Donnerstag, 22. Mai 2014

Der erste Ausritt

10 Tage waren nun schon vergangen, seit ich die Führerscheinprüfung erfolgreich abgelegt hatte ... es war allerhöchste Zeit. Ich wollte fahren.

Per Telefon hatte ich bereits wenige Tage nach der Prüfung bei Kawasaki Bischoff im Fürstenbrunner Weg eine Probefahrt vereinbart. Mit dem Führerschein der Klasse A in meiner Tasche, darf ich schließlich alles fahren was 2 Räder hat und ich wollte es wagen. Ein VN900 Vulcan sollte es sein. Ein klassischer Chopper aus dem Land der aufgehenden Sonne. Lang, breit und schwer. Am 21. Mai war es endlich soweit.

Selbst ein endlos scheinender Arbeitstag hat glücklicherweise einen Feierabend und pünktlich um 16:00 konnte ich mich dann endlich auf den Weg zu meinem ersten Ausritt machen. Die Temperaturen waren in den letzten Tagen kontinuierlich bis auf freundliche 28°C geklettert und die Sonne brezelt vom strahlendblauen Himmel und grillt mir die Birne, als ich die letzten Meter von der S-Bahn zum Kawasaki Händler laufe. Ich stecke bereits in meiner Motorradmontur d.h. Hose mit Protektoren und schwere Stiefel, die das Laufen nicht gerade erleichtern. An meiner Hand hängt eine Reisetasche mit meiner schweren Motorradjacke, Wechselklamotten, Helm, Handschuhen, Nierengurt ... ich war schweißgebadet.

Vor dem Motorradladen drängeln sich auf dem Bürgersteig dutzende Motorräder und im Verkaufsraum standen weitere blitzblank polierte, nagelneue Maschinen, die auf Ihre Käufer warteten. Zwischen den ganzen Bikes entdecke ich eine Mitarbeiterin und als ich Ihr sage, dass ich wegen einer Probefahrt hier bin, weist Sie mir freundlich den Weg in Richtung Werkstatt.

Das Büro der Werkstatt wirkt auf den ersten Blick wenig vertrauenserweckend. Ein wenig unaufgeräumt sieht es aus und das Mobiliar war vermutlich vor Jahrzehnten mal modern, sicher bin ich mir da aber nicht. Ein Tresen für die Kundschaft, ein paar Regale in denen ältlich wirkende Ersatzteile und etwas verblichene Kataloge liegen, zieren dem Raum. Durch eine großzügige Tür hinter dem Tresen fällt der Blick in ein Lager, in dem sich etliche Metallregale unter der Last von unzähligen Ersatzteilen verbiegen. Ein Servicemitarbeiter im typisch Kawasakigrünen Polohemd und ein dicker Mechaniker, wie man Ihn sich immer vorstellt, mit Blaumann und ölverschmiert, runden die Szene ab und sorgen für etwas Betriebsamkeit.

Hinter einem alten und ziemlich unaufgeräumten Schreibtisch sitzt eine ältere Dame. Ich setze mich auf einen ziemlich klapprigen Stuhl der vor dem Schreibtisch steht und warte freundlich lächelnd, dass Sie von mir Notiz nimmt. Sie telefoniert und starrt dabei unsicher in einen PC aber schon nach wenigen Minuten löst Sie doch endlich Ihren unsicheren Blick vom Bildschirm, legt das Telefon beiseite und wendet sich mir zu. "Ich möchte die Probefahrt mit der VN900 machen" sage ich zu Ihr und lege meinen Personalausweis und den vorläufigen Führerschein auf Ihren Schreibtisch. Womit auch immer, diese Dame ist definitiv überfordert, aber Sie beginnt immerhin schweigend ein Formular auszufüllen und ich warte ebenfalls schweigend und freundlich lächelnd bis Sie damit fertig ist. Ich bin froh, dass ich es nicht ausfüllen muss. Dann schiebt Sie mir das Formular zur Unterschrift rüber und sagt etwas von "...Vollkasko mit 2000€ Selbstbeteiligung" .. für eine Sekunde schießt es mir in den Kopf, dass ich das Teil also besser nicht umschmeißen sollte und verdränge den Gedanken aber sofort wieder. Sie weist mich daraufhin, dass ein Probefahrt 30min. dauert, was ich natürlich sofort aber immer noch freundlich lächelnd als ungenügend abwinke. Ich möchte hier ein Motorrad für beinahe 10.000€ kaufen und soll mich in 30min. entscheiden: No way .. "Wie langen wollense denn?" fragt Sie und nach einem kurzen Telefonat mit der Cheffin bekomme ich die Maschine für 60min.  YES ! ! !

Dunkelschwarz und Chrom glänzend stand Sie dann nun endlich vor mir in der Sonne und wartete darauf von mir gefahren zu werden. Der freundliche Mensch im grünen Kawasakihemd wies mich kurz ein, "Zündung, Schaltwippe, Blinker, Licht, Hupe, Bremse .. Naja, das kennen Sie ja, also dann viel Spaß" sagt er und die Einweisung war beendet. Schon schwinge ich mein Bein lässig über den breiten Sitz, der mehr Ähnlichkeit mit einem Sessel hat, weil auf Ihm wohl auch ein Elefantenhintern Platz hätte. Der erste Eindruck "Was für ein dickes Ding" .. Männermäßig! und genau so muss das auch sein.  Für jemand mit Eiern. Durch einen ziemlich dicken, tropfenförmigen Tank, sitzt man mehr oder weniger etwas breitbeinig auf der Vulcan, die Füße kann man lässig und sehr bequem auf Trittbettern abstellen. Zwischen meinen Schenkeln, chromglänzend ein 2-Zylinder V-Motor mit 900 Kubikzentimeter Hubraum.

Ich greife zum breiten, geschwungenen Lenker, der einem spanischem Kampfstier alle Ehre gemacht hätte. So muss es sich also anfühlen, wenn man den Stier bei den Hörnern packt, denke ich, als ich die Maschine vom Seitenständer aufrichte. Im ersten Augenblick noch ein wenig kipplig und ich spüre deutlich Ihr Gewicht von 280kg aber noch mehr spüre ich meine Vorfreude .. Ja, das war es was ich wollte ... Ich atme tief durch, lehne mich etwas entspannt zurück, Kupplung ziehen und mit einem Druck auf den Startknopf erwacht der 50PS starke V-Twin zum Leben ... *Baarruumm* *brabbel*brabbel*brabbel*brabbel* macht es und beinahe fröhlich blubbert der Motor im Leerlauf. Der geeignete Moment für eine mordsmäßige Gänsehaut, die mir den Rücken rauf und runter läuft. Als ich ein paar Mal am Gasgriff drehe, um den Sound zu  genießen, verziehen sich meine Mundwinkel bis unter die Ohren und vermutlich mit einem leicht entrückten Gesichtsausdruck, kann ich mir ein breites Grinsen jetzt nicht verkneifen. Es wird sich die nächsten 60min. auch nicht verändern. 

Jetzt gehts los. Mit einem gefühlvollen Tritt auf die Schaltwippe, lege ich den ersten Gang ein, dann lasse ich langsam die Kupplung kommen, jetzt nur noch ein klein wenig Gas geben ... uuund? ... schon rollt die Fuhre los ... ManManMan, vor 3 Monaten hatte ich noch überhaupt keinen Plan und jetzt saß ich auf einer 8000€ teuren Maschine. Etwas unsicher und ein wenig wacklig eiere ich sehr vorsichtig vom Werkstatthof, auf dem eine ganze Menge Geld rumsteht, um ja nicht anzuecken oder etwas umzuwerfen. Meine Freundin, die beste Frau der Welt, steht bereits geduldig wartend mit Ihrer Yamaha Virago an der Ausfahrt. Sie wird mich mit BumbleBee begleiten, etwas Geleitschutz wird sicher nicht schaden. Ich freue mich, dass Sie dabei ist.


Es ist so gegen 17:00 als wir uns in den dichten Berliner Berufsverkehr am Spandauer Damm einreihen und schnell stelle ich fest, dass das Bike einfach das tut, was es soll. Überall, zu allen Seiten wimmelnder Verkehr, Autos überall aber überraschend registriere ich, dass ich mich richtig gut fühle. Keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität. Meine Vulcan brummt zufrieden und folgsam wie ein Lamm mit mir durch den dichten Verkehr. Beinahe leichtfüßig rollen jettz ganze 370kg auf 2 dicken Reifen über den heißen Asphalt , wechseln leichtfüßig die Spur und spurten kraftvoll los, wenn man Ihr ein wenig die Sporen gibt. 


Ich lümmel mich bequem auf meinen Cruiser, lehne mich wie auf einer Couch an die angedeutete Rückenlehne, fühle den angenehm warmen Fahrtwind im Gesicht und wie er durch meine geöffnete Jacke strömt. Das ist es. Ich könnte vor Glück zerspringen. Nach wenigen Minuten sind wir dann auch schon aus dem dichtesten Gedränge raus und bröseln Kurs Süd-Süd-West durch Berlin. Es geht Richtung Zehlendorf, gemütlich die Königsalle runter, die sich wie eine Schlange durch den Grunewald windet. Vorbei an den vornehmen Villen der Wohlhabenden in dieser Stadt, weiter unter schattenspendenden Bäumen die Onkel-Tom-Straße entlang. Die Sonne zwinkert uns durch das grünen Blätterdach zu und schon biegen wir auf die Argentinische Allee, die uns zur Clayalle führt. Ab hier geht es langsam wieder zurück. Es macht unglaublich Spaß die Dicke in die Kurven zu legen, die sanfte Vibration des Motors zu spüren und immer wieder die kraftvolle Beschleunigung zu genießen.

Der Rückweg führt uns zum Fehrbelliner und von dort Richtung Schloß Charlottenburg, auf die Brandenburgische Straße, die mit einem Tunnel unter dem Kurfürstendamm hindurchführt. Es ist so klar was jetzt kommen muss und ich kann der Versuchung nicht widerstehen. Kaum rollen wir in den Tunnel, schalte ich bei Tempo 50 in den 2.ten Gang, gebe 2-3 ordentlich Gas, bevor ich die Kupplung wieder kommen lasse und gebe dann Vollgas. Während meine Arme immer länger werden, bilde ich mir ein zu spüren, wie sich der weiche Gummi der dicken Räder in den Asphalt krallt. Das Motorrad macht beinahe wie ein Dragster einen Satz nach vorne und die Beschleunigung haut mir die Falten aus dem Gesicht. Der Sound dabei ist Atemberaubend und ich habe ein wenig Sorge, dass die Kacheln von den Wänden fallen könnten. Wie geil ist das? Das Fest dauert nur wenige Sekunden und als der Tacho an der Tunnelausfahrt 95 km/h anzeigt gehe ich schnell wieder vom Gas bevor mich noch ein Blitzer erwischt. Mein Puls ging nicht so schnell wieder vom Gas.

