11. März 2014 ... 6 Tage später trete ich zur dritten Fahrstunde an. Wie ich erfahre, waren meine Fahrversuche in den ersten beiden Fahrstunden anscheindend doch nicht so schlecht, wie ich Sie empfunden hatte, denn Ivo überrascht mich mit der Nachricht, dass wir heute 'einfach mal' durch die Stadt touren werden.
Hurra! schießt es mir durch den Kopf .. "Jetzt gehts lohoos und der Übungsplatz bleibt mir erspart" .. aber Moment, was hat er gesagt? ICH SOLL IN DER STADT FAHREN? ICH SELBER? Wie jetzt? Nicht als Sozius? Ich denke an mein kümmerliches Geschick und für einen Augenblick befällt mich Panik. Das sollte tatsächlich ausreichen?
Kurz mal zusammengefasst. Ich konnte anfahren, und wieder anhalten, eine Kurve fahren, ich fiel nicht um, wusste (theoretisch) wie man schaltet und bremst und ich war immerhin auch Autofahrer, ok, was sollte schon schiefgehen? und wenn man ehrlich ist, mehr können die anderen Verkehrsteilnehmer auch nicht ... jedenfalls ist das mein Eindruck von den Meißten, die mir begegnen.
Die nächsten 90 Min., die mich weitere 67,50€ kosten werden, würde ich also heldenhaft im Straßenverkehr verbringen ... ob ich wohl noch schnell meine Kinder anrufen sollte, um mich von Ihnen zu verabschieden .. Nein, das war natürlich ein Scherz, so schlimm war es nicht. Aber ich war ohne Zweifel deutlich aufgeregter und ziemlich gespannt wie ich mich schlagen würden.
Als Autofahrer und waschechter Berliner ist mir Eines klar .. auf den Straßen unser schönen Bundeshauptstadt herrscht gelinde gesagt Krieg. Ein einziger K(r)ampf. Fußgänger gegen Radfahrer, Autofahrer gegen Motorradfahrer, Taxen und Busse, die sich sowieso für die Sheriffs halten, Radfahrer, die weder für Tiere noch für Menschen bremsen. Es geht Jeder gegen Jeden und Ost gegen West sowieso. Drängeln, Pöbeln, Drohen .. wer in seinem eigenen Fortkommen von Anderen beeinträchtigt wird, nimmt sich das Recht gnadenlos die Hupe und jede Form der Körpersprache zu benutzen, um dem Rivalen klarzumachen, was für ein Behindi dieser ist. Man hat im Grunde keine Zeit zum Denken, denn irgendwie achtet keiner wirklich auf den Anderen und denkt nur an sein eigenes vorankommen. Jeder wird als Hindernis betrachtet.
Da ich keine Waffe tragen darf (was glaube ich auch viel besser so ist), ist das Einzige was mich schützen wird, meine leuchtend gelbe Fahrschulweste, meine 750€ teure Schutzkleidung und das Bewusstsein, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer, um den Vollpfosten mit der Fahrschulweste einen Bogen machen werden.
Als wir vom Gehweg, auf dem unsere Maschinen vor der Fahrschule parken, in Richtung Detmolder Straße ein Stück über den Radweg losrollen, fühle ich mich nicht wirklich vorbereitet.
Da ich keine Waffe tragen darf (was glaube ich auch viel besser so ist), ist das Einzige was mich schützen wird, meine leuchtend gelbe Fahrschulweste, meine 750€ teure Schutzkleidung und das Bewusstsein, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer, um den Vollpfosten mit der Fahrschulweste einen Bogen machen werden.
Als wir vom Gehweg, auf dem unsere Maschinen vor der Fahrschule parken, in Richtung Detmolder Straße ein Stück über den Radweg losrollen, fühle ich mich nicht wirklich vorbereitet.
Mein treues Pferd vom Stamm der Kawasaki brummt freundlich im Leerlauf, wiehert kurz auf, als ich ein paar mal am Gasgriff drehe ... und dann geht es los. Wir reihen uns in den fließenden Verkehr ein und ich versuche das wenige Geschick einzusetzen, was ich bislang gelernt hatte und völlig überraschend bemerke ich, dass es 'eigentlich' gar nicht so schlecht läuft. Immerhin bin ich nicht gleich tot und es gelingt mir meinen Fahrlehrer nicht aus den Augen zu verlieren.
