub fahren können. Vielleicht im Sommer, 2 Wochen Türkei oder so .. aber was hätte ich an den restlichen 50 Wochen getan??? Nichts ! ! ! was wären das für Aussichten gewesen? .. ich war eh schon seit über 10 Jahren nicht mehr in den Urlaub gefahren und verwarf diese Idee. So ging es nicht ... aber etwas Anderes würde gehen.

Ich nahm meinen Mut zusammen, kalkulierte superknapp und gönnte mir die Mitgliedschaft in einem Segelflugverein für 90€ jeden Monat .. das war einer meiner Kindheitsträume .. Verreisen, war damit natürlich bis auf Weiteres völlig gestrichen, was keinen Freudentaumel bei meiner Freundin auslöste und ich musste im Winter an den Wochenenden für ein paar Stunden in einer Werkstatt arbeiten, aber wenn ich wollte, konnte ich so an den Wochenenden von April bis Oktober .. Segelfliegen .. d.h. wenn ich jemand fand, der mich zum Flugplatz mit rausnahm, den so ein Regio der DB kostet auch Geld .. Und dann hatte ich auch noch mein Sportstudio. Für 20€ im Monat konnte ich mich in Form halten und die Gefahr bannen, gänzlich zu vereinsamen. So hatte ich außerhalb des Büros wenigstens noch für ein paar Stunden soziale Kontakte .. aber das wars dann auch, "Rien ne va plus" damit hatte ich all mein Taschengeld bis auf den letzten Cent ausgegeben .. kein Puffer mehr, nicht einen Euro .. alles Andere blieb auf der Strecke. Mein Haushaltsplan war unglaublich auf Kante genäht, wie man so schön sagt. Geld kann man eben immer nur einmal ausgeben, man muss sich nur entscheiden wofür. Ich hatte nun ein Hobby, konnte letzlich aber immer noch nicht wirklich am 'gesellschaftlichen' Leben teilnehmen.

Auch wenn ich für etwas Abwechslung gesorgt hatte, trat ich dennoch weiter auf der Stelle. Nun konnte ich erst Recht nicht mehr konsumieren. Es kam ja nichts dazu. Ich gab mir natürlich Mühe nichts Unnötiges anzuschaffen, versuchte mich zu strecken, und zu sparen wo ich konnte und es ist kaum zu glauben auf was man Alles verzichten kann, wenn man nichts hat, aber es half nichts. Wirklich besser war es nicht geworden.


Irgendwann sah ich mich durch einen Freund, mit einem gut gemeinten Vorwurf bzw. einer Einschätzung konfrontiert .. Ich kann mich nicht mehr an die Situation erinnern aber Hubert, ein Vereinskamerad aus dem Segelflugverein, ausgestattet mit einem großen Herzen und einer urbayrischen Direktheit, sagte zu mir "Lars, du bist ein Suchender ... ein Mensch, der immer etwas will und so nie zufrieden sein wird" .. der Satz hallte nach. Womit auch immer sich ein Suchender "befriedigt" es zieht Ihn ja doch wieder nach etwas Neuem und Mehr weckt das Verlangen nach noch mehr! ... Konsumieren ist wie Salzwasser trinken, man bekommt nur noch mehr Durst ... War ich das?

Da saß ich, war etwas perplex und konnte nicht widersprechen. Das ich immer viel wollte, war mir nicht neu .. aber lag meine Unzufriedenheit womöglich wirklich daran, dass ich ein einziger Quell an Bedürfnissen, Wünschen und ständig neuen Ideen bin? Das hieße, im Grunde konnte es garnicht funktionieren, das mit dem "zufrieden sein", weil ich eh immer viel zu viel will? Wenns so war, konnte ich nicht viel dagegen tun, aber ich konnte es verstehen und dann damit umgehen. Mit einmal glomm ein Funke auf. Eine schwach leuchtende Glühbirne, die über meiner Rübe aufging.