Unbeschadet und ohne einen Kratzer erreichen wir nach gut einer viel zu kurzen Stunde die Werkstatt und ich muss mich verabschieden. Der Beweis war erbracht, wenn man diesen Führerschein hat, kann man Motorrad fahren ... PUNKT ... und ich muss mir nicht erst irgendeine kleine Gurke kaufen, um mich langsam dran zu gewöhnen. Quark, man muss man sich nur überwinden ... mit etwas Respekt und einer angemessenen Portion Vorsicht funktioniert das. Ich war so ein Dickschiff gefahren. YES!


Ob ich mir jemals so eine Maschine werde leisten können weiß ich nicht, im Augenblick sieht es eher nicht danach aus, aber heute durfte ich wenigstens mal mit Einer fahren. Wehmütig und von den tropischen Temperaturen doch ganz schön durchgeschwitzt, trete ich mit stolzgeschwellter Brust den Heimweg an .. zu Fuß.

Als ich noch einmal zurückschaue, fällt mir das berühmte Arnold Schwarzenegger Zitat aus dem Kinostreifen "Terminator" ein: 

"Ich komme wieder" ;-)


Montag, 12. Mai 2014

Der Tag der Wahrheit ... "Die Fahrprüfung"

So langsam beginne ich mein Leben zu verstehen .. oder zumindest, was es mit dem "Glück" in meinem Leben auf sich hat. Offensichtlich verhält es sich so, dass das Leben selber entscheidet und auf den "richtigen" Moment wartet, um dann das Glück zu verteilen, was man braucht. Anstatt also immer hier und da ein bißchen zu verteilen, hat es bei mir einen erstaunlich langen Atem. Es wartet Jahr um Jahr, so dass ich mitunter das Gefühl habe, von allem Glück der Welt verlassen zu sein, aber dann überrascht es mich und schlägt im rechten Augenblick zu.

Aber von Anfang ... 

Vorgestern, am Samstag den 10.05.2014, hatte ich meine letzte Fahrstunde, quasi die Generalprobe vor der Prüfung. Es war so gegen Mittag, das Wetter war trocken und nicht zu warm und ich bin gefahren wie ein junger Gott. Alle Grundfahrübungen wie aus dem Lehrbuch, Nichts was man hätte bemängeln können. Ich fahre geschmeidig und alles gelingt. Dann lotst mich Ivo nochmal durch den Straßenverkehr und ins Berliner Umland, Landstraßen, ein Stück Autobahn, das könnte auch Prüfungsstrecke sein und ich fahre die Strecke fehlerfrei. Beinahe zu gut, denke ich blicke aber dennoch jetzt zuversichtlicher und mit gestiegenem Selbstbewusstsein in Richtung Prüfung .... aber leider ist auch meine Nervosität gestiegen ... spürbar und schwer unterdrückbar. Mit anderen Worten, meine Nerven liegen quasi blank. Selbst meine Freundin klinkt sich aus, weil auch Sie nicht mehr weiß, wie Sie mit mir umgehen muss. Das Dumme ist, ich weiß es auch nicht.

Es ist nicht die Angst, dass ich durchfallen könnte, die mich umschleicht .. es sind die Konsequenzen, die ein Durchfallen für mich hätten und die mich um den Schlaf bringen und an meinen Nerven sägen. Ich muss ständig daran denken, dass ich viel Geld ausgegeben hatte, geliehenes Geld und was es bedeuten würde, wenn ich durchfalle. Nochmal 400 - 500€, die ich gar nicht habe. Der Druck ist enorm aber was soll man schon machen? Jeder der in so einer Situation ist, muss das aushalten. Eine Wahl hat man schließlich nicht.

Dann, ist es soweit. Die Nacht ist überstanden und es ist Montag der 12.05.2014 Prüfungstag ... 

Um 10:00 stehe ich total nervös an der Fahrschule. Wir erledigen die letzten Formalitäten, hier ein paar Unterschriften und dann wechseln noch die letzten 132€ den Besitzer. Eine Fahrstunde (schließlich muss man ja zum Platz fahren, das kostet extra) und dann werden 99€ Gebühren fällig. Dann geht es auch schon los. 

Auf der Fahrt zum Platz machen wir ein paar Umwege, ich soll mich ja einfahren und merke bereits nach 10min. .. das wird heute nicht einfach, denn anscheinend ist nicht so mein Tag. Mit der Aufregung im Blut, fällt es schwerer sich zu konzentrieren und ich erlaube mir einige kleinere Schnitzer .. nichts Dramatisches, aber es macht mich nicht ruhiger. Zum Glück ist es trocken als wir auf dem Übungsplatz ankommen, an dem schon ganz schön Betrieb ist. Ivo instruiert mich, und wir gehen nochmal meine Aufgaben durch, dann beginne ich alle Grundfahrübungen nacheinander zu üben ... Gleich zu Beginn patze ich beim langsamen Slalom und verpasse einen Kegel. Beim Ausweichen mit Anbremsen, semmel ich dafür einen Kegel um und meine Kreise wollen einfach nicht so wirklich gut gelingen. Ich weiß, dass ich es besser kann und Ivo spart auch nicht mit Kritik. Eine Weile höre ich es mir an und fordere Ihn dann auf, sich etwas zurück zu nehmen. Er ist zwar etwas angepisst, aber das muss ich in Kauf nehmen. Ich weiß er meint es gut, aber ich sage Ihm, dass er mich nur nervös macht, wenn er ständig an mir rumkrittelt. Ich versuche alles so gut zu machen, wie ich es eben kann, besser wird es heute nicht. Das muss dann für die Prüfung reichen.

Die Übungen werden etwas besser und ich mache sogar mal 5min. Pause um durchzuatmen. Als ich weiter übe unterbricht Ivo mit einmal die Funktstille und fordert mich auf gezielt einige Übungen zu fahren .. Der Prüfer ist da und will was sehen. Jetzt gilt es. Es geht los mit Kreise fahren .. 6-8x links rum, 6-8x rechts rum. Sie sind etwas eierig, die Schräglage ist gut, Tempo auch .. es reicht .. dann der Ausweichhaken, mit Anbremsen. Anlauf, bremsen und rum. Der Kegel ist stehen geblieben, Bremspunkt hat auch gepasst *Gotcha* Dann die Gefahrenbremsung ... Tempo 50, Kupplung ziehen und beide Bremsen volle Lotte ziehen bzw. treten. Ich stehe und mein linker Fuß ist unten *Touch Down* jetzt der schnelle Slalom .. geschmeidig schwinge ich um die Kegel *Erledigt* .. nur noch der Schritttempo Slalom. Gepackt, alle Kegel stehen und ich bin nicht umgefallen. Der Prüfer ist zufrieden und ich darf das Motorrad erstmal abstellen.

Er begrüßt mich und die erste Überraschung steht damit an. Es ist nicht der Prüfer, der eigentlich kommen sollte. Ein Anderer musste einspringen .. Im Grunde ist das ja egal .. wenn da nicht die Prüfungsstrecke wäre. Dieser Prüfer ist dafür bekannt, seine Prüfungsstrecken beliebig zu gestalten, erfahre ich von Ivo. Das bedeutet, wir haben keine Ahnung wo es langgeht .. NA SUUPER .. wo ich mich doch so gut auskenne. Das Prüfungsgebiet in dem ich die ganze Zeit geübt hatte, würde es jedenfalls nicht sein.

Ich versuche mit meiner Aufregung umzugehen und denke positiv. Im Grunde darf mir das Nichts ausmachen, denn es ist ja egal WO ich langfahre, ich muss es IMMER richtig machen und das in jeder Situation.

Mittlerweile hat der Wind aufgefrischt und es tröpfelt leicht als es los geht. Ich achte auf Geschwindigkeitsbeschränkungen, Busse, Radfahrer, Fahrzeuge, die in 2 Spur halten, achte auf alle Verkerhrszeichen und Zusatzzeichen, blinke vorschriftsmäßig, kucke permanent in alle Richtungen, halte mich rechts, achte auf Fußgängerüberwege, bremse artig an und bewege meinen Kopf, Abbiegen nach links, nach Rechts, Blick in den Gegenverkehr und auch nach hinten ob noch ein Radfahrer kommt ... je länger es dauert umso mehr bemerke ich, wie meine Konzentration langsam nachlässt, wie ein Akku, der an Strom verliert .. hinzu kommt, ich fühle mich VÖLLIG FREMD und etwas Unsicherheit macht so langsam breit .. verdammte Hacke, wo war ich? Ich kannte mich in der Ecke ÜBERHAUPT nicht aus. Immer öfter wurde ich unsicher ob ich das richtige Tempo hatte, ob ich eine Rechts-Vor Links Kreuzung übersehen hatte oder irgendein Zusatzschild und dann passiert es ... 

Ich soll rechts abbiegen, was ich auch tue, aber gleich direkt nach dem Abbiegen gabelt sich die Straße gleich wieder, Sie macht einen Schlenker nach Rechts, vor mir ist sowas wie ein Mittelinsel, ziemlich groß, mit Bäumen bewachsen, ich überblicke die Situation überhaupt nicht, suche verzweifelt nach Verkehrsschildern, Fahrbahnmarkierungen, denke noch ob das vielleicht sowas wie eine Busspur ist, die da rechts weggeht, kann da jemand rauskommen? ... ich weiß hier stimmt was nicht ... es sind Zehntelsekunden, ich bin nicht sehr schnell aber ich habe nur ca. 5-8 meter Zeit, ich muss mich entscheiden .. und ich fahre geradeaus .. und in dieser Sekunde höre ich im Funk "Lars, fahr doch mal da vorne bitte rechts ran"

Ich war falsch gefahren, ich hätte der Straße mit dem Schlenker nach Rechts folgen müssen .. ich stehe also da, völlig zerstört und denke "jetzt ist Alles aus, das wars, totale Blamage, wegen so einer SCH**ßecke" .. da steigt der Prüfer aus, kommt zu mir, schaut mich an und meint .. "Du weißt was Du falsch gemacht hast?" ... "Hörmal, was ich bis jetzt gesehen habe war wirklich gut und ich bin ein Sportsmann, deshalb bekommst Du jetzt von mir die gelbe Karte. Beim nächsten Fehler bist Du raus .. enttäusch uns nicht ... und jetzt fahren wir weiter"

Mein Glück hatte lange auf diesen Moment gewartet und Ihn genutzt. Danke!

