Montag, 9. März 2009

Mein Leben in 776 Worten

Ist die Frage bzw. die Suche nach einer Antwort nach einem Sinn bzw. nach Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit überhaupt "sinnvoll" wenn es um Schicksal geht . . . ist das Schicksal nicht eine unausweichliche Bestimmung? kann es da eine plausible Antwort geben wenn man nach dem Sinn fragt? Wieviel im Leben bestimmen wir tatsächlich selber und wieviel geschieht einfach nur so? Wieviel von dem was uns widerfährt passiert einfach nur aus Zufall. Glück oder Pech? . . .  ich will mir die Frage nach Gerechtigkeit im Grunde garnicht nicht stellen, nicht darüber nachdenken, wehre mich gegen Sie und versuche Sie zu verdrängen aber mein Unterbewusstsein spült Sie immer wieder nach oben. 

Ich war 19 Jahre alt, als ich meine Frau kennenlernte. Bis dahin war mein Leben recht beschaulich, ich glaube auch irgendwie schon schön, aber sicher nicht sehr ereignisreich. Mit meinem älteren  Bruder und meiner 6 Jahre jüngeren Schwester teilte ich mir ein Zimmer, unsere Eltern besaßen kein Auto und in den Ferien ging es entweder zur Tante in den Garten oder alle 4-5 Jahre mal für vielleicht 2 Wochen an die Nordsee. Meine Eltern waren alles andere als vermögend und für 3 Kinder zu sorgen war auch damals schon schwer und es reichte eben nur für das Nötigste. Mein erstes Fahrrad konnte mich mir jedenfalls erst von meinem ersten Lehrlingsgeghalt kaufen.

Leider war mein Vater Alkoholiker und er zog aus als ich 16 war. Danach habe ich Ihn dann nie mehr wiedergesehen. Er starb mit 48 und ich weiß bis heute nicht wo sein Grab ist. 

Ich zog damals sehr schnell bei meiner zukünftigen Frau ein und da Sie als Friseurlehrling so gut wie nichts verdiente bezahlte ich fortan die Miete und beteiligte mich auch an den anderen Kosten. Die ersten 7 Jahre bis zur Heirat waren davon geprägt, Spass mit Freunden zu haben, finanziell irgendwie über die Runden zu kommen und beruflich irgendwas zu erreichen. Wenn mal ein wenig übrig blieb führte uns der Urlaub in den Harz oder auch mal an die Nordsee.

Nach unzähligen Jobs und Irrwegen und einer weiteren Ausbildung so gegen Ende 20 fing ich endlich an halbwegs regelmäßig Geld zu verdienen und kurz darauf arrangierte meine Schwiegermutter auch schon die Hochzeit, ich musste nur noch erscheinen und unterschreiben und obwohl ich mir garnicht sicher war sagte ich "Ja" und naiv wie ich war bildete ich mir ein, dass mit Kindern auch irgendwie alles gut werden würde. Mit knapp 30 wurde ich das erste Mal Vater und nach wenigen Monaten realisierte ich erst, dass ich fortan eine Familie zu versorgen hatte und mir nicht wirklich etwas mehr aussuchen konnte. Der Wunsch nach einem 2 Kind verblasste somit sehr schnell aber nach 3 Jahren geschah es doch nochmal. Da meine Frau die Kinder betreuen musste und viele Jahre als Hausfrau Zuhause blieb, es gab ja keinen Anspruch auf einen Krippenplätze oder auf einen Kindergartenplatz versorgte ich also mit meinem Lohn, mich mit eingeschlossen, 4 Mäuler. Das war nun meine Aufgabe. Das bedauerlicherweise ohnehin nicht sehr rosige Verhältnis mit meiner Frau wurde mit den Kindern dann auch nicht mehr besser. Unterschiedliche Erziehungsvorstellungen und Lebensvorstellungen sowieso, sorgten sehr schnell dazu, dass wir uns auseinanderlebten und in unterschiedlichen Welten lebten. Ich blieb der Ernährer und Versorger und meine Vorstellungen sich im Leben etwas aufzubauen, es zu etwas Wohlstand zu bringen lösten sich in Wohlgefallen auf.

Natürlich liebten wir unsere Kinder und so sorgten wir zumindest dafür, dass es Ihnen an Nichts fehlte zum Preis der eigenen Träume, denn für die reichte mein Gehalt niemals. Wir arrangierten uns, es ging immer wieder gut und später immer öfter nicht. Aber erst als ich der Ansicht war, dass die Kinder groß genug waren und ich mir eine Trennung würde leisten können, verließ ich meine Frau. Voller Schuldgefühle, meine Frau im Stich zu lassen renovierte ich von den letzten Ersparnissen noch die Wohnung, damit es Ihr und den Kindern gut ging und nahm nichts mit.

Mit 43 Jahren trug ich nun die Hoffnung in meiner Brust, etwas von dem Leben nachholen zu können, was Freunde und Kollegen mir jahrelang vorgelebt hatten. Verreisen, Spass haben, Spontan sein, mit einem Partner endlich gemeinsam etwas erleben, etwas von der Welt sehen, gemeinsame Erinnerungen schaffen und fröhliche Stunden genießen.

1 1/2 Jahre ist das nun her, dass ich ausgezogen bin . . .  sicher, auf eine Art ist es besser, ich bin zufriedener, es ist richtiger, ehrlicher, aber ob ich glücklicher bin? 

Ja, ich denke schon. Auch wenn ich mir nichts leisten kann und noch das vollkommene Beziehungsglück sich noch etwas ziert . . . aber ich habe diesen Weg gewählt und es nicht dem Schicksal überlassen, mich herumzuschubsen.

Dennoch denke ich das Leben hat keinen Plan, die Dinge passieren einfach und wir reagieren.

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