Bei mir setze ein Umdenken ein .. ich jagte einen Geist und auch wenn ich nichts viel von Esoterik halte, kam es mir wie eine Erleuchtung. Das Leben oder das Schicksal oder was auch immer, hatte gar keine Chance es MIR Recht zu machen. Womöglich versuchte es das ja, aber ich wollte es nicht sehen. Ich musste also beinahe 50 werden, um diesen Gedanken zu akzeptieren. Kaufen, das Konsumieren würde mich eh nicht Dauerhaft befriedigen und anstatt mein Glücksmeter an Dingen zu messen, die ich mir eh nicht leisten konnte oder an Urlaubsländern, die ich auch nicht bereisen konnte sollte sich mein Bewusstsein doch mal in mir umsehen.

Wieder näherte sich also ein Geburtstag und es war der Fünfzigste .. ein Alter, welches von den Meisten irgendwie ganz Besonderes betrachtet wird. Spätestens am 50. rechnen dann wohl alle Menschen ab, denken mal über Ihr Leben nach und blicken zurück .. Was hätte man anders machen können? wieviele Jahre kommen noch? .. der Zeit und dem älter werden kann niemand entkommen .. aber diesmal spürte ich eine latente Hoffnung, dass es besser werden würde.

Eine große Geburtstagsparty war völlig ausgeschlossen ... den Gedanken mit allen Freunden aus dem Sportstudio, Arbeitskollegen, Facebookfreunden und Familie eine Riesenparty zu feiern, hatte ich schon lange begraben ... das Maximum was ich aufbieten konnte waren 100€ .. mit diesem knirsch zusammengekratzten Budget konnte ich meine Freundin und meine bereits erwachsenen Kindern zum Sushi essen einladen .. Ende Gelände. An einem Tag, an dem es wohl die meisten Menschen mit einer Riesenparty so richtig krachen lassen, saß ich stattdessen nun vor einem Teller Sushi im Restaurant "Miyabi" und war umgeben von Menschen, die mich lieben .. auch wenn es nicht Viele waren, es war schön und ich war dankbar.

Wärend wir uns die fernöstliche Küche schmecken ließen und kreuz und quer über den Tisch redeten, fiel mir meine Zufriedenheit auf. Alles war gut. Ich dachte an meine Rechnung, die mich sonst immer so frustriert und depressiv gemacht hatte und obwohl alles immer noch so war, wie die vorherigen Jahre auch, war es mir diesmal egal. Die Erfüllung vieler Wünsche und Träume lag immer noch in weiter Ferne und ich hatte immer noch Nichts .. nur konnte ich es zum ersten Mal akzeptieren. Ich dachte nicht darüber nach, was ich in den letzten Jahren nicht hatte kaufen können .. sondern ich sah stolz auf meine Kinder, die sich großartig entwickelt hatten und dachte daran was ich Alles geleistet und erreicht hatte.

Ich wollte schon immer viel und konnte nach meiner Scheidung nicht dem Drang wiederstehen Vieles nachholen zu wollen .. und ich habe eben so viel gemacht wie möglich war. Ich hätte wohl, das eine oder andere ferne Land bereisen können oder mir irgendein tolles Zeug mit begrenzter Haltbarkeit kaufen können ... aber ich hatte in mich investiert und das Geld "Peu à peu" für einen Sportbootführerschein, eine Privatpilotenlizenz für Selgelflugzeuge und einen Motorradführerschein (den ich immer noch abbezahle) ausgegeben .. rückwirkend betrachtet, verrückt .. aber letzlich dennoch viel klüger. Denn das machte mich jetzt nicht nur zufrieden sondern auch reich.

1 - 2 Jahre wird es wohl noch dauern, dann werden meine Kinder es alleine schaffen .. solange muss ich mich noch zusammenreißen, die alten löchrigen Klamotten tragen, mir jeden Tag meine Brote für die Arbeit schmieren und auf Vieles verzichten .. aber das kann ich schaffen. Es wird langsam bergauf gehen und das Erste was ich tun möchte, wenn es vorbei ist, ist mir ein eigenes Motorrad zu kaufen, darauf freue ich mich schon so lange. Dann möchte ich damit losfahren und erst anhalten wenn Wasser kommt. Wenn sich dann mein Leben entspannt klappt es vielleicht auch mit einer harmonischen Beziehung .. aber das kann man sich ja nicht ausrechnen.