Ich war natürlich jetzt doppelt so nervös, völlig durch den Wind .. ich muss mich zusammenreißen. Wenn man weiß, dass man NICHTS mehr falsch machen darf, macht es das nicht leichter. Es ist nicht so, dass man hier mit einer Note besteht, nach dem Motto "6 Fehler, bestanden mit 4-" Nein, Nein .. es gibt nur "Bestehen oder Durchfallen" Wir fuhren nun schon 40min. und das nur durch Ecken und Straßen, die mir alle fremd waren ... aber nun erkannte ich die Gegend wieder und bemerkte wir waren wieder auf dem Weg zum Übungsplatz. Ich kann es schaffen, jetzt nochmal zusammenreissen und gefühlte Hundert Fußgängerüberwege später hielt ich nach 50min. Fahrzeit am Platz.

Ich hatte es geschafft. 

Der Prüfer meinte, da waren noch so ein paar Patzer, aber ich solle mich bei Ivo bedanken, er hat Ihm versichert, dass ich es besser kann .. irgendwo hatte ich wohl ein Andreaskreuz gestanden, an dem ich vorbeigebügelt war. Ich schwöre ich hab Keines gesehen. Außerdem wohne ich seit 50 Jahren in West Berlin und bin einfach keine Bahnübergänge gewöhnt. Warum lässt er mich auch im Umland rumschüsseln? ;-) Ein anderes Mal sollte ich Rechts abbiegen, dachte aber erst, dass man das garnicht darf, und sage es über Funk, Sekunden später sehe ich das Zusatzschild, dass das nur für LKW's gilt .. war halt verdeckt. Ich bin dann natürlich doch nach Rechts abgebogen. Das ging dann auch grad man noch so gut.

Aber am Ende, wie auch immer, egal wie ich mich selber gefühlt hatte, egal welche Fehler ich gemacht hatte, es war heute vielleicht nicht nicht mein bester Tag aber wen interessiert das? "BESTANDEN ist BESTANDEN" Wie? danach fragt doch keine Sau mehr.

Wahrscheinlich hatten die 3 Glückswürfel in meiner Brusttasche, von denen keiner gewusst hat, das grüne T-Shirt in der Farbe der Hoffnung, was ich heute getragen habe und die vielen Daumendrücker auch mit dazu beigetragen, das es geklappt hat ... 

 ... und die 3000€ die ich bis zu diesem Augenblick versenkt hatte. Viel mehr als geplant aber jetzt war es vorbei.

Mehr Scheine brauche ich wirklich nicht. Nichtmal mehr zum Schein


... und jetzt muss ich erstmal meine Freundin mindestens zum Essen einladen. Ich denke, dass Sie dass Alles mit mir ausgehalten hat, ist so ziemlich der größte Liebesbeweis. Danke mein Engel. Ich liebe Dich und freue mich so sehr darauf endlich mit Dir gemeinsam zu fahren. Dein Mann lars 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Corporate Design

Beim Thema dieses doch sehr langen Blogs, könnte man auf die Idee kommen "Der Kerl hat zuviel Zeit" .. weit gefehlt .. mein Kopf gibt manchmal einfach keine Ruhe

Meine Fahrausbildung neigt sich dem Ende entgegen, in wenigen Tagen habe ich meine Fahrprüfung und ich beginne mir immer öfter auszumalen, wie es wohl sein wird, wenn ich mit einem eigenen Motorrad durch die Weltgeschichte rollen kann ... Klar .. darum geht es doch.

Nun identifizieren sich Männer schon gerne mal mit den Dingen die Sie sich so anschaffen. Viele bauen gar eine Art persönliches Verhältnis dazu auf und die Eigenschaften des Besitzes springen auf den Besitzer über. Eine teure Uhr symbolisiert, "Ich kann mir das leisten, also bin ich wertvoll". Die vielen PS oder eine dicke Karre sollen u.A. zeigen, "Schaut her Herrschaften, hier komme ich mit meinem stolzen Ross. Platz da" ... So versucht ein stolzer Fahrzeugbesitzer auch schon mal durch eine geschickt gewählte Buchstabenkombination bereits auf seinem Kennzeichen eine Botschaft zu schicken .. sowas wie S-EX oder P-IG oder B-IG ... vielleicht .. naja, Ihr wisst schon was ich meine. 

Damals als Kind sind wir wohl alle in irgendwelche Rollen geschlüpft. Haben uns als Helden auferstehen lassen, sind auf den elterlichen Matratzen rumgesprungen, waren Figuren aus Comics oder eben aus Kinofilmen. Heute nennt sich das wohl in der Szene Cosplay, wenn Jugendliche in Manga Kostümen verkleidet rumlaufen und so den Charakter darstellen wollen, der aus einem Anime Magazin stammt. Wir haben uns damals einfach so verkleidet .. mal als Luke Skywalker und dann wieder als Spiderman. Viele tun das sogar heute noch.

Im Grunde gibt es das Verkleiden, das in eine andere Identität schlüpfen, mal sehr öffentlich und mal mehr im Verborgenen, auch heute noch, wenn auch eher aus anderen Motiven. Heute 'verkleidet' man sich vielleicht weniger, abgesehen von Lady Gaga oder Harald Glööckler. Man schlüpft aber auch immer noch in eine Art zweite Identität, wenn man Mitglied in einem Verein ist beispielsweise, oder eben irgendeiner Gruppe angehört. Selbst wenn man am Wochenende in einen Club geht, haben viele kaum noch Ähnlichkeit mit dem Menschen, der Sie im Alltag sind. Der Wunsch jemand anders zu sein, etwas Anderes darzustellen, ist also in der Gesellschaft weit verbreitet.

Oft haben alle etwas gemeinsam. Menschen mit gleichen Interressen, Mitglieder von Gruppen oder Vereinen, geben sich dadurch zu erkennen, dass zum einen Ihr Verein einen sprechenden Namen hat, und Sie zudem auch, als Zeichen der Zugehörigkeit, dieselbe Klamotten tragen. Zumindest hat man einen Patch oder Schriftzug auf der Jacke. Wenn man es so liest, klingt das irgendwie ja schon etwas albern .. und man denkt  irgendwie an den "Dackelzüchterverein Götchenbroda". Aber mal ehrlich Leute, wer möchte nicht gerne zu den "Chicago Bulls" gehören .. klingt ja schon cool.

Im Grunde ist es völlig egal und vermutlich interessiert es eh keinen. Die meißten werden wohl denken, "über wat für einen Shice macht der Kerl sich überhaupt nen Kopp?" .. schließlich will man eigentlich ja nur Motorrad fahren ... aber solange wie ich das noch nicht kann, kann ich ja trotzdem, und sei es eben nur aus Spaß, einmal darüber nachdenken wer ich denn sein möchte, wenn ich auf meinem Motorrad sitze. Wer wäre ich dann? .. beinahe eine klassische oder vielmehr philosophische Frage. Wer bin ich? .. Mr. Incredible aber ohne Cape?

Ein Rocker würde ich sicher auch nicht sein, zumal ich garnicht genau wüsste, wodurch sich so Einer auszeichnet ... vermutlich würde mich Wikipedia erleuchten oder auch ein Blick in die Kriminalstatistik der Bandidos oder Hells Angels ... aber ich glaube weniger, dass die Beschreibung auf mich zutreffen würde. Eher könnte ich mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen der mich möglicherweise nur flüchtig kennt, doch mehr der Titel Normalo oder Spießer in den Sinn kommt, wenn er an mich denkt ... kein so schöner Gedanke ... ein Motorrad könnte dazu beitragen, das zu verändern .. wenn ich dann auf dem Rücken meiner Motorradjacke mit einem Namen mir noch den 'Anstrich' einer coolen Motorrad Gang zulege, hätte das was .. selbst wenn diese "Gang" dann nur aus einem Gang..ster bestehen würde.

Fairerweise muss ich zugeben, dass mich meine Freundin ungewollt auf die Idee brachte. Sie besitzt eine schon etwas betagte, aber sehr schicke Yamaha Virago. Ein klassischer Chopper, mit einer besonders schönen Lackierung in Goldgelbmetallic .. spontan ergab sich die Assoziation zu diesem gelben Camaro aus dem Block Buster "Transformers" .. und irgendwie auch die einer Hummel ... wenig später war der NickName "BumbleBee" geboren. Das Bike hatte seinen Namen.

In einem T-Shirt Shop im Web schnitzte ich sofort für die beste aller Frauen, ein lässiges lila Shirt, auf das ich eine grinsende gelbe Hummel und in dicken gelben Buchstaben "BumbleBee" aufdrucken ließ. Die Girls aus Ihrer Gang, mit denen sich meine Freundin hin und wieder traf, waren allesamt begeistert und fortan nennt sich die kleine Girlie Truppe "Die BumbleBees". YEAAH!!

Was Sie hatte, das wollte ich auch. Passanten, die mich dann mit meiner Maschine im Straßenverkehr sehen, könnten dann sagen ... "Heeey schau mal, da kommt einer von deeeen ... Ääääh, jaaaa ... also wer denn jetzt?

Was mir bei meiner Freundin so einfach gelungen war, sollte sich bei mir als ware Colossus Aufgabe herausstellen. Einerseits war mein Kopf plötzlich wie leergefegt .. eine selten gekannte Abwesenheit von spontanen Genieblitzen? Gute Ideen? ... völlige Fehlanzeige .. andererseits gab es plötzlich so Vieles, was mir durch den Kopf ging ..

Ich wollte also einen Schriftzug mit einem Logo für meine Jacke entwerfen .. aber welche Message wollte ich aussenden? Womit würde ich mich identifizieren? ... Ich würde mit einer klaren Botschaft auf meinem Rücken durch die Stadt schüsseln .. also sollte ich mir das gründlich überlegen.

Es sollte ein Name sein, der unmißverständlich war, Unique müsste er sein, nicht diskriminierend, nicht lächerlich, mit einer gewissen (wie überraschend) Coolness. Ein Name der originell, aber nicht zu überkandidelt klingt, auch nicht banal, vielleicht mit einer versteckten Botschaft, nicht plump, etwas wozu man eine Geschichte erzählen konnte, etwas was zu mir passt, ein Name der sich erwachsen anhört .. etwas was smart, sexy und stark klingen sollte ... das wollte ich sein.

Beim Design könnte ich mich auch austoben. Stylisch muss es werden, aber nicht übertrieben, und man sollte es auch aus einiger Entfernung gut erkennen können ... Naaaa toll, je länger ich darüber nachdachte, umso dümmer kam mir die Idee vor. Da ich aber eh nichts Besseres zu tun hatte und Fernsehen mich bekanntlich nervt, bastelte ich von nun an ... an meiner Pseudo-Identität.