Ivo fährt vor mir, passt auf, dass sich keiner zwischen uns drängelt und textet mich in einer Tour unablässig zu ... der Mann muss eine Kamera hinten an seinem Helm haben, denn er kommentiert jeden Schlenker, den ich mache. Ohne Punkt und Komma fluten seine Anweisungen über mein Headset .. "Schau in den rechten Spiegel, nicht nur mit dem Augen, beweg deinen Kopf dabei, die Autofahrer müssen erkennen, was Du tust, jetzt geradeaus kucken, jetzt in den linken Spiegel, nicht über die Schulter, Spiegel reicht, wir biegen an der 2.ten Ampel nach links ab, du musst den linken Fuß abstellen, beim rechts abbiegen den Rechten, Blinken, Schulterblick, Spurwechseln, nicht über Fahrbahnmarkierungen fahren, auch nicht auf ihnen halten, selbst wenn sie trocken sind, sie könnten rutschig sein, fahr nicht zu weit rechts, fahr mehr in der Mitte, du bist zu weit links, jetzt ordne dich etwas weiter rechts ein, verkürze den Abstand, schau in den Gegenverker, du musst den Blinker auch mal wieder ausmachen, achte auf den Radfahrer, schau zu ihm, wenn Du an ihm vorbeifährst, siehst Du die Fußgänger, sie haben Vorrang, Achtung der Bus, fahr langsamer ..."
Er meint es sicher gut, aber er macht mich wahsinnig. Verdammt, denke ich, während ich mit meinem bockigen Gaul und meiner digitalen rechten Hand kämpfe .. "Halt doch bloß mal für eine Sekunde die Fre...e, ich muss mich konzentrieren" .. die Anweisungen über das Headset prasseln weiter munter im Stakkato auf mich ein, aber mit ein wenig Mühe gelingt es mir den Empfang mental irgendwie auf Mute zu stellen, wärend ich weiter mit meinem Bike kämpfe. Ich weiß irgendwie so gut wie nie, in welchem Gang ich gerade bin, ist es der Zweite oder Dritte? Das Getriebe hat einiges auszuhalten, beim langsamen Rollen und abbiegen, soll ich in alle Richtung kucken und bin am kippeln wie Sau, beim Anfahren gebe ich mal zuviel und dann wieder zu wenig Gas, was das Motorrad mit einem hektischen Sprung vorwärts quittiert oder schlicht ausgeht ... verflixt und zugenäht.
Er meint es sicher gut, aber er macht mich wahsinnig. Verdammt, denke ich, während ich mit meinem bockigen Gaul und meiner digitalen rechten Hand kämpfe .. "Halt doch bloß mal für eine Sekunde die Fre...e, ich muss mich konzentrieren" .. die Anweisungen über das Headset prasseln weiter munter im Stakkato auf mich ein, aber mit ein wenig Mühe gelingt es mir den Empfang mental irgendwie auf Mute zu stellen, wärend ich weiter mit meinem Bike kämpfe. Ich weiß irgendwie so gut wie nie, in welchem Gang ich gerade bin, ist es der Zweite oder Dritte? Das Getriebe hat einiges auszuhalten, beim langsamen Rollen und abbiegen, soll ich in alle Richtung kucken und bin am kippeln wie Sau, beim Anfahren gebe ich mal zuviel und dann wieder zu wenig Gas, was das Motorrad mit einem hektischen Sprung vorwärts quittiert oder schlicht ausgeht ... verflixt und zugenäht.
Ich bin fick und foxi als wir wieder vor der Fahrschule zum halten kommen und als ich den Reißverschluss meiner Jacke öffne, dampft es wie aus einer Sauna. Aber .. es war eine Feuertaufe und ich hab Sie überlebt. Trotz aller Schwierigkeiten weiß ich jetzt "Motorradfahren ist geil" Der Lappen wird mich noch einiges an Kohle kosten, aber jetzt habe ich Blut geleckt. Ich will fahren.
In den nächsten Fahrstunden fahre ich nicht mehr als Sozius zum Platz sondern darf alleine auf meinem Bike zum Übungsplatz und auch wieder zurück fahren. Letzlich muss ich ja lernen im Straßenverkehr zurecht zu kommen. Mein Fahrlehrer ist zwar eine Nervensäge, aber das muss er auch sein, denn er muss mir die Show für den Prüfer beibringen. Ich muss lernen präzise nach der Straßenverkehrsordnung zu fahren, mich als Fahrschüler an ALLE Regeln zu halten und das ist als erfahrener Autofahrer schwieriger als man annehmen könnte.