Die Mama von Forrest Gump hat gesagt, dass das Leben wie eine Schachtel Pralinen sei ... ich denke eher, es ist auch wie ein Skatspiel. Du bekommst einen Satz Karten und wie gut Du damit spielst liegt an Dir .. wer ein gutes Blatt hat, hat es leichter zu gewinnen und wer schlechtere Karten hat, der braucht ein wenig Glück und / oder einen Partner der einem vielleicht dabei hilft .. Du kannst nichts für dein Blatt, was Du auf der Hand hältst, aber man hat eine Chance zu gewinnen.

Ein Filmzitat was mir sehr gut gefällt und an das ich öfter denke ist von Chuck Noland, gespielt von Tom Hanks im Film "Cast Away". Er sagt: "Ich weiß was ich jetzt zu tun habe. Ich werde weiteratmen - weil, weil morgen die Sonne wieder aufgeht...und wer weiß was die Flut bringt."

.. Genau so ist es.


Seit meiner Trennung im September 2007 hatte ich bis letztes Jahr August 2014, Unterhalt in Höhe von insgesamt 62.646€ überwiesen und es werden wohl noch ein paar Euro dazu kommen.




Donnerstag, 22. Mai 2014

Der erste Ausritt

10 Tage waren nun schon vergangen, seit ich die Führerscheinprüfung erfolgreich abgelegt hatte ... es war allerhöchste Zeit. Ich wollte fahren.

Per Telefon hatte ich bereits wenige Tage nach der Prüfung bei Kawasaki Bischoff im Fürstenbrunner Weg eine Probefahrt vereinbart. Mit dem Führerschein der Klasse A in meiner Tasche, darf ich schließlich alles fahren was 2 Räder hat und ich wollte es wagen. Ein VN900 Vulcan sollte es sein. Ein klassischer Chopper aus dem Land der aufgehenden Sonne. Lang, breit und schwer. Am 21. Mai war es endlich soweit.

Selbst ein endlos scheinender Arbeitstag hat glücklicherweise einen Feierabend und pünktlich um 16:00 konnte ich mich dann endlich auf den Weg zu meinem ersten Ausritt machen. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen kontinuierlich bis auf freundliche 28°C geklettert und die Sonne brezelt vom strahlendblauen Himmel und grillt mir die Birne, als ich die letzten Meter von der S-Bahn zum Kawasaki Händler laufe. Ich stecke bereits in meiner Motorradmontur d.h. Hose mit Protektoren und schwere Stiefel, die das Laufen nicht gerade erleichtern. An meiner Hand hängt eine Reisetasche mit meiner schweren Motorradjacke, Wechselklamotten, Helm, Handschuhen, Nierengurt ... ich war schweißgebadet.

Vor dem Motorradladen drängeln sich auf dem Bürgersteig dutzende Motorräder und im Verkaufsraum standen weitere blitzblank polierte, nagelneue Maschinen, die auf Ihre Käufer warteten. Zwischen den ganzen Bikes entdecke ich eine Mitarbeiterin und als ich Ihr sage, dass ich wegen einer Probefahrt hier bin, weist Sie mir freundlich den Weg in Richtung Werkstatt.

Das Büro der Werkstatt wirkt auf den ersten Blick wenig vertrauenserweckend. Ein wenig unaufgeräumt sieht es aus und das Mobiliar war vermutlich vor Jahrzehnten mal modern, sicher bin ich mir da aber nicht. Ein Tresen für die Kundschaft, ein paar Regale in denen ältlich wirkende Ersatzteile und etwas verblichene Kataloge liegen, zieren dem Raum. Durch eine großzügige Tür hinter dem Tresen fällt der Blick in ein Lager, in dem sich etliche Metallregale unter der Last von unzähligen Ersatzteilen verbiegen. Ein Servicemitarbeiter im typisch Kawasakigrünen Polohemd und ein dicker Mechaniker, wie man Ihn sich immer vorstellt, mit Blaumann und ölverschmiert, runden die Szene ab und sorgen für etwas Betriebsamkeit.

