Montag, 12. Mai 2014

Der Tag der Wahrheit ... "Die Fahrprüfung"

So langsam beginne ich mein Leben zu verstehen .. oder zumindest, was es mit dem "Glück" in meinem Leben auf sich hat. Offensichtlich verhält es sich so, dass das Leben selber entscheidet und auf den "richtigen" Moment wartet, um dann das Glück zu verteilen, was man braucht. Anstatt also immer hier und da ein bißchen zu verteilen, hat es bei mir einen erstaunlich langen Atem. Es wartet Jahr um Jahr, so dass ich mitunter das Gefühl habe, von allem Glück der Welt verlassen zu sein, aber dann überrascht es mich und schlägt im rechten Augenblick zu.

Aber von Anfang ... 

Vorgestern, am Samstag den 10.05.2014, hatte ich meine letzte Fahrstunde, quasi die Generalprobe vor der Prüfung. Es war so gegen Mittag, das Wetter war trocken und nicht zu warm und ich bin gefahren wie ein junger Gott. Alle Grundfahrübungen wie aus dem Lehrbuch, Nichts was man hätte bemängeln können. Ich fahre geschmeidig und alles gelingt. Dann lotst mich Ivo nochmal durch den Straßenverkehr und ins Berliner Umland, Landstraßen, ein Stück Autobahn, das könnte auch Prüfungsstrecke sein und ich fahre die Strecke fehlerfrei. Beinahe zu gut, denke ich blicke aber dennoch jetzt zuversichtlicher und mit gestiegenem Selbstbewusstsein in Richtung Prüfung .... aber leider ist auch meine Nervosität gestiegen ... spürbar und schwer unterdrückbar. Mit anderen Worten, meine Nerven liegen quasi blank. Selbst meine Freundin klinkt sich aus, weil auch Sie nicht mehr weiß, wie Sie mit mir umgehen muss. Das Dumme ist, ich weiß es auch nicht.

Es ist nicht die Angst, dass ich durchfallen könnte, die mich umschleicht .. es sind die Konsequenzen, die ein Durchfallen für mich hätten und die mich um den Schlaf bringen und an meinen Nerven sägen. Ich muss ständig daran denken, dass ich viel Geld ausgegeben hatte, geliehenes Geld und was es bedeuten würde, wenn ich durchfalle. Nochmal 400 - 500€, die ich gar nicht habe. Der Druck ist enorm aber was soll man schon machen? Jeder der in so einer Situation ist, muss das aushalten. Eine Wahl hat man schließlich nicht.

Dann, ist es soweit. Die Nacht ist überstanden und es ist Montag der 12.05.2014 Prüfungstag ... 

Um 10:00 stehe ich total nervös an der Fahrschule. Wir erledigen die letzten Formalitäten, hier ein paar Unterschriften und dann wechseln noch die letzten 132€ den Besitzer. Eine Fahrstunde (schließlich muss man ja zum Platz fahren, das kostet extra) und dann werden 99€ Gebühren fällig. Dann geht es auch schon los. 

Auf der Fahrt zum Platz machen wir ein paar Umwege, ich soll mich ja einfahren und merke bereits nach 10min. .. das wird heute nicht einfach, denn anscheinend ist nicht so mein Tag. Mit der Aufregung im Blut, fällt es schwerer sich zu konzentrieren und ich erlaube mir einige kleinere Schnitzer .. nichts Dramatisches, aber es macht mich nicht ruhiger. Zum Glück ist es trocken als wir auf dem Übungsplatz ankommen, an dem schon ganz schön Betrieb ist. Ivo instruiert mich, und wir gehen nochmal meine Aufgaben durch, dann beginne ich alle Grundfahrübungen nacheinander zu üben ... Gleich zu Beginn patze ich beim langsamen Slalom und verpasse einen Kegel. Beim Ausweichen mit Anbremsen, semmel ich dafür einen Kegel um und meine Kreise wollen einfach nicht so wirklich gut gelingen. Ich weiß, dass ich es besser kann und Ivo spart auch nicht mit Kritik. Eine Weile höre ich es mir an und fordere Ihn dann auf, sich etwas zurück zu nehmen. Er ist zwar etwas angepisst, aber das muss ich in Kauf nehmen. Ich weiß er meint es gut, aber ich sage Ihm, dass er mich nur nervös macht, wenn er ständig an mir rumkrittelt. Ich versuche alles so gut zu machen, wie ich es eben kann, besser wird es heute nicht. Das muss dann für die Prüfung reichen.