Die einfachste Vorgehensform, wenn einem partout Nichts einfallen will, nennt sich wohl schlicht "Brainstorming" .. ich schrieb also alles auf, was mir so spontan in den Kopf kam, egal wie albern oder abstrus, vulgär oder blöd .. sortieren würde ich es schon noch.

Nach dem der Sturm vorüber war, betrachtete ich mal für einen Augenblick die ersten wunder-, bzw. seltsamsten Begriffe, die sich auf dem Papier sammelten .. die Folgenden sind lediglich eine kleine Auswahl ... da stand so Namen drauf wie:


Dr. Labsun, Mr. LABsun, Dr.Dee, Sir Larson,

Mr. LABstar, Tiger Tom, Snake Plissken, Mr.Pussy, Dr.Boner, Mr.Bubbles, Mr.Srew, Mr. Baddaboom, BigDigger, 

RumbleBumble, Mr. Moo, Randy Rooster, Mr.DigBick, Dr. Pebbles


Vielleicht könnte ich auch anstatt dem Titel wie Sir oder Dr. ein Adjektiv dem Namen voranstellen .. also schrieb ich Adjektive auf, die mir spontan einfielen.

Rocking, cruising, moving,
screaming, crawling, rumbling, dreaming, buzzing,
cooking, flying, lifting, rolling, amazing, fighting,squeezing, shaking

Irgendwie überzeugte mich nichts wirklich, auch wenn ich zugeben muss, dass ich so manchen Namen nach wie vor wirklich sehr amüsant finde und immer noch überlege Ihn u wählen .. aber ich begriff, dass es um 2 Dinge gehen würde ...

Wenn ich es mal für einen Augenblick ernst nehme, dann muss ich wissen: Wer bin ich selbst? und was sollten die Menschen über mich denken, wenn Sie es lesen? .. falls Sie es lesen würden ... 

Ich kam von den Funny NickNames wieder ab. Es sollte etwas sein was zu mir passte, wie meine Jacke, und eine Assoziation zu mir zulässt.

Die Suche sorgte dafür, dass ich mich mit der Frage beschäftigte, "Wer bin ich eigentlich?" .. nach knapp 50 Jahren garnicht so einfach zu beantworten ... Gab es 2 Worte mit denen ich mich beschreiben konnte? Jeder ist doch irgendwie auch ein Chamäleon und hat viele Seiten. Nur in welcher Rolle gefiel ich mir am Besten? was entsprach meinem Original? ... eigentlich sollte man das doch fühlen.

So vergingen Tage .. ich hab wie jeder auch andere Dinge um die Ohren, meine Arbeit, der Haushalt, der Sport, die Fahrschule. Jedenfalls dachte ich nicht mehr mit der Intensität nach, das Thema schlief ein .. aber offenbar nicht in meinem Unterbewusstsein ..

Dann, plötzlich war da ein Wort, ein gutes Wort, ein Wort was für Verbundenheit steht, Zusammenhalt, Wärme, Ernsthaftigkeit, Familie. Ein Begriff der mir gefiel und mit dem ich mich identifizieren konnte ... "BROTHER" .. damit könnte was gehen .. wie bei den "Blues Brothers" .. mir fehlte also nur noch ein Adjektiv, eine Präposition .. whatever.

Da Selbstbeweihräucherung nie gut ankommt, schieden alle Eigenschaften aus, die sich nach Eigenlob anhörten. Viele waren zu schlicht, würden sich abnutzen, an Ausdruckskraft verlieren. Ich wollte irgendetwas einbauen, was man nicht auf den ersten Blick entdeckt.

Meine digitale Identität bzw. meine ID in vielen Netzwerken, in den Firmen in denen ich gearbeitet hatte, beginnt mit LAB .. meine Initialen. Wie ist das? ... könnte ich Sie vielleicht verwenden? Ein Adjektiv mit "la..." müßte es dann sein. Aber selbst mit Unterstützung von Scrabbel Experten, fand ich so gar nichts Ruhmreiches oder Starkes ... lediglich ein Wort kam überhaupt in Frage .. LAZY ... "faul" ... Na toll .. vielleicht könnte man es mit etwas gutem Willen ja auch anders verstehen. Mehr so in die Richtung ... "gemütlich, relaxen, chillen" ..  so in die Richtung .. "Ich arbeite um zu leben. Entspannt und stressfrei" .. Mmmh? .. Sollte ich ein "Lazy Brother" werden? 

Einige Nächte darüber geschlafen, etliche Male mit dem Wort in Gedanken gespielt .. Nein, es ging nicht .. jeder würde das mit "Fauler Bruder" übersetzen ... Ziel verfehlt .. überhaupt fehlte etwas ... Wo war die Coolness? die Stärke? Es klang einfach nicht so wie "Detroit Bulls" oder "NewYork Giants" .. "Lazy Brother" war einfach zu ... lazy .. ich war wieder am Anfang.

Ich habe Nichts ... auch keine Grafik und noch längst kein Design .. vielleicht sollte ich das lassen mit dem Namen? ... oder doch nicht? ... vielleicht sollte ich meine Herkunft einfließen lassen? ... Berlin "Punkt-Punkt-Punkt" ... mmmmh? .. oder doch was mit Drachen? ... wie wäre ein Ritter? .. ein Spieler mit Würfeln .. nur Würfel? ... Würfel mit Drachen? .. "Gambling Dragon" .. klingt doch cool, aber bin ich das? oder wollte ich das sein?

Vielleicht hat jemand einen so richtig hammergeilen Vorschlag ... Bei Gefallen, ist Ihm eine Mitgliedschaft in meiner Motorradgang sicher ... oder mindestens eine Tour als Sozius bei mir  ... also wenn ich dann mal ein Motorrad habe ;-)

Dienstag, 6. Mai 2014

auf der Zielgeraden

Okay, jetzt wird es doch so langsam ernst ... heute ist Dienstag der 06. Mai  2014 und in nicht mal mehr einer Woche, habe ich die praktische Prüfung. In den nächsten 5 Tagen habe ich noch 3 Fahrstunden. 3 Stunden, in denen ich mein Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten festigen kann. Die letzte Vorstellung war eher bescheiden, da gibt es Nichts schön zu reden. Ich war müde, eher unkonzentriert und überfordert ... aber ich hatte eine Lektion bekommen und nun muss ich daraus lernen. Nur aus Fehlern lernt man.

Das bedeutet .. nicht maulen, nicht rumdiskutieren, zuhören und  vor allem Konzentration. Auf dem Weg zur Fahrstunde spüre ich meine Nervosität deutlicher als sonst. In meinem Hinterkopf hämmert der Gedanke, dass man ab jetzt praktisch keine Fehler mehr machen sollte. Das Gefühl was daraus resultiert nennst sich dann wohl Prüfungsangst und ich versuche mit positiven Gedanken gegenzuhalten.

  • Ich muss positiv Denken und negative Gedanken in Positive umdrehen

  • Ich habe mich gut vorbereitet. Ich kann und werde es schaffen.

  • Der Prüfer weiß, dass Prüflinge aufgeregt sind. Er darf sehen, dass ich nervös und aufgeregt bin. Es ist normal nervös und aufgeregt zu sein.

  • Fehler sind kein Beinbruch. Ich mache keine groben Fehler und wegen eines einzigen kleinen Fehlers werde ich nicht durch die Prüfung fallen.

  • Ich werde es schaffen, ich kann und ich werde mich konzentrieren. Ich werde die Prüfung bestehen wie viele Andere vor mir

  • In einer Prüfung zu versagen, macht mich nicht zum Versager. Ich habe bereits andere Prüfungen in meinem Leben bestanden.

  • Ich habe mich auf die Prüfung vorbereitet. Es wäre ärgerlich, wenn ich die Prüfung vermasseln würde, doch mein Leben ginge weiter. Ich kann die Prüfung wiederholen.

Eine Woche ist vergangen, dass ich Motorrad gefahren bin. Ich habe alles im Griff und Abläufe wie schalten und bremsen laufen wie von alleine. Aber ich merke, dass ich insgesamt doch etwas kipplig und unsicherer bin. Besonders beim Abbiegen, wenn man sehr langsam rollen und in alle Richtungen kucken muss. Die Ursache ist aber schnell erkannt. Mein Fokus sind jetzt definitiv die Verkehrssituationen und ALLE Verkerhsteilnehmer.

Ich scanne also unablässig die Umgebung, was wohl doch etwas zu Lasten der Eleganz geht. Ich versuche verstärkt auf Geschwindigkeitsbegrenzungen zu achten, die gerne mit Zusatzschildern bestückt sind, wann Sie gelten, darauf nicht auf Radwegen stehen zu bleiben, beim Abbiegen die richtige Linie zu fahren. Ich achte auf richtige Spurwechsel, vor allem auf das Timing, mit Spiegel, Blinken und kucken. Ich kucke in alle Richtungen, beim abbiegen und langsam fahren. Fahre nicht über Fahrbahnmarkierungen und halte auch nicht auf ihnen. Passe verstärkt an engen Passagen auf .. Ich darf einfach NICHTS mehr übersehen, auch nichts aus dem Gegenverkehr, egal woher es kommt. Muss mit Fehlern Anderer rechnen … die Anspannung ist doch jetzt deutlich höher, weil ich jetzt weiß was man Alles falsch machen könnte und auf was man Alles gleichzeitig achten muss. Aber ich komme klar, nehme mehr Informationen auf, verarbeite Sie schneller und entscheide … Ivo legt den Schwierigkeitsgrad auch ständig höher und lässt mich wirklich schwer kämpfen. Patzer bleiben nicht aus und ich bleibe wieder nicht ganz fehlerfrei. Allerdings schlage ich mich doch insgesamt viel besser als beim letzten Mal. 

Ein Mal z.B. nach einigen schnell aufeinanderfolgenden Verkehrsituationen die mich echt ins schwitzen gebracht haben, interpretiere ich ein Verkehrsschild falsch und übersehen eine Rechts vor Links Straße, weil ich denke, dass aus Ihr kein Auto rauskommen kann … es war eine Sekundenentscheidung .. leider falsch. Ein anderes Mal erkenne ich eine Rechts vor Links Straße ziemlich spät, kann die Situation gerade noch so durch schärferes Bremsen retten.