Hinter einem alten und ziemlich unaufgeräumten Schreibtisch sitzt eine ältere Dame. Ich setze mich auf einen ziemlich klapprigen Stuhl der vor dem Schreibtisch steht und warte freundlich lächelnd, dass Sie von mir Notiz nimmt. Sie telefoniert und starrt dabei unsicher in einen PC aber schon nach wenigen Minuten löst Sie doch endlich Ihren unsicheren Blick vom Bildschirm, legt das Telefon beiseite und wendet sich mir zu. "Ich möchte die Probefahrt mit der VN900 machen" sage ich zu Ihr und lege meinen Personalausweis und den vorläufigen Führerschein auf Ihren Schreibtisch. Womit auch immer, diese Dame ist definitiv überfordert, aber Sie beginnt immerhin schweigend ein Formular auszufüllen und ich warte ebenfalls schweigend und freundlich lächelnd bis Sie damit fertig ist. Ich bin froh, dass ich es nicht ausfüllen muss. Dann schiebt Sie mir das Formular zur Unterschrift rüber und sagt etwas von "...Vollkasko mit 2000€ Selbstbeteiligung" .. für eine Sekunde schießt es mir in den Kopf, dass ich das Teil also besser nicht umschmeißen sollte und verdränge den Gedanken aber sofort wieder. Sie weist mich daraufhin, dass ein Probefahrt 30min. dauert, was ich natürlich sofort aber immer noch freundlich lächelnd als ungenügend abwinke. Ich möchte hier ein Motorrad für beinahe 10.000€ kaufen und soll mich in 30min. entscheiden: No way .. "Wie langen wollense denn?" fragt Sie und nach einem kurzen Telefonat mit der Cheffin bekomme ich die Maschine für 60min.  YES ! ! !

Dunkelschwarz und Chrom glänzend stand Sie dann nun endlich vor mir in der Sonne und wartete darauf von mir gefahren zu werden. Der freundliche Mensch im grünen Kawasakihemd wies mich kurz ein, "Zündung, Schaltwippe, Blinker, Licht, Hupe, Bremse .. Naja, das kennen Sie ja, also dann viel Spaß" sagt er und die Einweisung war beendet. Schon schwinge ich mein Bein lässig über den breiten Sitz, der mehr Ähnlichkeit mit einem Sessel hat, weil auf Ihm wohl auch ein Elefantenhintern Platz hätte. Der erste Eindruck "Was für ein dickes Ding" .. Männermäßig! und genau so muss das auch sein.  Für jemand mit Eiern. Durch einen ziemlich dicken, tropfenförmigen Tank, sitzt man mehr oder weniger etwas breitbeinig auf der Vulcan, die Füße kann man lässig und sehr bequem auf Trittbettern abstellen. Zwischen meinen Schenkeln, chromglänzend ein 2-Zylinder V-Motor mit 900 Kubikzentimeter Hubraum.

Ich greife zum breiten, geschwungenen Lenker, der einem spanischem Kampfstier alle Ehre gemacht hätte. So muss es sich also anfühlen, wenn man den Stier bei den Hörnern packt, denke ich, als ich die Maschine vom Seitenständer aufrichte. Im ersten Augenblick noch ein wenig kipplig und ich spüre deutlich Ihr Gewicht von 280kg aber noch mehr spüre ich meine Vorfreude .. Ja, das war es was ich wollte ... Ich atme tief durch, lehne mich etwas entspannt zurück, Kupplung ziehen und mit einem Druck auf den Startknopf erwacht der 50PS starke V-Twin zum Leben ... *Baarruumm* *brabbel*brabbel*brabbel*brabbel* macht es und beinahe fröhlich blubbert der Motor im Leerlauf. Der geeignete Moment für eine mordsmäßige Gänsehaut, die mir den Rücken rauf und runter läuft. Als ich ein paar Mal am Gasgriff drehe, um den Sound zu  genießen, verziehen sich meine Mundwinkel bis unter die Ohren und vermutlich mit einem leicht entrückten Gesichtsausdruck, kann ich mir ein breites Grinsen jetzt nicht verkneifen. Es wird sich die nächsten 60min. auch nicht verändern. 

Jetzt gehts los. Mit einem gefühlvollen Tritt auf die Schaltwippe, lege ich den ersten Gang ein, dann lasse ich langsam die Kupplung kommen, jetzt nur noch ein klein wenig Gas geben ... uuund? ... schon rollt die Fuhre los ... ManManMan, vor 3 Monaten hatte ich noch überhaupt keinen Plan und jetzt saß ich auf einer 8000€ teuren Maschine. Etwas unsicher und ein wenig wacklig eiere ich sehr vorsichtig vom Werkstatthof, auf dem eine ganze Menge Geld rumsteht, um ja nicht anzuecken oder etwas umzuwerfen. Meine Freundin, die beste Frau der Welt, steht bereits geduldig wartend mit Ihrer Yamaha Virago an der Ausfahrt. Sie wird mich mit BumbleBee begleiten, etwas Geleitschutz wird sicher nicht schaden. Ich freue mich, dass Sie dabei ist.


