Donnerstag, 1. Mai 2014

Ich brauche Motivation ..

Die Tage und Wochen vergehen, mittlerweile ist es schon April und ich übe Motorrad fahren. Das Wetter ist mir natürlich nicht egal, aber man kann es sich im Frühjahr auch nicht aussuchen. So denke ich nicht viel darüber nach und nehme es eben wie es kommt. Wenn es kalt ist und regnet, dann ist das eben so, dafür würde man im Sommer wohl ganz schön ins schwitzen kommen. Meine Ausrüstung ist gut, ich bleibe trocken, friere nicht, habe einen Helm auf und mein Motorrad hat Griffheizung. Nur die Nervosität vor jeder Fahrstunde ist geblieben, aber ich glaube wohl mehr deshalb, weil ich selber den Anspruch an mich habe "es richtig zu machen" .. mich hat eben der Ehrgeiz gepackt.

Mitttlerweile habe ich auch die Anfangshindernisse überwunden, meine Lernkurve ist steiler geworden und auch die Grundfahrübungen gelingen ziemlich gut. Allmählich entsteht doch sowas wie eine Vertrautheit und das Handling der Maschine bereitet mir immer weniger Schwierigkeiten. Die wahre Herausforderung liegt jetzt ganz woanders. 

Ich muss wieder lernen wie ein Fahrschüler zu fahren, muss meinen Fahrstil und meine Verkehrsbeobachtung quasi neu erfinden. Ich muss Dinge ganz bewusst tun, die ich bereits seit Jahren unbewusst mache und ich muss lernen, dass man sich mit einem Motorrad ganz anders zu verhalten hat, als mit einem PKW. Ein junger Mensch ist unbefangen, unvorbelastet und Neues wird schnell gelernt .. zweifellos ein Vorteil, den ich nicht habe.

So stehe ich mir oft selber im Weg, wenn ich mich verhalte als wäre ich ein Autofahrer. Allerdings fahre ich auch seit Jahren schon nicht mehr wirklich Auto. Das heißt ich habe Erfahrung, aber mir fehlt einfach die tägliche Praxis, die Routine. Nur hin und wieder, aber auch eher selten, bin ich mit einem CarSharing Auto auf Kurzstrecke unterwegs. Um durch die Stadt zu cruisen reicht es also alle mal aus, aber eben nicht um die Anforderungen eines TÜV Prüfers zu erfüllen. Das K.o Kriterium "Die Show für den Prüfer muss sitzen" . Das bedeutet, ich komme wohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin, aber auf den Straßen kenne ich mich nicht mehr wirklich aus. Und so verfluche ich die unzähligen, mitunter widersprüchlich wirkenden Verkehrsschilder, ärgere mich über fehlende Fahrbahnmarkierungen, versuche permanent in alle Richtungen zu schauen und kapiere an manchen Kreuzungen echt nicht, wer jetzt hier wie fahren muss, wo ich stehen muss und wo nicht und ob ich blinken muss oder nicht .. Andere Verkehrsteilnehmer fahren um mich herum und zum ersten Mal seit langer Zeit fällt mir auf, dass sich kaum einer für die Verkehrsregeln zu interessieren scheint .. aber ich muss mich daran halten.

Wärenddessen geht die Kohle weg, wie nix. Wenn ich in einer Woche 3 Fahrstunden a' 90min. habe sind mal eben 200€ weg ... in einer Woche ! ! ! Lange werde ich das nicht mehr durchhalten. Wenn ich meine bisherigen Fortschritte mal vorsichtig optimistisch interpoliere, komme ich auf mindestens 20 Fahrstunden, die ich bis zur Prüfung brauchen werde. Es gibt ja auch noch einige Pflichtstunden, die es zu absolvieren gilt. Eine 4 stündige Überlandfahrt, eine Autobahn und eine Nachtfahrt. Mir dämmert, dass ich mich verrechnet habe, meine Kohle wird nicht reichen und Panik beschleicht mich, da mein Konto eh schon gnadenlos überzogen ist. Mit diesem Gedanken, wird mein Druck auch nicht weniger und die Hoffnung mir bald auch mal ein Motorrad zu kaufen, kann ich wohl auch erstmal begraben.