Ivo kennt keine Gnade. Er verschont mich heute überraschenderweise mit flachen Geschichten, schont mich aber keineswegs im Verkehr und lotst mich in die schwierigsten Verkehrssituationen, über winzig kleine und wieder riesig große Kreuzungen, durch viel zu enge Straßen, lässt mich permanent abbiegen. Wir fahren durch die beschissensten, unübersichtlichsten und engsten Ecken von Zehlendorf und ich bin echt am kämpfen. Meine Aufmerksamkeit wird jede Sekunde ohne Unterbrechung zu 110% gefordert. Ich komme kaum dazu in den 3.ten Gang zu schalten, in schneller Abfolge von Nebenstraßen auf Hauptstraßen und gleich wieder in Nebenstraßen … es ist zudem viel Verkehr, überwiegend Berufsverkehr, Autofahrer bringen mich durch Ihr Fehlverhalten in Bedrängnis, das heißt ich muss richtig reagieren obwohl Sie falsch fahren. Erschwerend kommt hinzu .. ich kenne mich in dem Fahrgebiet überhaupt nicht aus, nie weiß ich wo es als Nächstes lang geht und kann mich somit auch nicht mal auf etwas einstellen. Aber das muss ich eben jetzt aushalten und auch können.

Obwohl ich manchmal etwas wacklig bin, halte ich mich dennoch gut .. kein Motorradfahrer würde sich freiwillig so eine Strecke raussuchen. So macht das Fahren keinen Spaß, aber für die Prüfung muss ich es können. Mit fortschreitender Dauer merke ich wie meine Konzentration nachlässt aber ich rette mich über die 90min. Es gab wohl 2 Situationen, bei denen ich durchgefallen wäre und einige kleine Schnitzer .. aber ich bin letztlich dennoch nicht unzufrieden. Beide Fälle waren in der 2.ten Hälfte der Fahrzeit.

Fazit ... es geht sicher noch besser und ich werde es schaffen .. denn wenn ich mich 90min. wacker schlagen kann, dann habe ich doch gute Chancen, die 45min. der Prüfung auch zu schaffen. Die Aufregung vorher ist jedenfalls nerviger als die Anspannung während der Fahrstunde, daran muss ich in den nächsten Tagen arbeiten.

Die nächste Trainingseinheit ist am Donnerstag und die letzte vor der Prüfung dann am Samstag den 10. Mai ... Sie werden beide kein Zuckerschlecken .. ich werde fit sein.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Theorieprüfung

In den letzten Jahren hatte ich mich bereits beim Sportbootführerschein und beim Segelflugschein, durch unzählige Theoriefragen geklickt. Das Lernen, was mir ursprünglich einmal enorm schwer gefallen war, hatte angefangen Spaß zu machen. Ich wollte diese Scheine und das Lernen gehörte dazu. Mein Brain hatte einiges an MultipleChoice Training hinter sich und ich war in Bestform. Hinzu kam, mit meinen Vorkenntnisen, sollte das Lernen der ungefähr 800 Theoriefragen, die man für den "Führerschein Klasse A" (wie es im schönen Amtsdeutsch heißt) braucht, kein Hindernis darstellen. Ich investierte also 3€ in eine Smartphone App, um morgens auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn Fragen zu lernen und dann nochmal 16€ in eine Lernsoftware für den heimischen PC.

Obwohl die verbreitete Ansicht vorherrscht, dass ein Autofahrer, der schon viele Jahre seinen Lappen besitzt, bei der Wiederholung der Theorie kläglich scheitern würde, kamen mir die Fragen nicht wirklich schwer vor. Es konnten immer eine oder mehrere Antworten richtig sein und mit ein paar Wochen Übung würde ich fit genug sein .. Die Schwierigkeiten beim Lernen bestanden nicht im Inhaltlichen, sondern waren mehr darin zu suchen, dass die Antworten oftmals sehr ähnlich formuliert werden und man musste wirklich 2 oder 3x lesen, bevor man den Unterschied bemerkte. Manchmal waren eben auch 2 ähnlich klingende Antworten richtig. Hier konnte man also auch schnell mal 'aus Versehen' das Falsche ankreuzen. Damit es beim Wiederholen der Fragen, auch nicht zu leicht wird, wurden auch jedesmal die Reihenfolge der Antworten vertauscht. Mustererkennung? Fehlanzeige. So wird man zum lesen gezwungen. Dann wird Ein- und Dasselbe in unterschiedlichsten Formulierungen, immer wieder gefragt. Die Verkehrssituation, zu der die Frage gestellt wird, wird nur minimal verändert - ein anderer Blickwinkel, ein Detail was kaum auffällt, und schon muss man doch nochmal überlegen. Dann noch reichlich Videofragen. Kurze Filmchen von Verkehrssituationen, die dann unvermittelt anhalten.

Das Risiko bestand darin, dass man für eine fehlerhafte Antwort von wichtigen Fragen auch schon mal 5 Fehlerpunkte bekommen konnte. 2x bei so einer Frage patzen und man war durchgefallen .. Bei einfachen Fragen gab es bei der falschen Antwort 2 Fehlerpunkte und bei einer Mittleschweren 3. Mehr als 10 Fehlerpunkte darf man nicht haben ... und da man nun mal nicht weiß welche Fragen rankommen, kann man es sich auch nicht erlauben auf Lücke zu lernen. Da ich aber eh ein Schisser bin, werden ich sowieso erst zur Prüfung gehen, wenn im Training meine Trefferquote mindestens bei 96-98% lag ... Bestehen ist Pflicht.

Am 13.04.14 war ich bereit.
"Guten Tag, ich möchte die Theorieprüfung Klasse A ablegen" sage ich zu der Dame beim TÜV. Sie lächelt mich freundlich an und nimmt meine Unterlagen, Zahlscheine und die Prüfungsgebühren entgegen. Die Theoretische kostet rund 21€ und die Praktische, die ich schon vorab mitbezahle ~113€. Während Sie mit meinen Zetteln beschäftigt ist, kann ich an Ihr vorbei in den Prüfungsraum schauen, in dem bereits einige Aspiranten vor Bildschirmen schwitzen. "Wo ist Ihre Ausbildungsbescheinigung?" fragt Sie mich .. ich schaue Sie mit einer Mischung aus Überraschung und Unverständnis an und sage, "die habe ich Ihnen doch gegeben" ... Sie hält einen Zettel hoch .. "DAS, ist ein Ausbildungsvertrag, ich brauche aber die Ausbildungsbescheinigung, ohne die können wir Sie nicht prüfen" .. Einen Augenblick herrscht Stille ... Vertrag, Bescheinigung ... Verdammt, ich Idi hatte frühmorgens mit meinem verpennten Kopf den falschen Zettel eingesteckt. "Naja, macht ja nichts" sage ich und setze das charmanteste Lächeln auf, was ich in meinem Repertoire habe .. "Ich wäre ja nicht hier, wenn ich diese Bescheinigung nicht hätte" .. säusle ich .. "Ohne Bescheinigung, keine Prüfung" entgegnet Sie und wendet sich den anderen Besuchern zu, die in der Schlange warten" .. Tolle Wurst. Ich fahr doch jetz nicht unverrichteter Dinge zurück, wo ich doch so stinkend faul bin und keinen Bock habe in den nächsten Tagen schon wieder mit dem Bus hierher zu schüsseln. Das Cholerische in mir, einem Menschen der im Sternzeichen Löwe geboren ist, will aufbegehren und schlägt einen Wutanfall vor, den ich aber verwerfe, weil er mich keinen Millimeter weiterbringt. 

Das muss jetzt klappen. Lisa die Assistentin aus der Fahrschule .. Sie wird mir helfen können .. 1 Min. später habe ich Sie am Telefon. "Lisa, du musst mir meine Ausbildungsbescheinigung faxen, aus der hervorgeht, dass ich an den Pflichttheoriestunden teilgenommen habe" .. "Ok" sagt Sie und versucht es. Ich warte, mittlerweile kommen Leute aus dem Prüfungsraum, die Meißten sehen erleichtert aus. Einige kommen aber auch mit betrübter Miene raus ... "Durchgefallen" .. Wie? sowas geht? ... Nach 20 Min. elendigen Wartens und mehreren Telefonaten geben wir die Nummer mit dem Fax auf. Es will einfach nicht klappen, wer schickt auch heute noch Faxe? Ich werde nun doch etwas nervös, denn langsam wird die Zeit knapp. Mittlerweile war es 17:30 und der TÜV würde um 18:00 schließen .. Ich drängel mich zum Tresen "Sie haben doch sicher eMail?" frage ich und bekomme auch prompt eine Adresse .. "Lisa, schick uns die Unterlagen per Mail!" .. es ist der letzte Versuch und ein Wunder. Endlich, es klappt! Nur 20 Min. vor Feierabend bekomme ich einen Platz zugewiesen, klicke in 3 Min. die 20 Prüfungsfragen durch. 100%, alles richtig. Bestanden. Was für eine Aufregung, was für ein Zirkus nur für diesen Test. Egal, Haken dran. Wieder eine Hürde übersprungen ... ich kam voran und meinem Ziel war ich wieder ein Stück näher ... Harley Davidson ich komme.


Ich brauche Motivation ..

Die Tage und Wochen vergehen, mittlerweile ist es schon April und ich übe Motorrad fahren. Das Wetter ist mir natürlich nicht egal, aber man kann es sich im Frühjahr auch nicht aussuchen. So denke ich nicht viel darüber nach und nehme es eben wie es kommt. Wenn es kalt ist und regnet, dann ist das eben so, dafür würde man im Sommer wohl ganz schön ins schwitzen kommen. Meine Ausrüstung ist gut, ich bleibe trocken, friere nicht, habe einen Helm auf und mein Motorrad hat Griffheizung. Nur die Nervosität vor jeder Fahrstunde ist geblieben, aber ich glaube wohl mehr deshalb, weil ich selber den Anspruch an mich habe "es richtig zu machen" .. mich hat eben der Ehrgeiz gepackt.

Mitttlerweile habe ich auch die Anfangshindernisse überwunden, meine Lernkurve ist steiler geworden und auch die Grundfahrübungen gelingen ziemlich gut. Allmählich entsteht doch sowas wie eine Vertrautheit und das Handling der Maschine bereitet mir immer weniger Schwierigkeiten. Die wahre Herausforderung liegt jetzt ganz woanders. 

Ich muss wieder lernen wie ein Fahrschüler zu fahren, muss meinen Fahrstil und meine Verkehrsbeobachtung quasi neu erfinden. Ich muss Dinge ganz bewusst tun, die ich bereits seit Jahren unbewusst mache und ich muss lernen, dass man sich mit einem Motorrad ganz anders zu verhalten hat, als mit einem PKW. Ein junger Mensch ist unbefangen, unvorbelastet und Neues wird schnell gelernt .. zweifellos ein Vorteil, den ich nicht habe.