Es ist so gegen 17:00 als wir uns in den dichten Berliner Berufsverkehr am Spandauer Damm einreihen und schnell stelle ich fest, dass das Bike einfach das tut, was es soll. Überall, zu allen Seiten wimmelnder Verkehr, Autos überall aber überraschend registriere ich, dass ich mich richtig gut fühle. Keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität. Meine Vulcan brummt zufrieden und folgsam wie ein Lamm mit mir durch den dichten Verkehr. Beinahe leichtfüßig rollen jettz ganze 370kg auf 2 dicken Reifen über den heißen Asphalt , wechseln leichtfüßig die Spur und spurten kraftvoll los, wenn man Ihr ein wenig die Sporen gibt. 


Ich lümmel mich bequem auf meinen Cruiser, lehne mich wie auf einer Couch an die angedeutete Rückenlehne, fühle den angenehm warmen Fahrtwind im Gesicht und wie er durch meine geöffnete Jacke strömt. Das ist es. Ich könnte vor Glück zerspringen. Nach wenigen Minuten sind wir dann auch schon aus dem dichtesten Gedränge raus und bröseln Kurs Süd-Süd-West durch Berlin. Es geht Richtung Zehlendorf, gemütlich die Königsalle runter, die sich wie eine Schlange durch den Grunewald windet. Vorbei an den vornehmen Villen der Wohlhabenden in dieser Stadt, weiter unter schattenspendenden Bäumen die Onkel-Tom-Straße entlang. Die Sonne zwinkert uns durch das grünen Blätterdach zu und schon biegen wir auf die Argentinische Allee, die uns zur Clayalle führt. Ab hier geht es langsam wieder zurück. Es macht unglaublich Spaß die Dicke in die Kurven zu legen, die sanfte Vibration des Motors zu spüren und immer wieder die kraftvolle Beschleunigung zu genießen.

Der Rückweg führt uns zum Fehrbelliner und von dort Richtung Schloß Charlottenburg, auf die Brandenburgische Straße, die mit einem Tunnel unter dem Kurfürstendamm hindurchführt. Es ist so klar was jetzt kommen muss und ich kann der Versuchung nicht widerstehen. Kaum rollen wir in den Tunnel, schalte ich bei Tempo 50 in den 2.ten Gang, gebe 2-3 ordentlich Gas, bevor ich die Kupplung wieder kommen lasse und gebe dann Vollgas. Während meine Arme immer länger werden, bilde ich mir ein zu spüren, wie sich der weiche Gummi der dicken Räder in den Asphalt krallt. Das Motorrad macht beinahe wie ein Dragster einen Satz nach vorne und die Beschleunigung haut mir die Falten aus dem Gesicht. Der Sound dabei ist Atemberaubend und ich habe ein wenig Sorge, dass die Kacheln von den Wänden fallen könnten. Wie geil ist das? Das Fest dauert nur wenige Sekunden und als der Tacho an der Tunnelausfahrt 95 km/h anzeigt gehe ich schnell wieder vom Gas bevor mich noch ein Blitzer erwischt. Mein Puls ging nicht so schnell wieder vom Gas.

Unbeschadet und ohne einen Kratzer erreichen wir nach gut einer viel zu kurzen Stunde die Werkstatt und ich muss mich verabschieden. Der Beweis war erbracht, wenn man diesen Führerschein hat, kann man Motorrad fahren ... PUNKT ... und ich muss mir nicht erst irgendeine kleine Gurke kaufen, um mich langsam dran zu gewöhnen. Quark, man muss man sich nur überwinden ... mit etwas Respekt und einer angemessenen Portion Vorsicht funktioniert das. Ich war so ein Dickschiff gefahren. YES!