Ich habe angefangen, also ziehe ich es auch durch, ansonsten wäre die Kohle ja wirklich verbrannt. Die Details auf die ich zu achten haben, werden immer mehr und was ich anfänglich für eine relativ einfach Aufgabe gehalten hatte, entpuppte sich allmählich als extrem harte Nuss.

Nur ein Beispiel. Unglaublich wie schwierig es sein kann, eine ganz einfach Regel umzusetzen. Sie lautet "Du fährst dahin, wo Du hinschaust" .. völlig verrückt aber wahr. Eine Bestätigung erfährt man beim wenden. Man steht mit seinem Motorrad, schlägt den Lenker ganz ein, und schaut quasi über die Schulter dorthin wo man hinfahren will .. dann lässt man die Kupplung kommen, gibt etwas Gas ... das was wohl jeder irgendwann automatisch machen wird, ist am Anfang echt irre .. rückwärts schauen aber vorwärts rollen .. man hat tierisch Schiss umzukippen, darf auch nicht zu langsam sein und alles wird gut .. wenn man zögert, den Blick abwendet, um nach vorne zu schauen oder das Gas wegnimmt ... dann macht man einen Riesenbogen und landet womöglich im Gegenverkehr .. probiert es aus. Es ist wahr.

Alles dauerte bis jetzt weit länger als gedacht. Die Hoffnung auf einen schnellen Erfolg schmolz wie Butter in der Wüstensonne und Ivo sparte weiterhin nicht mit Kritik. In meinem Headset hörte ich weiterhin unablässig "und Jetzt wärst Du durchgefallen .. und jetzt .. und jetzt ... und jetzt" ... und wieder durchgefallen" .. ich musste etwas unternehmen, denn bei aller berechtigten Kritik, wenn man Fortschritte machen will, braucht man auch Motivation. So konnte es nicht weitergehen, denn so langsam stellte sich bei mir so etwas wie Frustration ein. So schlecht konnte ich nicht sein. Ich konnte selber erkennen, wie schwerwiegend ein Patzer war oder nicht. Manches war wohl berechtigt, aber Vieles hielt ich auch schlicht für übertrieben. Die Schonfrist war vorbei.

Mein Fahrlehrer ist 4 Jahre älter als ich, wir waren also alterstechnisch auf Augenhöhe und ich nehme Ihn mir nach einer Fahrstunde zur Brust .. in aller Form der Höflichkeit, respektvoll aber mit Nachdruck, erkläre Ihm, dass ich keine 17 bin und er und ich ein Team sein müssen. Er soll mir etwas beibringen und es ist seine Aufgabe mich dabei auch zu motivieren. Ich erwarte von Ihm, dass er meine Fortschritte lobt und bei seiner, sicher wohl auch berechtigten Kritik, mal die Kirche im Dorf lässt und mich bitte nur auf die relevanten Dinge hinweist und nicht auf jeden Kiki .. Ich bin doch kein Horst .. Es kann nicht sein, dass jeder kleine Schnitzer gleich  schwerwiegend ist und  dazu führt, dass ich mir einen 10minütigen Vortrag über Verkehrssicherheit anhören muss. Ich erwartete, dass er auch berücksichtigte, dass ich seit 30 Jahren bereits einen Führerschein besaß. Die Ansage saß und fortan, verbesserte sich unser Verhältnis. Er hatte verstanden was ich brauchte und mit einmal lief es wie geschnitten Brot. Zwischen Männern muss es offenbar auch erstmal ordentlich rappeln, damit es klappt. Offensichtlich hatte ich den richtigen Ton getroffen.

Ab jetzt ging es voran, ich kam tatsächlich in Schlagdistanz und auch ein Prüfungstermin wurde wahrscheinlicher .. es wurde also Zeit für die theoretische Prüfung.

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