Ivo hat hat definitiv einen Plan, denn er steigert in jeder Fahrstunde nach und nach den Schwierigkeitsgrad. Ich wiederhole jedesmal die bislang erlernten Aufgaben und jedesmal kommt eine neue Übung hinzu. Erst der langsame Slalom, bei dem 5 Hütchen im Abstand von 3,5m im Schritttempo langsam durchquert werden müssen, natürlich ohne dabei einen Fuß abzustellen oder eines der Hütchen umzufahren. Das heißt für mich permanentes "gefühlvolles" Spiel an der Kupplung, am Gas und an der Bremse, damit das klappt. Dann soll ich mit Tempo 30 im 3. Gang einen Slalom durchqueren, wo 6 Hütchen im Abstand von 9m stehen, die letzten 2 Beiden im Abstand von 7m
Was wie immer so einfach klingt, erfordert einiges an Übung und ich brauche einige Anläufe bis ich alle Hütchen stehen lasse und ordentlich drum herum schwinge. Dann muss die Gefahrenbremsung erlernt werden. D.h. Tempo 50 und dann volle Lotte in die Eisen. Eine Übung, die Dank ABS mit meinem Motorrad recht schnell gelingt aber auch nicht ganz Ohne ist. Andere Fahrschüler mit älteren Motorrädern ohne ABS legen sich nacheinander dabei reihenweise auf die Nase. Man darf dabei nicht den Lenker verziehen, muss die Arme ausgestreckt halten, geradeaus kucken, nicht auf den Fahrlehrer oder vor sich auf das Vorderrad, sonst überholt einen nämlich der eigene Arsch und man macht einen Salto vorwärts. Eine weitere Grundfahrübung, die gelernt und später in der Fahrprüfung auch gezeigt werden muss, ist ein Ausweichhaken mit Tempo 50. Man fährt auf ein Hindernis (Hütchen) zu und an einem bestimmten Punkt schwingt man lässig an dem Hindernis vorbei ... so als würde man im fließenden Verkehr plötzlich einer Autotür ausweichen müssen, die jemand überraschend öffnet. Als Letztes muss dann noch erlernt werden, denselben Ausweichhaken zu fahren, aber mit vorherigen Anbremsen auf Tempo 30. Die Schwierigkeit ist es, den richtigen Bremspunkt zu finden.
Ich werde allmählich besser und sicherer ... aber die Lernkurve war doch flacher als gedacht. Wer schon mal Mofa oder Roller gefahren ist, hat es "vielleicht" etwas leichter.
Ivo hat hat definitiv einen Plan, denn er steigert in jeder Fahrstunde nach und nach den Schwierigkeitsgrad. Ich wiederhole jedesmal die bislang erlernten Aufgaben und jedesmal kommt eine neue Übung hinzu. Erst der langsame Slalom, bei dem 5 Hütchen im Abstand von 3,5m im Schritttempo langsam durchquert werden müssen, natürlich ohne dabei einen Fuß abzustellen oder eines der Hütchen umzufahren. Das heißt für mich permanentes "gefühlvolles" Spiel an der Kupplung, am Gas und an der Bremse, damit das klappt. Dann soll ich mit Tempo 30 im 3. Gang einen Slalom durchqueren, wo 6 Hütchen im Abstand von 9m stehen, die letzten 2 Beiden im Abstand von 7m
Was wie immer so einfach klingt, erfordert einiges an Übung und ich brauche einige Anläufe bis ich alle Hütchen stehen lasse und ordentlich drum herum schwinge. Dann muss die Gefahrenbremsung erlernt werden. D.h. Tempo 50 und dann volle Lotte in die Eisen. Eine Übung, die Dank ABS mit meinem Motorrad recht schnell gelingt aber auch nicht ganz Ohne ist. Andere Fahrschüler mit älteren Motorrädern ohne ABS legen sich nacheinander dabei reihenweise auf die Nase. Man darf dabei nicht den Lenker verziehen, muss die Arme ausgestreckt halten, geradeaus kucken, nicht auf den Fahrlehrer oder vor sich auf das Vorderrad, sonst überholt einen nämlich der eigene Arsch und man macht einen Salto vorwärts. Eine weitere Grundfahrübung, die gelernt und später in der Fahrprüfung auch gezeigt werden muss, ist ein Ausweichhaken mit Tempo 50. Man fährt auf ein Hindernis (Hütchen) zu und an einem bestimmten Punkt schwingt man lässig an dem Hindernis vorbei ... so als würde man im fließenden Verkehr plötzlich einer Autotür ausweichen müssen, die jemand überraschend öffnet. Als Letztes muss dann noch erlernt werden, denselben Ausweichhaken zu fahren, aber mit vorherigen Anbremsen auf Tempo 30. Die Schwierigkeit ist es, den richtigen Bremspunkt zu finden.
Ich werde allmählich besser und sicherer ... aber die Lernkurve war doch flacher als gedacht. Wer schon mal Mofa oder Roller gefahren ist, hat es "vielleicht" etwas leichter.