Ob ich mir jemals so eine Maschine werde leisten können weiß ich nicht, im Augenblick sieht es eher nicht danach aus, aber heute durfte ich wenigstens mal mit Einer fahren. Wehmütig und von den tropischen Temperaturen doch ganz schön durchgeschwitzt, trete ich mit stolzgeschwellter Brust den Heimweg an .. zu Fuß.

Als ich noch einmal zurückschaue, fällt mir das berühmte Arnold Schwarzenegger Zitat aus dem Kinostreifen "Terminator" ein: 

"Ich komme wieder" ;-)


Montag, 12. Mai 2014

Der Tag der Wahrheit ... "Die Fahrprüfung"

So langsam beginne ich mein Leben zu verstehen .. oder zumindest, was es mit dem "Glück" in meinem Leben auf sich hat. Offensichtlich verhält es sich so, dass das Leben selber entscheidet und auf den "richtigen" Moment wartet, um dann das Glück zu verteilen, was man braucht. Anstatt also immer hier und da ein bißchen zu verteilen, hat es bei mir einen erstaunlich langen Atem. Es wartet Jahr um Jahr, so dass ich mitunter das Gefühl habe, von allem Glück der Welt verlassen zu sein, aber dann überrascht es mich und schlägt im rechten Augenblick zu.

Aber von Anfang ... 

Vorgestern, am Samstag den 10.05.2014, hatte ich meine letzte Fahrstunde, quasi die Generalprobe vor der Prüfung. Es war so gegen Mittag, das Wetter war trocken und nicht zu warm und ich bin gefahren wie ein junger Gott. Alle Grundfahrübungen wie aus dem Lehrbuch, Nichts was man hätte bemängeln können. Ich fahre geschmeidig und alles gelingt. Dann lotst mich Ivo nochmal durch den Straßenverkehr und ins Berliner Umland, Landstraßen, ein Stück Autobahn, das könnte auch Prüfungsstrecke sein und ich fahre die Strecke fehlerfrei. Beinahe zu gut, denke ich blicke aber dennoch jetzt zuversichtlicher und mit gestiegenem Selbstbewusstsein in Richtung Prüfung .... aber leider ist auch meine Nervosität gestiegen ... spürbar und schwer unterdrückbar. Mit anderen Worten, meine Nerven liegen quasi blank. Selbst meine Freundin klinkt sich aus, weil auch Sie nicht mehr weiß, wie Sie mit mir umgehen muss. Das Dumme ist, ich weiß es auch nicht.

Es ist nicht die Angst, dass ich durchfallen könnte, die mich umschleicht .. es sind die Konsequenzen, die ein Durchfallen für mich hätten und die mich um den Schlaf bringen und an meinen Nerven sägen. Ich muss ständig daran denken, dass ich viel Geld ausgegeben hatte, geliehenes Geld und was es bedeuten würde, wenn ich durchfalle. Nochmal 400 - 500€, die ich gar nicht habe. Der Druck ist enorm aber was soll man schon machen? Jeder der in so einer Situation ist, muss das aushalten. Eine Wahl hat man schließlich nicht.

Dann, ist es soweit. Die Nacht ist überstanden und es ist Montag der 12.05.2014 Prüfungstag ... 

Um 10:00 stehe ich total nervös an der Fahrschule. Wir erledigen die letzten Formalitäten, hier ein paar Unterschriften und dann wechseln noch die letzten 132€ den Besitzer. Eine Fahrstunde (schließlich muss man ja zum Platz fahren, das kostet extra) und dann werden 99€ Gebühren fällig. Dann geht es auch schon los. 

Auf der Fahrt zum Platz machen wir ein paar Umwege, ich soll mich ja einfahren und merke bereits nach 10min. .. das wird heute nicht einfach, denn anscheinend ist nicht so mein Tag. Mit der Aufregung im Blut, fällt es schwerer sich zu konzentrieren und ich erlaube mir einige kleinere Schnitzer .. nichts Dramatisches, aber es macht mich nicht ruhiger. Zum Glück ist es trocken als wir auf dem Übungsplatz ankommen, an dem schon ganz schön Betrieb ist. Ivo instruiert mich, und wir gehen nochmal meine Aufgaben durch, dann beginne ich alle Grundfahrübungen nacheinander zu üben ... Gleich zu Beginn patze ich beim langsamen Slalom und verpasse einen Kegel. Beim Ausweichen mit Anbremsen, semmel ich dafür einen Kegel um und meine Kreise wollen einfach nicht so wirklich gut gelingen. Ich weiß, dass ich es besser kann und Ivo spart auch nicht mit Kritik. Eine Weile höre ich es mir an und fordere Ihn dann auf, sich etwas zurück zu nehmen. Er ist zwar etwas angepisst, aber das muss ich in Kauf nehmen. Ich weiß er meint es gut, aber ich sage Ihm, dass er mich nur nervös macht, wenn er ständig an mir rumkrittelt. Ich versuche alles so gut zu machen, wie ich es eben kann, besser wird es heute nicht. Das muss dann für die Prüfung reichen.