So stehe ich mir oft selber im Weg, wenn ich mich verhalte als wäre ich ein Autofahrer. Allerdings fahre ich auch seit Jahren schon nicht mehr wirklich Auto. Das heißt ich habe Erfahrung, aber mir fehlt einfach die tägliche Praxis, die Routine. Nur hin und wieder, aber auch eher selten, bin ich mit einem CarSharing Auto auf Kurzstrecke unterwegs. Um durch die Stadt zu cruisen reicht es also alle mal aus, aber eben nicht um die Anforderungen eines TÜV Prüfers zu erfüllen. Das K.o Kriterium "Die Show für den Prüfer muss sitzen" . Das bedeutet, ich komme wohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin, aber auf den Straßen kenne ich mich nicht mehr wirklich aus. Und so verfluche ich die unzähligen, mitunter widersprüchlich wirkenden Verkehrsschilder, ärgere mich über fehlende Fahrbahnmarkierungen, versuche permanent in alle Richtungen zu schauen und kapiere an manchen Kreuzungen echt nicht, wer jetzt hier wie fahren muss, wo ich stehen muss und wo nicht und ob ich blinken muss oder nicht .. Andere Verkehrsteilnehmer fahren um mich herum und zum ersten Mal seit langer Zeit fällt mir auf, dass sich kaum einer für die Verkehrsregeln zu interessieren scheint .. aber ich muss mich daran halten.

Wärenddessen geht die Kohle weg, wie nix. Wenn ich in einer Woche 3 Fahrstunden a' 90min. habe sind mal eben 200€ weg ... in einer Woche ! ! ! Lange werde ich das nicht mehr durchhalten. Wenn ich meine bisherigen Fortschritte mal vorsichtig optimistisch interpoliere, komme ich auf mindestens 20 Fahrstunden, die ich bis zur Prüfung brauchen werde. Es gibt ja auch noch einige Pflichtstunden, die es zu absolvieren gilt. Eine 4 stündige Überlandfahrt, eine Autobahn und eine Nachtfahrt. Mir dämmert, dass ich mich verrechnet habe, meine Kohle wird nicht reichen und Panik beschleicht mich, da mein Konto eh schon gnadenlos überzogen ist. Mit diesem Gedanken, wird mein Druck auch nicht weniger und die Hoffnung mir bald auch mal ein Motorrad zu kaufen, kann ich wohl auch erstmal begraben.

Ich habe angefangen, also ziehe ich es auch durch, ansonsten wäre die Kohle ja wirklich verbrannt. Die Details auf die ich zu achten haben, werden immer mehr und was ich anfänglich für eine relativ einfach Aufgabe gehalten hatte, entpuppte sich allmählich als extrem harte Nuss.

Nur ein Beispiel. Unglaublich wie schwierig es sein kann, eine ganz einfach Regel umzusetzen. Sie lautet "Du fährst dahin, wo Du hinschaust" .. völlig verrückt aber wahr. Eine Bestätigung erfährt man beim wenden. Man steht mit seinem Motorrad, schlägt den Lenker ganz ein, und schaut quasi über die Schulter dorthin wo man hinfahren will .. dann lässt man die Kupplung kommen, gibt etwas Gas ... das was wohl jeder irgendwann automatisch machen wird, ist am Anfang echt irre .. rückwärts schauen aber vorwärts rollen .. man hat tierisch Schiss umzukippen, darf auch nicht zu langsam sein und alles wird gut .. wenn man zögert, den Blick abwendet, um nach vorne zu schauen oder das Gas wegnimmt ... dann macht man einen Riesenbogen und landet womöglich im Gegenverkehr .. probiert es aus. Es ist wahr.

Alles dauerte bis jetzt weit länger als gedacht. Die Hoffnung auf einen schnellen Erfolg schmolz wie Butter in der Wüstensonne und Ivo sparte weiterhin nicht mit Kritik. In meinem Headset hörte ich weiterhin unablässig "und Jetzt wärst Du durchgefallen .. und jetzt .. und jetzt ... und jetzt" ... und wieder durchgefallen" .. ich musste etwas unternehmen, denn bei aller berechtigten Kritik, wenn man Fortschritte machen will, braucht man auch Motivation. So konnte es nicht weitergehen, denn so langsam stellte sich bei mir so etwas wie Frustration ein. So schlecht konnte ich nicht sein. Ich konnte selber erkennen, wie schwerwiegend ein Patzer war oder nicht. Manches war wohl berechtigt, aber Vieles hielt ich auch schlicht für übertrieben. Die Schonfrist war vorbei.

Mein Fahrlehrer ist 4 Jahre älter als ich, wir waren also alterstechnisch auf Augenhöhe und ich nehme Ihn mir nach einer Fahrstunde zur Brust .. in aller Form der Höflichkeit, respektvoll aber mit Nachdruck, erkläre Ihm, dass ich keine 17 bin und er und ich ein Team sein müssen. Er soll mir etwas beibringen und es ist seine Aufgabe mich dabei auch zu motivieren. Ich erwarte von Ihm, dass er meine Fortschritte lobt und bei seiner, sicher wohl auch berechtigten Kritik, mal die Kirche im Dorf lässt und mich bitte nur auf die relevanten Dinge hinweist und nicht auf jeden Kiki .. Ich bin doch kein Horst .. Es kann nicht sein, dass jeder kleine Schnitzer gleich  schwerwiegend ist und  dazu führt, dass ich mir einen 10minütigen Vortrag über Verkehrssicherheit anhören muss. Ich erwartete, dass er auch berücksichtigte, dass ich seit 30 Jahren bereits einen Führerschein besaß. Die Ansage saß und fortan, verbesserte sich unser Verhältnis. Er hatte verstanden was ich brauchte und mit einmal lief es wie geschnitten Brot. Zwischen Männern muss es offenbar auch erstmal ordentlich rappeln, damit es klappt. Offensichtlich hatte ich den richtigen Ton getroffen.

Ab jetzt ging es voran, ich kam tatsächlich in Schlagdistanz und auch ein Prüfungstermin wurde wahrscheinlicher .. es wurde also Zeit für die theoretische Prüfung.

Mittwoch, 30. April 2014

on the road again

11. März 2014 ... 6 Tage später trete ich zur dritten Fahrstunde an. Wie ich erfahre, waren meine Fahrversuche in den ersten beiden Fahrstunden anscheindend doch nicht so schlecht, wie ich Sie empfunden hatte, denn Ivo überrascht mich mit der Nachricht, dass wir heute 'einfach mal' durch die Stadt touren werden. 

Hurra! schießt es mir durch den Kopf .. "Jetzt gehts lohoos und der Übungsplatz bleibt mir erspart" .. aber Moment, was hat er gesagt? ICH SOLL IN DER STADT FAHREN? ICH SELBER? Wie jetzt? Nicht als Sozius? Ich denke an mein kümmerliches Geschick und für einen Augenblick befällt mich Panik. Das sollte tatsächlich ausreichen?

Kurz mal zusammengefasst. Ich konnte anfahren, und wieder anhalten, eine Kurve fahren, ich fiel nicht um, wusste (theoretisch) wie man schaltet und bremst und ich war immerhin auch Autofahrer, ok, was sollte schon schiefgehen? und wenn man ehrlich ist, mehr können die anderen Verkehrsteilnehmer auch nicht ... jedenfalls ist das mein Eindruck von den Meißten, die mir begegnen.

Die nächsten 90 Min., die mich weitere 67,50€ kosten werden, würde ich also heldenhaft im Straßenverkehr verbringen ... ob ich wohl noch schnell meine Kinder anrufen sollte, um mich von Ihnen zu verabschieden .. Nein, das war natürlich ein Scherz, so schlimm war es nicht. Aber ich war ohne Zweifel deutlich aufgeregter und ziemlich gespannt wie ich mich schlagen würden.

Als Autofahrer und waschechter Berliner ist mir Eines klar .. auf den Straßen unser schönen Bundeshauptstadt herrscht gelinde gesagt Krieg.  Ein einziger K(r)ampf. Fußgänger gegen Radfahrer, Autofahrer gegen Motorradfahrer, Taxen und Busse, die sich sowieso für die Sheriffs halten, Radfahrer, die weder für Tiere noch für Menschen bremsen. Es geht Jeder gegen Jeden und Ost gegen West sowieso. Drängeln, Pöbeln, Drohen .. wer in seinem eigenen Fortkommen von Anderen beeinträchtigt wird, nimmt sich das Recht gnadenlos die Hupe und jede Form der Körpersprache zu benutzen, um dem Rivalen klarzumachen, was für ein Behindi dieser ist. Man hat im Grunde keine Zeit zum Denken, denn irgendwie achtet keiner wirklich auf den Anderen und denkt nur an sein eigenes vorankommen. Jeder wird als Hindernis betrachtet.

Da ich keine Waffe tragen darf (was glaube ich auch viel besser so ist), ist das Einzige was mich schützen wird, meine leuchtend gelbe Fahrschulweste, meine 750€ teure Schutzkleidung und das Bewusstsein, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer, um den Vollpfosten mit der Fahrschulweste einen Bogen machen werden.

Als wir vom Gehweg, auf dem unsere Maschinen vor der Fahrschule parken, in Richtung Detmolder Straße ein Stück über den Radweg losrollen, fühle ich mich nicht wirklich vorbereitet.

Mein treues Pferd vom Stamm der Kawasaki brummt freundlich im Leerlauf, wiehert kurz auf, als ich ein paar mal am Gasgriff drehe ... und dann geht es los. Wir reihen uns in den fließenden Verkehr ein und ich versuche das wenige Geschick einzusetzen, was ich bislang gelernt hatte und völlig überraschend bemerke ich, dass es 'eigentlich' gar nicht so schlecht läuft. Immerhin bin ich nicht gleich tot und es gelingt mir meinen Fahrlehrer nicht aus den Augen zu verlieren.

Ivo fährt vor mir, passt auf, dass sich keiner zwischen uns drängelt und textet mich in einer Tour unablässig zu ... der Mann muss eine Kamera hinten an seinem Helm haben, denn er kommentiert jeden Schlenker, den ich mache. Ohne Punkt und Komma fluten seine Anweisungen über mein Headset .. "Schau in den rechten Spiegel, nicht nur mit dem Augen, beweg deinen Kopf dabei, die Autofahrer müssen erkennen, was Du tust, jetzt geradeaus kucken, jetzt in den linken Spiegel, nicht über die Schulter, Spiegel reicht, wir biegen an der 2.ten Ampel nach links ab, du musst den linken Fuß abstellen, beim rechts abbiegen den Rechten, Blinken, Schulterblick, Spurwechseln, nicht über Fahrbahnmarkierungen fahren, auch nicht auf ihnen halten, selbst wenn sie trocken sind, sie könnten rutschig sein, fahr nicht zu weit rechts, fahr mehr in der Mitte, du bist zu weit links, jetzt ordne dich etwas weiter rechts ein, verkürze den Abstand, schau in den Gegenverker, du musst den Blinker auch mal wieder ausmachen, achte auf den Radfahrer, schau zu ihm, wenn Du an ihm vorbeifährst, siehst Du die Fußgänger, sie haben Vorrang, Achtung der Bus, fahr langsamer ..."

