Okay, jetzt wird es doch so langsam ernst ... heute ist Dienstag der 06. Mai 2014 und in nicht mal mehr einer Woche, habe ich die praktische Prüfung. In den nächsten 5 Tagen habe ich noch 3 Fahrstunden. 3 Stunden, in denen ich mein Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten festigen kann. Die letzte Vorstellung war eher bescheiden, da gibt es Nichts schön zu reden. Ich war müde, eher unkonzentriert und überfordert ... aber ich hatte eine Lektion bekommen und nun muss ich daraus lernen. Nur aus Fehlern lernt man.
Das bedeutet .. nicht maulen, nicht rumdiskutieren, zuhören und vor allem Konzentration. Auf dem Weg zur Fahrstunde spüre ich meine Nervosität deutlicher als sonst. In meinem Hinterkopf hämmert der Gedanke, dass man ab jetzt praktisch keine Fehler mehr machen sollte. Das Gefühl was daraus resultiert nennst sich dann wohl Prüfungsangst und ich versuche mit positiven Gedanken gegenzuhalten.
- Ich muss positiv Denken und negative Gedanken in Positive umdrehen
- Ich habe mich gut vorbereitet. Ich kann und werde es schaffen.
- Der Prüfer weiß, dass Prüflinge aufgeregt sind. Er darf sehen, dass ich nervös und aufgeregt bin. Es ist normal nervös und aufgeregt zu sein.
- Fehler sind kein Beinbruch. Ich mache keine groben Fehler und wegen eines einzigen kleinen Fehlers werde ich nicht durch die Prüfung fallen.
- Ich werde es schaffen, ich kann und ich werde mich konzentrieren. Ich werde die Prüfung bestehen wie viele Andere vor mir
- In einer Prüfung zu versagen, macht mich nicht zum Versager. Ich habe bereits andere Prüfungen in meinem Leben bestanden.
- Ich habe mich auf die Prüfung vorbereitet. Es wäre ärgerlich, wenn ich die Prüfung vermasseln würde, doch mein Leben ginge weiter. Ich kann die Prüfung wiederholen.
Eine Woche ist vergangen, dass ich Motorrad gefahren bin. Ich habe alles im Griff und Abläufe wie schalten und bremsen laufen wie von alleine. Aber ich merke, dass ich insgesamt doch etwas kipplig und unsicherer bin. Besonders beim Abbiegen, wenn man sehr langsam rollen und in alle Richtungen kucken muss. Die Ursache ist aber schnell erkannt. Mein Fokus sind jetzt definitiv die Verkehrssituationen und ALLE Verkerhsteilnehmer.
Ich scanne also unablässig die Umgebung, was wohl doch etwas zu Lasten der Eleganz geht. Ich versuche verstärkt auf Geschwindigkeitsbegrenzungen zu achten, die gerne mit Zusatzschildern bestückt sind, wann Sie gelten, darauf nicht auf Radwegen stehen zu bleiben, beim Abbiegen die richtige Linie zu fahren. Ich achte auf richtige Spurwechsel, vor allem auf das Timing, mit Spiegel, Blinken und kucken. Ich kucke in alle Richtungen, beim abbiegen und langsam fahren. Fahre nicht über Fahrbahnmarkierungen und halte auch nicht auf ihnen. Passe verstärkt an engen Passagen auf .. Ich darf einfach NICHTS mehr übersehen, auch nichts aus dem Gegenverkehr, egal woher es kommt. Muss mit Fehlern Anderer rechnen … die Anspannung ist doch jetzt deutlich höher, weil ich jetzt weiß was man Alles falsch machen könnte und auf was man Alles gleichzeitig achten muss. Aber ich komme klar, nehme mehr Informationen auf, verarbeite Sie schneller und entscheide … Ivo legt den Schwierigkeitsgrad auch ständig höher und lässt mich wirklich schwer kämpfen. Patzer bleiben nicht aus und ich bleibe wieder nicht ganz fehlerfrei. Allerdings schlage ich mich doch insgesamt viel besser als beim letzten Mal.
Ein Mal z.B. nach einigen schnell aufeinanderfolgenden Verkehrsituationen die mich echt ins schwitzen gebracht haben, interpretiere ich ein Verkehrsschild falsch und übersehen eine Rechts vor Links Straße, weil ich denke, dass aus Ihr kein Auto rauskommen kann … es war eine Sekundenentscheidung .. leider falsch. Ein anderes Mal erkenne ich eine Rechts vor Links Straße ziemlich spät, kann die Situation gerade noch so durch schärferes Bremsen retten.
Ivo kennt keine Gnade. Er verschont mich heute überraschenderweise mit flachen Geschichten, schont mich aber keineswegs im Verkehr und lotst mich in die schwierigsten Verkehrssituationen, über winzig kleine und wieder riesig große Kreuzungen, durch viel zu enge Straßen, lässt mich permanent abbiegen. Wir fahren durch die beschissensten, unübersichtlichsten und engsten Ecken von Zehlendorf und ich bin echt am kämpfen. Meine Aufmerksamkeit wird jede Sekunde ohne Unterbrechung zu 110% gefordert. Ich komme kaum dazu in den 3.ten Gang zu schalten, in schneller Abfolge von Nebenstraßen auf Hauptstraßen und gleich wieder in Nebenstraßen … es ist zudem viel Verkehr, überwiegend Berufsverkehr, Autofahrer bringen mich durch Ihr Fehlverhalten in Bedrängnis, das heißt ich muss richtig reagieren obwohl Sie falsch fahren. Erschwerend kommt hinzu .. ich kenne mich in dem Fahrgebiet überhaupt nicht aus, nie weiß ich wo es als Nächstes lang geht und kann mich somit auch nicht mal auf etwas einstellen. Aber das muss ich eben jetzt aushalten und auch können.
Obwohl ich manchmal etwas wacklig bin, halte ich mich dennoch gut .. kein Motorradfahrer würde sich freiwillig so eine Strecke raussuchen. So macht das Fahren keinen Spaß, aber für die Prüfung muss ich es können. Mit fortschreitender Dauer merke ich wie meine Konzentration nachlässt aber ich rette mich über die 90min. Es gab wohl 2 Situationen, bei denen ich durchgefallen wäre und einige kleine Schnitzer .. aber ich bin letztlich dennoch nicht unzufrieden. Beide Fälle waren in der 2.ten Hälfte der Fahrzeit.
Fazit ... es geht sicher noch besser und ich werde es schaffen .. denn wenn ich mich 90min. wacker schlagen kann, dann habe ich doch gute Chancen, die 45min. der Prüfung auch zu schaffen. Die Aufregung vorher ist jedenfalls nerviger als die Anspannung während der Fahrstunde, daran muss ich in den nächsten Tagen arbeiten.
Die nächste Trainingseinheit ist am Donnerstag und die letzte vor der Prüfung dann am Samstag den 10. Mai ... Sie werden beide kein Zuckerschlecken .. ich werde fit sein.
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