Vieles was im Leben geschieht ist vorhersehbar . . . und wir nehmen es als selbstverständlich hin. war. Man geht arbeiten und man weiß, dass am Monatsende Gehalt auf dem Konto ist. Man trinkt zuviel Hochprozentiges und man redet anschließend dummes Zeug und bekommt Kopfweh. Man geht zu spät ins Bett und man weiß, dass man beim aufstehen sehr müde sein wird. Diese Liste ließe sich beliebig lang machen . . . die Dinge die uns fertig machen, sind die wenigen Sachen mit denen wir nicht rechnen, das was wir nicht vorhersehen können, was uns die Angst und die Unsicherheit in die Knochen treibt. Es sind Dinge die wenn Sie schief gehen, empfindliche Konsquenzen für unsere Zufriedenheit und unserLebensglück bedeuten.
Ich rede von einer Einkommenssteuererklärung ! Sie ist eindeutig das Werk des Teufels und ich muß Sie machen. Das Finanzamt hat mich aufgefordert eine abzugeben. Ich habe keine Wahl und verbringe fortan Stunden am PC, installiere hunderte von Megabytes an Software, wälze Ordner, blättere in Papieren, suche Zahlen, lese Hilfetexte, was ich wo und warum eintragen soll, was ich nicht eintragen darf und was ich eintragen muss. Buchstaben bilden Worte, Worte bilden Sätze und ich verstehe Sie nicht. Unverständliche Eingabemasken und unverständliche Hilfeseiten lösen sich im Wechsel ab und treiben meine Verzweiflung in ungeahnte Höhen. Eigentlich könnte ich entspannt bleiben, denn wenn es nach den Gesetzen von Murphy geht, gibt es ja doch keine Möglichkeit alles Richtig zu machen und so steht im Grunde schon von Beginn an fest, dass mir mit Anlauf in den Allerwertesten getreten wird. Kein Grund sich aufzuregen, mehr als meinen Kopf wird man mir nicht abreißen. Vermutlich werde ich dutzende von Unterlagen mitschicken, die sich die Sachbearbeiter mit aufs Klo nehmen, sofern Sie auf weichem Papier gedruckt sind und andere, unendlich wichtige Unterlagen von deren Existenz ich nichteinmal etwas ahne, werden fehlen. Manche Zahlen die ich angeben soll, stehen auf gar keinen Unterlagen . . . Ratlosigkeit überkommt mich, bei dem Gedanken, dass mir vermutlich übelste Konsequenzen angedroht werden, wenn ich dann nicht innerhalb einer viel zu kurzen Galgenfrist die Daten nachreichen kann.
Wahrscheinlich ist im Grunde alles strunzeinfach und ich bin nur ein finanztechnisches Weichei mit soviel Hirn, wie ein Spatz Fleisch an der Kniescheibe . . . . also . . . ich musste im vergangenen Jahr die Steuerklasse wechseln, weil ich jetzt getrennt lebe, die Anzahl der Kinderfreibeträge hat sich geändert und für meine Noch-Frau, für die ich auch alles ausfüllen muss, weil wir uns noch gemeinsam veranlagen, gilt das Gleiche . . . der Wahnsinn hat Methode und die heißt "Lohnsteuerjahresausgleich" . . . in diesem Moment überkommt mich ein überirdisches Mitleidsgefühl . . . nicht mit mir selber . . . mit den Menschen, die diesen bürokratischen Supergau bearbeiten müssen . . . was auch immer Sie für eine Entlohnung beziehen . . es kann nicht genug sein . . . etwas erleichtert stelle ich fest, dass ich das Feld für die Kirchensteuer demnächst leer lassen kann. Kirchensteuer soll ja zumindest zu einem kleinen Prozentsatz, den Bedürftigen zu Gute kommen . . . ich denke ich gehöre dazu.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen