10 Tage waren nun schon vergangen, seit ich die Führerscheinprüfung erfolgreich abgelegt hatte ... es war allerhöchste Zeit. Ich wollte fahren.
Per Telefon hatte ich bereits wenige Tage nach der Prüfung bei Kawasaki Bischoff im Fürstenbrunner Weg eine Probefahrt vereinbart. Mit dem Führerschein der Klasse A in meiner Tasche, darf ich schließlich alles fahren was 2 Räder hat und ich wollte es wagen. Ein VN900 Vulcan sollte es sein. Ein klassischer Chopper aus dem Land der aufgehenden Sonne. Lang, breit und schwer. Am 21. Mai war es endlich soweit.
Selbst ein endlos scheinender Arbeitstag hat glücklicherweise einen Feierabend und pünktlich um 16:00 konnte ich mich dann endlich auf den Weg zu meinem ersten Ausritt machen. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen kontinuierlich bis auf freundliche 28°C geklettert und die Sonne brezelt vom strahlendblauen Himmel und grillt mir die Birne, als ich die letzten Meter von der S-Bahn zum Kawasaki Händler laufe. Ich stecke bereits in meiner Motorradmontur d.h. Hose mit Protektoren und schwere Stiefel, die das Laufen nicht gerade erleichtern. An meiner Hand hängt eine Reisetasche mit meiner schweren Motorradjacke, Wechselklamotten, Helm, Handschuhen, Nierengurt ... ich war schweißgebadet.
Vor dem Motorradladen drängeln sich auf dem Bürgersteig dutzende Motorräder und im Verkaufsraum standen weitere blitzblank polierte, nagelneue Maschinen, die auf Ihre Käufer warteten. Zwischen den ganzen Bikes entdecke ich eine Mitarbeiterin und als ich Ihr sage, dass ich wegen einer Probefahrt hier bin, weist Sie mir freundlich den Weg in Richtung Werkstatt.
Das Büro der Werkstatt wirkt auf den ersten Blick wenig vertrauenserweckend. Ein wenig unaufgeräumt sieht es aus und das Mobiliar war vermutlich vor Jahrzehnten mal modern, sicher bin ich mir da aber nicht. Ein Tresen für die Kundschaft, ein paar Regale in denen ältlich wirkende Ersatzteile und etwas verblichene Kataloge liegen, zieren dem Raum. Durch eine großzügige Tür hinter dem Tresen fällt der Blick in ein Lager, in dem sich etliche Metallregale unter der Last von unzähligen Ersatzteilen verbiegen. Ein Servicemitarbeiter im typisch Kawasakigrünen Polohemd und ein dicker Mechaniker, wie man Ihn sich immer vorstellt, mit Blaumann und ölverschmiert, runden die Szene ab und sorgen für etwas Betriebsamkeit.
Hinter einem alten und ziemlich unaufgeräumten Schreibtisch sitzt eine ältere Dame. Ich setze mich auf einen ziemlich klapprigen Stuhl der vor dem Schreibtisch steht und warte freundlich lächelnd, dass Sie von mir Notiz nimmt. Sie telefoniert und starrt dabei unsicher in einen PC aber schon nach wenigen Minuten löst Sie doch endlich Ihren unsicheren Blick vom Bildschirm, legt das Telefon beiseite und wendet sich mir zu. "Ich möchte die Probefahrt mit der VN900 machen" sage ich zu Ihr und lege meinen Personalausweis und den vorläufigen Führerschein auf Ihren Schreibtisch. Womit auch immer, diese Dame ist definitiv überfordert, aber Sie beginnt immerhin schweigend ein Formular auszufüllen und ich warte ebenfalls schweigend und freundlich lächelnd bis Sie damit fertig ist. Ich bin froh, dass ich es nicht ausfüllen muss. Dann schiebt Sie mir das Formular zur Unterschrift rüber und sagt etwas von "...Vollkasko mit 2000€ Selbstbeteiligung" .. für eine Sekunde schießt es mir in den Kopf, dass ich das Teil also besser nicht umschmeißen sollte und verdränge den Gedanken aber sofort wieder. Sie weist mich daraufhin, dass ein Probefahrt 30min. dauert, was ich natürlich sofort aber immer noch freundlich lächelnd als ungenügend abwinke. Ich möchte hier ein Motorrad für beinahe 10.000€ kaufen und soll mich in 30min. entscheiden: No way .. "Wie langen wollense denn?" fragt Sie und nach einem kurzen Telefonat mit der Cheffin bekomme ich die Maschine für 60min. YES ! ! !
Dunkelschwarz und Chrom glänzend stand Sie dann nun endlich vor mir in der Sonne und wartete darauf von mir gefahren zu werden. Der freundliche Mensch im grünen Kawasakihemd wies mich kurz ein, "Zündung, Schaltwippe, Blinker, Licht, Hupe, Bremse .. Naja, das kennen Sie ja, also dann viel Spaß" sagt er und die Einweisung war beendet. Schon schwinge ich mein Bein lässig über den breiten Sitz, der mehr Ähnlichkeit mit einem Sessel hat, weil auf Ihm wohl auch ein Elefantenhintern Platz hätte. Der erste Eindruck "Was für ein dickes Ding" .. Männermäßig! und genau so muss das auch sein. Für jemand mit Eiern. Durch einen ziemlich dicken, tropfenförmigen Tank, sitzt man mehr oder weniger etwas breitbeinig auf der Vulcan, die Füße kann man lässig und sehr bequem auf Trittbettern abstellen. Zwischen meinen Schenkeln, chromglänzend ein 2-Zylinder V-Motor mit 900 Kubikzentimeter Hubraum.
Ich greife zum breiten, geschwungenen Lenker, der einem spanischem Kampfstier alle Ehre gemacht hätte. So muss es sich also anfühlen, wenn man den Stier bei den Hörnern packt, denke ich, als ich die Maschine vom Seitenständer aufrichte. Im ersten Augenblick noch ein wenig kipplig und ich spüre deutlich Ihr Gewicht von 280kg aber noch mehr spüre ich meine Vorfreude .. Ja, das war es was ich wollte ... Ich atme tief durch, lehne mich etwas entspannt zurück, Kupplung ziehen und mit einem Druck auf den Startknopf erwacht der 50PS starke V-Twin zum Leben ... *Baarruumm* *brabbel*brabbel*brabbel*brabbel* macht es und beinahe fröhlich blubbert der Motor im Leerlauf. Der geeignete Moment für eine mordsmäßige Gänsehaut, die mir den Rücken rauf und runter läuft. Als ich ein paar Mal am Gasgriff drehe, um den Sound zu genießen, verziehen sich meine Mundwinkel bis unter die Ohren und vermutlich mit einem leicht entrückten Gesichtsausdruck, kann ich mir ein breites Grinsen jetzt nicht verkneifen. Es wird sich die nächsten 60min. auch nicht verändern.
Jetzt gehts los. Mit einem gefühlvollen Tritt auf die Schaltwippe, lege ich den ersten Gang ein, dann lasse ich langsam die Kupplung kommen, jetzt nur noch ein klein wenig Gas geben ... uuund? ... schon rollt die Fuhre los ... ManManMan, vor 3 Monaten hatte ich noch überhaupt keinen Plan und jetzt saß ich auf einer 8000€ teuren Maschine. Etwas unsicher und ein wenig wacklig eiere ich sehr vorsichtig vom Werkstatthof, auf dem eine ganze Menge Geld rumsteht, um ja nicht anzuecken oder etwas umzuwerfen. Meine Freundin, die beste Frau der Welt, steht bereits geduldig wartend mit Ihrer Yamaha Virago an der Ausfahrt. Sie wird mich mit BumbleBee begleiten, etwas Geleitschutz wird sicher nicht schaden. Ich freue mich, dass Sie dabei ist.
Es ist so gegen 17:00 als wir uns in den dichten Berliner Berufsverkehr am Spandauer Damm einreihen und schnell stelle ich fest, dass das Bike einfach das tut, was es soll. Überall, zu allen Seiten wimmelnder Verkehr, Autos überall aber überraschend registriere ich, dass ich mich richtig gut fühle. Keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität. Meine Vulcan brummt zufrieden und folgsam wie ein Lamm mit mir durch den dichten Verkehr. Beinahe leichtfüßig rollen jettz ganze 370kg auf 2 dicken Reifen über den heißen Asphalt , wechseln leichtfüßig die Spur und spurten kraftvoll los, wenn man Ihr ein wenig die Sporen gibt.
Es ist so gegen 17:00 als wir uns in den dichten Berliner Berufsverkehr am Spandauer Damm einreihen und schnell stelle ich fest, dass das Bike einfach das tut, was es soll. Überall, zu allen Seiten wimmelnder Verkehr, Autos überall aber überraschend registriere ich, dass ich mich richtig gut fühle. Keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität. Meine Vulcan brummt zufrieden und folgsam wie ein Lamm mit mir durch den dichten Verkehr. Beinahe leichtfüßig rollen jettz ganze 370kg auf 2 dicken Reifen über den heißen Asphalt , wechseln leichtfüßig die Spur und spurten kraftvoll los, wenn man Ihr ein wenig die Sporen gibt.
Ich lümmel mich bequem auf meinen Cruiser, lehne mich wie auf einer Couch an die angedeutete Rückenlehne, fühle den angenehm warmen Fahrtwind im Gesicht und wie er durch meine geöffnete Jacke strömt. Das ist es. Ich könnte vor Glück zerspringen. Nach wenigen Minuten sind wir dann auch schon aus dem dichtesten Gedränge raus und bröseln Kurs Süd-Süd-West durch Berlin. Es geht Richtung Zehlendorf, gemütlich die Königsalle runter, die sich wie eine Schlange durch den Grunewald windet. Vorbei an den vornehmen Villen der Wohlhabenden in dieser Stadt, weiter unter schattenspendenden Bäumen die Onkel-Tom-Straße entlang. Die Sonne zwinkert uns durch das grünen Blätterdach zu und schon biegen wir auf die Argentinische Allee, die uns zur Clayalle führt. Ab hier geht es langsam wieder zurück. Es macht unglaublich Spaß die Dicke in die Kurven zu legen, die sanfte Vibration des Motors zu spüren und immer wieder die kraftvolle Beschleunigung zu genießen.
Der Rückweg führt uns zum Fehrbelliner und von dort Richtung Schloß Charlottenburg, auf die Brandenburgische Straße, die mit einem Tunnel unter dem Kurfürstendamm hindurchführt. Es ist so klar was jetzt kommen muss und ich kann der Versuchung nicht widerstehen. Kaum rollen wir in den Tunnel, schalte ich bei Tempo 50 in den 2.ten Gang, gebe 2-3 ordentlich Gas, bevor ich die Kupplung wieder kommen lasse und gebe dann Vollgas. Während meine Arme immer länger werden, bilde ich mir ein zu spüren, wie sich der weiche Gummi der dicken Räder in den Asphalt krallt. Das Motorrad macht beinahe wie ein Dragster einen Satz nach vorne und die Beschleunigung haut mir die Falten aus dem Gesicht. Der Sound dabei ist Atemberaubend und ich habe ein wenig Sorge, dass die Kacheln von den Wänden fallen könnten. Wie geil ist das? Das Fest dauert nur wenige Sekunden und als der Tacho an der Tunnelausfahrt 95 km/h anzeigt gehe ich schnell wieder vom Gas bevor mich noch ein Blitzer erwischt. Mein Puls ging nicht so schnell wieder vom Gas.
Unbeschadet und ohne einen Kratzer erreichen wir nach gut einer viel zu kurzen Stunde die Werkstatt und ich muss mich verabschieden. Der Beweis war erbracht, wenn man diesen Führerschein hat, kann man Motorrad fahren ... PUNKT ... und ich muss mir nicht erst irgendeine kleine Gurke kaufen, um mich langsam dran zu gewöhnen. Quark, man muss man sich nur überwinden ... mit etwas Respekt und einer angemessenen Portion Vorsicht funktioniert das. Ich war so ein Dickschiff gefahren. YES!
Ob ich mir jemals so eine Maschine werde leisten können weiß ich nicht, im Augenblick sieht es eher nicht danach aus, aber heute durfte ich wenigstens mal mit Einer fahren. Wehmütig und von den tropischen Temperaturen doch ganz schön durchgeschwitzt, trete ich mit stolzgeschwellter Brust den Heimweg an .. zu Fuß.
Als ich noch einmal zurückschaue, fällt mir das berühmte Arnold Schwarzenegger Zitat aus dem Kinostreifen "Terminator" ein:
"Ich komme wieder" ;-)