Er meint es sicher gut, aber er macht mich wahsinnig. Verdammt, denke ich, während ich mit meinem bockigen Gaul und meiner digitalen rechten Hand kämpfe .. "Halt doch bloß mal für eine Sekunde die Fre...e, ich muss mich konzentrieren" ..  die Anweisungen über das Headset prasseln weiter munter im Stakkato auf mich ein, aber mit ein wenig Mühe gelingt es mir den Empfang mental irgendwie auf Mute zu stellen, wärend ich weiter mit meinem Bike kämpfe. Ich weiß irgendwie so gut wie nie, in welchem Gang ich gerade bin, ist es der Zweite oder Dritte? Das Getriebe hat einiges auszuhalten, beim langsamen Rollen und abbiegen, soll ich in alle Richtung kucken und bin am kippeln wie Sau, beim Anfahren gebe ich mal zuviel und dann wieder zu wenig Gas, was das Motorrad mit einem hektischen Sprung vorwärts quittiert oder schlicht ausgeht  ... verflixt und zugenäht.

Ich bin fick und foxi als wir wieder vor der Fahrschule zum halten kommen und als ich den Reißverschluss meiner Jacke öffne, dampft es wie aus einer Sauna. Aber .. es war eine Feuertaufe und ich hab Sie überlebt. Trotz aller Schwierigkeiten weiß ich jetzt "Motorradfahren ist geil" Der Lappen wird mich noch einiges an Kohle kosten, aber jetzt habe ich Blut geleckt. Ich will fahren.

In den nächsten Fahrstunden fahre ich nicht mehr als Sozius zum Platz sondern darf alleine auf meinem Bike zum Übungsplatz und auch wieder zurück fahren. Letzlich muss ich ja lernen im Straßenverkehr zurecht zu kommen. Mein Fahrlehrer ist zwar eine Nervensäge, aber das muss er auch sein, denn er muss mir die Show für den Prüfer beibringen. Ich muss lernen präzise nach der Straßenverkehrsordnung zu fahren, mich als Fahrschüler an ALLE Regeln zu halten und das ist als erfahrener Autofahrer schwieriger als man annehmen könnte.

Ivo hat hat definitiv einen Plan, denn er steigert in jeder Fahrstunde nach und nach den Schwierigkeitsgrad. Ich wiederhole jedesmal die bislang erlernten Aufgaben und jedesmal kommt eine neue Übung hinzu. Erst der langsame Slalom, bei dem 5 Hütchen im Abstand von 3,5m im Schritttempo langsam durchquert werden müssen, natürlich ohne dabei einen Fuß abzustellen oder eines der Hütchen umzufahren. Das heißt für mich permanentes "gefühlvolles" Spiel an der Kupplung, am Gas und an der Bremse, damit das klappt. Dann soll ich mit Tempo 30 im 3. Gang einen Slalom durchqueren, wo 6 Hütchen im Abstand von 9m stehen, die letzten 2 Beiden im Abstand von 7m

Was wie immer so einfach klingt, erfordert einiges an Übung und ich brauche einige Anläufe bis ich alle Hütchen stehen lasse und ordentlich drum herum schwinge. Dann muss die Gefahrenbremsung erlernt werden. D.h. Tempo 50 und dann volle Lotte in die Eisen. Eine Übung, die Dank ABS mit meinem Motorrad recht schnell gelingt aber auch nicht ganz Ohne ist. Andere Fahrschüler mit älteren Motorrädern ohne ABS legen sich nacheinander dabei reihenweise auf die Nase. Man darf dabei nicht den Lenker verziehen, muss die Arme ausgestreckt halten, geradeaus kucken, nicht auf den Fahrlehrer oder vor sich auf das Vorderrad, sonst überholt einen nämlich der eigene Arsch und man macht einen Salto vorwärts. Eine weitere Grundfahrübung, die gelernt und später in der Fahrprüfung auch gezeigt werden muss, ist ein Ausweichhaken mit Tempo 50. Man fährt auf ein Hindernis (Hütchen) zu und an einem bestimmten Punkt schwingt man lässig an dem Hindernis vorbei ... so als würde man im fließenden Verkehr plötzlich einer Autotür ausweichen müssen, die jemand überraschend öffnet. Als Letztes muss dann noch erlernt werden, denselben Ausweichhaken zu fahren, aber mit vorherigen Anbremsen auf Tempo 30. Die Schwierigkeit ist es, den richtigen Bremspunkt zu finden.

Ich werde allmählich besser und sicherer ... aber die Lernkurve war doch flacher als gedacht. Wer schon mal Mofa oder Roller gefahren ist, hat es "vielleicht" etwas leichter.

Montag, 28. April 2014

vorwärts immer, rückwärts nimmer ...

Ich habe nicht die Absicht eine präzise, wissenschaftliche Analyse jeder einzelnen Fahrstunde zu verfassen und potentielle Leser so in den Schlaf zu schreiben, aber meine ersten praktischen Fahrversuche waren so ereignisreich, dass es mir gerechtfertigt erscheint, ihnen ein wenig mehr Zeilen zu widmen.

Die erste Fahrstunde hatte mir einen winzigen Eindruck vermittelt was mich erwarten würde. Ich wusste welchen Bronco ich zu zähmen hatte und zum ersten Mal konnte ich mir immerhin vorstellen, dass ich es auch lernen würde. Mit dieser kleinen Zuversicht trete ich nach 2 Tagen, nicht ganz so gelassen und auch schon ein wenig nervös, zu meiner 2.ten Fahrstunde an.

Sie beginnt wie die Erste. Zum Übungsplatz als  Sozius mitfahren, dort ein Fahrerwechsel und das Anfahren und Anhalten wiederholen. Mit einem Hauch an Selbstbewusstsein mache ich mich ans Üben und es gelingt teils ruppiger, teils geschmeidig. Die Abstimmung aus "feinfühlig" Gas geben, mit der rechten Hand und mit der Linken "gefühlvoll" einkuppeln, lässt meine Synapsen knacken. Abwechselnd soll ich beim Anhalten, 2x den linken und dann 2x den rechten Fuß abstellen, quasi wie ein Ballett. Ich konzentriere mich abwechselnd auf den linken Fuß, auf die linke Hand, die rechte Hand und wieder auf einen Fuß und stelle mir vor, wie meine Denkfabrik auf den Schultern verzweifelt  versucht neue neurologische Verbindungen zu knüpfen. Es ist als würde ich dieses blöde Spiel spielen, wo man sich mit einer Hand auf den Kopf klopft und mit der anderen Hand versucht man Kreise vor seinem Bauch zu machen. Es ist zum Mäuse melken.

Ivo, mit dem ich über ein Bluetooth Headset verbunden bin, über welches wir mühelos in bester Smartphone Sprachqualität quasseln können, steht derweil am Rande des Platzes, beobachtet meine Kunststücke mit Argusaugen und wird nicht müde, mich gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen, dass ich es "gefüühlvolle" machen soll. Nach einer Weile gelingt es dann tatächlich auch immer öfter. Doch ich bin weit davon entfernt, dass es automatisch oder unbewusst geht .. so wie man das vom Schalten, Kuppeln und bremsen im Auto kennt .. da denkt doch auch niemand mehr nach .. man tut es einfach. Davon kann hier im Augenblick noch keine Rede sein.

Irgendwann erlöst mich mein Folterknecht von dieser Übung und fordert mich nun auf stattdessen mit Schrittgeschwindigkeit geradeaus zu rollen .. schlicht und einfach geradeaus im Schritttempo. Wieder eine dieser popeligen Aufgaben, die mir Schweißausbrüche verursachen wird ... also los. Im Standgas gelingt es nicht und die Maschine rollt immer zu schnell. Also versuche ich die Kupplung am Schleifpunkt zu halten und hin und wieder leicht abzubremsen, was entweder mit der rechten Hand oder mit dem rechten Fuß geschehen kann. Ich versuche alles irgendwie zu koordinieren, irgendwie gleichzeitig zu tun, kuppeln, bremsen, wobei ich mit meinen dicken Stiefeln nicht einmal merke wie sanft oder heftig ich auf den Bremshebel trete und ich muss derweil auch noch die Maschine in Balance halten, die beim langsamen rollen nicht von alleine aufrecht bleiben will. Ich kämpfe mit dem Gleichgewicht und meiner rechten Hand mißlingt das "Gefühlvolle" 

Es schießt mir in den Kopf, dass ich womöglich ein Handicap habe. Ich bin Linkshänder ... Ja klar ... Meine rechte Hand hat ungefähr die Feinmotorik eines Braunkohlebaggers ... irgendwie funktioniert sie schlicht digital ... Ich habe sie mein Leben lang überwiegend dazu benutzt um Dinge fest zu halten und weniger, um feinfühlige Bewegungen zu machen. Ich kann mir mit Rechts nicht einmal die Zähne putzen ohne mich dabei zu verletzen oder das ganze Gesicht zu schrubben ... und jetzt? ... ein halben Zentimenter zuviel gezuckt und meine Braunkohlebaggerhand lässt die Vorderradbremse einrasten 

Die Maschine quittiert das mit einem heftigen und spontanen Kippversuch. Nur mit Glück und viel Kraft verhindere ich, dass ich unter dem Motorrad liege. Hölle, stell ich mich vielleicht an ... Brain overload ... ein einziger Eiertanz.

Ok, ok, ok ... so langsam ahne ich worauf ich mich da eingelassen habe ... keine Ahnung wie es Anderen geht, vielleicht ist das ja am Anfang genau so, vielleicht bin ich auch einfach kein Naturtalent oder vielleicht liegts auch am Alter ... ich weiß es nicht, aber ich weiß Eins .. das wird mich noch Nerven kosten.

Gegen Ende der Fahrstunde bin ich durch mein ungelenkes Handling mit der schweren Maschine bereits wieder schweißgebadet. Bevor es nach Hause geht, darf ich dann aber doch noch eine Aufgabe 'antesten', die ich in der nächsten Fahrstunde, werden üben müssen ... nunja, Abwechslung kann nie schaden. Probieren wir mal was geht.