Die Übungen werden etwas besser und ich mache sogar mal 5min. Pause um durchzuatmen. Als ich weiter übe unterbricht Ivo mit einmal die Funktstille und fordert mich auf gezielt einige Übungen zu fahren .. Der Prüfer ist da und will was sehen. Jetzt gilt es. Es geht los mit Kreise fahren .. 6-8x links rum, 6-8x rechts rum. Sie sind etwas eierig, die Schräglage ist gut, Tempo auch .. es reicht .. dann der Ausweichhaken, mit Anbremsen. Anlauf, bremsen und rum. Der Kegel ist stehen geblieben, Bremspunkt hat auch gepasst *Gotcha* Dann die Gefahrenbremsung ... Tempo 50, Kupplung ziehen und beide Bremsen volle Lotte ziehen bzw. treten. Ich stehe und mein linker Fuß ist unten *Touch Down* jetzt der schnelle Slalom .. geschmeidig schwinge ich um die Kegel *Erledigt* .. nur noch der Schritttempo Slalom. Gepackt, alle Kegel stehen und ich bin nicht umgefallen. Der Prüfer ist zufrieden und ich darf das Motorrad erstmal abstellen.

Er begrüßt mich und die erste Überraschung steht damit an. Es ist nicht der Prüfer, der eigentlich kommen sollte. Ein Anderer musste einspringen .. Im Grunde ist das ja egal .. wenn da nicht die Prüfungsstrecke wäre. Dieser Prüfer ist dafür bekannt, seine Prüfungsstrecken beliebig zu gestalten, erfahre ich von Ivo. Das bedeutet, wir haben keine Ahnung wo es langgeht .. NA SUUPER .. wo ich mich doch so gut auskenne. Das Prüfungsgebiet in dem ich die ganze Zeit geübt hatte, würde es jedenfalls nicht sein.

Ich versuche mit meiner Aufregung umzugehen und denke positiv. Im Grunde darf mir das Nichts ausmachen, denn es ist ja egal WO ich langfahre, ich muss es IMMER richtig machen und das in jeder Situation.

Mittlerweile hat der Wind aufgefrischt und es tröpfelt leicht als es los geht. Ich achte auf Geschwindigkeitsbeschränkungen, Busse, Radfahrer, Fahrzeuge, die in 2 Spur halten, achte auf alle Verkerhrszeichen und Zusatzzeichen, blinke vorschriftsmäßig, kucke permanent in alle Richtungen, halte mich rechts, achte auf Fußgängerüberwege, bremse artig an und bewege meinen Kopf, Abbiegen nach links, nach Rechts, Blick in den Gegenverkehr und auch nach hinten ob noch ein Radfahrer kommt ... je länger es dauert umso mehr bemerke ich, wie meine Konzentration langsam nachlässt, wie ein Akku, der an Strom verliert .. hinzu kommt, ich fühle mich VÖLLIG FREMD und etwas Unsicherheit macht so langsam breit .. verdammte Hacke, wo war ich? Ich kannte mich in der Ecke ÜBERHAUPT nicht aus. Immer öfter wurde ich unsicher ob ich das richtige Tempo hatte, ob ich eine Rechts-Vor Links Kreuzung übersehen hatte oder irgendein Zusatzschild und dann passiert es ... 