Die Übungen werden etwas besser und ich mache sogar mal 5min. Pause um durchzuatmen. Als ich weiter übe unterbricht Ivo mit einmal die Funktstille und fordert mich auf gezielt einige Übungen zu fahren .. Der Prüfer ist da und will was sehen. Jetzt gilt es. Es geht los mit Kreise fahren .. 6-8x links rum, 6-8x rechts rum. Sie sind etwas eierig, die Schräglage ist gut, Tempo auch .. es reicht .. dann der Ausweichhaken, mit Anbremsen. Anlauf, bremsen und rum. Der Kegel ist stehen geblieben, Bremspunkt hat auch gepasst *Gotcha* Dann die Gefahrenbremsung ... Tempo 50, Kupplung ziehen und beide Bremsen volle Lotte ziehen bzw. treten. Ich stehe und mein linker Fuß ist unten *Touch Down* jetzt der schnelle Slalom .. geschmeidig schwinge ich um die Kegel *Erledigt* .. nur noch der Schritttempo Slalom. Gepackt, alle Kegel stehen und ich bin nicht umgefallen. Der Prüfer ist zufrieden und ich darf das Motorrad erstmal abstellen.

Er begrüßt mich und die erste Überraschung steht damit an. Es ist nicht der Prüfer, der eigentlich kommen sollte. Ein Anderer musste einspringen .. Im Grunde ist das ja egal .. wenn da nicht die Prüfungsstrecke wäre. Dieser Prüfer ist dafür bekannt, seine Prüfungsstrecken beliebig zu gestalten, erfahre ich von Ivo. Das bedeutet, wir haben keine Ahnung wo es langgeht .. NA SUUPER .. wo ich mich doch so gut auskenne. Das Prüfungsgebiet in dem ich die ganze Zeit geübt hatte, würde es jedenfalls nicht sein.

Ich versuche mit meiner Aufregung umzugehen und denke positiv. Im Grunde darf mir das Nichts ausmachen, denn es ist ja egal WO ich langfahre, ich muss es IMMER richtig machen und das in jeder Situation.

Mittlerweile hat der Wind aufgefrischt und es tröpfelt leicht als es los geht. Ich achte auf Geschwindigkeitsbeschränkungen, Busse, Radfahrer, Fahrzeuge, die in 2 Spur halten, achte auf alle Verkerhrszeichen und Zusatzzeichen, blinke vorschriftsmäßig, kucke permanent in alle Richtungen, halte mich rechts, achte auf Fußgängerüberwege, bremse artig an und bewege meinen Kopf, Abbiegen nach links, nach Rechts, Blick in den Gegenverkehr und auch nach hinten ob noch ein Radfahrer kommt ... je länger es dauert umso mehr bemerke ich, wie meine Konzentration langsam nachlässt, wie ein Akku, der an Strom verliert .. hinzu kommt, ich fühle mich VÖLLIG FREMD und etwas Unsicherheit macht so langsam breit .. verdammte Hacke, wo war ich? Ich kannte mich in der Ecke ÜBERHAUPT nicht aus. Immer öfter wurde ich unsicher ob ich das richtige Tempo hatte, ob ich eine Rechts-Vor Links Kreuzung übersehen hatte oder irgendein Zusatzschild und dann passiert es ... 