Auf dem Asphalt sind mehrere Kreise aufgemalt. Ein Kleiner und ein Größerer außenrum. Praktisch wie ein Kreisverkehr und direkt daneben nochmal Was jetzt kommt ist klar wie Kloßbrühe ... da "rumfahren" Mal in einem Kreis rechts herum, mal im anderen links herum und sicher auch mal ne Acht denke ich mir ... HA !! fast richtig

Die nächste einfache Aufgabe lautet, im Kreis rumfahren ja, aber bitte mit deutlich erkennbarer Schräglage, mit angemessener Geschwindigkeit UND im 2.ten Gang .. was ich mit einem Fahrrad spielend beherrsche, wird mir gleich mit dem Motorrad erneut den Schweiß auf die Stirn treiben.

Ich habe einfach Schiss, dass die schwere Maschine umkippt. Wer ein Motorrad im Stand einmal ein wenig zur Seite neigt, merkt sofort wie schnell das Teil umfällt. Wie eine Weinflasche, die man auf den Kopf stellt und andozzt.

Um genau dass während der Fahrt zu verhindern, gibt es nur einen Trick. Ich darf dabei nicht zu langsam sein. Immer dran denken, ein sich drehendes Rad will sich aufrichten ...  Das Motto dieser Aufgabe heißt also, die Maschine in die Schräglage 'drücken', (es heißt tatsächlich so). Den Kopf unbedingt in Richtung Kreismitte drehen und dahin kucken wo man hinfahren möchte und natürlich das ganze nicht zu langsam ... also 'gefühlvolle' Gas geben.

Mit meiner rechten Digitalhand will es mir einfach nicht gelingen 'feinfühlig' am Gasgriff zu drehen, ihn mal nur ganz soft wenige Millimeter zu bewegen oder ihn konstant ruhig zu halten, wenn das Tempo stimmte .. stattdessen hoppelte ich mehr oder weniger wie ein Karnickel vorwärts. Ich fuhr zu langsam, dann drohte ich umzukippen, dann fuhr ich zu schnell und die Kreise wurden riesig. Ich fuhr Ostereier, Ellipsen, Vielecke, Fraktale aber keine Kreise und die Schräglage ... nunja ... sagen wir mal ... sie war erbärmlich. Links rum ging garnicht, rechts herum etwas Besser. Irgendwann musste ich stehenbleiben und hatte Lust hysterisch loszulachen. Im Grunde war es schon sehr lustig wie man sich anstellen kann, wenn man etwas ganz Neues lernen will, etwas zum ersten Mal machen soll und sich dabei anstellt, wie der erste Mensch.

Es war keine Frage, bevor ich auf den Verkehr losgelassen werden kann, muss ich diese simplen Grundfahrübungen können und das werde ich schon schaffen.  Ich muss halt nur üben und es dauert, solange wie es dauert. JEDER muss Sie lernen und später in der Fahrprüfung zeigen.

Die Tatsache, dass Ivo dabei ziemlich gelassen blieb, ließ mich außerdem ahnen, dass er solche Kandidaten wie mich wohl schon öfter gesehen hatte. Alles war gut.

Sonntag, 27. April 2014

Die erste Fahrstunde ...

Wir schreiben den 04. März 2014, Planet Erde, Sternenzeit 16:45 .. endlich war es so weit. Nachdem der leidliche Theorieunterricht abgehakt war, stand dem Beginn des Fahrunterrichts nichts mehr im Weg. Nichtmal 4 Wochen, nach meiner Anmeldung im Februar, ging es los. Ich sollte meine erste Fahrstunde absolvieren und das hieß auch, ich konnte meine neue Montur einweihen. Hurra.

Es hatte wohl etwas von Robocop, einem Cyborg, halb Mensch halb Roboter, als ich ein wenig hölzern zur Fahrschule stapfte. Eingepackt in meine, mit Protektoren bestückte Ausrüstung, dem zusätzlich gegen die Kälte gefütterten Nierengurt, schwarzen Leder-handschuhen, meinem Shark Integral Helm unter dem Arm, schweren Stiefeln und breitschultrig wie ein Schrank. Kinder fingen an zu weinen und Mütter holten Ihre Töchter von der Straße ... tja, geschmeidig abrollen mit Motorradschuhen geht einfach nicht so wirklich gut.

Der Empfang war herzlich und Ivo mein Fahrlehrer fackelte auch nicht lange mit Vorreden und Erklärungen. Bei strahlendem Sonnenschein und 10°C nahm ich hinter meinem Fahrlehrer auf einer Kawasaki ER6N Platz. Mir fielen die zusätzlich rund herum angebrachten Sturzbügel auf. Am Lenker, am Motor, hinten am Sitz, vermutlich ja sowas wie Stützräder beim Fahrrad ... ob ich Sie brauchen würde, würde ich schon noch früh genug erfahren. Zumindest konnte ich mich aber jetzt erst einmal an ihnen festhalten und schon ging es auf die Straße.

Ich sollte die Füße auf den Fußrasten behalten und mich nach Möglichkeit nicht mit in die Kurve legen ... ok, das krieg ich hin. So bemühte ich mich beim Bremsen nicht an seinen Helm zu dozzen, blieb aufrecht sitzen und alles war schick. Alleine beim Mitfahren kam dann tatsächlich schon so etwas wie Vorfreude auf ... was aber auch jetzt nicht sooo überraschend war, da ich tatsächlich vorher NIE Motorrad gefahren war. Ja, es ist wahr ... ich war lediglich mit 17 Jahren mal irgendwo bei einem Mädel aus meiner Berufsschulklasse auf einer Yamaha SR500 mitgefahren, das weiß ich wohl noch, aber an das Gefühl konnte ich mich nach so vielen Jahren nun wirklich nicht mehr erinnern.

Der Übungsplatz, auf dem alle Fahrschüler die Grund-fahrübungen lernen, war nicht der große Parkplatz vor dem Olympia Stadion, wie ich angenommen hatte. Es war der Platz des 4. Juli, weit im Süden von Berlin in Lichterfelde. Er wurde nach dem Datum der amerikanischen Unabhängig-keitserklärung benannt und vor dem Fall der Mauer flankierten diesen Platz amerikanische Kasernen. Es wurde auf Ihm exerziert und marschiert und es fanden auch Paraden statt. Aber das ist auch schon wieder über 25 Jahre her. Wie die Zeit doch vergeht.

Weit weniger bekannt ist, dass es sich bei diesem Platz, der rund 400m lang und 70m breit ist (ungefähr so groß wie 4 Fußballfelder), um eine Fläche der Germania Planungen aus der NS Zeit handelt. Man mag es kaum glauben, aber in der Zeit des Dritten Reichs war dies ein Probeabschnitt des "Dritten Rings". Ein äußerer Ring, der die Reichshauptstadt umschließen sollte. Was für eine verrückte Geschichte. Jetzt ist es ein Platz auf dem Fahrschulaspiranten der Umgang mit dem Motorrad beigebracht wird.

Ich hatte wohl in all den Jahren schon öfter daran gedacht meinen Motorradführerschein zu machen, aber meißt war die Lebenssituation einfach ungünstig und ich hatte ohnehin nie das Geld. Außerdem plagte mich jedesmal wenn ich daran dachte, die große Sorge, wie man mir überhaupt das Schalten, Kuppeln und Bremsen beibringen würde. Ich hatte da so meine Bedenken, ob ich das feinmotorisch überhaupt packen würde. So irgendwie alles gleichzeitig tun. Da es aber so viele können, würde ich es wohl auch lernen ... hoffte ich. 

Noch nicht wissend, was mich erwarten würde, saß ich also nun, ziemlich mitten auf diesem großen Platz, relativ gelassen auf meiner Fahrschulmaschine, hatte beide Beine sicher auf dem Boden und lauschte aufmerksam den Ausführungen von meinem Fahrlehrer.
Ich sollte erstmal nur "gaaanz" gefühlvoll (gefühlvoll war ein geflügeltes Wort) vorsichtig die Kupplung kommen lassen, ich würde dann schon spüren, wenn das Motorrad losrollt .. das war der linke Hebel am Lenker, erstmal ohne dabei am Gasgriff zu drehen. Einfach immer nur mal ein paar Meter langsam rollen, dann wieder die Kupplung ziehen, mit dem Hebel am rechten Griff abremsen, linken Fuß wieder abstellen, damit man nicht umkippt ... die Aufgabe klang irgendwie nicht so schwer.

Also ... erstmal links den Kupplungshebel ziehen und festhalten, klar soweit ... dann den Startknopf rechts am Lenker drücken, was die Maschine mit einem freundlichen Brummen quittierte ... nun mit dem linken Fuß auf den kleinen Hebel treten und damit den ersten Gang einlegen ...  *Tschack* und die Motorrad machte einen kleinen Ruck ... ok, jetzt stieg der Puls ... ehrlich mal Leute, mir haben die Hände gezittert, so aufregend fand ich das. Da brummelten immerhin 72PS zwischen meinen Beinen. Ich brauchte eine Menge Gehirnzellen und konzentrierte mich auf meine linke Hand .. langsam ließ ich den Hebel los ... und Oh Wunder .... das Motorrad begann zu rollen .. Waaahnsinn ! !

Ganz schön albern.

Schnell die Kupplung wieder anziehen, die Bremse mit dem Hebel am rechten Griff "gefühlvoll" ziehen (was mir nicht gelang, aber dazu ein anderes Mal mehr) ... und das Motorrad hielt wieder an. Jetzt nur noch einen Fuß abstellen und ich stand wieder. Mission succeeded. Diesen Vorgang übte ich nun immer und immer wieder ... Anrollen, Anhalten, Anrollen, Anhalten, Anrollen, rumkippeln, Anhalten  .. irgendwann war der Platz auch zu Ende und ich musste die ersten Kurven fahren. Ein hoch auf die Physik und ein Hoch auf den gyroskopischen Effekt. Ich freute mich wie ein kleines Kind, dass das funktionierte. Das Motorrad rollte, immerhin 200kg schwer, fiel nicht um,  ich fiel auch nicht um, alles war gut.

Gegen Ende der ersten Fahrstunde durfte ich dann auch mal in den 2.ten Gang schalten und langsame große Runden auf dem Platz drehen, auch schon mal ein wenig schneller ... so mit wahnsinnigen 25km/h ... was eine Freude. Die Einstiegshürde war übersprungen.

So leicht oder banal wie das womöglich für Viele klingt, so anstrengend war es dann doch für mich, sich auf ein völlig neues Gefährt zu konzentrieren, was irgendwie doch nicht so wirklich was mit einem Fahrrad gemein hat. Nach 50min war ich dann auch froh, dass wir wieder zurück zur Fahrschule fuhren. Unter meine Kombi war ich klatschnass geschwitzt und das obwohl wir frische 10°C hatten ... Angstschweiß? ... gut möglich ;-)