Ich soll rechts abbiegen, was ich auch tue, aber gleich direkt nach dem Abbiegen gabelt sich die Straße gleich wieder, Sie macht einen Schlenker nach Rechts, vor mir ist sowas wie ein Mittelinsel, ziemlich groß, mit Bäumen bewachsen, ich überblicke die Situation überhaupt nicht, suche verzweifelt nach Verkehrsschildern, Fahrbahnmarkierungen, denke noch ob das vielleicht sowas wie eine Busspur ist, die da rechts weggeht, kann da jemand rauskommen? ... ich weiß hier stimmt was nicht ... es sind Zehntelsekunden, ich bin nicht sehr schnell aber ich habe nur ca. 5-8 meter Zeit, ich muss mich entscheiden .. und ich fahre geradeaus .. und in dieser Sekunde höre ich im Funk "Lars, fahr doch mal da vorne bitte rechts ran"

Ich war falsch gefahren, ich hätte der Straße mit dem Schlenker nach Rechts folgen müssen .. ich stehe also da, völlig zerstört und denke "jetzt ist Alles aus, das wars, totale Blamage, wegen so einer SCH**ßecke" .. da steigt der Prüfer aus, kommt zu mir, schaut mich an und meint .. "Du weißt was Du falsch gemacht hast?" ... "Hörmal, was ich bis jetzt gesehen habe war wirklich gut und ich bin ein Sportsmann, deshalb bekommst Du jetzt von mir die gelbe Karte. Beim nächsten Fehler bist Du raus .. enttäusch uns nicht ... und jetzt fahren wir weiter"

Mein Glück hatte lange auf diesen Moment gewartet und Ihn genutzt. Danke!

Ich war natürlich jetzt doppelt so nervös, völlig durch den Wind .. ich muss mich zusammenreißen. Wenn man weiß, dass man NICHTS mehr falsch machen darf, macht es das nicht leichter. Es ist nicht so, dass man hier mit einer Note besteht, nach dem Motto "6 Fehler, bestanden mit 4-" Nein, Nein .. es gibt nur "Bestehen oder Durchfallen" Wir fuhren nun schon 40min. und das nur durch Ecken und Straßen, die mir alle fremd waren ... aber nun erkannte ich die Gegend wieder und bemerkte wir waren wieder auf dem Weg zum Übungsplatz. Ich kann es schaffen, jetzt nochmal zusammenreissen und gefühlte Hundert Fußgängerüberwege später hielt ich nach 50min. Fahrzeit am Platz.

Ich hatte es geschafft. 

Der Prüfer meinte, da waren noch so ein paar Patzer, aber ich solle mich bei Ivo bedanken, er hat Ihm versichert, dass ich es besser kann .. irgendwo hatte ich wohl ein Andreaskreuz gestanden, an dem ich vorbeigebügelt war. Ich schwöre ich hab Keines gesehen. Außerdem wohne ich seit 50 Jahren in West Berlin und bin einfach keine Bahnübergänge gewöhnt. Warum lässt er mich auch im Umland rumschüsseln? ;-) Ein anderes Mal sollte ich Rechts abbiegen, dachte aber erst, dass man das garnicht darf, und sage es über Funk, Sekunden später sehe ich das Zusatzschild, dass das nur für LKW's gilt .. war halt verdeckt. Ich bin dann natürlich doch nach Rechts abgebogen. Das ging dann auch grad man noch so gut.

Aber am Ende, wie auch immer, egal wie ich mich selber gefühlt hatte, egal welche Fehler ich gemacht hatte, es war heute vielleicht nicht nicht mein bester Tag aber wen interessiert das? "BESTANDEN ist BESTANDEN" Wie? danach fragt doch keine Sau mehr.

Wahrscheinlich hatten die 3 Glückswürfel in meiner Brusttasche, von denen keiner gewusst hat, das grüne T-Shirt in der Farbe der Hoffnung, was ich heute getragen habe und die vielen Daumendrücker auch mit dazu beigetragen, das es geklappt hat ... 

 ... und die 3000€ die ich bis zu diesem Augenblick versenkt hatte. Viel mehr als geplant aber jetzt war es vorbei.

Mehr Scheine brauche ich wirklich nicht. Nichtmal mehr zum Schein


... und jetzt muss ich erstmal meine Freundin mindestens zum Essen einladen. Ich denke, dass Sie dass Alles mit mir ausgehalten hat, ist so ziemlich der größte Liebesbeweis. Danke mein Engel. Ich liebe Dich und freue mich so sehr darauf endlich mit Dir gemeinsam zu fahren. Dein Mann lars 

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