Ich soll rechts abbiegen, was ich auch tue, aber gleich direkt nach dem Abbiegen gabelt sich die Straße gleich wieder, Sie macht einen Schlenker nach Rechts, vor mir ist sowas wie ein Mittelinsel, ziemlich groß, mit Bäumen bewachsen, ich überblicke die Situation überhaupt nicht, suche verzweifelt nach Verkehrsschildern, Fahrbahnmarkierungen, denke noch ob das vielleicht sowas wie eine Busspur ist, die da rechts weggeht, kann da jemand rauskommen? ... ich weiß hier stimmt was nicht ... es sind Zehntelsekunden, ich bin nicht sehr schnell aber ich habe nur ca. 5-8 meter Zeit, ich muss mich entscheiden .. und ich fahre geradeaus .. und in dieser Sekunde höre ich im Funk "Lars, fahr doch mal da vorne bitte rechts ran"

Ich war falsch gefahren, ich hätte der Straße mit dem Schlenker nach Rechts folgen müssen .. ich stehe also da, völlig zerstört und denke "jetzt ist Alles aus, das wars, totale Blamage, wegen so einer SCH**ßecke" .. da steigt der Prüfer aus, kommt zu mir, schaut mich an und meint .. "Du weißt was Du falsch gemacht hast?" ... "Hörmal, was ich bis jetzt gesehen habe war wirklich gut und ich bin ein Sportsmann, deshalb bekommst Du jetzt von mir die gelbe Karte. Beim nächsten Fehler bist Du raus .. enttäusch uns nicht ... und jetzt fahren wir weiter"

Mein Glück hatte lange auf diesen Moment gewartet und Ihn genutzt. Danke!

Ich war natürlich jetzt doppelt so nervös, völlig durch den Wind .. ich muss mich zusammenreißen. Wenn man weiß, dass man NICHTS mehr falsch machen darf, macht es das nicht leichter. Es ist nicht so, dass man hier mit einer Note besteht, nach dem Motto "6 Fehler, bestanden mit 4-" Nein, Nein .. es gibt nur "Bestehen oder Durchfallen" Wir fuhren nun schon 40min. und das nur durch Ecken und Straßen, die mir alle fremd waren ... aber nun erkannte ich die Gegend wieder und bemerkte wir waren wieder auf dem Weg zum Übungsplatz. Ich kann es schaffen, jetzt nochmal zusammenreissen und gefühlte Hundert Fußgängerüberwege später hielt ich nach 50min. Fahrzeit am Platz.

Ich hatte es geschafft. 

Der Prüfer meinte, da waren noch so ein paar Patzer, aber ich solle mich bei Ivo bedanken, er hat Ihm versichert, dass ich es besser kann .. irgendwo hatte ich wohl ein Andreaskreuz gestanden, an dem ich vorbeigebügelt war. Ich schwöre ich hab Keines gesehen. Außerdem wohne ich seit 50 Jahren in West Berlin und bin einfach keine Bahnübergänge gewöhnt. Warum lässt er mich auch im Umland rumschüsseln? ;-) Ein anderes Mal sollte ich Rechts abbiegen, dachte aber erst, dass man das garnicht darf, und sage es über Funk, Sekunden später sehe ich das Zusatzschild, dass das nur für LKW's gilt .. war halt verdeckt. Ich bin dann natürlich doch nach Rechts abgebogen. Das ging dann auch grad man noch so gut.

Aber am Ende, wie auch immer, egal wie ich mich selber gefühlt hatte, egal welche Fehler ich gemacht hatte, es war heute vielleicht nicht nicht mein bester Tag aber wen interessiert das? "BESTANDEN ist BESTANDEN" Wie? danach fragt doch keine Sau mehr.

Wahrscheinlich hatten die 3 Glückswürfel in meiner Brusttasche, von denen keiner gewusst hat, das grüne T-Shirt in der Farbe der Hoffnung, was ich heute getragen habe und die vielen Daumendrücker auch mit dazu beigetragen, das es geklappt hat ... 

 ... und die 3000€ die ich bis zu diesem Augenblick versenkt hatte. Viel mehr als geplant aber jetzt war es vorbei.

Mehr Scheine brauche ich wirklich nicht. Nichtmal mehr zum Schein


... und jetzt muss ich erstmal meine Freundin mindestens zum Essen einladen. Ich denke, dass Sie dass Alles mit mir ausgehalten hat, ist so ziemlich der größte Liebesbeweis. Danke mein Engel. Ich liebe Dich und freue mich so sehr darauf endlich mit Dir gemeinsam zu fahren. Dein Mann lars